Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 13,31.32

Pfarrerin Britta Beuscher (ev) und Pfarrer Uwe Löttgen-Tangermann (ev)

29.04.2012 in der Erlöserkirche Bad Honnef

Konfirmation 2012

www.gott.am

was wird werden. Gott. aus mir

Predigttext zuvor als Lesung gelesen:

Matthäus 13,31.32

Jesus erzählte der Volksmenge ein weiteres Gleichnis:

Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn:

Ein Mann nahm es

und pflanzte es auf seinem Acker an.

Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern.

Aber wenn eine Pflanze daraus gewachsen ist, ist sie größer als die anderen Sträucher.

Sie wird ein richtiger Baum.

Die Vögel kommen

und bauen ihr Nest in seinen Zweigen.

Liebe Konfirmationsgemeinde!

www.

Das kennt jeder.

Ihr, liebe Konfis, kennt das von früher – aus der Sesamstrasse:

Wieso weshalb warum – wer nicht fragt bleibt dumm!

Fragen sind wichtig im Leben.

Ihr habt schon viel gefragt. Deshalb seid ihr nicht dumm geblieben – im Gegenteil, ihr wisst `ne Menge,

was ihr nicht wisst, schlagt ihr nach: im www - im world wide web.

Also, wenn ich mit meinen Kindern diskutiere und es taucht eine Frage auf, dann holen die einfach ihr smartphone raus – gehen ins www und haben ganz schnell die Antwort.

Auf eine Frage findet man da allerdings keine Antwort – und das ist heute unsere Frage:

WWW – was wird werden ?

Auf diese Frage lässt sich im world wide web keine Antwort finden.

Diese Antwort musst Du selbst finden – und zwar mit deinem Leben.

Was wird werden? Aus mir?

Diese Frage steht über jedem Leben.

Was wird werden aus mir?

Bundeskanzler, Handwerkerin, Gefängnisinsasse, Bankdirektorin…

Was wird werden - an solchen Tagen wie heute steht diese Frage mitten im Raum. Und es ist gut, dass es diese Tage des Innehaltens und Besinnens in unserem hektischen Alltag gibt.

Also lasst uns darüber nachdenken: Was wird werden?

Dabei geht es um mehr als um die Berufswahl.

Die Frage reicht weiter:

Werde ich finden, was ich mir wünsche? Wird mein Leben gelingen? Werde ich glücklich werden? Werde ich einen guten Partner fürs Leben finden? Werde ich am Ende sagen können, dass mein Leben erfüllt war?

Eure Eltern fragen sich das für euch heute auch.

Sie denken vielleicht:

Vor 13-14 Jahren hielten wir noch ein kleines plärrendes und nicht immer wohlriechendes Bündel im Arm – und jetzt sind es schon selbstständige attraktive junge Frauen und Männer mit eigenem Charakter – wie schnell ist doch die Zeit vergangen! Und wie wird`s jetzt weiter gehen?

Und mit dieser Frage „was wird werden“

tauchen bei den Eltern

auch schon weitere Fragen am Horizont auf:

Was wird erst werden, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

Schaffen wir es, unsere Kinder gehen zu lassen?

Werden Sie dem Leben gewachsen sein?

Was wird aus meiner Partnerschaft werden?

Und für die Großeltern hat die Frage noch ein anderes Gesicht:

Wie wird das werden mit dem Älterwerden?

Bringt das Leben noch neues?

Bin ich noch was wert?

Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?

Und was kommt dann?

Was wird werden - Eine Frage, die nie aufhört.

Eine Frage, auf die es keine theoretische Antwort gibt.

Wir werden sie vielmehr mit unserem Leben selbst beantworten müssen.

Aber wie?

Wie finde ich an den Kreuzungen und Weggabelungen des Lebens den richtigen Weg, der mich weiter bringt.

Weiß ich denn, wohin der Weg nach der nächsten Biegung führt?

Ob Gefahren lauern?

Ob ein leichter ebener sonnen beschienener Wegabschnitt folgt oder eine Steigung, die einen an die Grenze bringt?

Wir können ja nicht von oben auf unser Leben blicken.

Meist weiß man erst im Nachhinein, was gut und richtig war.

Zu allen Zeiten haben Menschen gespürt:

Diese Frage hat auch eine tiefgründige, religiöse Dimension und hängt zusammen mit den Grundfragen des Menschen: den www-Fragen:

woher komme ich / wohin gehe ich / was gibt dem Leben Sinn?

Als Christen fragen wir nicht nur uns selbst,

für uns Christen hat diese Frage eine Adresse –

wir wenden uns mit ihr an Gott:

Was wird werden, Gott?

www.gott.am – was wird werden, Gott, aus mir?

Diese Frage ist nicht eine Frage in dem Sinne,

dass wir darauf eine ausführliche theoretische Antwort erwarten, über die wir dann mit Gott verhandeln könnten.

Sondern entscheidend an der Frage ist, dass wir uns mit aller Unsicherheit, die eine so offene Zukunft mit sich bringt, an Gott wenden und uns ihm anvertrauen.

Was auch immer kommen mag.

Denn eins ist klar – von dem, was hinter der nächsten Wegbiegung kommt, haben wir nur sehr wenig in der Hand.

Wir können uns anstrengen, und unser bestes geben, durch Leistung und Arbeit viel erreichen, aber ob wir glücklich werden und unser Leben gelingt, ob wir gesund bleiben und innerlich zufrieden durchs Leben gehen, das liegt nicht allein in unserer Hand.

Gott hat versprochen, uns durch unser Leben zu begleiten – das hat er uns in der Taufe zugesprochen,

und das wird gleich noch einmal bekräftigt / bestärkt, wenn wir euch segnen.

Das bedeutet ja Konfirmation – confirmare = bekräftigen zu deutsch,

Gott bekräftigt sein Versprechen an euch.

Als Christen vertrauen wir auf Gottes Versprechen.

Und dieses Vertrauen gibt im Leben eine unglaubliche Kraft, eine innere Festigkeit, eine Art Bodenständigkeit.

Auf jedem Weg gibt es mal Hindernisse. Eine schwere Krankheit, man trennt sich von dem Menschen, mit dem man zusammen durchs leben gehen wollte. Man hat erlebt beruflich die volle Pleite. Und dann steht man vor diesem Hindernis und weiß nicht, wie man es überwinden kann.

Und manch einen verlässt der Mut und er sackt in sich zusammen und gibt sich auf.

Das Vertrauen, da geht einer mit mir, der zu mir steht und mir hilft, das gibt die Kraft, die Hindernisse anzugehen und mit ihnen fertig zu werden.

Oder da gibt es Unsicherheiten auf dem Weg. Kennt ihr das nicht auch?

Bin ich eigentlich noch auf dem richtigen Weg? Hätte ich nicht...?

Das ist normal.

Manch einer ist dann wie gelähmt und sagt: Hätte ich doch damals alles anders gemacht und.. und wird ganz depressiv.
Das Vertrauen auf Gott gibt die Energie, dass diese Unsicherheit einen nicht lähmt.

Und selbst wenn ich einmal in einer Sackgasse gelandet bin, weil ich einen Fehler gemacht habe,

weil ich falsche Entscheidungen getroffen habe,

weil ich eine Schuld auf mich geladen habe,

dann ist mein Leben noch längst nicht verwirkt,

sondern dann gibt Gott die Kraft, neue Wege zu wagen.

Ein solcher Glaube ist wie eine Quelle am Wegrand,

aus der ich Kraft und Energie für den weiteren Weg schöpfe.

Manch einer wird sagen: So viel Glauben habe ich aber nicht!

Das hat auch Jesus schon zu hören bekommen.

Die Menschen sagten: wenn wir ein solches Vertrauen hätten wie Du…dann wären wir stark und würden uns sicher fühlen!

Und das ist das wunderbare, wie Jesus darauf reagiert: Er sagt nicht, stimmt, das ist zu wenig, sondern: schau doch mal, da ist Glauben in dir, vielleicht nur so groß wie ein kleines Senfkorn. Das ist schon viel. Auch aus einem Senfkorn wird ein großer Baum. Und seine Zweige bieten den Vögeln des Himmels eine Heimat.

Selbst, wenn nur ein ganz kleines bisschen da ist – fang mit diesem bisschen an.

Es wird werden – und wachsen – Du wirst Dich wundern!

Denn Gott wird Dich begleiten im www –

im Werden, im Wachsen, im Wandern.

Er sieht nicht die Kleinheit des Senfkorns, sondern was daraus werden kann, was daraus erwächst.

Gott sieht nicht euren kleinen Senfkornglauben, sondern die Möglichkeiten, die in euch stecken,

jedem hat er Gaben und Talente verliehen,

manche werdet ihr schon entdeckt haben – manche liegen womöglich noch verborgen in euch und werden sich noch entfalten.

Wir Menschen neigen meist dazu, auf das zu schauen, was noch nicht ist,

was nicht so gut ist wie bei anderen,

wir vergleichen uns und denken dann: ich bin nicht so schön wie die, nicht so schlank, nicht zu begehrt.

Ich bin nicht so stark wie der, nicht so gut aussehend, nicht so talentiert.

Und dann verliert man das Selbstvertrauen und fühlt sich schlecht.

Jesus traut uns mehr zu, so erzählt dieses Gleichnis.

Er sagt: In dir steckt mehr als Du denkst.

Hör auf dich zu vergleichen; hab das Vertrauen:

dass Wunderbare, das in dir liegt,

wird werden und wachsen.

Du bist wertvoll bei Gott,

unabhängig davon, ob du perfekt bist,

oder Erfolge aufweisen kannst, unabhängig davon,

ob Du viel Geld hast und andere zu Dir aufschauen.

Für Gott bist Du wertvoll- wichtig- wunderbar- einfach, weil es Dich gibt, weil er Dich gewollt hat.

Da ist es ja wieder, dieses www:

Wertvoll, wichtig, wunderbar.

Wir wünschen euch, dass ihr darauf vertrauen könnt,

dass Gott den Fragen eures Lebens Antworten schenkt,

und eurem Leben viele Fragen schenkt.

Denn wer aufhört zu fragen, erwartet nichts mehr und wird auch Gott nicht begegnen.

Wir wünschen Euch Segen – in dem Sinne, dass Gott euch begleitet - auch auf krummen, steinigen und steilen Wegen.

Und denkt daran:

wer glaubt, ist nicht auf sich allein gestellt,

sondern er gehört zum w.w.w. – zum world wide web –

und zwar zum ältesten welt- weiten- Netz

zum weltweiten Netz der Christen.

So wünschen wir euch von Herzen, dass euer Glaube euch hilft bei eurer Suche nach eurem Weg – euch hilft, vieles Wertvolle zu finden,

ja, dass ihr euer Leben selbst als wertvoll erachtet,

dass ihr das Leben in seiner ganzen Fülle findet

und die Frage,

WAS WIRD WERDEN, GOTT, AUS MIR,

so ihre Antwort findet.

Mit anderen Worten: Wir wünschen euch, dass Gottes Segen euch auf eurem Weg begleiten möge.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.