Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 2,1-12

Domvikar Markus Böhme (rk)

19.02.2012 in Freiberg

Sonntag vor Fastnacht 2012

Liebe Gemeinde, Schwestern, Brüder,

nach langer Zeit steh‘ ich mal wieder

hier vorn, so wie in früh’ren Zeiten

und werd‘ die Predigt nun bestreiten.

Weil bald steht Fastnacht auf dem Plan,

hört, was ich sag, in Reimform an.

 

Natürlich möchte ich hinweisen:

Ich werd‘ hier keine Possen reißen.

Mit Show hat Kirche nichts zu tun.

Vielmehr geht es um Gottes Ruhm.

Ich bin ein Priester und kein Clown,

und dieses ist ein heil’ger Raum.

 

Betrachten wir die Heil’ge Schrift

und fragen, wie sie uns betrifft.

Kann sie uns Lebenshilfe sein

für Jung und Alt, für Groß und Klein?

Drum wenden wir jetzt unsern Blick

auf’s Evangelium zurück.

 

Da ward von einem Mann gesprochen,

der war gelähmt, konnt’ seine Knochen

nicht mehr gebrauchen und nicht geh’n.

Er war erbärmlich anzusehn.

Tagaus, tagein, schön war das nicht

und Heilung die war nicht in Sicht.

 

Doch eines Tages hörte er,

dass Jesus grad im Orte wär‘

‚Der heilt oft’, dacht er bei sich,

vielleicht gibt’s Heilung auch für mich.

Doch wie stell ich’s am besten an,

dass ich dahin gelangen kann?

 

Hier waren Helfer schnell bereit:

vier Männer fanden für ihn Zeit.

Der Lahme wurde angesackt,

auf eine Tragbare gepackt.

Die Mannschaft setzte sich in Trab,

ging nach Kafarnaum hinab.

 

Zu Jesu Haus wollten sie geh’n,

er sollte nach dem Lahmen seh’n.

So weit, so gut, doch dieser Plan

war Theorie, kam nicht gut an:

Kein Durchkommen, der ganze Ort

war da, wollt’ hören Jesu Wort.

 

Der Lahme hat enttäuscht gedacht:

Wurd‘ ich umsonst hierher gebracht?

War’s das nun? Soll jetzt alles scheitern?

Natürlich nicht: Wozu gibt’s Leitern?

Mit diesem technischen Gestell

gelangt auf’s Dach man ziemlich schnell.

 

Die Männer gaben zu versteh’n:

Von oben wird es sicher geh’n.

Und sie begannen ohne Schrecken

sofort das Hausdach abzudecken.

Alsdann tun es die Freunde wagen

die Decke einfach durchzuschlagen.

 

Als dies gescheh’n hab’n indessen

des Raumes Tiefe ausgemessen,

um durch die Öffnung filigran

die Trage, die an Seilen dran

nun vorsichtig hinabgesenkt

direkt vor Jesus hingelenkt.

 

Ja, schließlich klappte dieser Plan

und Jesus sah den Lahmen an,

der plötzlich vor ihm eingeschwebt.

Und freudig er das Wort anhebt:

„Weil ich so großen Glauben find,

sind dir vergeben deine Sünd.“

 

Den Pharisäern passte nicht,

was Jesus zu dem Lahmen spricht.

Sie murrten, wollten sich beschwern:

Vergebung kann nur Gott gewährn.

Und jeder Mensch der so was sagt,

der lästert Gott und wird verklagt.

 

Doch Jesus wusste, wie sie ticken

die Pharisäer, die nur blicken

auf Äußeres, damit man sieht,

dass Frommes nur durch sie geschieht.

Sie schauen auf das Volk herab

mit Arroganz – dies nicht zu knapp.

 

Ja, Jesus spricht zu ihnen nun:

„Was wäre leichter hier zu tun?

Sündenvergebung zuzusprechen

oder die Lähmung zu durchbrechen

zu sagen ‚Komm und stehe auf!

Nach Hause mit der Bahre lauf!’?“

 

Drum sollt ihr meine Vollmacht sehn,

damit ein jeder mag verstehn,

dass ich Sünden vergeben kann.

Sogleich sprach er zum lahmen Mann:

„Steh auf und nimm die Bahre dein,

und lauf auf eignen Füßen heim!“

 

Der Mann, der eben noch hier lag

steht auf, zu laufen er vermag.

Er nimmt die Bahre und geht los.

Die Beine arbeiten famos.

Die andern bleiben staunend steh’n:

So was hab’n sie noch nie geseh’n!

 

Das ist ja abenteuerlich!

Es heißt: sie sind ganz außer sich.

Ein Lahmer, der nun wieder geht.

Die Krankheit scheint vom Wind verweht.

Dies Wunder hier hat Gott getan,

drum stimmt das Volk `nen Lobpreis an.

 

Das Evangelium macht uns klar:

des Lahmen Glaube wichtig war.

Weil er auf Jesus Christus baut

und vorbehaltlos ihm vertraut,

erfährt er Gottes Liebe nun,

die jedem Gutes stets will tun.

 

Stell’n wir uns vor: Was wär‘ passiert,

der Lahme hätte resigniert?

Weil doch ganz offensichtlich schien:

die Menschenmassen hindern ihn.

Dann hätt‘ es Heilung nie gegeben,

er bliebe lahm sein restlich‘ Leben.

 

Natürlich ist es schön zu lesen,

was da vor langer Zeit gewesen.

Wie Jesus sich gekümmert hat

und deshalb manches Wunder tat.

Doch damit ist’s nicht abgetan:

das Ganze geht auch mich was an!

 

Denn ich muss immer neu mich fragen:

„Kann mich mein Glaube wirklich tragen?

Wird auch schweren, dunklen Zeiten

ein Gottvertrauen mich begleiten?

Fühl ich mich trotz manch‘ Angst und Sorgen

in Gottes Händen stets geborgen?

 

Oder ist viel zu schnell verklungen,

was wir zu Weihnachten gesungen:

dass Christ, der Retter stieg hernieder?

Inzwischen sind wir wieder bieder

und aufgeklärt, so schnell verweht

die Wahrheit, dass Gott mit uns geht.

 

Denn das ist doch des Festes Kern

wenn wir begeh’n Geburt des Herrn.

Gott kommt zu uns, er wird ein Kind,

weil wir Menschen ihm wichtig sind.

Er will mein Heil und Retter sein,

lässt mich deshalb nie mehr allein.

 

Natürlich klingt das recht sympathisch,

doch Glauben geht nicht automatisch.

So mancher hat das mit den Jahren

im eignen Leben selbst erfahren.

Wenn Angst und Zweifel mich erfasst,

ist Glauben Kampf und schwere Last.

 

Drum sollte selbst man etwas tun,

für seinen Glauben, darf nicht ruhn!

So wie ein Samenkorn ganz klein,

kann, wenn man’s pflegt recht gut gedeih’n.

Wir sollten uns vor Augen halten:

auch Glaube wächst, muss sich entfalten.

 

Nun steht die Frage: Wie das geht?

Ich denke: Wichtig ist Gebet,

welches dem Blick die Weite zeigt

und nicht am Ego hängen bleibt,

sondern auf Gott hin mich verweist

und alle Kurzsicht niederreißt.

 

Beim Beten kann ich alles sagen:

Wie ich mich fühl‘. Wo hab ich Fragen?

Was geht mir nach? Was steht jetzt an?

Und wovon bin ich angetan?

Ich darf Gott alles anvertrau‘n

und fest auf seine Hilfe bau’n.

 

Auch wichtig ist, dass ich mal schweige

damit er mir die Schritte zeige,

die ich als nächstes gehen soll.

Deshalb: Quatscht Gott nicht immer voll!

Sonst ist die Chance sehr schnell vertan,

dass er bei mir ankommen kann.

 

Und was ich noch bemerken mag:

Gebet, das geht den ganzen Tag:

beim Aufsteh’n, tagsüber, beim Essen,

vor’m Schlafengeh’n nicht zu vergessen,

wenn ich mich freue oder auch,

wenn ich mal Gottes Beistand brauch‘.

 

Ja, manchmal ist es gar nicht leicht,

es scheint: da wird nicht viel erreicht

mit Beten, doch die Bibel sagt:

Bleibt dran und betet unverzagt!

Man muss, um mal im Bild zu bleiben,

aufs Dach dem Herrgott öfter steigen.

 

Das heißt: Geduld und starke Nerven,

die Flinte nicht ins Korn gleich werfen,

sondern beharrlich bitten Gott,

dass er uns hört in unsrer Not.

So wird auch deutlich durch‘s Gebet,

wie es um unsern Glauben steht.

 

Als nächstes wäre hier zu nennen,

ein Buch; den Titel alle kennen.

Es ist die Bibel, die erzählt,

dass Gott mit seinem Volke geht.

Von Anbeginn und durch die Zeit

gibt er sein göttliches Geleit.

 

Doch sind wir ehrlich! Liest hier wer

im Buch der Bücher häufiger?

Oder verstaubt sie im Regal

die Heil’ge Schrift? Das wär‘ fatal!

Weil sie zum Leben Hilfe gibt

und deutlich macht, dass Gott uns liebt.

 

Les‘ ich darin, merk‘ ich recht schnell:

sie ist auch heut‘ höchst aktuell.

Weil sie mir Orientierung ist

auf meinem Lebensweg als Christ.

Da gibt es Beispiele sehr viel,

wie ich erreich‘ das große Ziel.

 

Wie unser Herzschlag nötig ist,

das Atmen auch keiner vergisst,

wie Strom für sehr viele Geräte

man braucht, ansonsten sich nichts täte,

wie für Solarzell’n Sonnenschein

so soll für uns die Bibel sein.

 

Tatsächlich birgt sie einen Schatz.

Drum sollte sie `nen festen Platz

im Alltag haben, denn durch sie

bekomm‘ ich Rat und Energie.

So bitte ich, was dies betrifft:

Lest täglich in der Heil’gen Schrift!

 

Des Weit‘ren weiß ich darauf hin:

Gemeinschaft ist das Ziel und Sinn

von Kirche und vom Christen-Sein,

denn glauben kann man nicht allein.

Wir brauchen stets die andern auch!

Wer das nicht glaubt, steht auf’m Schlauch.

 

Denn immer wieder kann’s gescheh’n,

dass wir uns auf der Stelle dreh’n,

im Glauben nicht mehr vorwärts kommen,

weil manches uns die Kraft genommen.

Dann tut es gut, wenn jemand sagt:

Wir schaffen das, sei unverzagt!

 

Im Evangelium war es auch

genauso, denn der Lahme brauch‘

die andern Männer, die ihn tragen.

Wär er allein, wär’s zu beklagen.

Als Resümee man sagen kann:

Gemeinschaft trägt, da ist was dran.

 

Damit lass ich es mal beruh’n,

will einen Blick nach vorn jetzt tun,

denn bald die Fastenzeit beginnt,

`nen Vorsatz mancher sich da nimmt.

Das find ich gut, denn so zeigt man:

mich selbst geht Fastenzeit was an.

 

„Kehrt um!“ so heißt wir immer wieder,

davon sprechen auch Kirchenlieder.

„Die Zeit ist reif! Das Reich ist nah!“

Die Botschaft klingt doch wunderbar.

Als solche sollen wir sie hör’n

Sie will gewohnte Kreise stör‘n.

 

Wo wir nur stets im Alltagstrott

durch’s Leben hetzen, da soll Gott

`ne größ‘re Rolle nun einnehmen,

das heißt, wir müssen uns bequemen

zu überdenken, wie das geht,

dass er wieder ganz oben steht.

 

Ich meine, eine Möglichkeit

heißt: ihm zu schenken etwas Zeit.

Denn davon – ich sag’s unumwunden

hat jeder 24 Stunden

tagtäglich, doch ich frag und denk:

Wie nutzen wir dies Zeitgeschenk?

 

So manche Zeit tun wir vergeuden

mit oftmals schnell verflog‘nen Freuden.

Ja, schon bei Kindern kann man seh’n,

ohne PC scheint nichts zu geh’n.

Oft Stunden sitzen sie beim Chat

oder beim Spiel’n im world wide web.

 

Natürlich ist die Technik gut,

wenn man bewusst sie brauchen tut.

Bedenklich wird es aber dann,

wenn man nicht selbst ausschalten kann,

fast süchtig sitzt am Monitor.

Bei vielen kommt das leider vor.

 

Beim Handy ist es ebenso,

gesimst, gezockt wird da recht froh.

Und viele kommen – welch ein Graus –

nicht eine Stunde ohne aus.

Da klingelt, summt es und vibriert

und sofort wird drauf reagiert.

 

Doch habt ihr wirklich mal bedacht,

was das mit vielen Menschen macht.

Der Daumen, der wird freilich schneller,

doch in den Köpfen wird’s nicht heller,

denn manche and’re Fähigkeit

verkümmert dadurch mit der Zeit.

 

Muss man erst die Erfahrung machen,

dass diese, für uns wicht’gen Sachen

im Angesicht von Krankheit, Tod

nicht sind ein Rettungsangebot.

Ganz ehrlich müssen wir zugeben:

nur Gott kann schenken ew’ges Leben.

 

Wer dies bedenkt, kommt wohl zum Schluss,

dass einiges sich ändern muss,

mit uns’rer Einteilung der Zeit.

Der nächste Schritt ist dann nicht weit,

Ressourcen, welche freigelegt,

für Gott zu nutzen, denn das trägt.

 

Und noch was möchte ich hier nennen,

wir alle viele Mauern kennen,

die zwischen Menschen aufgerichtet.

Es wird viel Menschlichkeit vernichtet

durch Egoismus, Hass und Streit

durch Besserwisserei und Neid.

 

Ja, so entfernt manch böses Wort

vom andern uns und auch von Gott.

Das kann ich ändern – ohne Frage –

wenn ich `nen neuen Anfang wage.

Obwohl’s nicht immer leicht wird sein,

reißt dies vorhand’ne Mauern ein.

 

Wer sich von Gottes Geist lässt führ’n

wird immer wieder deutlich spürn,

dass vieles sich verändern kann.

Und deshalb: Fangt noch heute an,

sich seinem Wirken aufzutun!

Denn er treibt an, lässt uns nicht ruh’n.

 

Vertrauen wir den neuen Wegen,

dann wird die Fastenzeit zum Segen,

wenn jeder ehrlich sich bemüht,

dann nicht nur die Natur aufblüht

zu Ostern, sondern wir voran,

Es lohnt sich. Packen wir es an!

 

Am Ende bin ich angelangt

mit meiner Predigt. Seid bedankt,

dass Ihr geduldig zugehört

und nicht durch Nachfragen gestört.

Ihr lieben Kinder, Herren, Damen.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen.