Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 5,1-12a

Pfarrer Matthias Blaha (rk)

01.11.2003 in Nassenfels/Wolkertshofen

Allerheiligen

Stars im Himmel

* Frage an die Gottesdienstgemeinde:
Wer von euch ist ein Fan von Michael Schumacher?
Wer ist Fan von Daniel Küblböck? Wolfgang Petry?
ERC Ingolstadt? Bayern München?
Was ist dein Lieblingssänger/ -sportler/ -schauspieler?
...

*

Fan von jemand sein, bedeutet: sich diesen Jemand zum Vorbild neh­men. Meist ist so jemand ein berühmter Star am Musik-, Sport- oder Schauspiel-Himmel. Dir gefällt, was der Star macht und kann, wie er oder sie sich gibt oder aussieht. Du versuchst ihn oder sie nachzuahmen und denkst dir: So ähnlich möchte ich auch mal sein!Die Stars sind Vorbilder für ihre Fans. Dabei spricht nicht jeder Star alle Leute in gleicher Weise an: Die eine findet Daniel Küblböck süß, der andere hält gar nix von ihm. Der eine ist von Schumi begeistert, der anderen gehen die Formel-1-Rennen auf den Wecker. Unterschiedliche Menschen haben eben unterschiedliche Stars als Vorbilder. Und so mancher ist dank seiner guten connections zu einem Star weitergekommen im Leben oder gar selber ein Star geworden.

 

* Heute ist der große Tag der Stars, liebe Schwestern und Brüder. Es sind nicht die Stars am Himmel (der Musik oder des Sports), sondern die Stars im Himmel: die Heiligen.

* Gerade bei uns Katholiken haben die himmlischen Stars, die Heiligen, einen hohen Stellenwert. Auch hier in der Kirche ist eine ganze Anzahl von Heiligenbildern zu sehen. Viele Katholiken sehen in dem einen oder der anderen Heiligen ein Vorbild, das sich nachzuahmen lohnt. Dabei haben die unterschiedlichen Leute unterschiedliche Heilige, von denen sie „Fans“ sind. Und nicht wenige nutzen ihre connections, ihren persönlichen Draht zu den Heiligen, um selber etwas zu erreichen.
Schauen wir uns die Heiligen ein bisschen genauer an.

*

Heilige sind Vorbilder
Deswegen werden die Heiligen von vielen Gläubigen verehrt. Das hat den Katholiken immer wieder den Vorwurf eingebracht, sie würden neben ihrem Gott noch verschiedene Götzen anbeten. Doch das ist nicht der Fall: Heilige werden nicht wie Gott angebetet, sondern sie werden als Menschen verehrt; als Menschen wie du und ich, die ihr Leben vorbildlich gelebt haben - auf welche Weise auch immer.
Vorbildlich leben heißt im Fall der himmlischen Stars nicht, besonders gut zu singen oder besonders viel Geld zu machen; vorbildlich leben bedeutet bei den Heiligen: sie haben eine oder mehrere der Seligpreisungen Jesu besonders gut erfüllt - so gut, dass sie offiziell zu Heiligen erklärt worden sind.
Da gibt es Heilige, die sich für benachteiligte Menschen eingesetzt haben: Der heilige Johannes Bosco hat sich um Straßenjungen in Turin gekümmert; die heilige Elisabeth von Thüringen war selbstlos für Arme und Kranke da, ebenso der heilige Nikolaus, der Nassenfelser Kirchenpatron; und die erst kürzlich selig gesprochene Mutter Teresa war wegen ihres Einsatz in den Slums von Kalkutta schon zu Lebzeiten eine Legende.
Andere Heilige haben innerkirchlich viel bewegt, haben Missstände beseitigt und den Geist Jesu in der Kirche wieder wehen lassen: Eine ganze Reihe von heiligen Päpsten gibt es, zum Beispiel Papst Johannes XXIII, der noch nicht lange selig gesprochen ist. Auch die heilige Katharina von Siena hat hier ihren Platz - sie hat im 14. Jahrhundert dem Papst ins Gewissen geredet und dadurch in einer turbulenten Zeit viel für die Einheit der Kirche getan.
Wieder andere Heilige haben sich durch ihren festen Glauben hervorgetan - die Märtyrer gehören in diese Kategorie, wie der Patron der Wolkertshofener Kirche, der heilige Quirinius. Unter den Heiligen gibt es außerdem Friedensstifter, Kämpfer gegen das Unrecht und viele mehr; bei vielen Heiligen kommen sogar mehrere der genannten Wesenszüge zusammen.
Dadurch sind die Heiligen Vorbilder. Wer nun einen Heiligen oder eine Heilige als Vorbild nimmt, bemüht sich, den Heiligen oder die Heilige im eigenen Leben nachzuahmen, zumindest ein bisschen.

*

Heilige sprechen an - oder auch nicht
Für den einen ist das Leben des Klaus von Flüe beeindruckend, weil er seine Familie verlassen hat, um als Einsiedler viel Gutes zu tun; der andere schüttelt gerade wegen dieses Verhaltens den Kopf. Der eine ist begeistert von Daniel Comboni, dem großen Afrika-Missionar, und unterstützt die Missionsorden in ihrer Arbeit für den Glauben und für die Menschenrechte. Der andere lässt sich von den gelehrten Schriften des Thomas von Aquin ansprechen und bemüht sich selber um ein umfassendes Glaubens-Wissen.
Viele Christen holen sich bei ihrem Namenspatron Anregungen fürs eigene Leben; deshalb wäre es schön, wenn Eltern die Namen ihrer Kinder nicht nur danach aussuchen, wie er klingt oder ob er grad „in“ ist, sondern auch drauf achten, welcher Heilige dahintersteckt. Denn nicht jeder Heilige spricht jeden in gleicher Weise an.

*

Die connections - der Bezug zu den Heiligen
Viele Gläubige gerade der katholischen Kirche wenden sich an Heilige mit ihren Anliegen. Die vielen Marien-Wallfahrtsorte sind nur ein Beispiel. Um es noch einmal zu sagen: Sie beten die Heiligen nicht an, sondern nutzen sozusagen ihre guten connections zu ihnen, damit diese Heiligen ein bestimmtes Anliegen bei Gott vorbringen. Die Heiligen sind Menschen wie du und ich - und sie sind ganz nah bei Gott. Natürlich kann man seine Bitten gleich Gott direkt sagen; aber viele Menschen tun sich leichter, einem Heiligen ihr Anliegen anzuvertrauen - von Mensch zu Mensch sozusagen - und dessen guten Draht zu Gott zu nützen.
Unzähligen Menschen, die direkt oder über den Umweg der Heiligen ihre Bitten, Sorgen und Anliegen Gott vorgetragen haben, ist schon geholfen worden.

*

Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Festtag aller Heiligen möchte ich Sie ermuntern, die „Stars im Himmel“ ganz bewusst in den Blick zu nehmen. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Namenspatron, dem Patron der Kirche oder anderen Heiligen, die Sie interessieren. Auch für Kinder und Jugendliche kann es ganz interessant sein, zu entdecken, wer das war und was er oder sie gemacht hat, der/die hinter dem eigenen Namen oder hinter den Namen von Geschwistern und Eltern steckt.
Sich mit der einen oder dem anderen Heiligen befassen, sich von ihnen ansprechen lassen - das lohnt sich für euch und für Sie:
- Sie haben connections in den Himmel, die Sie in Ihren Anliegen nutzen können;
- Sie haben Vorbilder, an denen Sie sich orientieren können in Ihrem eigenen Alltag; Vorbilder, die Ihnen Wege zeigen, sinnvoll und erfüllt zu leben.
- Und wenn Sie das Leben auf dieser Erde beendet haben - wer weiß, vielleicht gehören Sie dann auch zu den himmlischen Stars...

 

Amen.