Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 5,3

Pfarrer Norbert Winner

03.02.2008 in der Pfarrgemeinde St. Johannes, Neumarkt

Gottesdienstübertragung im ZDF

Gottesdienstübertragung im ZDF

Arm und doch reich
Gottesdienstübertragung im ZDF

Liebe Brüder und Schwestern hier in unserer Pfarrkirche und zuhause am Bildschirm!

Wann waren Sie denn das letzte Mal so richtig „selig“? Wir verwenden dieses Wort ja, wenn wir einen Zustand fast grenzenlosen Glücks beschreiben wollen. Selig ist z.B. das Kind, das mit seinen Geschenken unter dem Christbaum spielt, selig sind zwei junge Menschen, die miteinander spazieren gehen und von ihrer gemeinsamen Zukunft träumen. Oder selig kann auch jemand sein im Krankenbett, wenn er gerade eine besonders gute Nachricht bekommen hat. Solche „Selige“ wirken - wenigstens für ein paar Augenblicke oder ein paar Stunden - regelrecht der Welt entrückt, sie vergessen alles um sich herum, sie sind einfach glückselig.

Ganz anders sind wohl - zumindest auf den ersten Blick - die Seligpreisungen gemeint, die wir grad eben im Evangelium gehört haben, aus dem Mund Jesu. Da werden Menschen seliggepriesen, mit denen wir nicht tauschen möchten, die man eher belächelt oder bedauert oder für verrückt erklärt. Für Jesus sind die Armen und Traurigen selig, die Gewaltlosen, Schwachen, Hungrigen, Friedfertigen, Beschimpften und Verfolgten. Also genau das Gegenteil von dem, was wir so unter dem Inbegriff von Seligkeit verstehen. Nun wissen wir natürlich auch, dass Jesus die Armut an sich nicht verklären will. Armut allein ist noch kein moralischer Wert. Und jemand, der z.B. von Hartz IV lebt, ist deswegen noch kein besserer Mensch als einer, der gut verdient und sich alles leisten kann. Nein, es geht Jesus um die Einstellung der Menschen. Und da sind eben die, die alles haben, besonders in Gefahr, nur noch auf sich selbst zu vertrauen. Die brauchen niemanden mehr, auch Gott nicht. Manche Menschen haben ihre Hände sosehr ausgefüllt mit ihrem Besitz und mit all dem, was sie sich selber geschaffen haben, dass Gott gar keinen Platz mehr findet, um sie zu beschenken. Jesus geht es hier in der Bergpredigt nicht um christliche Anstandsregeln, sondern es geht ihm um die Grundhaltung von uns Menschen, um unsere Lebenseinstellung. Es geht um die radikale und anspruchsvolle Alternative zu einem möglichst schlauen und billigen Lebensentwurf. Die Bergpredigt ist eine Aufforderung zur Umkehr, eine Aufforderung sich umzudrehen und sich tagtäglich diesem Gott zuzuwenden. Sie ist eine Aufforderung zu einer neuen Lebenseinstellung. Unser Glaube ist ja keine Gesetzesreligion, wo es darum geht, Pflichten zu erfüllen und Gebote und Verbote zu beachten. Nein, unser Glaube ist eine Liebesbeziehung zu Gott, das heißt, dass wir nicht aus Pflichtgefühl oder Gewohnheit Rituale abspulen und Leistungen erbringen, sondern, dass wir mit Begeisterung und aus ganzem Herzen Gott zuwenden und unser Leben von ihm her gestalten.

Jesus selber ist diesen Weg ja gegangen, er hat eine Spur gelegt. Und er hat an seinem eigenen Leib erfahren, wie sehr man oft den Kürzeren zieht, wenn man sich für Lebensordnung Gottes einsetzt. Er hat erlebt, wie es einem Hohn und Spott einbringen kann, wenn man im Leben auf die Torheit Gottes setzt. Schimpf und Schande hat er dafür geerntet, ans Kreuz hat es ihn gebracht! und doch ist es wahr, was er sagt und es bleibt wahr, auch dort, wo wir es nicht so gerne wahrhaben wollen.

Liebe Brüder und Schwestern, die Seligpreisungen sind keine utopischen Forderungen, nein dieser Lebensentwurf funktioniert, wenn wir nur Ernst macht damit. Und man muss nicht zu den Großen und Einflussreichen gehören, um in dieser Welt Spuren zu hinterlassen, die Spur Jesu. Oft gelingt es gerade dann, wenn die äußeren Umstände alles andere als glücklich sind.

Amen.