Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 3,1-12

Prädikant Klaus Becker (ev)

11.12.2011 in dem Martin-Luther-Gemeindezentrum in Bedburg/Kaster

3. Advent

Bereitet dem Herrn den Weg!

Ein deutlicher Appell.

Imperativ.

Aufruf.

… nicht ihr könnt, sondern ihr sollt …

Ihr hier in …

Ihr seid gemeint, nicht irgendwer.

Bereitet …

… den Weg

… den Weg in euch …

für den, der da kommt, der da sein will.

In euch, für euch.

Bereitet dem Herrn …

Nicht irgendwem, sondern IHM, den HERRN.

Konzentration wird verlangt.

Konzentration auf IHN, auf den CHRISTUS GOTTES –

auf den KOMMENDEN und DASEIENDEN.

Bereitet dem Herrn den Weg!

Liebe Gemeinde,

wer Wegbereiter sein will, der muss sich konzentrieren, der muss sich stets bei allem Tun und Planen die Frage stellen, inwieweit sein Handeln „dem Wege bereiten“ wirklich dienlich ist oder nicht, ob er nur dem Zeitgeist hinterherläuft oder aus der Mitte seines Glaubens lebt.

Auf den Grund, auf die Wurzel unser Christseins kommt es an, auf Christus allein.

SOLUS CHRISTUS.

Ohne diesen Grund, ohne IHN, wäre unser Tun leer und hohl, mehr Schau als Sein, ja noch mehr: Wir wären falsche Zeugen Christi – wie Paulus es schreibt.

Bereitet dem Herrn den Weg!

Liebe Kandidaten der kommenden Presbyteriumswahl – mögen Sie heute Morgen anwesend sein oder nicht:

Aus welchen Gründen kandidieren sie eigentlich als Presbyter/in?

Aufgrund einer bloßen zwischen Tür und Angel erfolgten Anfrage oder aus dem Grund, dass sie wirklich ein Abbild dieses Urgrundes sein wollen – eine Ikone, durch die Christus insbesondere in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe sichtbar wird?

Wollen Sie wirkliche Wegbereiter und glaubwürdige Zeugen dieses Mannes aus Nazareth sein? Mit aller Konsequenz? Sowohl im tätigen Tun als auch im feiernden, gottesdienstlichen Miteinander?

Statisten braucht dieser Mann nicht, genauso wenig applaudierende Zuschauer – geschweige denn Regisseure, die die Bühne für ihr eigenes Ego brauchen.

Nein.

Das, was er sucht und braucht, sind Menschen, die IHM konsequent mit ihrem ganzen Sein die Wege bereiten, damit andere Menschen, den CHRISTUS GOTTES, sehen und erfahren können, IHN im wahrsten Sinne des Wortes spüren können.

Denken wir daran: Wir sind das Evangelium Christi, das die Öffentlichkeit sieht und liest!

Bereitet dem Herrn den Weg!

Liebe Gemeinde,

einen anderen Weg heißt es zu beschreiten und zu bereiten, einen neuen Weg, einen Weg der Erneuerung – hin auf IHN!

Kehrt um – sagt Johannes!

Kehrt um …

Erneuert euch …

… in euren Gedanken,

… mit euren Meinungen,

… mit dem, was schon immer war.

Kehrt um …

Ehrlich gesagt, liebe Gemeinde, wer den Mut zu Neuerungen nicht hat wie beispielsweise in der Liturgie oder von vornherein alles als schwierig abstempelt wie z.B. eine überlegenswerte Zusammenlegung der Gottesdienste in Kaster und Bedburg oder alles unter dem Gesichtspunkt: Das war schon immer so – betrachtet, der ist in meinen Augen – klar und deutlich gesagt – nicht evangelisch.

Bitte nicht falsch verstehen, aber Evangelisch sein heißt für mich u.a.: reformatorisch sein, sich ständig zu überprüfen und zu erneuern in seinem Denken, Reden und Tun, das auf der Grundlage des Evangeliums und die Kirche Jesu Christi nicht als vollendetes Bauwerk zu betrachten, sondern als Bauwerk, an dem stets gearbeitet werden muss.

ECCLESIA SEMPER REMFORMANDA – ganz im Sinne des Johannes.

Eine Evangelische Messe z.B. wurde bereits von Martin Luther in Albe, Stola und Messgewand gefeiert – nur im Unterschied zur katholischen war sie auf Deutsch und dem evangelischen Glauben angepasst. Folglich ist eine Evangelische Messe, wie ich sie feiere, eine reformierte katholische Messe. Warum sie also nicht feiern? Vergessen wir nicht: Wir sind reformierte Katholiken!

Oder beispielsweise müsste m.E. über eine Zusammenlegung der Gottesdienste hier weiterhin nachgedacht werden. Ich sage dies wohlwissend, dass es sich hierbei um ein heißes Eisen handelt. Aber das Beispiel Niederaußem/Glessen zeigt mir, dass vieles machbar ist, wenn man will, denn wo ein Wille, da ein Weg! Warum also nicht einmal hier ausprobieren?

Neuerungen gehören eben zum Evangelisch-Sein dazu.

Sie sind geradezu das Kennzeichen eines evangelischen Christen!

Evangelische Christen sind nämlich keine Antiquitäten, die nutzlos herumstehen und verstauben, sondern leben in einer Spontanität des Geistes, der sie erneuert und auf das aufmerksam macht, was gerade jetzt wichtig und richtig ist.

Wer diese Fähigkeit besitzt, stellt fest, dass es keine ungünstige Zeit gibt, sondern nur ungenützte Gelegenheiten – in jeder Sache!

Bereitet dem Herrn den Weg!

Johannes sagt an, was Sache ist!

Auf IHN konzentrierte und hinhörende Wegearchitekten und Straßenbauer sollen wir alle sein!

Nicht Schnappnasen, die lärmend „Oh du fröhliche“ aus ihren Kehlen schmettern.

Leuchtende Stoppschilder und Schaut-Hin-Schilder sollen wir sein …

… und keine mit Elchgeweih herumrennenden Zeitgenossen.

Derartige Menschen ähneln eher der Schlangenbrut als denen, die selig zu preisen sind.

Kuschelzeit war.

Jetzt ist Klarmachzeit.

Umkehrzeit.

Gute Zeit.

Für mich.

Für dich.

Für uns.

Seht die gute Zeit ist da.

Amen.