Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 22,1-14

Pfarrer i.R. Johannes Peuckert

04.06.2005 in Leisnig-Tragnitz

Anlässlich des Kirchenchortreffens 2005 der Ephorie Leisnig-Schotz

Anlässlich des Kirchenchortreffens 2005 der Ephorie Leisnig-Schotz

Vorhin zwischen den Proben und dem Gottesdienst sprach mit einer an und sagte: „Was, ein Pfarrer soll hier auch noch auftreten?“ Also ja, er tritt auf.

Wenn bei einem Fest eine Rede gehalten wird, gilt das ungeschriebene Gesetzt, dass sie immer etwas über der herrschenden Stimmung liegen soll. Wenn ihr einmal bei einer Hochzeit zu reden habt, könnt ihr euch daran erinnern. Ich bin aber nicht dazu da, die Stimmung anzuheben, sondern das Wort Gottes zu predigen.

Was wird in dieser Predigt alles vorkommen? Z.B. die Hochzeit von Prinz Charles, die Gummistiefel seiner Frau Camilla, der Kirchentag, ein Verkaufsmarkt von IKEA, Wiener Würstchen, ein Vernichtungskrieg und dass wir das heute ja nicht vergessen: Musik. Hören wir also einen Text, zu dem das alles passt.

Lesung des Predigttextes

Da sind also eine Menge Leute zu einer Hochzeit eingeladen, zu einer Hochzeit bei einem König. Und da Jesus die Geschichte erzählt, können wir davon ausgehen, dass auch wir zu dieser Hochzeit eingeladen sind. Was meint ihr: Wollen wir hingehen?

(In der Gemeinde verhaltene Reaktion.)

Also gehen wir hin. Wir kommen da in ein wundervolles, prächtiges Schloss, es glänzt nur so von Gold und funkelt von Edelsteinen. Der Kreml in Moskau verblasst dagegen. Da gehen wir hinein und dürfen nicht nur besichtigen, sondern mitfeiern. Nicht, dass ihr denkt, ich erzähle euch jetzt irgendwas. Wir machen da mal ein Quiz: Von diesem Schloss singen wir auch im Gesangbuch: „Was will doch wohl… dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?“ In welchem Lied finden wir das?

(Gemurmel in der Gemeinde, eine Stimme: Geh aus mein Herz und suche Freud.)

So ist es, vielen Dank. Nun wissen wir bereits, um welches Schloss es sich handelt. Die Kirchen haben versucht, diesen Glanz abzubilden und von Leisnig bis Rom ihre Kirchen so schön gemacht wie möglich. Wenn ihr jetzt im Urlaub irgendeine Stadt besichtigt, werden die Kirchen immer wieder an erster Stelle stehen. Und nun sehen wir die Leute, die gekommen sind! Welche Massen! Große und Kleine, Alte und Junge, Männer und Frauen, Weiße und Schwarze, auch die Roten und Grünen sind dabei, wie auf dem Kirchentag so bunt. Und nicht nur nette Leute sind dabei. Guck mal dahinten, da hat einer seine Finger in der Tasche seines Nachbarn. Jetzt zieht der das Portemonnaie heraus. Ein Taschendieb. Auf politischer Ebene nennt man so etwas anders, aber auf dieser Ebene befinden wir uns jetzt nicht. Wollen wir die Polizei rufen? Ach, da kommt schon der König selber. Alle verbeugen sich tief. Der König fängt an, die Einzelnen zu begrüßen. Ja, er ist sehr freundlich und hat für jeden ein gutes Wort. Aber da, was ist das? Da lässt er einen abführen. War an seiner Kleidung etwas? Aber er sah doch sehr proper und selbstbewusst aus. Jetzt haben sie ihn draußen, und da fängt das Spektakel an! Also, jetzt gucken wir erst mal auf uns selber, ob da alles tadellos ist. Meine Mutter sagte früher immer: Wenn du mal wohin gehst, guck erst an dir runter, ob alles in Ordnung ist, und sieh nach, ob auch die Fingernägel sauber sind. Vorhin, als ich zu Hause fort fuhr, hat mir meine Frau noch schnell ein frisches Taschentuch zugesteckt.

(Heiterkeit)

Naja, von außen her ist schon alles in Ordnung. Aber da fällt mir die Geschichte ein. Vorige Woche war ich in Dresden im neuen Grünen Gewölbe. Dort auch wieder der Hofstaat von Delhi beim Geburtstag des Großmoguls ausgestellt. Kennt ihr alle. Wie sieht der aus: Da thront der Großmogul auf seinem Thron. Die Gäste kommen auf Elefanten angeritten, schreiten unter Baldachin daher, umgeben von ihrem Gefolge. Sie bringen reiche Geschenke. Das Gold wird in einer großen Waage gewogen. Die Würdenträger selbst huldigen dem Großmogul. Sie werfen sich in gebührendem Abstand vor dem Thron nieder, lang hingestreckt. Es bedeutet: Du bist groß, du bist allmächtig, gegen dich sind wir nichts. Und als ich vor Jahren einmal in dem damaligen Lenigrad war, besuchte ich die einzige Kirche, in der ich einen Gottesdienst finden konnte. Es war die Nikolauskirche. Dort wäre ich bald über einen Mann gestolpert. Er war im Schatten einer Säule tief in sich zusammengekauert und betet ganz versunken und innig. Es ist dieselbe Haltung: Du bist allmächtig, du bist groß. Ich bin vor dir nichts. Diese innere Haltung ist es. Nicht dass du meinst, du hättest das Leben an allen Zipfeln, du seiest schön, stark und clever genug. Du brauchst Gott eigentlich gar nicht oder doch nur bei festlichen Gelegenheiten. Es geht nicht nur um das Äußere. Gott sieht ins Herz. Und das muss in Ordnung sein. Die Kleidung ist davon nur ein Spiegelbild. Als Camilla ihren Prinz Charles geheiratet hat, hat sie selbstverständlich ihre geliebten Gummistiefel zu Hause gelassen und sich so schön gemacht, wie möglich. Und bei uns ist es genau so, wenn wir sonntags Gott im Gottesdienst anbeten. Wir baden am Wochenende, damit wir erstmal sauber sind, und dann ziehen wir unsere guten Sachen an. Letztens haben mir die Frauen in Zschaitz (Dorf in der Nähe) bestätigt, was ich schon aus dem Thüringischen her kannte. Wenn früher die Frauen oder Männer neue Kleidung gekauft hatte, zogen sie die zuerst in die Kirche an, Gott zur Ehre.

(Raunen in der Kirche)

Natürlich war auch sofort die Kritik wach: Guck nur mal wie die einherstolziert. So eitel wie die… Natürlich ist jeder auf ein schönes neues Kleid auch stolz. Aber das andere sollte doch gewichtiger sein.

Inzwischen haben wir uns weiter im Saal umgehört. Das soll gar nicht die erste Feier sein, sagt man. Der König habe ja schon einmal eingeladen, und die Gäste wollten nicht kommen. Das war ja bei der Hochzeit von Prinz Charles ähnlich, da haben sich auch manche gekrönten Häupter entschuldigt oder doch Vorwände gefunden. Wollte nicht die Königin von Schweden an dem Tag unbedingt einen IKEA-Markt einweihen? Die Royals in London haben das mit britischer Gelassenheit getragen. Aber es soll türkische Familien geben, wenn da die Ehre der Familie verletzt ist, sind selbst Halbstarke unter Umständen zu allem fähig. In unserer Geschichte nimmt der König das nicht so hin, und als sie seine Boten totschlagen, läuft das Fass über. Nicht, dass ihr denkt, ich erzähl euch irgendwas. 40 Jahre nach Jesu Auferstehung war Jerusalem ein Trümmerhaufen und die ihn schmähten waren tot. Und ich weiß nicht, was Gott tun wird, wenn er sieht, dass so viele ihr tägliches Einerlei seiner Einladung vorziehen. Vielleicht ist ja die Weltgeschichte das Weltgericht. Wenn es aber einmal zum Klappen kommt, können weder Rote noch Schwarze dran drehen. Hoffen wir, dass Gott uns noch Gnadenfrist gibt.

Ja, nun sollte doch Zeit sein, sich nach dem Bräutigam umzusehen und nach der Braut. Seht, da kommt er. Christus selber ist der Bräutigam, und seine Braut ist die Kirche. Hoppla, da wird es für uns ernst. Wir gehören ja zur Kirche. Da sind wir also bei dieser Hochzeit nicht nur Zuschauer, wir werden selbst mit verheiratet. Und was soll das nun für uns bedeuten? Wie immer, wenn uns solche Bilder fremd sind, schlagen wir das Gesangbuch auf. Dort steht im Klartext, was gemeint ist. Also Quizfrage 2: Wenn von einer göttlichen Hochzeit die Rede ist, ist gemeint: „Gottheit und Menschheit vereinen sich beide, Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah…“ Wo finden wir das?

(Stimme aus der Gemeinde: Jesus ist kommen.)

Jawohl, es ist das erste Epiphaniaslied in unserem Gesangbuch. Ich will jetzt nur eines herausheben. Wenn wir mit Gott vereinigt sind, bedeutet das, dass unser Leben ein Ziel hat: Die Heimkehr ins Vaterhaus und dort das große Fest. Die alten Heiden kannten das nicht: Da ging es immer rundum: Frühling, Sommer, Herbst und Winter, säen und ernten, und zum Schluss weiß ja jeder, dass er irgendwann sterben muss. In diesem Leben hat Gott eine Richtung und ein Ziel gegeben. In der Bibel beginnt es mit der Schöpfung, hat seinen Höhepunkt in Jesus Christus zur Zeitenwende und endet mit der neuen Welt. Bei uns beginnt es mit der Taufe und endet mit der Erfüllung. Nicht mit der Grube. Wenn Gott in unser Leben tritt, ist es, wie wenn ein über alles geliebter Mensch unser Leben teilen will. Da bekommt das Leben eine neue Dimension. Es wird das schönste Fest. Darum ist Weihnachten auch so schön. Denn da ist Gott Mensch geworden. Er teilt sein Leben mit uns. Und als der Kirchentag seine Ende zuging, sagte Margot Käßmann, die Bischöfin von Hannover, die Tage seien so schön und so gesegnet gewesen, „es war wie Weihnachten bei 30° Hitze.“

Wo ein schönes Fest gefeiert wird, wird natürlich auch gegessen und getrunken. Habt ihr das im TV gesehen, wie bei den Royals der Tisch gedeckt wurde, wie alles mit dem Zentimetermaß genau gemessen wurden, wie die Queen selber kam, um alles zu kontrollieren? Und wie es in der Kirche zuging? Da kann einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen. Schließlich ist auch ein Hochzeitsessen sprichwörtlich für gutes Essen. In unserer Geschichte wird denn auch ausdrücklich erwähnt, dass Ochsen und Mastvieh geschlachtet worden seine. Na ja, bei uns gibt es heute nach der Kirche wenigstes Würstchen.

(Heiterkeit. Nach dem Gottesdienst ist ein gemeinsames Abendessen angesagt.)

Aber auch Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Manche kennen es gar nicht anders: Kopp aufklappen, Essen rein, Kopp zu, hinunterschlucken, abrülpsen, fertig. Da hat man zwar etliche Kalorien im Bauch, aber es ist nichts fürs Herz.

(Zustimmung in der Gemeinde)

Wir dagegen kennen das Tischgebet. Und wenn wir beten: Wir danken dir Herr… dann möchte ja auch etwas da sein, wofür wir danken. Und da war das Essen vielleicht doch nicht so schlecht, und wir finden etwas Gutes daran. Es kann ja etwas ganz Einfaches sein. Als Kinder bekamen wir zur Vesper eine Scheibe Graubrot mit Sirup. Das war nicht nur süß, sondern ein spannendes Erlebnis, denn der Sirup lief ja durch die Löcher.

(Raunen in der Gemeinde)

Man musste zusehen, dass man ihn erwischte, aber ja nicht umdrehen! Essen muss Freude machen, und das fängt damit an, dass ich dabei etwas zum Danken finde. Das genauester Urbild solchen Essens mit Dank und Freude, ja schon ein Stückchen vom himmlischen Hochzeitsmahle haben wir beim Abendmahl. Dies ist denn auch einer der Höhepunkte des Gottesdienstes. Hier habe ich immer noch Kritik an unserer Kirche. Ich mag es nicht, wenn mir immer nur vom Essen erzählt wird, ich aber nur sehr selten was zu essen kriege.

Aber da wir beim Kirchenchorfest sind, müssen wir feststellen, dass zu einer Hochzeit eine der wenigen Gelegenheiten ist, wo heute eventuell noch gesungen wird. Davon steht zwar nichts im Text, aber wenn ihr die Psalmen lest, dann sind von 150 Psalmen wenigstens 50 Loblieder. Wo man Lieder singt, sind auch die Herzen in Ordnung. So haben sich folgerichtig auch manche Politiker auf dem Kirchentag gewundert, warum die Christen nicht so miesepetrig sind, wie es sonst in Deutschland üblich ist. Wer singen will, muss fröhlich sein, das heißt, er muss etwas zum Danken finden, soviel, dass ihm Herz und Mund übergeht. Und dazu stelle ich die letzte Quizfrage: Wo steht die Zeile: „Die Sonne, die mir lacht, ist mein Herr Jesus Christ, das was mich singen machet, ist was im Himmel ist.“

(Aus der Gemeinde: Ist Gott für mich, so trete)

Jawohl, in diesem Liede, Vers 13, und in den anderen Versen stehen 12 andere Gründe zum Singen. Damit will ich schließen, denn wir wollen weiter singen.

Amen.