Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 6, 30-46 - Alle werden satt…. (Speisung der 5.000)

Bernd Friedrich (emk), Laienprediger, stv. Landrat

10.03.2013 Evangelisch-methodistische Christuskirche in Waiblingen

Projektwochen zum Markusevangelium ("Mehr-als-du-denkst")

(30) Nach ihrer Rückkehr erzählten die von Jesus ausgesandten Jünger alles, was sie auf ihrer Reise getan und den Menschen verkündet hatten, (31) „Geht jetzt an einen einsamen, stillen Platz!“, sagte Jesus zu ihnen. Ihr habt Ruhe nötig!“ Es waren nämlich so viele Menschen bei ihnen, dass sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden. (32) Deshalb fuhren sie mit dem Boot an eine einsame Stelle. (33) Aber das hatten viele Leute beobachtet. Aus allen Dörfern liefen sie dorthin. Sie beeilten sich so sehr, dass sie noch vor Jesus und seinen Jüngern da waren.

(34) Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, schickte er sie nicht weg, weil er Mitleid mit ihnen hatte; sie waren wie eine Schafherde ohne ihren Hirten. Deshalb nahm er sich viel Zeit, ihnen Gottes Botschaft zu erklären.

(35/36) Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: „Es wird bald dunkel. Schick doch die Leute weg, damit sie in die Dörfer oder auf die Höfe in der Umgebung gehen und sich etwas zu essen kaufen.“ (37) Aber Jesus forderte sie auf: „Gebt ihr ihnen doch zu essen!“ „Was sollen wir ihnen denn geben?“, fragten die Jünger verwundert. Außerdem würde es ein Vermögen kosten, sie alle zu verpflegen.“ (38) „Wie viel Brot habt ihr denn bei euch?“, erkundigte sich Jesus. „Seht einmal nach!“ Kurz darauf kamen sie zurück und berichteten: „Fünf Brote und zwei Fische haben wir!“

(39) Da ordnete Jesus an, dass sich die Leute in Gruppen auf dem Gras lagern sollten. (40) So bildeten sie Gruppen von fünfzig bis zu hundert Personen. (41) Jetzt nahm Jesus die fünf Brote und zwei Fische, sah auf zum Himmel und dankte Gott dafür. Er teilte das Brot, und die Jünger gaben jedem davon. Ebenso ließ er auch die Fische verteilen. (42) Alle aßen sich satt, (43) und dann sammelten die Jünger noch zwölf Körbe mit den Resten ein. (44) An der Mahlzeit hatten etwa fünftausend Männer teilgenommen.

(45) Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und über den See nach Bethsaida zu fahren. Er selbst blieb zurück, um die Leute zu verabschieden. (46) Endlich war Jesus allein. Er ging auf einen Berg, um zu beten.

Markus, 6, 30-46 – Übersetzung: Hoffnung für alle

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0. Einleitung: Überraschende Begegnungen - Mehr als du denkst

„Alle werden satt“ ist heute unser Thema. Das können wir heute wörtlich nehmen. Es gibt Gemeindemittagessen. Gastfreundschaft wird in dieser Gemeinde groß geschrieben. Bleibt also nachher da und Ihr werdet das erleben. Unsere heutigen Köche haben allerdings im Unterschied zu den Jüngern damals einen kleinen Vorteil: Sie konnten sich gut vorbereiten. Und außerdem sind wir heute nicht so viele wie die vielen Tausend Menschen damals am See.

Essen ist ein wichtiges Thema. Die Leute bekamen Hunger. Eine Lösung musste her. Doch dann habe ich mir die Geschichte noch genauer angeschaut und festgestellt: Im Kern geht es in unserem Bibeltext gar nicht ums Essen. Es geht auch nicht in erster Linie um ein großartiges, spektakuläres Wunder. Im Kern geht es um Vertrauen und um die Beziehung der Menschen zu Jesus.

Ich möchte mit euch heute ganz einfach Stück für Stück am Text entlang gehen und sehen, was da drin steckt. So ähnlich wir es beim Gesprächsabend „Markus am Freitag“ machen. Die Fragen lauten:

Was ist damals wirklich passiert? Was haben die Menschen erlebt? Und was hat das mit uns heute zu tun? Können wir von Jesus und seinen Jüngern etwas lernen?

Fünf Sätze habe ich aus dem Bibeltext in chronologischer Reihenfolge heraus gesucht. Die wollen wir uns jetzt anschauen. Das ist auch die Gliederung dieser Predigt. Hier kommt der erste Satz:

1. Die Leute laufen aus allen Dörfern zu Jesus.

Jesus und seine Jünger brauchten mal eine Pause. „Wir sind dann mal weg“, eine Auszeit an einer einsamen Stelle auf der gegenüberliegenden Seite des Sees Genezareth. Da wo einen keiner findet. Wo kein Handy klingelt und kein Chef was will. Irgendwann ist es Zeit, auszuspannen.

Doch die Leute in der Gegend können offenbar nicht genug von Jesus bekommen. Sie rennen um den halben See herum auf die andere Seite und sind vor Jesus am Zielort. Wir reden hier nicht von ein paar besonders ausgebuffte Jesus-Fans. Nein: Es sind sehr viele Leute, wahrscheinlich Hunderte. Der Zielort war eine einsame Stelle, karge Umgebung, keine Dörfer in der Nähe. Da strömen die Massen jetzt hin, weil Jesus dort erwartet wird. Wie bei Woodstock oder bei Rock am Ring.

Ich zeige euch hier mal den See Genezareth. FOLIE (Übersicht - See Genezareth)

Der See ist nicht riesig, allerdings auch nicht richtig klein: Maximale Länge 21 Kilometer, maximale Breite 12 Kilometer, Fläche 170 qkm. Zum Vergleich: Der Bodensee hat 536 qkm. Ich hab’s daheim ausgerechnet. Der See Genezareth misst also an der Oberfläche ziemlich genau ein Drittel der Fläche des Bodensees. Der Bodensee ist maximal 14 Km breit (Friedrichshafen – Romanshorn). Zum Vergleich: Der See Genezareth 12 Km – also das sind schon ganz schöne Entfernungen, um da mal eben so halb rum zu laufen.

FOLIE (3-4 Fotos vom See Genezareth) - Hier gibt es noch ein paar Fotos von dem See, an dem so viele Geschichten im Markusevangelium spielen.

Und da bin ich bei der einfachen Frage hängen geblieben: Warum rennen die Leute Jesus hinter her? Was beschäftigt diese Leute? Warum wollen sie unbedingt zu Jesus? Haben die Leute nichts Besseres zu tun?

Erste Idee: Es ist Sensationslust. Ja, vielleicht. Solche Wunder sind spektakulär. Doch wahrscheinlich ist das höchstens die halbe Antwort.

Aus den Texten im Markusevangelium wissen wir noch mehr. Die Leute hatten viele Krankheiten: Gezeichnet vom Aussatz, gelähmt, mit einer abgestorbenen Hand, eine Frau mit Blutungen, ein zwölf Jahre altes Mädchen, das stirbt.

Letzten Sonntag haben wir von diesem Mann gehört, voll mit bösen Geistern, geplagt und gequält, voller innerer Unruhe und Geschrei (Markus 5, 1-17). Und dann noch all die beschwerlichen Regeln der Pharisäer, die Unterdrückung durch die Römer, ein tyrannischer Herrscher namens Herodes, der Johannes den Täufer mal eben einen Kopf kürzer machen lässt.

Ihr habt das alles gelesen, jedenfalls wenn ihr euch auch gerade das Markus-Evangelium lest. Keine gute Zeit damals.

Jesus ist damals in einer Zeit aufgetreten, in der die Menschen große innere und äußere Not hatten, voller Ängste, unterdrückt, nicht frei. Eine Gesellschaft wie eine Wüste, ein ausgemerkelter Körper. Die Sehnsucht nach irgendwas, was Sinn gibt und Frieden, Heil und Zukunft.

Und was beschäftigt die Leute heute? Ich habe hier ein paar Titelbilder des Magazins STERN herausgesucht. Wir bekommen sie hier eingeblendet:

FOLIE (Stern-Titelblätter)

Da heißt es: „Was wäre, wenn wir nur ein Jahr zu leben hätten?“ Beschrieben sind die Geschichten von Menschen im 21. Jahrhundert - am Rande des Todes, mit Tumoren, Schmerzen. Das Kind hier in der Mitte heißt Chiara, 9 Jahre alt. Es hat in einem Jahr längere Zeit im Stuttgarter Olgahospital zugebracht als daheim in Remshalden. Schicksale von nebenan.

Neulich war ich in einer Sitzung. Ich habe meinen Sitznachbarn gefragt: „Wie geht es Ihnen?“ Und er sagt: „Ich bin nicht so gerne hier. Meine Frau hat Krebs und braucht Hilfe. Ich wäre jetzt lieber zu Hause. Ich weiß nicht, wie viel Zeit wir noch haben.“ Und dann erzählt er von seinem Sohn und von manchen Schicksalsschlägen.

Oder der andere STERN-Titel hier lautet: „Total erschöpft – Millionen in Deutschland sind ausgebrannt.“ Immer mehr leisten, Stress im Beruf, wie eine Kerze die man an beiden Seiten anzündet, wie ein Hamster im Rad. Der Fußball-Trainer Ralf Rangnick ist einer davon, aber auch Unternehmensberater, Politiker oder Tim Mälzer da oben links, der Superkoch. Er arbeitet bis zu 20 Stunden am Tag, jeden Tag eine Koch-Show im Fernsehen … bis dann nichts mehr geht.

Die Suche nach dem Sinn im Leben ist offensichtlich. Aber, bitte schön: Wo gibt es diesen Sinn? Warum leben wir, wenn irgendwann in ein paar Jahren sowieso alles vorbei ist? Auch die Medien wissen das. Es steht auf der Titelseite, weil es Tausende betrifft. Auch in unserer Nachbarschaft oder hier heute morgen.

Die Philosophin Simone de Beauvoir hat geschrieben (aus: Alle Menschen sind sterblich“):

Alles was man tut, vergeht eines Tages wieder, ich weiß. Und von der Stunde an, wo man geboren wird, fängt man schon an zu sterben. Aber zwischen Geburt und Tod liegt doch eben das Leben.“

Und während ich dieses Zitat aus dem STERN (08/2008) hier abgeschrieben habe, fällt mir der Satz von Jesus ein, den ich am Freitag in der Markus-Andacht gelesen habe (Markus 8, 36):

Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?“

Einige Schreiber unserer Andachten haben das angesprochen. Es gab Lebenskrisen, Zeiten, wo sie nicht mehr weiter wussten, Zweifel, Ängste.

Im Fernsehen sehen wir Deutschlands „Next Topmodel“ und suchen einen „Superstar“. Doch in Wahrheit gibt es mehr Menschen, die enttäuscht und frustriert sind, als wir ahnen. Wir vermieten gerade eine Einliegerwohnung und hören da einige Lebensgeschichten, von Ehekrisen, Ausländern, Arbeitslosen, behinderten Menschen. Es gibt so viele Menschen, die einfach nur ein wenig Glück suchen, ein Leben in Frieden, ein Zuhause.

Diese Welt sucht damals wie heute Antworten auf ein paar lebensentscheidende Grundfragen: Wozu lebe ich? Warum gibt es Leid? Wieso muss Unfrieden sein? Gibt es Gerechtigkeit? Ist mit dem Tod alles aus? Wer steht an meiner Seite, wenn ich Fehler mache?

Die Römer, Herodes und die meisten Pharisäer kannten die Antworten nicht. Und bei uns kennen viele Politiker, Manager und Reporter die Antworten auch nicht.

Darum laufen die Leute zu Jesus! Da ist einer wie „Wasser für dürres Land“. Einer der Antworten hat. Einer der Wärme ausstrahlt. Einer bei dem man nicht ständig Angst haben muss, missbraucht und über den Tisch gezogen zu werden. Jesus ist einer, bei dem man gesund werden kann an Körper und Seele. Darum laufen die Leute zu Jesus. Und wenn es sein muss auch zehn Kilometer.

Und jetzt kommt der zweite Satz aus unserem Bibeltext:

2. Jesus hat viel Zeit und erklärt Gottes Botschaft

Jesus sieht diese Menschen und bekommt Mitleid. Er sieht nicht die Massen und denkt „Waoh, sind das aber viele…!“ Sein Herz ist berührt. Es tut ihm weh: „Sie sind wie Schafe ohne Hirten“.

Schafe brauchen einen Hirten, das wusste schon David, als er seinen berühmten Psalm 23 geschrieben hat: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er bereitet vor mir einen Tisch. Bei ihm werde ich satt. Bei ihm folgen mir Gutes und Barmherzigkeit ein Leben lang.“

Aber diese Leute hier sind orientierungslos, wie Schafe ohne Hirten, wie Kinder ohne Eltern, wie Kranke ohne Arzt, wie Seeleute ohne Kapitän. Oder wie hat meine Frau Esther gestern gesagt: Wie ein Mensch ohne Navi und ohne Stadtplan in einer fremden Großstadt. Einfach verloren. Kennt das jemand?

Darum nimmt sich Jesus viel Zeit. Seine Predigt war nicht nach 20 Minuten rum. Viel Zeit bedeutet wirklich viel Zeit. Einmal ging das drei Tage lang. Nachzulesen in Markus 8 Vers 2. Jesus hat etwas zu sagen. Die Menschen sind elektrisiert. Mit Sensationslust allein lässt sich das nicht erklären.

Doch was hat Jesus den Menschen zu sagen? Warum hören die Leute ihm stundenlang zu?

Im Markusevangelium finden wir dazu wenig. Da gibt es ein paar Gleichnisse, Dispute mit Pharisäern (Markus 7), einzelne Sätze von Jesus, die Ankündigung von Leiden und Sterben und vor allem: Jede Menge Wunder. Keine langen Predigten jedenfalls.

Da bin ich froh, dass es noch mehr Evangelien gibt, zum Beispiel das Matthäusevangelium mit der Bergpredigt. Da steht, was er den Menschen sagt, seine Antwort auf die Fragen des Lebens.

Seit einigen Jahren haben wir hier in der Christuskirche ein Männergebetsfrühstück, alle zwei Wochen mittwochs um 06.30 Uhr. In unserer kleinen Kapelle beten wir da für Anliegen aus unseren Familien und der Gemeinde, auch für die Stadt, unsere Kirche und politische Fragen – für Syrien oder Christen in den Kerkern dieser Welt. Wer als Mann dazu kommen möchte, ist herzlich eingeladen. Es ist gut, mit Gott Kontakt zu halten. Gott hat definitiv ganz andere Möglichkeiten in der Hinterhand als wir, wie auch unser heutiger Predigttext zeigt.

Im November waren wir dann gemeinsam als Männergebetskreis zu einem Wochenende im Stift in Bad Urach. Am Samstag haben wir uns drei Stunden Zeit genommen, um die ganze Bergpredigt uns laut gegenseitig vorzulesen - Matthäus 5 bis 7. Es ist die längste Predigt von Jesus, die wir kennen. Manche Theologen meinen, das sei so eine Art „Best-of-Predigt“, der Extrakt von all dem, was Jesus gesagt hat.

In dieser Bergpredigt steht, worauf es im Leben aus Gottes Sicht ankommt. Manche Zumutung ist dabei: Nicht stehlen, nicht lügen, nicht ehebrechen, nicht neidisch sein, teilen. Doch vor allem: Wir dürfen Gott etwas zutrauen. Jesus sagt: „Bittet so werdet ihr empfangen. Gott ist wie ein Vater. Er gibt uns doch nicht Steine, wenn wir Brot nötig haben.“

Und in der Mitte dieser Bergpredigt steht das „Vater Unser“. Wir werden es nachher beten. Das ist elementar: Gottes Reich soll kommen, wir brauchen Gerechtigkeit. Dein Wille geschehe, nicht der Wille der Egoisten und Wichtigtuer. Gott gibt uns das Brot. Er vergibt und macht uns heil. Er kann die Herzen verändern, so dass wir vergeben können.

Ich kann, das hier nicht vertiefen. Bergpredigt und Vater Unser, das sind eigene Ansprachen wert. Heute stellen wir fest: Es hat die Menschen zutiefst berührt, was Jesus sagt. Er hat so viel mehr zu sagen, als all diese Klugen und Mächtigen. Seine Worte sind eine einzige große Einladung, die uns übrigens auch heute gilt: Gott ist Liebe. Lebt euer Leben in der Liebe, nicht mit den Ellenbogen. Vertraut Gott, er kann Großes tun.

Und nach ein paar Stunden Predigt bekommen die Leute langsam Hunger. Die Jünger haben mitgedacht und ergreifen jetzt die Initiative. Sie gehen zu Jesus und sagen:

Also Jesus, jetzt sollten wir die Sache mal unterbrechen. Es ist spät. Die Gegend ist einsam. Du solltest die Leute auf den Heimweg schicken. Die sollten sich in den Höfen und Dörfern etwas zu essen kaufen. Du redest gut. Du redest viel, Jesus. Aber jetzt ist es an der Zeit, an die elementaren Grundbedürfnisse zu denken.“

Organisationstechnisch war das ein vernünftiger Vorschlag. Die Menschen sind den Jüngern nicht egal. Die Leute hätten das bestimmt verstanden. Doch Jesus hat eine andere Logik. Er sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Und die Antwort der Jünger ist unser Satz drei:

3. Die Jünger fragen: „Was sollen wir den Leuten geben?“

Jesus hätte auf den Vorschlag der Jünger eingehen können. Macht er aber nicht. Er will die Leute nicht wegschicken. „Gebt ihr ihnen zu essen“, sagt er seinen Jüngern. Und das ist die Stelle, an der das Wunder beginnt.

Wegschicken ist einfach. Das ist die Logik der Welt. Das kennen wir aus unserem Alltag frei nach dem Egospruch: „Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht.“ Jesus will so etwas nicht.

Alternativ hätte Jesus auch irgendwie ein göttliches Wunder vollbringen können, so wie beim Volk Israel in der Wüste: Brot, das wie Manna vom Himmel fällt; oder Wachteln für alle. Doch Jesus macht seine Jünger zum Teil einer göttlichen Lösung, die völlig anders ist.

Dies hier ist für die Jünger eine Lehrstunde im Umgang mit den Menschen. Es ist die zweite innerhalb weniger Tage, denn die Jünger waren gerade erst von einem Praktikum zurück. In Kapitel 6,7 wird berichtet, dass Jesus sie jeweils zu zweit in die umliegenden Dörfer geschickt hatte. Sie hatten gepredigt und Kranke geheilt. Jetzt waren sie müde. Jetzt finden sie: Irgendwann ist auch mal gut, oder?

Gebt ihr Ihnen zu essen? Die Jünger sind verwirrt. Dieser Lösungsansatz stand nicht auf ihrer To-Do-Liste. Sie fragen: „Sollen wir hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen?“ Das ist ziemlich viel Geld, nämlich der übliche Verdienst für 200 Tage Arbeit. Die Jünger haben das mal schnell hochgerechnet, mit dem Budget verglichen, Kosten und Nutzen abgewogen, menschlich argumentiert: „Jesus, wenn wir die jetzt hier alle verköstigen, dann geht das richtig ins Geld. Wie soll das gehen, Jesus? Wir haben wenig und diese Menschen hier sind ziemlich viele!“

Vielleicht geht es uns als Christen heute manchmal auch so. Wir hören den Auftrag von Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt!“ Und dann denken wir: „Jesus, unsere Kraft ist klein, das Licht scheint nicht sehr hell.“ Oder wir hören seinen Auftrag: „Gehet in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker!“ (Matth. 28,19). Und wir denken: „Jesus, das ist für uns zwei Nummern zu groß. Wir können nicht so überzeugend predigen wie Ulrich Parzany in der Porsche-Arena.

Ein Blick auf unsere Ressourcen zeigt: Das reicht einfach nicht. Wir haben selbst nicht genug. Wir laden Leute ein, und sie kommen nicht. Wir bemühen uns eine attraktive Gemeinde zu sein und veranstalten sogar Projekttage mit Theaterstücken. Aber der ganz große Run hat nicht eingesetzt.

Rein menschlich gesehen ist die Aufforderung von Jesus eine Überforderung. Warum macht Jesus so etwas? Antwort: Er will, dass seine Nachfolger mehr Vertrauen lernen. Mehr Vertrauen in die Größe und die Möglichkeiten Gottes.

Diese Jünger machen den Standardfehler, den ich auch immer mache: Wir vertrauen auf unsere menschliche Logik und Bilanzen, auf Vernunft und Organisationstalent, auf das Geld auf dem Konto. Und wir fragen zu wenig: „Herr, wie wirst du dieses Problem lösen? Was ist deine Idee, deine Möglichkeiten? Herr, du bist der Schöpfer und Erhalter der Welt. Jedes Molekül atmet deine Größe. Da wird es dir schon möglich sein, ein paar Tausend Leute an einem bestimmten Tag X mit Brot zu versorgen.“

Wenn wir an einen wirklichen, lebendigen Gott und Vater glauben, dann müssen wir anders denken und glauben lernen. Think big! Denke groß!

Jesus fragt seine Jünger: „Wie viele Brote habt ihr?“ Und die Jünger sehen nach und kommen zurück mit fünf Broten und zwei Fischen. Das war vielleicht ihr Vorrat, keine Ahnung. Es ist lächerlich wenig angesichts der vielen Menschen. Dass das nicht reicht ist klar. Sie bringen das Wenige zu Jesus.

Auch was wir als Christen heute dazu beitragen können, dieser Welt Hoffnung zu geben, ist lächerlich wenig. Fast nichts. Begrenzte Möglichkeiten. Fünf Brote und zwei Fische eben.

Und hier kommt die nächste Überraschung vor dem Wunder: Leg doch einfach mal das Wenige, das du hast, komplett in die Hände von Jesus!

Gib es ihm. Das geht auch heute - mit einem Gebet: „Jesus, ich gebe dir das wenige, was ich habe.“ - Vielleicht hast du schon gebetet: „Herr, ich begleite meine Kinder so schlecht und bin überfordert.“ Antwort: Leg doch das Wenige, das du hast in die Hände von Jesus. –

Vielleicht hast festgestellt: All diese Prüfungen, die Pflege der Eltern, die Krankheiten und Sorgen, der Stress in der Arbeit, der Wunsch nach mehr Zeit – ich schaff es einfach nicht! Auch hier die Antwort: „Leg doch deine fünf Brote und zwei Fische in die Hände von Jesus!“ Das ist der heilige Clou dieser Geschichte: Jesus kann aus wenig Viel machen. -Und damit komme ich zum vierten Satz:

4. Jesus dankt, teilt und alle werden satt

Jesus nimmt diese fünf Brote und zwei Fische, sieht auf zum Himmel und dankt Gott dafür. Er teilt das Brot und die Jünger geben jedem davon. Dann auch die Fische. Alle essen. Alle werden satt.

Wir wissen nicht, wie das Wunder geschehen ist. Ich habe keinen einzigen Theologen gesehen, der das richtig erklären kann. Vielleicht ist das Wunder beim Dankgebet passiert. Danken kann manchmal Wunder bewirken. Oder es ist beim Brechen des Brotes durch die Hände Jesu passiert. Oder bei der Verteilung durch die Jünger oder beim Weiterverteilen von Tischgruppe zu Tischgruppe, von Mensch zu Mensch. Es ist ein seltsames Wunder, denn es hat fast keiner mitbekommen. Das Brot wird weitergegeben und jeder bekommt, was er braucht. Vielleicht haben die Menschen ihr eigenes Vesper noch dazu gelegt, weil sie jetzt so großzügig geworden sind. Am Ende ist jede Menge übrig.

Dieses Wunder ist das einzige Wunder, das im Neuen Testament in allen vier Evangelien vorkommt. Und im Markusevangelium kommt es sogar noch ein weiteres Mal vor - mit 4.000 Leuten. Rund 40 Jahre nach dem Ereignis war es bei den Jüngern und in der christlichen Gemeinde noch so eindrücklich präsent, dass sie es für uns aufgeschrieben haben. Es war ein außergewöhnlicher Tag dort am See Genezareth.

Alle Menschen werden satt: Die Seele wird satt von den Worten die Jesus spricht. Die Mägen werden satt mit dem Brot, für das er das Dankgebet gesprochen hat. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.“ (Matth. 7, 11) Dieser Tag war eine Unterrichtsstunde für die Jünger im Fach „Vertrauen lernen“. Sie hatten sich die Lösung völlig anders vorgestellt.

Auch heute kann aus wenig viel werden, wenn wir teilen. Das sehen wir an diesem Gemeindezentrum da drüben. Viele kleine Beträge ergeben große Beträge. Es gibt viele Menschen, Missionswerke und Projekte, die erlebt haben, wie abseits menschlicher Logik durch Gebet und Teilen Großes entsteht. Unsere ganze Kirche ist eigentlich ein Beispiel dafür.

Von einem anderen Wunder könnt ihr heute Abend bei ProChrist in der Porsche-Arena oder im Fernsehen bei ERF-TV hören und sehen. Da berichtet nämlich der Arzt Dr. Klaus-Dieter John wie er durch Gebet und Teilen im Jahr 2007 eine ganze Klinik in Peru einweihen konnte. Er hatte kein Unternehmen und kein Vermögen. Die ganze Klinik ist zusammen gebettelt, gespendet, geschenkt. Der Schlüssel für dieses Wunder ist: Abgeben und Teilen. Ich habe das Buch gelesen unter dem Titel „Ich habe Gott gesehen“ und es hat mich zu Tränen gerührt. Wenn ich mehr Zeit hätte, dann würde ich euch ein paar Geschichten daraus erzählen.

Die göttliche Logik und seine Möglichkeiten reichen aus um damals viele Tausend Leute satt zu machen und um heute eine Klinik in Peru zu bauen, die viele Tausend Menschen gesund macht. Wer es nicht glaubt, der lese das Buch, schaue ERF oder gehe heute in die Porsche-Arena.

Und damit komme ich zum letzten Satz – vielleicht der Entscheidende:

5. Jesus geht auf einen Berg und betet

Unser heutiger Text endet mit folgenden beiden Versen:

(45) Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und über den See nach Bethsaida zu fahren. Er selbst blieb zurück, um die Leute zu verabschieden. (46) Endlich war Jesus allein. Er ging auf einen Berg, um zu beten.

Eigentlich stehen diese Verse in allen Bibeln beim nächsten Abschnitt - unter einer neuen Überschrift. Ich glaube aber, dass dies das richtige Finale für unsere Geschichte ist. Jesus verabschiedet die Leute. Er spricht mit ihnen, hört noch einmal zu, spricht ihnen Mut zu. Er gibt ihnen ein Segenswort mit auf den Weg.

Und dann geht er auf einen Berg. Da gibt es keinen Durchgangsverkehr. Da ist es ruhig. Niemand wird ihn stören. Er ist ganz allein, Gott ganz nah. Jesus sucht die Nähe zu Gott, zu seinem Vater im Himmel.

Was wird er ihm wohl gesagt haben? Ich denke, er hat mit ihm das besprochen, was er da gerade erlebt hat: „Vater, diese Menschen sind wie Schafe ohne Hirten, sie brauchen Orientierung, Hilfe, Heilung und Rettung.“ Sicher hat er auch für seine Jünger gebetet, während sie da unten auf dem See schon wieder in den nächsten Sturm geraten.

In Johannes 17 lesen wir ein langes Gebet von Jesus, das sogenannte Hohepriesterliche Gebet. Da betet Jesus:

Bewahre sie in deiner göttlichen Gegenwart. Ich bitte dich, sie vor dem Bösen in Schutz zu nehmen. Ich sende sie in die Welt, so wie du mich in die Welt gesandt hast. Ich bete nicht nur für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort von mir hören und zum Glauben an mich kommen. Ich bete darum, dass sie alle eins sind, so wie du und ich.“

Das sind nur wenige Sätze aus einem sehr langen Gebet. Die geistliche Kraft von Jesus kommt aus der Stille. Was er den Menschen zu sagen hat, hat er zuerst mit seinem Vater besprochen. Und er hat für seine Jünger gebetet, sogar für dich und mich, für alle, die ihm nachfolgen.

Im Gebet können wir unser Leben mit Gott klären. Darum Leute: Betet! Geistliche Kraft kommt aus der Stille. Wenn du eher beim Volk der 5.000 Zuhörer bist, bei den Neugierigen und Suchenden, dann stelle ihm die ganzen offenen Fragen. Und wenn du eher bei den zwölf Jüngern bist, dann trau ihm doch zu, dass er aus wenig viel machen kann.

Wer so im Gespräch mit Gott ist, der bekommt Antworten und neuen Glauben, der gewinnt eine neue Sicht auf sein Leben und auf diese Welt. Der Gott, der Jesus geschickt hat, der wird auch uns nicht vergessen. Er kann uns alle satt machen, nicht nur mit äußerer Nahrung, sondern auch mit all dem, was wir da innen drin zum Leben brauchen.

Jesus selbst hat gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Und wer sich an mich hält, der wird keinen Durst mehr haben.“ (Joh. 6, 35). Probieren wir es aus.

Amen.