Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 24,13-16.28-31

Pfarrerin Heidrun Bock (ev.-luth.)

29.04.2012 in der Paulanerkirche in Amberg

Konfirmation 2012

Ich bin dann mal weg.

Er war gleich ganz gründlich weg. Hape Kerkeling, Entertainer aus Düsseldorf, ist gepilgert. 769 km von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago de Compostella. Zu Fuß. Allein. Um Gott zu finden und in aller Ruhe mit ihm sprechen zu können.

Seine Erfahrungen hat er in einem Buch beschrieben, das monatelang auf den Bestseller-Listen ganz oben stand und sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Der Wikipedia-Eintrag und das Buch tragen den tollen Titel „Ich bin dann mal weg.“

Ihr seid jetzt auch weg. Jedenfalls was die Konfisamstage betrifft. Und ich wüßte gern, wie's Euch damit geht, weg zu sein. Nach so vielen Monaten da sein. Es war doch eine ganz schön lange Zeit zusammen. Respekt.
Ich jedenfalls fand es ganz spannend, zu sehen, was in Euch steckt. Was Euch zu den zehn Geboten alles einfällt und welche Skulpturen Ihr zum Vaterunser baut. Wie Eure Vorurteilsmauer aussieht, wo Ihr am liebsten betet und wie Euer ganz persönliches Glaubensbekenntnis lautet. Es war wirklich ein spannender Weg, den wir da miteinander gegangen sind.

Im Klappentext zu seinem Buch schreibt Hape Kerkeling: „Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück.“

Ob Ihr das auch so sagen könnt, von Eurem Weg Sonntags früh in die Kirche? Hart und wundervoll zugleich, eine Herausforderung und eine Einladung?

Nach seinem Pilgerweg wurde Hape Kerkeling in verschiedene Talkshows eingeladen. Rückblickend bezeichnet er die Pilgerstrecke als den wichtigsten Weg seines Lebens.

Und jetzt würde ich Euch gerne fragen, was für Euch der wichtigste Weg Eures Lebens war. Der 1. Schulweg vor acht Jahren vielleicht? Ein Kletterpartie mit einem tollen Blick auf die Gipfel? Der erste Spaziergang mit der neuen Flamme?

Oder doch der Gang zur Kirche heute, zur Konfirmation, das erste Mal im Anzug, mit Fliege oder Krawatte, in Schuhen mit Absätzen? Zu einem Gottesdienst, in dem Ihr ein einziges Mal im Leben vor vielen Christen sagen dürft, dass Ihr dazu gehören wollt – zu diesen Christen, zu Gott? Wenn überhaupt je eine ehrliche Antwort von Euch gefragt ist, dann heute.

Oder steht Euch der wichtigste Weg noch bevor?

Schritt für Schritt tretet Ihr ja jetzt einen neuen Abschnitt Eures Lebenswegs an.

Was den Glauben angeht, sollt Ihr Euren Weg jetzt selber finden, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen – für Euch und bald auch für andere Menschen.

Als Ihr klein wart, haben Eure Eltern Euch zur Taufe gebracht. Ihr habt Euch entschieden, diesen Weg zu bejahen, und darum feiern wir heute Eure Konfirmation.

Ich vermute, dass Ihr nun erst mal eine Pause einlegen werdet und in der nächsten Zeit einen Bogen um die Paulanerkirche macht. Das kann ich auch verstehen. Ab und zu braucht man eine Verschnaufpause. Sie muss ja nicht gleich bis zu Eurer Hochzeit oder gar zur Konfirmation Eurer eigenen Kinder dauern. Und selbst wenn Ihr keine Kirchgänger seid: als Christen gehört Ihr zu Jesus Christus. Lebt so, dass seine Botschaft an Euch deutlich wird! Schämt Euch nicht, wenn von Gott die Rede ist! Und helft mit, dass wir Menschen gut und in Frieden miteinander leben.

Weil das ein Weg ist, auf dem man Kumpel braucht, haben wir Euch heute von zwei jungen Männern erzählt, die auch unterwegs waren. Diese zwei hatten auch eine Art Glaubenskurs besucht – so ähnlich wie Ihr. Mit Jesus waren sie zwei, drei Jahre unterwegs gewesen, hatten mit ihm über den Glauben gesprochen, Gottesdienste miteinander gefeiert – so ähnlich wie Ihr auch. Und nun war Jesus weg. Ganz weg. Er war tot. Und jetzt müssen sie ohne ihn zurechtkommen – glauben sie.

Und plötzlich merken sie: Jesus Christus ist ja da. Er lässt uns gar nicht im Stich. Er ist mit uns unterwegs!

So wie Ihr das hoffentlich auch immer wieder merkt: Gott ist da. Da ist Gott! Da, wo Ihr seid. Wenn man sich nach einem Streit wieder versöhnt. Wenn man sich vor der Matheschulaufgabe fürchtet. Oder es geschafft hat, einen Fehler zuzugeben und das ein gutes Gefühl ist.

Gott ist da.

Zugegeben: meistens nimmt man das gar nicht so wahr. In den allermeisten Fällen merkt man es erst, wenn man mal Pause macht und nachdenkt, wie das alles so war, in all den letzten Jahren, im Konfikurs, in der Kirche. Dann stellt man fest, dass Gott auch da war. Verborgen. Oft in der Gestalt von Menschen, die geholfen, ermutigt, den Rücken gestärkt haben.

Und jetzt sage ich Euch noch, warum ich das wichtig finde, dass man sich mal Zeit nimmt und darüber nachdenkt.

Die Gemeinschaft ist nämlich, finde ich, das Wichtige an den Christen. Christ sein kann man, glaube ich, nicht allein.

Dass man die zehn Gebote auswendig und dann noch in der richtigen Reihenfolge kann, das gehört schon auch dazu.

Aber wirklich wichtig ist es doch, dass man mit anderen Menschen über Gott und die Welt sprechen kann, sogar über seine Zweifel an Gott. Selbst wenn man erwachsen ist. Man braucht Menschen, die einen ermutigen, Gott zu vertrauen – auch wenn alles dagegen spricht. Und ab und zu braucht man es wohl auch, dass man miteinander einen Gottesdienst feiert und spürt, dass man dazu gehört. Dass man miteinander unterwegs ist. Dass es Wichtigeres im Leben gibt als der Beste zu sein oder sich alles kaufen zu können oder wie ein Model auszusehen.

Und es mag Euch überraschen: die anderen brauchen Euch auch. Jetzt seid Ihr kompetente Gesprächspartner, wenn es um Glaubensfragen geht. In der Kirche ist Eure Meinung gefragt. Und es gibt Menschen, die auf Eure Fürbitte angewiesen sind. Vielleicht sind diese Menschen heute sogar in der Kirche.

Christ sein, kann man, glaube ich, nicht allein sein.

Hape Kerkeling wusste das. Darum war er zwar mal weg, aber dann auch wieder da. Hoffentlich macht Ihr das auch so! Dass Ihr irgendwann wieder da seid. Wir jedenfalls, wir Paulaner freuen uns darauf. Und Gott – ja Gott freut sich auch.

Amen.