Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 6,25-43

Pastor Wolfram Braselmann

in Rehburg-Loccum

Liebe Gemeinde!

Jesus sagt: Sehet die Lilien auf dem Felde. Seht sie euch an; denn an den Lilien auf dem Felde könnt ihr etwas über euch selbst lernen. Sehet die Lilien auf dem Felde; denn sie sind wie ihr seid. Nun müsst ihr wissen: Die Lilien auf dem Feld, damals, die hat man nicht in der Gärtnerei gekauft. Die Lilien auf dem Felde im Land Jesu: Das war soviel wie das Unkraut, mehr nicht. Das war das auf dem Feld, was der Bauer heute wegspritzt, wenn er es weggespritzt bekommt: Kornblumen, der Mohn, Margeriten, Gänseblümchen und Löwenzahn. Die Pflanzen auf dem Feld, die überflüssig sind. Die nicht gebraucht werden. Vielleicht schön, sie gefallen dem ein oder anderen, und manchmal hält ein Auto aus der Stadt, aus Minden oder Hannover am Feldrand, und einer pflückt einen Strauß. Aber das ändert nichts daran, dass solche Pflanzen überflüssig sind. Jesus sagt es selbst: Zuletzt werden sie eingesammelt und verbrannt, sie sind nicht zu brauchen.

Und doch sagt Jesus: Sehet die Lilien auf dem Felde. Seht das Unkraut. An ihnen erfahrt ihr etwas über euch selbst; denn sie sind, wie ihr seid.

Also ich möchte lieber mit dem Korn auf dem Feld, mit der Frucht auf dem Feld verglichen werden, wenn ihr mich fragt: Mit einer Weizenähre, oder mit einem Maiskolben, mit einer Zuckerrübe oder vielleicht sogar mit einer Weinrebe, aber doch nicht mit dem unnützen Unkraut, mag es auch noch so schön aussehen.

Mit einer Nutzpflanze, die geerntet wird, die zu etwas Gutem und Nützlichen gebraucht wird. Jesus aber sagt: Sehet die Lilie auf dem Feld. Das Kraut, das zuletzt verbrannt wird.
Das ist wie eine Kränkung: Ihr Menschen seid wie das Kraut, eigentlich überflüssig, wie wichtig ihr euch auch vorkommen mögt. Ihr seid die letzten, die auf diese Erde, in diese Schöpfung gekommen sind. Wozu brauch die Erde euch? Was ist euer Nutzen?

Und das ist ja wahr. Der Mensch kann zwar nicht ohne die Schöpfung sein. Die Schöpfung aber käme ganz gut ohne den Menschen aus.
Der Klatschmohn kann nicht ohne das Kornfeld sein, das Kornfeld aber kommt ganz gut ohne den Klatschmohn aus.
Für das Leben, für das Gleichgewicht des Lebens müssen viele Pflanzen und viele Tiere sein, der Mensch aber muss nicht sein, ja, heute ahnen wir ja, das der Mensch manchmal eher schädlich als nützlich für die Schöpfung und seine Mitgeschöpfe ist.
Wenn von morgen ab die Singvögel nicht mehr in diesem Garten sind, dann würde sich das auf die Dauer verheerend auf das Gleichgewicht des Lebens auswirken. Wenn ich nicht mehr in diesen Garten gehe, sieht er vielleicht nicht mehr so aus, wie ich ihn mir wünsche, aber für das Leben in diesem Garten würde es nichts ausmachen.

Das ist das eine. Und das kann man vielleicht an einem Sonntagmorgen wie heute gut hören und sagen und bedenken: Wie gut das ist, dass die Welt so ist, wie sie ist, auch ohne unser Zutun. Die Sonne scheint, wir können hier draußen sein, es ist nicht zu heiß: Und keiner von uns hat etwas dazu getan. Das kann uns demütig machen und dankbar, wenn wir darüber einmal nachdenken.
Und das andere ist:
Was meinte Jesus, als er das sagte: Ihr Menschen seid wie die Lilien in meinen, in Gottes Augen. Seht sie euch an.
Der Wert eures Lebens ist kein Nutzwert. Alles Leben auf dieser Erde ist irgendwie nützlich, nur das Leben das Menschen nicht. Der Wert eures Lebens kommt ganz woanders her.

Und wenn wir den Worten Jesu nachdenken: Dann erkennen wir darin das Bild einer ganz großen Güte, ja, einer ganz großen Liebe.
Gott kleidet die nutzlosen Lilien. Er kümmert sich um sie. Er macht sie schön, obgleich sie zu nichts gebraucht werden. Und genauso handelt Gott an euch.
Wie Vater und Mutter ihre Kinder ausstatten, so hat Gott euch Menschen ausgestattet. Wie Ihr Eltern eure Kinder ausgestattet habt, heute morgen zu ihrer Taufe, wie ihr ihnen den Kinderwagen ausgesucht und die Strampelhosen gekauft habt: Mit solcher Güte, mit solcher Liebe hat Gott an uns gehandelt.
Jesus sagt: So hat er euch ausgestattet, bekleidet, schön gemacht.

Mit der Fähigkeit, zu denken und zu empfinden, zu hoffen und zu leiden, Ziele für das Leben zu haben und Sehnsucht: Ein wunderschönes Kleid.
Und Gott hat gerade nicht nach dem Nutzen gefragt, den ihr bringt, Gott wollte ganz einfach, dass ihr seid, weil er euch wollte und auch liebte, und das macht den Wert eures Lebens aus. Der Mensch ist nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Liebe.
Gott reichte als Welt nicht eine Welt des Nutzens, wie es ein Kornfeld ohne Unkraut ist, er wollte in dieser Welt ein Gegenüber, dem er Gutes tun konnte.
Und das hat er ja auch getan.
Und so ist ein Morgen wie der heute sicher auch dazu gut, darüber nachzudenken: Was Gott an Gutem uns allen und jeder und jedem von uns getan hat.
Wie er gut zu uns war, wie zu den Lilien auf dem Feld.
Und wie das unser Denken und Handeln an uns selbst und an andern und an der Welt verwandeln kann.

Amen.