Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 25,1-13,32

Pfarrer Heinrich Bücker (kath.)

10.11.2002 in St. Josef, Moers

Kein Christentum zu herabgesetzten Preisen

Burn out
Das ist sicher vielen von Ihnen nicht ganz unbekannt:
Sie sind erschöpft, haben zu nichts mehr Lust, alles wird Ihnen zu viel, zu allem müssen Sie sich aufraffen. Ihre Arbeit, die Sie mit so viel Engagement begonnen haben, finden Sie nur noch fragwürdig. Auch in Ihrem Privatleben erscheint Ihnen vieles leer und sinnlos, die Kraft, Kontakte zu pflegen, fehlt. Verzweifelt fragen Sie sich, wo Ihre Kräfte geblieben sind, ob Sie etwa depressiv werden. Diesen Zustand nennt man auch burn out, Ausgebranntsein.
Es gibt dieses Symptom auch im Glaubensleben. Wie waren wir einmal begeistert, waren Feuer und Flamme für den Glauben, haben uns in der Gemeinde eingebracht. Doch jetzt scheint aller Idealismus verschwunden zu sein. Wir haben gewissermaßen eine innere Kündigung ausgesprochen. Äußerlich hat sich nicht viel verändert. Wir gehen immer noch am Sonntag zur Kirche, erfüllen auch unsere religiösen Pflichten. Doch es brennt kein Feuer mehr. Unsere Lampen sind erloschen. Es gibt allenfalls noch glimmende Dochte.

Abhilfe
Im Falle des Burn-out-Syndroms werden Kurse angeboten, um Betroffenen zu helfen, den unliebsamen Seelenzustand zu verbessern. Man beschäftigt sich unter Anleitung von Fachleuten mit dem Erscheinungsbild der Krankheit und sucht nach Wegen, die wieder zu mehr Freude am Leben und an der Arbeit, zu einem ausgeglicheneren Umgang mit den eigenen Kräften führen. Die Hilfesuchenden sollen darüber hinaus befähigt werden, drohende Erschöpfungszustände schneller zu erkennen und ihnen mit geeigneten Maßnahmen vorzubeugen.

Die törichten Jungfrauen
Ehrlich gesagt: Die törichten Jungfrauen im Evangelium tun mir Leid. Sie stehen für all die Gläubigen, die noch glauben, denen es aber an Begeisterung fehlt. Noch brennen die Lampen, aber der Ölvorrat ist knapp und wird voraussichtlich nicht bis zur Begegnung mit dem Bräutigam reichen.
Burn out, Ausgebranntsein, das gibt es auch im Glaubensleben. Nicht nur Priester und Ordensleute können ihre ursprüngliche Beigeisterung für Gott und Jesus Christus verlieren, alle Christen stehen in der Gefahr, sich mit einem Christentum zu herabgesetzten Preisen zu begnügen.
Wenn das Glaubensleben nur noch von Pflichterfüllung bestimmt ist und der Elan fehlt, dann macht es keinen Spaß mehr und kann sich auf Dauer nicht halten. Ein solcher Glaube ist krank und bedarf der Abhilfe.

Hilfe zu einem lebendigen Glauben
In den erwähnten Kursen zur Überwindung des Burn-out-Zustandes schaut man nach, wie es zu dieser Entwicklung kam und sucht Wege zu mehr Freude an allem. Man schafft Zustände zu eigenen Ressourcen. Außerdem bietet man Hilfen an, wie künftig Erschöpfungszustände zu vermeiden sind.
In Glaubenskrisen können wir ähnlich vorgehen. Wir können Glaubensgespräche führen, können uns zu Kursen anmelden, die in Gemeinde und Kirche angeboten werden. Einkehrtage, Exerzitien, Tage religiöser Orientierung besonders für Jugendliche, können eine gute Hilfe sein, um wieder zu einem lebendigen Glauben zu finden. In unserer Gemeinde gibt es immer wieder Frühschichten, Bildungsabende und Gottesdienste mit besonderen Impulsen.
Auch gibt es die Möglichkeit zu Beichtgesprächen. Da kann man einmal genauer auf die Entstehung von Nachlässigkeiten im Glaubensleben blicken und überlegen, wie das Vertrauen auf Gott wieder wachsen kann. Ein Glaube ohne innere Begeisterung macht keinen Spaß. Darum ist auf jeden Fall Abhilfe geboten, wenn wir spüren, dass unser Christsein zu wünschen übrig lässt.

Das Evangelium als Ermutigung
Auch das heutige Evangelium ist Frohbotschaft und keine Drohbotschaft. Es könnte allerdings entmutigen, wenn wir nur auf die törichten Jungfrauen blicken, bei denen alle Hilfe zu spät kommt. Der Evangelist Matthäus will aber nicht sagen, dass es für einen Teil der Menschen so kommt, sondern, dass es so kommen kann, wenn sie nicht vorsorgen. Wir sollen gewarnt sein, aber nicht entmutigt werden. Noch ist nicht aller Tage Abend für uns. So lange wir leben, ist es nie zu spät, allerdings immer höchste Zeit, sich zu ändern. Immer wieder sind wir zur Bekehrung aufgerufen. Noch können wir es machen wie die klugen Jungfrauen, die außer den Lampen noch Öl in Krügen mitnahmen. Ja, wir können uns entscheiden, ob wir wie die törichten oder wie die klugen Jungfrauen handeln wollen.
Es gibt einen Spruch, der lautet: Der kluge Mann baut vor.
Es ist keine Katastrophe, wenn wir im Glauben nachlassen. Das kann jedem Christen passieren. Es ist allerdings schlimm, wenn wir nichts dagegen tun. Es kann auch sein, dass wir uns schuldig fühlen, weil wir für unseren Glauben zu wenig getan haben. Unsere Schuldgefühle werden sich allerdings nicht halten, sobald wir uns anschicken, das Richtige zu tun.

Die törichten Jungfrauen hatten zu wenig Öl. Da war guter Rat teuer. Wenn unser Glaube versagt, besteht die Möglichkeit, ihn zu erneuern. Noch ist der Heilige Geist bereit, uns mit seiner Kraft zu erfüllen, so dass der Glaube leuchten kann und jedes Burn-out-Syndrom im Glaubensleben verschwinden kann.

Amen.