Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 25,40

Pfarrer Thomas Jabs (ev)

11.11.2012 in Mahlsdorf

 

Jesu Freunde

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Kinder und Eltern!

Mike ist sieben. Sie kann richtig schnell laufen. Das macht ihr Spaß. Ihre Freundin und Sie laufen gern um die Wette. Auch heute.

Die Schule ist zu Ende. Sie gehen nach Hause. Gleich hinter der Ampel sind sie im Park. Mike sagt: „los wir laufen um die Wette.“

„Oh, Ja“, ruft ihre Freundin, „bis über die Wiese! Du kriegst mich nicht“ Schon rennt sie, was sie kann. Mike hinterher.

Gerade will Mike ihre Freundin überholen. Die rutscht aus – ganz plötzlich. Sie fällt. Mike lacht: „Du kriegst mich nicht!“ ruft sie nach hinten. Ein paar Sprünge noch und ihr wird komisch. Sie hört die Freundin nicht. Sie dreht sich um. Die Freundin liegt auf der Wiese, dort wo sie ausgerutscht ist. Mike wird ganz komisch im Bauch. Der Hals wird eng und tut weh, im Kopf kribbelt es überall und von den Schultern abwärts läuft ihr eine Gänsehaut. Schnell stürmt sie zur Freundin. Die liegt ganz still. Der Kopf auf einem Stein. Mike sieht Blut und schreit.

Jemand kommt gerannt. Erwachsene. Eine Frau telefoniert, ein Mann beugt sich über Mikes Freundin.

Mike platzt fast der Kopf. Sie weiß nicht was sie tun soll. Neben ihrer Freundin tritt sie von einem Bein auf das andere. Den Krankenwagen hört sie wie im Traum. Dann sitzt sie neben Mikes Bett im Auto. Ein Arzt macht irgendwas. Dann spricht er mit Mike.

„Deiner Freundin ist nichts Schlimmes passiert. Sie ist auf einen Stein gefallen. Sie war ohnmächtig. Gleich kommt sie wieder zu sich. Gut, dass Du hier bist. Da wird sie sich bestimmt freuen.“

Erst sieht Mike eine Bewegung und dann die Augen der Freundin. Ihr wird ganz warm. Im Kopf fängt es an und dann schwappt eine Welle durch die Haut über den ganzen Körper, warm, schön, die Gänsehaut ist weg, die Kopfschmerzen verschwinden, ihr Hals wird ganz weit und im Bauch fängt es an zu glucksen. Ein Lachen steigt auf.

Mike lacht und ihre Freundin auch. Dann reden sie. Die Fragen und Antworten fliegen nur so hin und her, wie Vögel und ihre Hände tanzen dabei als wollten sie fliegen.

Das Auto hält. Gemeinsam gehen sie ins Krankenhaus – Hand in Hand. Die Freundin soll noch bleiben. Eine Nacht zur Beobachtung. Das ist so. Nicht schlimm.

Eine Krankenschwester ruft Mikes Mutter an. Die holt sie nachher ab.

Was für ein aufregender Nachmittag.

Am nächsten Tag ist die Freundin noch nicht in der Schule. Mike geht gleich nach der letzten Stunde zu ihr. Sie besucht sie zu Hause. Es geht ihr gut. Nur langweilig war ihr, weil sie so allein war.

Aber jetzt ist Mike da. Komisch, Mike war auch langweilig in der Schule ohne ihre Freundin. Jetzt nicht mehr.

Sie fühlen beide das gleiche.

Mike sagt: Du, mir hat sogar mein Kopf weh getan, obwohl du auf den Stein gefallen bist. Ist doch komisch. Sie lachen.

Die Freundin meint plötzlich: „Und weißt du was?“, „Wenn du mich besuchst, dann tut mein Kopf nicht mehr weh. Ich fühl' mich genau so gesund wie du.“

„Dann kannst du ja mitkommen zum Martinsfest heute Abend.“, freut sich Mike.

„Oh, ja!“, jubelt die Freundin. Sie fragen die Mutter, gehen zu Mike, suchen zwei Laternen und gehen zum Martinsfest in die Kirche. Die Orgel ist toll. Die Lieder kennen sie alle. Und dann liest einer was vor: Mt 25,40

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Mike denkt gleich an ihre Freundin und sich. Denkt ans Rennen durch den Park den Sturz der Freundin und die eigenen Kopfschmerzen, den Krankenwagen und das Lachen als es beiden wieder besser ging, und dass sie ihre Freundin besucht hat und beide fühlten sie sich gesund.

Gute Freundinnen sind da füreinander. Gute Freundinnen haben gemeinsam Angst und lachen miteinander, wenn sie glücklich sind. Sie besuchen sich und wenn eine zwei Laternen hat, dann reichen die für beide.

Da hört Mike den Satz noch einmal.

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Der König muss aber viele gute Freunde haben, denkt sie.

Amen

Und der Friede Gottes der höher ist alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.