Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Matthäus 14,22-33

Diakon Dr. theol. Emmerich Beneder (rk)

10.08.2008 in Innsbruch / Österreich

Wer auf Christus schaut, wird gerettet; wer auf den Sturm schaut, geht unter

Darf ich mit einer Frage beginnen? Wer von uns kennt die prophetische Warnung des russischen Religionsphilosophen Wladimir Solowjew (1853-1900). Er schrieb: „Es werden Tage kommen, in denen die Christenheit versuchen wird, die Tatsache des Heils in eine bloße Ansammlung von Werten aufzulösen“.  Vor dieser Situation
stehen wir heute. Jesus wird mit seinem Kreuz und seiner Auferstehung ausgeklammert. Eine Reihe von Christen verzichtet auf die Wirklichkeit der Auferstehung. Ich merke dies immer wieder bei Begräbnissen. Der Glaube an eine Auferstehung ist auch unter Christen nicht mehr vorhanden.

Doch wäre Jesus im Grab geblieben, wären wir jetzt nicht hier, hätten wir die heutige Schriftstelle nie zu Ohr bekommen, wäre das Evangelium nie geschrieben worden. Die Gegner Jesu haben geglaubt, dass mit dem Tod Jesu alles aus sei. Doch ihre Rechnung ging nicht auf. Der Auferstandene wirkt weiter. Dadurch bekommt das Wort Jesu, das vor 2000 Jahren gesprochen wurde, für alle Zeiten Bedeutung.     

Was will uns das heutige Evangelium sagen? Der Auferstandene ist auf dem Weg zu uns. Er kommt uns vom anderen Ufer entgegen. Von ihm erwarten wir Hilfe. Wir bewegen uns auf dem offenen Meer des Lebens. Da herrschen Stürme und Gegenwind. Und im Boot sitzen Progressive und Konservative, Pessimisten und Optimisten. Das Schiff kommt da nur langsam vorwärts.  

Doch der Auferstandene verliert uns nicht aus den Augen. Er sieht uns vom anderen Ufer. Er sieht wie wir mühsam rudern. Er kommt uns entgegen, nicht gleich, nicht sofort, um uns jede Mühe abzunehmen. Er erscheint erst in der letzten Nachtwache, das ist die Zeit zwischen drei und sechs Uhr, bevor der Tag noch dämmert. Er lässt uns plagen mit dem aufgewühltem Meer.

Einige von uns werden fragen: „Hätte er nicht früher helfen können?“
Ein Herr aus unserer Pfarre hat mir erzählt, dass er in ein Loch gefallen ist und nicht mehr weiß, wie er da herauskommen kann. Wo ist der Auferstandene? Das Evangelium sagt uns, dass Jesus für uns wacht und betet, dass wir im Sturm nicht untergehen.

Da merken die Apostel, dass jemand auf den Wasserwellen zu ihnen kommt. Sie denken an ein Gespenst. Sie erkennen Jesus nicht. Auch wir Christen erkennen oft den Auferstandenen nicht. Mitten unter uns ist er, unter den Gestalten von Brot und Wein. Aber eine Reihe von Menschen glauben es nicht.

Jetzt sagt Jesus zu Petrus, zu mir, zu uns allen: „Komm!“ Aber wie soll ich zu Jesus gelangen? Das Wasser hat keine Balken. Im Wasser kann ich mich nirgends festhalten. Jesus sagt nur: „Komm, vertrau meinem Wort, dann wirst du getragen“.     
Petrus probiert es, schaut auf den Sturm und droht unterzugehen. Er schreit laut: „Herr, rette mich!“ Jesus streckt sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“

Was will uns dieses Evangelium sagen? Schaue ich auf die Stürme des Lebens gehe ich unter, schaue ich aber auf den Auferstandenen werde ich gerettet. Komme ich glücklich ans andere Ufer.


 


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