Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 26,69-75

Carsten Beekmann

15.03.2002 in der Kirche zu Victorbur

Die Verleugnung des Petrus

Liebe Gemeinde,

Zum Zerreißen gespannt ist die Luft im Palast des Hohepriesters:
Bisher vergeblich hatten die Hohepriester und der gesamte Hohe Rat nach einer stichhaltigen Klage gegen diesen Jesus von Nazareth gesucht und nun stellt der Hohepriester ihm die entscheidende Frage:
"Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn des Hochgelobten"

Und was sagt Jesus ?
Er weiß darum, daß es um sein Leben und um seinen Tod am Kreuz geht. Er weiß, daß es in den Augen der Juden keine größere Gotteslästerumng geben kann, als die, daß jemand von sich behauptet, er sei der Sohn Gottes?

"Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?"
Klar und deutlich antwortet Jesus: "Du sagst es"
Er fügt sich dem Todesweg, den sein Vater für ihn gewählt hat:

Der Wille des Vaters wird nun erfüllt: Das Todesurteil Jesu ist besiegelt.
Sie schlagen den Sohn Gottes mit Fäusten, sie verspotten und verhöhnen ihn auf unwürdigste Weise.

Und die Jünger? Wo sind sie, als Ihr HERR gefoltert und zum Tode verurteilt wird?
Hals über Kopf sind sie geflohen, als ihr eigenes Leben in Gefahr schien

Und Petrus?
Er gibt nicht sofort auf. Es gelingt ihm, gemeinsam mit einem anderen Jünger in den Vorhof des hohepriesterlichen Palastes zu gelangen.

Was sich dort im Vorhof des Palastes zuträgt lesen wir in Mt. 26, 69-75:
"...."

Unauffällig hat sich Petrus in den Palast des Hohepriesters geschlichen!
Was will er dort noch?
Möchte er ein wiederholtes Mal eine Heldentat vollbringen?
Ein letztes Mal Widerstand leisten, ähnlich wie in Gethsemane, als er dem Knecht des Hohepriesters ein Ohr abschlug, um seinen HERRN zu retten?
(Pause)
Nein, er scheint nur als Zuschauer des letzten Weges Jesu gekommen zu sein:
In Vers 58 heißt es:
"Petrus aber folgte ihm von ferne bis zum Palast des Hohepriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinaus wollte."

Dort im Vorhof des hohepriesterlichen Palastes werden wir Zeugen der dunkelsten Stunde im Leben des Mannes, der später einer der tragenden Säulen der ersten Christen geworden ist.
(Pause)

Kaum hat Petrus draussen im Hof Platz genommen, da spricht ihn schon eine Magd an:
Du warst doch auch bei diesem Jesus aus Galiläa". Petrus zuckt in sich zusammen.
Sollte das sein Ende bedeuten? Hatte er sich zu weit an Jesus herangewagt?
Petrus bemüht sich um ein unschuldiges Gesicht und murmelt: "Ich weiß nicht, was du sagtst" Ein zweites Mal wird er erkannt und Petrus leugnet wiederum, bis er sich auf eine dritte Anfrage schließlich selbst verflucht und schwört: "Ich kenne den Menschen nicht".
(Pause)
Ist das derselbe Petrus, der kurz zuvor noch mit Feuer und Flamme Jesus nachgefolgt war?

Einige Stunden zuvor hatte er noch getönt:
"Herr, und wenn ich mit Dir sterben müßte, will ich Dich nicht verleugnen"
(Pause)

Und Jesus?
Er weiß darum, daß Petrus ihn verleugnen wird, daher auch seine Ankündigung :
"In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen"

In dieser Nacht muß Petrus bitterlich erkennnen, wie recht doch Jesus gehabt hatte. Petrus erkennt den Hahnenschrei als das Zeichen seiner Verleugnung und er weint bitterlich über sich selbst!!!

Die Bibel beschönigt nicht: Nicht nur von Heldentaten, sondern auch von menshlichem Versagen berichtet uns Gottes Wort: Vom Versagen eines Menschen vor seinem großen Herrn.
Die Bibel schildert uns dieses Versagen bewußt, um uns auf den Weg mit Gott zurückzubringen.

Wie oft haben wir uns schon vorgenommen:
"Herr, wenn sie alle über dich lachen, so will ich doch meinen Mund halten und zu dir stehen."
Oder in einer ganz anderen Situation:
"Herr, wenn sie doch alle am Finanzamt vorbeiwirtschaften, so will ich doch die richtigen Zahlen angeben.

Und, Wie ist es dann geworden?

Oft reden wir uns die Schuld aus, und denken:
Die anderen sind auch nicht besser: "Herr, schau Dir doch erstmal die Anderen an, wie die leben, dagegen bin ich doch ein Musterknabe!!!!

Aber die Schuld eingestehen? Über seine eigene Schuld verzweifeln? Was macht das für einen Sinn?

Schwach werden vor Gott, ist das nicht ein sinnloses Rummgejammer?
Wenn wir die Lebensgeschichte des Petrus nach Ostern weiterverfolgen, dann merken wir, daß die Erkenntnis über sein Versagen nicht nur bloßes Rumgejammer darstellte.
Nein, diese Verzweiflung, dieses bittere Weinen über sein eigenes Versagen bekam für das Leben von Petrus besonderen Sinn:

Er sollte schwach werden vor Gott. Er sollte erkennen, daß er aus seiner Kraft heraus nicht zu Jesus stehen konnte.

Erkennen wir das auch?
Können wir vor Gott schwachwerden und zugeben, daß wir aus unserer eigenen Kraft nicht nach dem Willen Gottes leben können?
Dieses Schwachwerden vor Gott ist ein erster Schritt, um nach Gottes starker Hand zu greifen, die er uns entgegentreckt!
Greifen wir zu oder weisen wir dieses Angebot Gottes ab?

Die Bibel zeichnet uns das Bild eines anderen Jüngers, der sich vor Gott schuldig machte, weil er den Sohn Gottes im Garten Gethsemane verriet: Judas!!!!
Uns bleibt es nicht überlassen, darüber zu richten, ob seine Schuld vor Gott schwerer wiegt, als die Schuld des Petrus.

Fest steht aber: Das Angebot der Umkehr und des Neuanfangs stand beiden Jüngern offen: Judas verwarf dieses Angebot. Petrus nahm es an und griff nach der starken Hand Gottes. Das war der Beginn seines neuen Lebens mit Gott.

Wir denken in diesen Wochen vor Ostern über den Leidensweg Jesu bis an das Kreuz von Golgatha nach. Bei aller Bedrücktheit über diese Qualen und über diesen schweren Tod für uns dürfen wir jedoch schon den Abglanz der Auferstehung erkennen:
Jesus mußte sterben für die Schuld eines Jeden: Für die Schuld des Petrus wie für die Schuld des Judas. Für ihre und für meine Schuld
Jesus mußte sterben, damit der Weg zwischen Gott und Mensch frei wird.
Das feiern wir an Ostern: Jesu Sieg über die Macht des Todes, über die Macht unserer Sünde!

Wenn wir uns Petrus anschauen, dann wird uns deutlich, mit was für einem großsartigen Gott wir es zu tun haben: Gott verwirft den Sünder nicht!!!
Er ist ein Gott, der die Sünde haßt, aber den Sünder liebt!!!

Die Sünde muß sterben, damit der Sünder leben kann Daraus schöpfte Petrus neuen Mut für ein Leben mit Gott!

Im 1. Johannesbrief heißt es in Kapitel 1 Vers 9:
"Wenn wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und heiligt uns von aller Ungerechtigkeit"

Auf diese Zusage Gottes dürfen wir setzen, im Leben und im Sterben.

Amen