Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 2,1-12

Pfr. H. Bockmühl

10.06.2004 in Königheim

Fronleichnamspredigt 2004

Liebe Gemeinde,

A. Einleitung:
Stundenlang hat der Holzfäller, (er hatte sich im tiefen, dunklen Wald verirrt), sich bemüht, wieder herauszukommen. Aber alle Mühe war vergebens. Er hat nicht mehr herausgefunden.
Aber dann, nach stundenlangem Suchen, hat er einen Anderen gefunden: einen alten Mann. Der hat ihm zunächst gesagt: Ich kann dir auch nicht helfen, ich kenne mich auch nicht aus, Ich habe mich auch verirrt. Ich kann dir den Weg nicht zeigen.
Aber vielleicht, das hat der alte Mann dem jungen Mann dann auch gesagt: Vielleicht: wenn wir gemeinsam überlegen, wenn wir gemeinsam suchen, wenn wir beieinander bleiben, vielleicht finden wir dann doch wieder aus dieser Wildnis, aus dieser Finsternis, aus diesem Wald wieder heraus.

B. Überleitung.
Das ist so wichtig: Das miteinander Reden, das gemeinsame Überlegen, Suchen. Das gemeinsame sich Bemühen und das miteinander Gehen: Das sagt uns diese Legende aus einer lang vergangenen Zeit.
Haben wir uns heute zum Fronleichnamstag zum gemeinsamen Gottesdienst versammelt, möchte ich Sie einladen zum Nachdenken über das, was nachher, nach dem Gottesdienst geschehen soll: zum Nachdenken über die Prozession.
Und zwar deshalb, weil die Prozession viel mehr ist als eine Prozession: sie ist ein Zeichen, mit welchem uns dasselbe gesagt wird, was die alte Legende sagt:
Das ist so wichtig: das gemeinsame Gehen, Beten und Singen; das gemeinsame Überlegen und Suchen.

C. 1. Hauptteil
Ein erstes Kennzeichen der Prozession ist das Gehen, das betende, singende, feierliche Gehen durch ein paar Straßen unserer Gemeinde.
Aber wir sollten bedenken: Dieses Gehen ist viel mehr als ein Gehen, dieses Botschaft ist eine Botschaft von Gott für uns: Das ist so wichtig: das beständige Mühen und Bemühen, einen Weg zu suchen, zu bahnen, zu gehen. Wie der Holzfäller im Wald, so sollen wir einen Weg suchen, bahnen:

a. einen Weg, der aus Dunkelheiten, aus Verirrungen herausführt;
b. einen Weg, der aus Elend, aus Krankheit herausführt zur Gesundheit des Leibes und der Seele;
c. eine Weg, der aus Streit und Feindseligkeit herausführt zu einem guten Miteinander von Mensch und Mensch, von Mensch und Tier; von Mensch und Umwelt, von Mensch und Gott. Einen Weg, der aus dem Misstrauen gegen Gott herausführt zum Gottvertrauen, zum vertrauensvollen Beten des Vater unsers hinführt.

C. 2. Hauptteil
Ein zweites Kennzeichen der Prozession ist die Gemeinsamkeit.
a. Wie Don Camillo mit einem Kreuz allein durch die Straßen unserer Gemeinde laufen: So etwas hätte den Namen Prozession nicht verdient.
b. Sondern: Zur Fronleichnamsprozession in Gissi gehen, das heißt: Wir gehen nicht alleine; es sind Viele, die miteinander gehen. aa. Wir werden begleitet von der Singgemeinschaft mit festlichen Liedern; bb. wir werden begleitet vom Musikverein, vom feierlichen Spiel der Instrumente.
c. Diese Gemeinsamkeit ist eine zweite, wichtige Botschaft von Gott für uns am heutigen Fronleichnamstag: Das ist so wichtig, das gemeinsame Mühen und Bemühen. Gerade dann, wenn große Not, wenn große Probleme vorhanden ist, ist es wichtig, das viele Menschen zusammenkommen, zusammenfinden, dass viele Menschen zusammenhelfen, zupacken.
Davon wird auch im Evangelium berichtet:
Das war eine große Not: ein gelähmter Mann liegt auf einer Bahre. Aber: Da war auch eine große Hilfsbereitschaft: Da waren 4 kräftige, zum Helfen entschlossene Männer zur Stelle. Die haben den Gelähmten getragen, die haben das Dach eines Hauses abgedeckt, die haben den Kranken, den Gelähmten dem Heiland direkt vor die Füße gestellt: von oben, mit vier Seilen.

C. 3. Hauptteil
Eine dritte Besonderheit der Fronleichnamsprozession ist der Herr unser Gott selbst, der in der sichtbaren Gestalt des Brotes durch einige Straßen unserer Gemeinde getragen wird. Aber auch in Hinblick auf den Leib des Herrn müssen wir sagen: Die sichtbare Gestalt der weißen Hostie ist viel mehr als eine weiße Hostie. Die weiße Hostie das ist eine dritte, wichtige Botschaft von Gott für uns am heutigen Fronleichnamstag. Die sichtbare Gestalt der Hostie das ist ein wichtiges Wort, welches der auferstandenen Heiland jedem Menschen sagt: „Fürchte Dich nicht, siehe, ich bin bei dir alle Tage deines Lebens, bis zum Ende der Welt.“ ( Mt 28, 20).

In dieser Botschaft von Fronleichnam wird uns im Einzelnen und genauer Folgendes gesagt:
a. Der Fronleichnamstag das ist zunächst die Botschaft: Ich bin bei Euch am heutigen Tag; das ist darüber hinaus aber auch die Botschaft: ich bin bei euch an allen Tagen eueres Lebens.
b. Der Prozessionsweg das ist zunächst die Botschaft: Der Herr geht den Weg der Prozession mit. Aber: Der Prozessionsweg das ist darüber hinaus die wichtige Botschaft: Ich, der Herr, euer Gott, ich gehe alle eure Wege mit; der Herr, unser Gott, geht mit auch dann, wenn wir in die Irre gehen, wenn wir uns auf Abwegen befinden.
c. Und die sichtbare Gestalt der weißen Hostie das ist die Botschaft: Der Herr, unser Gott, ist immer und überall bei uns, helfende, rettend, ratend, in seiner wahren, in seiner eigentlichen Gestalt: in unsichtbarer Gestalt.

D. Schluss:

Wollen wir uns, wie der Holzfäller und der alte Mann, immer wieder und immer neu gemeinsam bemühen um das Wichtigste: um eine größere Vollkommenheit / Stärke in der Gottesliebe, in der Nächstenliebe.
Wenn dass immer wieder geschieht: dass wir eine gewisse Vollkommenheit / Stärke in der eigenen Liebe wirken und erwirken, dann werden wir immer wieder das erleben, was der gelähmte Mann erlebt hat: die Hilfe Gottes. Dann werden wir immer wieder erleben:
Es wird uns von Gott immer wieder die Vergebung der Sünden gegeben;
es wird uns von Gott immer wieder und immer neu Gesundheit gegeben für den Leib, für die Seele.

Amen.