Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 5, 21-24,35B-43

Pfarrer H.-Josef Biste (rk)

01.07.2012 in Nideggen

Zum 13. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Christen,

Anruf in der Notfallklinik:„Kommen Sie bitte schnell, hier liegt ein Mädchen im Sterben“. Die Adresse wird ausgetauscht, der Notarzt alarmiert, der Rettungswagen schaltet sein Blaulicht ein und alles wird getan, um das Leben zu retten. Es muss alles schnell gehen, die geübten Handgriffe müssen sitzen, das Leben eines Mädchens will gerettet sein.

 

So würde heute Jairus seinen Hilferuf absenden und er hätte genau wie damals bei Jesus das Vertrauen, dass es Menschen gibt, die Leben retten können.

Leben zu retten, es gelingen zu lassen, das ist auch oft unsere Aufgabe, als Christen, in der Familie, in den Beziehungen und bei uns selbst.

Da gibt es viele Angebote und es fällt uns die Wahl nicht leicht, eines für uns zu finden.

Jairus hatte für sich entdeckt, Jesus wäre sein geeigneter Lebensretter.

 

Doch während wir auf dem Weg sind uns zu entscheiden, kommen die Kritiker auf den Plan. Es hat ja doch keinen Sinn mehr, den Meister zu bitten. Was haben wir nicht schon alles in der Kirche oder in der Gemeinde versucht, auf das Leben aufmerksam zu machen, wir sind an die Grenzen gekommen. Was nutzt es noch sich um den oder diesen zu kümmern, der begreift es ja doch nicht. Was sollen wir noch für Ideen entwickeln, es kommt doch keiner mehr zu unseren Angeboten.

Es hat doch keinen Zweck auf das Vatikanum zu setzen, wenn die Leitung ja doch nur nach rechts abdriftet.

Die Atmosphäre verdunkelt sich, weil die Miesmacher und Nörgeler meist doch ihre Anhängerschaft hinter sich versammeln und Destruktion und Blockaden sich breitmachen.

 

Jairus geht auf Jesus zu und hört: „das Kind schläft nur“ in ihm wächst das Empfinden, es gibt doch noch eine Chance, vielleicht sogar noch ein Wunder oder eine richtige Therapie. Optimisten melden sich gerne in Krisen und machen Mut und bewegen die Gemüter. Aus solchen drängenden Situationen auf Leben und Tod werden oft eigenartige Perspektiven entwickelt, die helfen auch beim Scheitern den Kopf oben zu behalten. Treue und Konsequenz, erneuerte Gespräche und Initiativen helfen Aussichten und Zuversicht zu vemitteln und wenigstens ein wenig Solidarität aufzubauen. Jesus vergewissert Jairus, es ist noch

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nicht zu Ende, wenn das Mädchen dennoch stirbt, gibt es bei Gott einen Weg zur Verarbeitung und zur Beheimatung.

 

Jesus nimmt das Mädchen bei der Hand und sagt: „talita kum“

Welch eine Wende, was in die Hand genommen wird, gelingt, das Leben kommt auf die Beine, die Hoffnung findet einen Weg, Krisen werden so beendet, wenn man sich entscheidet, sich und das Leben in die Hand zu nehmen. Jairus hat vielleicht zuerst den Kopf geschüttelt. Doch er sieht hier ist Leben, hier ist trotzdem ein Aufbruch, hier lohnt es sich zu verweilen, hier werde ich angenommen, hier erfahre ich Hilfe, mein Rufen war nicht umsonst.

 

Jesus sagt noch zum Schluss, „gebt Ihr etwas zu essen“. Lasst keinen verhungern. Wenn ihr zusammensteht, gibt es auch Lebensperspektive, Aufbruch, Auferstehung. Wer isst, der schafft auch Gemeinschaft, dem fällt das Gespräch leichter, auch in der Krise ist ein Stück Brot und ein Schluck Wasser oft die Erfahrung von Zuwendung und Beistand.

 

Wenn es sein kann, steckt in jedem ein Jairus und Jesus ist vielleicht doch nicht so weit, auch wenn wir manchmal es meinen.

Seine Mutmachgeschichten sind auch heute noch lesenswert und lebensnah. Lasst sie uns in die Hand nehmen.

 

 

 

Diese Predigt habe ich in einer kleinen Gemeinde gehalten und ich hatte das Empfinden, es war herüber gekommen, Jesus ist ein Mutmacher für gelingendes Leben.

 

Mir war die Predigt gut und gelungen, daher biete ich sie zum Wettbewerb an.