Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 5,1-11

Domvikar Markus Böhme (rk)

10.02.2013 in der Kathedrale in Dresden

Sonntag vor Fastnacht

Liebe Gemeinde, Schwestern, Brüder,
der Fasching naht auch dies‘ Jahr wieder.
Und diese Zeit uns Freude bringt,
weil jeder lacht und mancher singt.
Ich sage deshalb heute fein
die Predigt euch, und zwar im Reim.

Natürlich weise ich drauf hin,
dass ich hier nicht der Bischof bin,
welcher euch stets beschert Genuss
mit manchem geistigen Erguss.
Ich rede keck und frei als Christ,
wie mir der Mund gewachsen ist.

Doch eh ins Labern ich verfalle;
ihr meint: Der hat sie doch nicht alle.
So wend‘ ich lieber meinen Blick,
aufs Evangelium zurück,
das diesen Sonntag drangekommen
und wir soeben hab’n vernommen.

Die Szene spielt, das ist recht nett
am See, namens Genezareth.
Sehr viele Menschen sind vor Ort,
weil Jesus wieder predigt dort.
Sie wollen hören, was er spricht.
Dem Meister wird es viel zu dicht.

`Ne Kanzel war hier nicht zu finden.
Wo also sollte er verkünden?
Ein Rednerpult es auch nicht gab,
er stieg ins Boot und legte ab.
Jetzt konnte er die Menschen lehren,
um deren Glauben zu vermehren.

Als er dann schließlich fertig war,
da machte er dem Petrus klar:
Fahr nochmal auf den See hinaus
und dort wirf deine Netzte aus.
Kehr dann zurück mit deinem Fang.
Brich auf und zögere nicht lang!

Doch Petrus fragt sich, was das soll
und antwortet mit etwas Groll:
„Die ganze Nacht waren wir Fischen
doch konnten wir kein` Fisch erwischen.
Darüber hab ich ganz schön Frust,
denn für’s Geschäft ist’s ein Verlust.

Und außerdem weiß ich gewiss:
am Tag fischen recht sinnlos is‘.
Nur nächstens sind die Chancen gut,
dass man auch etwas fangen tut.
Wer fischt, wenn es schon ist taghell,
ist ziemlich unprofessionell.“

Doch weiter hörten wir die Handlung.
Bei Petrus gibt es eine Wandlung.
„Wenn du es sagst, woll‘n wir das tun,
obwohl wir lieber würden ruh’n.
So woll’n wir deinem Wort vertrau‘n,
nochmal das Netz ins Wasser hau’n.“

Sie taten, was Jesus befohlen
und mussten schließlich Hilfe holen.
Der Fang war riesig und ihr Boot
nun plötzlich noch zu kentern droht.
Die andren kamen schnell heran,
und auch ihr Boot war randvoll dann.

Als Petrus dieses Wunder sah,
da wurde ihm auf einmal klar:
Allein mit meiner eignen Kraft,
hab ich zustande nichts gebracht.
Hier wirkte eine göttlich‘ Hand
und Jesus ist von Gott gesandt.

Er ging erstaunt zu Jesus hin,
und auch erschrocken war sein Sinn.
Vor ihm warf er sich in den Dreck
und sagte zu ihm: „Herr geh‘ weg!“
Denn nun seh‘ ich es wirklich ein.
Ich bin ja nur ein Sünderlein.

Doch Jesus sprach: Fürchte dich nicht!
Jetzt kennst du Gottes weite Sicht,
der selbst am Tage kann vollbringen,
dass Fische in die Netze springen.
Drum hör‘ jetzt auf mit deinen Bangen:
Von nun an sollst du Menschen fangen.

Doch nicht mit Netz und Angelrute,
`ne Nachricht geb ich dir, `ne gute.
Lad‘ alle ein, auf Gott zu bau‘n
und mit ihm in die Zukunft schau‘n.
Er will uns allen Vater sein
steht zu uns, lässt uns nicht allein.
Die Fischer waren angetan
von Jesu Wort und fingen an,
die Boote an das Land zu heben
und was sie hatten, aufzugeben.
So gingen sie mit Jesus mit
als seine Jünger Schritt für Schritt.

Wir alle haben schon erfahren,
vielleicht vor Tagen oder Jahren,
wie sich die Jünger erst gefühlt:
frustriert und ziemlich aufgewühlt.
Gerackert viel, doch nichts erreicht.
Da schnell jeder Elan entweicht.

Am liebsten würde man wegrennen,
das Zeug hinschmeißen und bekennen:
„Das macht doch alles keinen Sinn,
wenn ich immer erfolglos bin.“
Die Freude und der Mut verlischt,
wenn man nur noch im Trüben fischt.

Doch halt! Wir brauchen nicht verzagen,
vielmehr sollten wir’s nochmal wagen
und Jesus trau‘n, der garantiert,
dass uns’re Mühe zu was führt.
Die Jünger haben‘s vorgemacht
und reichlich Fische mitgebracht.

Bei Jesus wird, ihr meine Lieben,
Vertrauen ganz schön groß geschrieben,
besonders dann, wenn ich glaub innig,
das, was ich tu, ist wiedersinnig.
Er mahnt mich: Gib so schnell nicht auf!
Ich helfe dir, verlass dich drauf!

Das ist es, was uns Jesus sagt:
„Nur der gewinnt, der etwas wagt!
Wer mir vertraut und fasst neu Mut
bei dem wird sicher alles gut.“
Und selbst diverse Niederlagen,
liegen dann nicht so schwer im Magen.

Das sollte uns `ne Hilfe sein,
denn oft denken wir viel zu klein.
Trau`n immer nur der eignen Kraft,
ist stolz auf alles, was man schafft.
Doch Misserfolge gibt es auch.
Wie schnell steh’n wir da auf dem Schlauch.

Das muss nicht sein, mahnt uns die Schrift,
denn was uns Menschen auch betrifft,
kann wenn wir es nur Gott hinhalten
zu Wunderbarem sich entfalten.
Wer Gott an seiner Seite weiß,
dreht sich nicht dauernd nur im Kreis.

Im ganz normalen Alltag nun,
soll’n wir es gleich den Jüngern tun.
Wenn uns mal etwas nicht gelingt,
vielleicht auch zur Verzweiflung bringt.
Nicht gleich aufgeben und verzagen
sondern `nen neuen Anfang wagen.

Da gibt es immer wieder Streit.
Na klar ist man dann auch bereit,
dem andern ein- zweimal verzeihn,
beim 10. Mal heißt es dann „Nein!
Das Maß ist voll, es geht nicht mehr!“
Hier zu vergeben fällt sehr schwer.

„Versuch’s noch einmal, zög’re nicht!“
so Jesus zu uns allen spricht.
Denn ohne ständiges Vergeben
kann keine Menschenseele leben.
Auch Gott vergibt uns uns’re Schuld.
Macht es wie er und zeigt Geduld!

Doch auch in andren Glaubensdingen
da will uns Jesus weiterbringen,
z.B. wenn wir zu ihm beten,
um mit ihm in Kontakt zu treten.
Doch eine Leere macht sich breit,
statt Licht gibt’s nur noch Dunkelheit.

Oder der Alltag tut ablenken,
vom Ins-Gebet-sich-zu-Versenken.
Stattdessen viel Gedanken schwirren
durch meinen Kopf und mich verwirren.
Der Sorgen und Probleme Last
mich auch beim Beten oft erfasst.

„Lass dich davon nicht gleich frustrieren!“
rät Jesus, „Tu’s nochmal probieren!“
Und jenes, was im Kopf sich dreht,
verdränge nicht aus dem Gebet,
sondern halt‘ alles Jesus hin.
Dann hat dein Beten auch `nen Sinn.

Die Fastenzeit ist nun bald dran
und vielleicht fangen wir neu an,
auf sein Wort wieder mehr zu hören.
Es will gewohnte Kreise stören,
uns Mut machen, mal nachzudenken
und neue Wegen einzulenken.

Durch uns muss letztlich deutlich werden,
was Jesus predigte auf Erden:
Nur wer ihm folgt, und ihm vertraut,
in Freud und Leid auf Christus baut,
hat Zukunft, ihm wird wirklich Leben
und Freude ewiglich gegeben.

Im Jahr des Glaubens wir grad stehen.
Das wär‘ ein Anlass, mal zu sehen,
was Glauben bei mir selbst ausmacht,
damit der nicht so schnell verflacht.
Denn viel Routine dazu führt,
dass manches oberflächlich wird.

Wir sollten sicher darauf schauen,
auf welches Fundament wir bauen,
d.h. wir könnten’s auch vertragen,
den Katechismus aufzuschlagen
oder auch mal die Heil’ge Schrift,
weil, was dort steht, auch uns betrifft.

Und vieles, was so mit der Zeit,
in unsrem Leben sich macht breit,
an Fehlern Schuld und auch Versagen,
all das dürfen wir vor ihn tragen.
Die Beichte ist ein Sakrament,
welches als Urteil ‚Freispruch‘ kennt.

Natürlich heißt das, reflektieren
und im Gewissen nachzuspüren,
alsdann muss ich es auch aussprechen,
wo die Gebote ich tat brechen,
wo ich selbst wichtiger mich machte
und meine Mitmenschen verlachte.

Ein Vorsatz, der ist auch ganz wichtig,
denn Besserung geht nur dann richtig,
wenn Schaden, der durch mich entstand,
wird gutgemacht durch meine Hand.
Wenn ich versuche, das zu meiden,
woran Gott und die Menschen leiden.

Entdecken wir die Gnade wieder,
die Gott an uns wirkt, Schwestern, Brüder,
Denn wer sein Herz ihm öffnet weit,
der ist für seine Lieb‘bereit.
Und diese Liebe ist die Kraft
die uns als neue Menschen schafft.

Ein Jahr fast war‘n wir bischofslos
doch nun ist uns’re Freude groß:
ein köll’scher Jung‘, der kommt vom Rhein
wird bei uns Oberhirte sein.
Den Namen kennt ihr alle doch:
der Neue der heißt Heiner Koch.

Empfangen wir ihn mit viel Freude
und off’nem Herzen, liebe Leute.
Denn nur gemeinsam kann’s gelingen,
das Bistum auch voran zu bringen.
Ein jeder sollte an uns sehn,
dass wir zu uns‘rem Bischof stehn.

Dann wird ganz deutlich, was es heißt:
so viele Gaben und ein Geist,
der stärkt und auch zusammenführt,
damit daraus die Kirche wird.
Wenn dies wir uns vor Augen halten,
wird sich die Zukunft gut entfalten.

Noch manches gäb‘ es hier zu sagen,
doch möcht‘ ich euch nicht länger plagen,
denn in den harten Kirchenbänken,
kann man das Kreuz sich schnell verrenken.
Bevor jetzt jemand kommt und klagt,
sei nur ein letzter Satz gesagt.

Damit will ich die Predigt enden:
Vertraut, wir sind in Gottes Händen!
Die Woche und an jedem Tag,
weil er uns Menschen wirklich mag.
Ihr lieben Kinder, Herren, Damen,
Gelobt sei Jesus Christus. Amen.