Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 9,22; 6,10b und 26,39; Offenbarung 21, 1 ff Jahreslosungen 2013 und 2014: Hebräer 13,13 und Psalm 73,28

Pfarrerin Irmtraud Fischer (ev)

17.01.2014 auf dem Friedhof in Buchen

Beerdigung

© Bild zur Jahreslosung 2013 von Christian Walter

Beerdigungsansprache: „Alles wird gut“

 

Liebe Trauerfamilie, liebe Trauergemeinde!

Alles wird gut“, sagte N. N. oft während ihrer Krankheitszeit.

„Alles wird gut. Macht euch keine Sorgen. Ich werde wieder gesund.“ Bis zuletzt hoffte sie auf das Wunder der Heilung – und Sie, liebe Familie, haben mit ihr gehofft und geglaubt.

Alles wird gut“. Dieser Satz bekam in den letzten Tagen und jetzt nach ihrem Tod einen neuen Klang: Alles wird gut – weil Jesus Christus sie an der Hand genommen und ins ewige Reich des Vaters geführt hat.

Sie, liebe Familie, und eine Reihe von Ihnen, liebe Trauergemeinde, haben mit ihr den Himmel gestürmt mit Ihren Gebeten. Ich kenne kaum jemanden, mit dem so viel gebetet und gesungen, der so oft gesalbt worden ist wie Ihre Tochter und Schwiegertochter, Ihre Frau, Ihre Mutter und Schwiegermutter, eure Großmutter, Ihre Schwester und Schwägerin, Ihre Verwandte. Sie alle und andere mit Ihnen haben alle Kräfte des Glaubens mobilisiert.

Wäre es allein nach der Kraft des Glaubens oder der Vielzahl der Beterinnen und Beter gegangen, dann hätte bestimmt Jesu Satz gegolten: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ (Matthäus 9,22)

So aber stehen wir vor der Aufgabe, uns einen anderen Satz Jesu zueigen machen – das wohl schwerste Gebet unseres Lebens: „Dein Wille geschehe“. (Matthäus 6,10b und 26,39)

Dein Wille geschehe – wie im Himmel so auf Erden“ (Matthäus 6,10b), so beten wir im Vaterunser. Wie wichtig ist es für unser Leben, dass Gottes Wille nicht nur im Himmel, sondern auch auf der Erde geschieht!

Dein Wille geschehe“, so hat Jesus selbst im Garten Gethsemane gebetet. „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern, wie du willst.“ (Matthäus 26,39)

Wenn ich diese Sätze Jesu lese, stelle ich mir vor: Jesus holt tief Luft, atmet durch, legt all seine eigene Angst vor dem Sterben in Gottes Hände, bevor er die Worte spricht: „… doch nicht wie ich will, sondern, wie du willst.“ Vorbereitet hat er diese Worte vorher schon selbst: „Mein Vater, ist’s möglich …“

Bei Jesus wissen wir: Es war gut so, dass nicht Jesu Wille, sondern Gottes Wille geschehen ist, dass Jesus ihm seinen Willen untergeordnet hat. Denn Jesu Tod am Kreuz hat uns Vergebung der Sünden und Versöhnung mit Gott geschenkt.

Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Dieses Licht der Auferstehung wird nie mehr verlöschen. Es zeigt uns: Jesus hat uns den Weg durch den Tod ins ewige Leben bei Gott gebahnt. Er ist uns diesen Weg vorausgegangen, wir werden ihm eines Tages dorthin folgen – so wie jetzt N. N..

Alles wird gut“ – Das gilt auch und gerade im Angesicht ihres Todes. Das gilt, auch wenn wir uns noch nicht vorstellen können, was das heißt.

Alles wird gut - weil unser Lebensweg ein Ziel hat. 2013 haben uns Worte aus Hebräer 13,14 als Jahreslosung begleitet:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

In Ihren Liedblättern haben Sie ein Bild gefunden, neben dem diese Jahreslosung in Deutsch und Russisch steht. Unser zweisprachiger Gottesdienst Ende Oktober stand unter diesem Thema. Vorbereitet wurde er von Gliedern des Deutsch-Russischen Bibelkreises. N. N. konnte damals schon nicht mehr dabei sein. Wir haben ihr davon erzählt. In unsere Vorbereitungen eingeflossen sind unsere Gedanken an N. N..

Wir haben hier keine bleibende Stadt“.

Wir alle – Sie, die Familie, und alle, die in der Nähe und Ferne diesen Weg mitgingen – konnten das erkennen. „Ab August 2013 ging es drastisch abwärts“, so sagten Sie, der Schwiegersohn, beim Trauergespräch. N. N.s Kraft nahm zusehends ab.

Gleichzeitig, so schien es, nahm N. N.s Hoffnung auf Heilung zu. Als medizinisch nichts mehr zu machen war, sagte sie sinngemäß: „Jetzt setze ich meine ganze Hoffnung auf Gott“.

Sie hat sich gut gehalten, so erinnern Sie sich. Zunächst schien es so, als könnte sie sich dem Fluss der Vergänglichkeit entgegenstemmen: mit der Kraft des Glaubens und ihrer eigenen Kampfeskraft. Nicht für sich selbst hat sie gekämpft, sondern für Sie, die Familie: Sie, den Ehemann, und Sie, die Mutter, für Sie, die Kinder und Enkelkinder, für alle anderen, denen ihre Zuneigung galt.

Wir haben hier keine bleibende Stadt“. Das hat der Künstler Christian Walter sehr eindrücklich auf seinem Bild zur Jahreslosung dargestellt:

Wir sehen Häuser in grün. Die Farbe Grün steht für alles, was in unserem Leben wächst, die Häuser für alles, was wir schaffen. Wie in einem Sog zieht es die Häuser davon, nach oben. Erschreckend klar ist: Wir können diesen Strom der Vergänglichkeit nicht aufhalten – im eigenen Leben nicht und nicht im Leben der Menschen, die wir lieben.

Aber: Dieser Strom der Vergänglichkeit wird zum Engel, der uns auf den hinweist, zu dem unser Leben hinfließt: zu Jesus Christus, hier dargestellt mit dem Kreuz im Licht ganz oben rechts. Gelb ist der Engel, denn er lässt uns ein Licht aufgehen: Bei Jesus Christus finden wir die bleibende Stadt, in der ewigen Gemeinschaft mit ihm.

D

Bild zur Jahreslosung 2013 von Christian Walter

as Licht des Engels reicht am linken Rand bis ganz hinunter zu den Häusern. Es zeigt uns: Wir, die wir in den Häusern wohnen, in der Stadt, die nicht bleiben wird, haben Zu-

kunft: die Zukunft bei Gott, in seiner bleibenden Stadt. Ja, alles wird gut!

Doch diese bleibende Stadt ist nicht nur Jenseitshoffnung. Sie reicht wie das Licht des Engels in unser jetziges Leben hinein. Das zeigt uns auch die rechte Seite des Bildes. Das Kreuz ist der Mast eines mächtigen Schiffes in rot. Christus selbst ist mit uns auf diesem Schiff unterwegs. Er fährt mit uns auf dem Meer der Zeit hin zu Gottes Ewigkeit. Mächtig wie die Zinnen einer Burg ist auch die Reling des Schiffes. Sie schützt uns vor dem Absturz ins Meer der Vergänglichkeit, in den Sog der Verzweiflung. „Ein feste Burg ist unser Gott“, hat Martin Luther gedichtet (EG 362). –

Die Farbe Rot, die sich auch im Herz des Kreuzes und angedeutet im Dach der Häuser findet, hält uns vor Augen: Auf dem Christusschiff sind wir ganz und gar umhüllt von Gottes Liebe. Diese ist in Jesus leibhaftig geworden. Sie hat unser Leben geteilt mit allem, was uns mit Freude erfüllt, und allem, was uns zusetzt.

Jesus Christus war mit N. N., mit uns allen unterwegs. „Ich spüre, er ist da“, sagte sie immer wieder. Kein Gebet war umsonst, kein Flehen um Heilung. Denn Gebet und Flehen haben uns innigst mit Christus verbunden, uns seiner Nähe gewiss gemacht.

Darin besteht das Heil, das mehr zählt als alle Heilung von Krankheit in unserer Welt, so sehr wir sie erbitten und erhoffen dürfen:

Gott nahe zu sein ist mein Glück“. So heißt es in der Jahreslosung für unser neues Jahr 2014. Ihre Worte stammen aus einem Gebet voller Ringen um Gehör bei Gott. Dieser fleht darum, dass Gott sein Schicksal wendet. Am Ende von Psalm 73 findet der Beter Frieden in der Gewissheit: „Gott nahe zu sein ist mein Glück“.

Alles wird gut.

So ist es. Die letzten Worte, die Ihre Mutter, am Abend vor ihrem Tod gesprochen hat, waren: „Gott, ich verstehe dich zwar nicht, aber ich vertraue deiner Liebe.“ Diese Liebe umhüllt uns und sie verbindet uns mit ihr und mit Jesus Christus. Er ist A und O, Anfang und Ende der Zeit. Bei ihm sind wir geborgen, hier und einmal in Ewigkeit.

Als ihr im Deutsch-Russischen Bibelkreis am vergangenen Sonntag Erinnerungen an N. N. geteilt habt, sagt eine: „N. spaziert jetzt durch das himmlische Jerusalem“ (Offenbarung 21, 1 ff). Dort kann sie wie bei eurer Frauenfreizeit hoch oben auf dem Berg die Arme in die Luft werfen und aus voller Brust singen: „Großer Gott, wir loben dich“ oder „Halleluja“, das bedeutet: „Lobt Gott!“

Jetzt gibt es für sie keine Krankheit mehr, keine Schmerzen, keinen Druck im Bauch. Sie hat dort die Wohnung bezogen, die ihr Jesus Christus vorbereitet hat. (Johannes 14, 2f)

Darum können wir sagen: „Alles wird gut“.

Dieser Glaubens-Satz umfängt alle Ihre vielfältigen Erinnerungen an sie wie ein schützender Mantel. Dieser Satz leuchtet als Licht der Ewigkeit auf Ihren Weg der Trauer. Nach diesem Licht strecken wir uns im Glauben aus, nach dem himmlischen Jerusalem: nach der Stadt, die bleibt und der Gott in unserer Mitte wohnt (Offenbarung 21).

Ja, „Alles wird gut“ – Gott sei Dank!

Amen.