Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 4,35-41

Kath. Krankenhauspfarrer Gunter Buffo

im Krankenhaus Oststadt - Heidehaus, Hannover

Stürmische See

Vielleicht beginnt so unser Leben:
geborgen und geschützt im Leib der Mutter
und dann getragen und gewiegt auf starken Armen.

Vielleicht beginnt so eine Partnerschaft:
gemeinsam in einem Boot
glücklich und zuversichtlich
wir werden die Zukunft schon meistern.

Vielleicht ist das der Traum
den wir alle vom Leben haben:
Es möge glatt verlaufen
wir mögen bewahrt bleiben
vor zuviel Auf und Ab
dass wir nicht gebeutelt und geschüttelt werden
von Schicksalsschlägen und Stürmen.

Vielleicht stellen wir uns so den Glauben vor:
Leben im Vertrauen dass Gott mit uns ist -
eine stabile Seelenlage unerschütterlich.

Und dann verlassen wir den heimatlichen Hafen
fahren hinaus auf die offene See
- notwendigerweise
wenn wir unsere Verantwortung ernst nehmen.
Aber dann in den Stürmen des Lebens
kann alles ins Wanken geraten.
Was eben noch tragender Boden
was Geborgenheit und Schutz war
- plötzlich sieht alles ganz anders aus.
Wir verlieren den Halt.
Der Boden sackt uns weg.

Wir verlieren das Zutrauen zu uns selbst
wir verlieren das Vertrauen
in Menschen an unserer Seite
wir verlieren die Gewissheit
dass Gott uns sieht und schützt.

“Von Gott und aller Welt verlassen.”
Ausgesetzt
durchgeschüttelt
voller Angst
zu versinken.

Niemandem wünschen wir eine solche Erfahrung
aber wir wissen es aus unserem eigenen Leben
und aus unseren Ängsten
dass es solche Erfahrungen gibt.
Immer hat es solche Erfahrungen gegeben
manchmal erleben Generationen solche Ängste gemeinsam
etwa im Krieg oder auf der Flucht.
Manchmal trifft es jemanden ganz allein und plötzlich
während andere auf sicherem Boden stehen.

Immer haben Menschen auch mit Gott
solche Erfahrungen gemacht:
“Wach auf! Warum schläfst du Gott?”
Und oft genug werden Menschen meinen
Gott habe sie verlassen
er sei aus ihrem Lebensschiff längst ausgestiegen.

Wenn wir das doch können:
Schreien
rufen
Gott anflehen!

Und wenn dann der Sturm sich legt
wenn unser Leben sich beruhigt -
wir erleben es wie ein Wunder.
Im Nachhinein - in der Stille -
werden wir sagen:
Ich hätte nicht gedacht
dass es in meinem Leben noch einmal anders kommt
ich hätte nicht gedacht
dass ich wieder zuversichtlich und froh werden könnte
ich hätte nicht gedacht
dass ich noch einmal festen Boden erreiche.

Wir werden uns nachträglich erschrecken
wie klein unser Glaube war
wie gering unsere Kraft
auf Gott zu setzen.

Und wir werden staunen über Gott
der d a i s t
auch in der Not.

Amen.