Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Offenabrung 3,1-6

Pfarrer Thomas Jabs (ev)

15.12.2013 in Mahlsdorf

Gottesdienst zum dritten Advent

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Offbrg. 3,1 Und dem Engel der Gemeinde in "Sardes" schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.

3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. 4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. 5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. 6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Gemeinde,

heute wie vergangene Woche ein Abschnitt aus dem 3. Kapitel der Offenbarung.

Heute wie schon vergangene Woche zitiere ich Hans Lillje für einige zur Erinnerung, für einige heute neu:

„Da die Offenbarung alles andere als ein mittelmäßiges Buch ist, ... haben mittelmäßige Zeiten keinen Zugang zu ihr. Die Berührung mit dieser Schrift hat ihre von Gott gewollte Zeit und Stunde.

Die Kirche der Märtyrer hat dieses Buch, das aus der ersten Märtyrerperiode ... heraus entstanden ist, immer unmittelbar verstanden.“1

Unmittelbar verstehen können. Das liebe ich an diesem Buch. Heute konzentriere ich unsere Gedanken auf eine Aufforderung, die wir ganz unmittelbar verstehen können:

2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will,

Was sterben will. Das verstehen wir ganz unmittelbar über alle Zeit hinweg und egal an welchem Ort.

Das sterben will hier bei uns,

Das ist die Frau über 90, die Schmerzen hat und kaum noch sieht. Die sagt: „Es ist nicht schön, so alt zu werden.“

Und: „Ich will sterben.“, das sagt sie auch.

Das sterben will hier bei uns.

Das ist der Mensch mit schweren Depressionen. Fußballstar vor seinem Tod oder Floristin und noch am Leben. Der Studienrat und Gymnasiallehrer oder die Frau, die für andere wischt und putzt, kennen es gleichermaßen.

Obdachlose erkranken daran oder sind obdachlos, weil sie daran erkrankten. Auch Bundeskanzler hat es schon getroffen. Willy Brandt hatte schwere depressive Phasen mitten in seinen wichtigsten Regierungsjahren.

Diese Menschen alle kennen den Satz: „Ich will sterben.“, nur zu gut.

Gerade diese Menschen kennen es:

Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

Sie stehen mitten im Leben. Oft ahnt die Umwelt nicht einmal etwas von dieser schweren Krankheit. Sie selbst fühlen sich wie tot, ausgeschlossen vom Leben. Sie arbeiten, sie leben doch nichts erreicht sie mehr. Es ist als liefe das ganze Leben auch ihr eigenes hinter einer unsichtbaren Wand in der sie selbst eingeschlossen sind.

Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

Das sterben will hier bei uns.

Das ist der Schüler, der verzweifelt ist. Er hat alles versucht, doch seine Noten sind nicht besser geworden.

Das ist auch die Patientin auf der Intensivstation, die Ihre Patienverfügung geschrieben hatte – hoffentlich.

Liebe Gemeinde Sie wissen selbst, dass es Menschen gibt, von denen gilt:

Das sterben will.

Kennen Sie diese Menschen?

Genau das ist eines der größten Probleme. Kennen wir diese Menschen? Sehen wir Sie? Erkennen wir ihre Lage? Wissen wir davon, bevor sie sterben?

Manchmal ja und manchmal nein.

Manchmal sagen wir nachher: „Ja ich hätte es wissen müssen, da waren doch so viele Zeichen.“

Wir können es nicht immer wissen und selbst wenn, müssen wir es lernen, die Zeichen zu erkennen.

2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will,

diese zwei Aufforderungen sind unmittelbar an uns gerichtet:

  1. Werde wach und

  2. stärke das andre, das sterben will,

1. werde wach:

Wir werden wach, wenn wir geweckt werden. Wir müssen geweckt werden. Genau das ist unsere Erfahrung, wenn wir sagen: „Ja ich hätte es wissen müssen, da waren doch so viele Zeichen.“

Es gibt Zeichen, doch wenn wir schlafen, können wir sie nicht bemerken. Wer aber aufgeweckt wurde, aufmerksam gemacht für die Zeichen, die es gibt, die und der sind wach.

Ärzte lernen es. Angehörige von depressiven Menschen erkundigen sich.

Ehrenamtliche der Telefonseelsorge werden dafür ausgebildet. Es gibt viele wache Menschen. Die Offenbarung weckt heute tausende in den Gottesdiensten mit ihrer Aufforderung:

2. Werde wach und stärke das andre, das sterben will,

Manche hören es unmittelbar, und manche predigen es. Andere nicht. Je nach dem ob man aufgeweckt worden ist, diesen Satz zu hören.

Da ich aufgeweckt wurde in dieser Woche durch eine Dokumentation über Depressionen, gebe ich Ihnen weiter worauf wir wachsam achten können in unserer Gemeinde.

Das sterben will, kündigt sich manchmal an durch:

Etliche von Ihnen wissen noch vieles mehr, und einmal aufgeweckt, haben wir ohnehin ein gutes Gespür für die Menschen in unserer Umgebung.

Natürlich dürfen wir es nicht übertreiben.

die Frau über 90, die Schmerzen hat und kaum noch sieht. Die sagt: „Es ist nicht schön, so alt zu werden. Ich will sterben.“.

Sie darf das sagen. Solange sie sich nicht vernachlässigt, müssen wir uns auch keine großen Sorgen machen. Unsere Aufgabe ist einfach und und ganz klar bestimmt:

stärke das andre, das sterben will,

Stärken. Wer unter uns Erfahrungen im Haushalt hat, die und der wissen ganz genau, was die Offenbarung meint:

Wenn ich ein Wäschestück stärke, dann wird es fest und seine Form bleibt haltbar.

Fest und haltbar machen. Das ist gemeint.

Wie mache ich aber fest, und haltbar einen Menschen von dem die Offenbarung sagt:

das andre, das sterben will?

Auch hier hilft es uns, ganz unmittelbar zu verstehen, ganz wörtlich. „Das andere.“

Das eine war: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

Das andere ist: Du hast den Namen: Ich will sterben und bist am Leben.

Das eine sind alle, die am Leben teilhaben, in der Familie, in der Gemeinde in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft.

Sie alle, wir alle feiern miteinander ein lebendiges Weihnachtsfest voller Freude und Leben. Doch sind wir tot, wenn wir das andere in dieser Zeit nicht sehen, nicht wahrnehmen, nicht stärken. Nur dem Namen nach ist es eine freudige Weihnachtszeit, wenn wir feiern und dabei die Menschen allein lassen, die uns in diesen Tagen bräuchten. Das ist das eine. Vielleicht gehören wir ja alle dazu, vielleicht auch zu dem Anderen.

Das Andere, sind die, die sich zurückgezogen haben, die zurückbleiben werden in den Weihnachtstagen, die zurückgestoßen wurden und einsam bleiben werden.

Stärke das andere!

Wir können über Weihnachten nicht gesund machen, die Menschen, die im Alter blind geworden sind und Schmerzen haben.

Wir können über Weihnachten nicht gesund machen, wenn ein Mensch an Depression leidet.

Wir können aber mit diesen Menschen Weihnachten feiern. Wir sollen stärken, was uns verbindet in der Gemeinde. Sie sollen teilhaben können an unseren Gemeindefesten und Kreisen. Sie sollen angesprochen und wenn nötig abgeholt werden oder besucht.

Stärke das andere. Die einen Beziehungen, derer die miteinander leben und feiern, die bedürfen nicht unserer besonderen Wachsamkeit. Die anderen sind es, an die wir erinnert werden an diesem dritten Advent. Noch können wir planen, wen wir wann einladen und besuchen werden. Wen wir anrufen. Wem wir eine Karte schreiben oder einen langen Brief.

Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.

Vielleicht sind unsere Pläne noch nicht vollkommen. Doch heute hat uns Gottes Wort geweckt.

3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße!

Buße tun, den Sinn ändern heißt in diesem Fall: An das Leben, an die Freude zu Weihnachten denken wir sowieso. Denken wir und planen wir nun auch ein, eine Beziehung zu stärken, die für uns anstrengend ist. Helfen wir mit, das in diesem Jahr zu Weihnachten Die Menschen wahrgenommen, angesprochen und einbezogen werden, die sterben wollen.

wie du empfangen und gehört hast,

Daran denken was wir empfangen haben und gehört haben heißt: Die Weihnachtsfreude mit den Anderen teilen, die Freude das Jesus Christus unsere einzige und unser aller Hoffnung ist im Leben und im Sterben. Amen


Und der Friede Gottes der höher ist alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und sinne in Christus Jesus unserem Herrn.


 


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