Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 14,15 – 21

Pfarrer Wolfgang Fingerle (ev)

17.01.2015 in der Andreaskirche in St. Johann-Würtingen

Gottesdienst mit Narrenzünften

„Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus.
Amen

Holde Narren – und alle anderen!
Zum Beten, Singen und zum Hören auf Gottes Wort,
sind wir vereint, nichts kann uns nun die Andacht stören,
nur ein Gesicht, das jetzt noch weint!

Pfeifen….„Don‘t worry – Gemeinde: be happy!“

Die Frohe Botschaft soll erklingen
durch Jesus Christus, unseren Herrn,
er will, dass Menschen fröhlich singen,
so sieht er seine Schäflein gern!
Und ihr seid da, um ihn zu hören –
doch Vorsicht, denn er könnte stören,
mit seinem Handeln, seinem Wort,
an diesem ruhigen, schönen Ort.
Ihr seid in Stimmung, seid gut drauf,
seid gekommen gar „zu Hauf“,
das freut nicht nur den Mann dort oben,
gemeinsam wollen wir ihn loben.
Habt ihr gefrühstückt? Seid ihr satt?
Dann seid ihr besser dran als jene,
die Jesus heute vor sich hat,
bei einem Gottesdienst im Grünen
nein, nicht am Meer und in den Dünen,
am See – zu Hauf warn sie gekommen,
den Hügel hatten sie erklommen,
verfolgten ihn auf Schritt und Tritt,
und brachten Frau und Kinder mit.
Warum? Fragst du dich jetzt im Stillen,
Gab‘s Bauernbrot und was zum Grillen?
Nein!  Sein Wort allein war ihr Begehr,
von ihm sie wollten mehr und mehr.
Der Tag war lang, die Sonne heiß,
von mancher Stirne floss der Schweiß,
und floss sein Wort in ihre Herzen,
ließ sie vergessen manche Schmerzen.
Und Jesus predigt Stund um Stund,
erzählt von jenem heil‘gen Bund,
der Gott und Mensch in ihm vereint,
jetzt gibt es niemand mehr der weint
aus Angst, er wäre gar verloren,
fürs Fegefeuer auserkoren –
fürs Fegefeuer habt ihr, liebe katholischen
Glaubensgeschwister ja ein ganz besonderes Fable
.
Lass dir’s in Jesu Namen sagen,
hör, was er dir und mir verspricht:
Die Kraft Gottes ist in mir, er hat mich dafür ausgesucht,
um den Leuten, die arm sind und nichts haben, eine gute
Nachricht zu bringen. Er will von mir, dass ich Gefangene
und Süchtige befreie und Blinden die Ansage mache,
dass sie wieder sehen können. Ich soll den Unterdrückten
den Weg in die Freiheit zeigen und folgende Nachricht
an alle ausgeben: Ab jetzt fängt eine gute Zeit an,
eine besondere Zeit, eine göttliche Zeit
.“  Lk 4, 18.19
Hast du’s gehört, hast du’s vernommen,
mit Jesus ist die Zeit gekommen,
mit ihm wird auch dein Leben rund,
das tut er dir und mir heut‘ kund. ---
Bist du noch zögernd – unentschlossen,
vertrau auf Jesus unverdrossen,
mach ihm dein Herz auf, lass ihn walten,
du wirst dich wundern, wie die Alten,
die damals ihn am Berghang hörten,
wo allenfalls die Krähen störten.
Sein Wort war Labsal ihren Herzen,
die wollten gar nicht wieder heim,
vergaßen Trübsal, Kummer, Schmerzen,
die wollten nur noch bei ihm sein.
Ich weiß es nicht, ob sie auch sangen,
Choräle dort am Berg erklangen,
zum Lobe Gottes, unsres Herrn,
denn, wie gesagt, der hört es gern,
wenn seine Schäflein ihm lobsingen,
drum lasst es laut und fröhlich klingen:

Pfeifen….„Don‘t worry – Gemeinde: be happy!“

Doch überm Hören, ach ihr Lieben,
ist die Zeit nicht stehn geblieben,
denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!“
Und was nun passiert – das will ich nicht reimen.
Vom Ernst der Lage, hörst du im reinen
Wort aus der Schrift, wie Matthäus erzählt
und dabei folgende Worte wählt…

Seine Jünger kamen zu Jesus und sagten: »Es ist schon spät und die Gegend hier ist einsam. Schick doch die Leute weg!
Sie sollen in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen
Jesus antwortete ihnen: »Warum sollen sie weggehen?
Gebt doch ihr ihnen zu essen

Die Jünger hielten ihm entgegen:
»Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.«
»Bringt sie mir her
!«, sagte Jesus.
Er forderte die Leute auf, sich ins Gras zu setzen. Dann nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und sprach das Segensgebet darüber. Er brach die Brote in Stücke und gab sie den Jüngern, und die verteilten sie an die Menge.
Alle aßen und wurden satt, und sie füllten sogar noch zwölf Körbe mit dem Brot, das übrig blieb. Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, dazu noch Frauen und Kinder.
Ein Wunder – denkst du – und hast sicher Recht,
zehntausend Menschen – gar nicht schlecht,
mit Wenig alle satt zu kriegen,
das muss an diesem Jesus liegen.
Die Jünger dachten eher pragmatisch,
im Denken keinesfalls phlegmatisch:
Komm – schick sie weg und lass sie laufen,
im nächsten Dorf das Nöt’ge kaufen!
Zuhause sollen sie sich laben,
wenn sie großen Hunger haben
!“
Doch dann der Knüller – sie werden‘s nie vergessen,
die Antwort Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen!“  
Mein lieber Mann, die waren platt,
Zehntausend werden niemals satt,
von diesen Fischchen und dem Brot,
wir leiden alle Hungersnot.
Und doch, lasst es euch deutlich sagen
ihr lieben Narren, habt gut Acht,
dem Hunger ging es an den Kragen,
weil sie die Beutel aufgemacht.
Die Jünger machten sich zu Eigen
die Not der Menschen, dort am Berg,
und konnten damit deutlich zeigen:
Zuerst bist du gefragt am Werk!
Den guten Ratschlag haben viele:
Ach schick sie weg! Problem gelöst!“
Pegida macht sich’s gar zum Ziele,
die Angst, sie wird dir eingeflößt:
Es kommen Fremde, wilde Horten,
die nehmen dir das letzte Hemd,
mit Kopftuch gar und and’re Sorten,
die Religion dir völlig fremd.
„Ach, was muss man oft von bösen
Menschen hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
welche schlicht PEGIDA hießen;
die, anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren,
oftmals noch darüber lachten und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit, ja, dazu ist man bereit!
Menschen locken, Meinung quälen,
Angst und Fremdenhass  erwählen.  
Das ist freilich angenehmer und dazu auch viel bequemer,
als mit Hirn – woher nehmen und nicht stehlen? –
und Sachverstand mit den Menschen diskutieren,
und nicht hirnlos zu verführen –
wohin uns schon mal einer führte
.
Thomas Tallacker, Mitglied im Organisationsteam von PEGIDA, hetzt gegen Asylbewerber: „Was wollen wir mit dem zu 90 %
ungebildeten Pack, was hier nur Hartz 4 kassiert
und unseren Sozialstaat ausblutet
."
Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!
Ach, das war ein schlimmes Ding, wie’s zuletzt PEGIDA ging!
Hoffentlich, ihr lieben Narren,
lasst euch nicht spannen vor den Karren,
der dir und mir nichts Gutes bringt.
Übrigens:
Uns Evangelische begleitet dieses Jahr eine Jahreslosung, in der der Apostel Paulus allen Christenmenschen ans Herz legt:
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!“  Rö 15, 7
Und so feiern wir!
Wir feiern heut‘ ein Fest – ganz ohne Frage,
wir singen und sind guten Mut’s,
und doch nagt in uns auch die Klage,
die Faust geballt – ja, es ist Wut –
und große Trauer, die wir tragen
mit unsrem Nachbarn überm Rhein:
Lasst uns in aller Freude sagen:
Wir leiden mit in ihrer Pein! – Bei Gott!
Wir geben uns jetzt nicht geschlagen,
noch hat der Terror nicht gesiegt,
wir werden es auch forthin wagen,
dass Menschenrecht und Freiheit siegt.
Auch wenn des Dichters Verse mahnen,
uns manches heut‘ schon lässt erahnen –
er weiß es und wir wissen’s auch:
Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
verderblich ist des Tigers Zahn,
jedoch der schrecklichste der Schrecken,
das ist der Mensch in seinem Wahn
.  (Schiller: „Die Glocke“)
Drum „Halleluja“, froh gesungen,
dass Menschen heute sind vereint,
die Freude hat den Sieg errungen,
nicht nur die Narren sind gemeint,
das ganze Dorf und Tausend mehr
nach Lust und Laune ihr Begehr.
Du kannst heut gar nicht anders singen,
drum lassen wir‘s nochmal erklingen:

Pfeifen…„Don‘t worry – Gemeinde: be happy!“

Hast du’s noch im Kopf, wo wir grad sind?
Zehntausend Männer, Frau und Kind,
sie wurden satt – doch nun das Beste,
vom Brot gab es noch reichlich Reste.
Der Hering aber – ungewürzt,
auf den hat sich das Volk gestürzt,
man fand noch Gräten, Kopf und Flossen,
ansonsten alles wur’d genossen.
I woiß, mir Schwoba hends et so mit Fisch,
bei ons muas an Schwardamagen auf d Disch
!
Sie wurden satt – der Hunger gestillt,
und waren nun ganz neu gewillt,
ein offn‘es Ohr, dem Mann zu geben,
dem sie verdankten reichen Segen.
Doch Halt!
Zum Wunder wär‘ es nie gekommen,
hätten die Jünger nicht bedacht,
und aus dem Wenigen genommen
im Beutel Inventur gemacht...
…gaben das Ihre – gaben ihr Brot,
und mit dem lindert Jesus die Not.
Hast du’s gehört – lass dir’s auch sagen:
Mit Jesus kannst du Vieles wagen!
Du meinst, du seist ein kleines Licht,
die andern hätten mehr Gewicht?
Lass dich nicht täuschen – du bist du!
Ja wer von uns ist denn vollkommen?
Ein Esel springt nicht wie ein Gnu,
doch beide hat der Herr genommen
und sie in seiner Schöpfung Pracht,
zu Tieren seiner Wahl gemacht.
Sehet die Vögel unter dem Himmel:
sie säen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln nicht in die Scheunen;
und euer himmlischer Vater nährt sie doch.
Seid ihr denn nicht viel mehr als sie
?“  Mt 6, 26
Und doch, ihr Lieben, sind wir ehrlich,
nach mehr und mehr steht uns der Sinn,
im Luxus lebend – noch begehrlich:
Wie steht der Dax? Wo gibt’s Gewinn?
Und seh‘ die Jünger, Brot und Fisch:
Sie haben nichts zurückbehalten,
sie legen alles auf den Tisch.
Sie geben ‘s Jesus, ihm vertrauend,
nicht auf den eignen Mangel schauend.
Sein Wort, sie werden‘s nie vergessen,
ganz schlicht: „Gebt ihr ihnen zu essen!“  
Und wir, wir hören’s heute Morgen,
wir, die wir in der Fülle stehn,
um Kleinigkeiten wir uns sorgen,
lasst uns die Not der andern sehn.
 „Gebt ihr ihnen zu essen!“…
…auch denen, die bald zu uns kommen,
sie sind bei uns im Dorf willkommen!
Nicht Lust und Laune sie getrieben,
von Krieg und Terror aufgerieben,
suchen sie Heimat, Frieden, Brot,
sind geflohen aus Hass und Not.
Gebt ihr ihnen zu essen!“…
Sie haben fürstlich uns gefüttert,
die Kandidaten für die Wahl,
wir waren alle tief erschüttert,
das wählen wird uns nun zur Qual.
Wer wird uns in die Zukunft führen,
wenn nun der „Alte“ von uns geh
t
wir Bürger werden es bald spüren,
was für ein Windchen um uns weht.
Versprechungen, wir hörten viele,
doch steh’n sie auch zu ihrem Wort,
sie haben alle hohe Ziele,
doch’s Rathaus ist ein harter Ort.
Nun werden wir ihn erst mal wählen,
werden dann die Stimmen zählen,
und hoffen, dass nur der gewinnt,
für den ein jeder hat gestimmt.
Und dann lasst uns beharrlich schauen,
auf seine Fähigkeiten bauen.
Wir wünschen ihm schon heut‘ viel Kraft,
dass er das Unmögliche schafft.
Lasst uns für den neuen Bürgermeister singen:

Pfeifen…„Don‘t worry – Gemeinde: be happy!“

Vom Wunder am Berg, heut‘ wir vernommen,
Zehntausend sind dereinst gekommen,
denn Jesus brachte nicht nur Brot,
er sieht bis heut‘ die Welt in Not.
Sieht, wie der Mensch von Gott getrennt,
ständig um sein Leben rennt.
Um uns zu retten aus der Qual,
blieb Gott gar keine and’re Wahl:
Karfreitag – Ostern – Kreuz und Leben,
Gott selber hat sich hingegeben.
Gott hat im Sohn sich selbst geschenkt,
wurde im Sohn ans Kreuz gehängt!
Als Narr verhöhnt, bespuckt, verlacht,
doch der am Kreuz hat es bedacht:

Mit mir, es stirbt die Sünd‘ der Welt,
und jeder, der sich an mich hält,
wird aufersteh‘n aus Schuld und Tod
,
in meiner Liebe keine Not.
So, lieber Narr, ist’s Gottes Art,
an Liebe hat er nicht gespart.
Lass dich von seiner Liebe lieben,
sei von Jesu Geist getrieben,
dann bleibst du Narr für diese Welt,
die seine Lieb‘ für Unsinn hält.
Auch wenn die Maske dich verhüllt,
vor ihm brauchst du dich nicht verstecken,
von seiner Liebe ganz erfüllt,
darfst du in Freude and‘re necken!
Ihr lieben Narren, ´s ist ein Muss,
d’r Fingerle kommt jetzt zum Schluss,
ihr könnt euch bei den nächsten Sätzen
schon ganz entspannt auf’s Bänkle setzen.
Bevor ihr geht, lasst es mich wagen,
ich möchte‘ noch was zum Opfer sagen:
Wir teilen uns die reiche Beute,
drum öffne deinen Beutel heute,
lass dich nicht lumpen, gib was her,
dann bist du nachher nicht so schwer!
Doch nun, ihr liebes Volk der Narren,
spannet den Frohsinn vor den Karren,
zieht durch das Dorf heut‘ eure Kreise,
in närrischer und guter Weise.
Bleibt lustig, bleibt in Heiterkeit,
denn Aschermittwoch ist noch weit
!
Ich wünsch euch Freud‘ im Narrentum,
vergesst nicht `s Evangelium,
vergesst nicht den, der alles lenkt,
der euch die pure Freude schenkt.
Freut euch in Jesu Christi Namen,
in seinem Geiste sag’ ich Amen.