Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Philipper 3, 10-14

Stellv. Landrat, Laienprediger Bernd Friedrich (EmK)

27.04.2014 in der Christuskirche in Waiblingen

Thema: Leben! – mit der Kraft der Auferstehung

Liebe Gemeinde,

das Thema heute morgen lautet: „Leben! – mit der Kraft der Aufer­stehung.“ Es geht um die Frage, was wirkliches Leben bedeutet und was Ostern mit uns zu tun hat. Letzten Sonntag im Ostergottesdienst haben wir uns wieder daran erinnert: „Ja, Jesus ist wahrhaftig auferstanden.“ Pastor Michael Löffler hat über einen Text aus dem 1. Korintherbrief gepredigt (1. Korinther 15). „Der Tod ist jetzt ein zahnloser Tiger“, hat er gesagt. Im leeren Grab von Jesus, da können wir das volle Leben entdecken.

Und so möchte ich heute mit euch noch ein wenig weiter darüber nach­denken, was diese Auferstehung mit unserem Leben zu tun haben könnte. Auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so viel, denn eine Aufer­stehung kam damals wohl ebenso wenig vor wie heute. Eine Geschichte aus ferner Zeit also - sollte man meinen – bis ich am Dienstag (22.04.2014) die Stuttgarter Zeitung auf geschlagen habe – auf dem Titel steht:

BEAMER Cacau 1

„Der VfB atmet auf“ – Im Bild: Cacau zeigt zum Himmel und lächelt... – Warum er das tut, steht noch nicht auf Seite 1 - das ist wie im richtigen Leben – manchmal muss man noch tiefer einsteigen und umblättern – in diesem Fall findet sich die Erklärung im Sportteil auf Seite 27

BEAMER Cacau 2

Überschrift: „Wiederauferstehung am Ostersonntag“. Es geht um das Spiel des VfB Stuttgart gegen Schalke 04 und um einen tollen Sieg im Abstiegskampf. In dem Artikel heißt es:

Der VfB-Stürmer Cacau erzielt seinen ersten Treffer seit September 2012 und wird frenetisch gefeiert. Wieder rennt Cacau hinaus zur Eck­fahne, wieder sinkt er mit erhobenen Armen in die Knie, den Blick in den Himmel gerichtet. Und wieder läuft vor seinem geistigen Auge ein Film ab – so wie vor knapp vier Jahren bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Damals, am Höhepunkt seiner Karriere, sah Cacau nach seinem Treffer zum 4:0-Endstand im deutschen Auftaktspiel gegen Australien vor sich die Bilder, wie er als mittelloser und völlig unbe­kannter junger Mann nach Deutschland gekommen war und wie er es geschafft hatte, in seiner neuen Heimat Nationalspieler zu werden. Und nun, am vorläufigen Ende eines tiefen Tals, erinnert er sich nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Schalke 04 (Endstand 3:1) an seine Leidenszeit in den vergangenen zwei Jahren und daran, „dass mich schon viele abgeschrieben hatten.“

Auf alle Zeiten wird sein WM-Treffer der bedeutendste und emotionalste Moment seiner Karriere bleiben, so der Reporter der Stuttgarter Zeitung. Nicht weit dahinter aber kommt das Tor am Ostersonntag, mit dem der tiefgläubige Christ ge­wissermaßen seine Wiederauferstehung beim VfB Stuttgart gefeiert hat.“ - Soweit der Artikel vom letzten Dienstag.

Die Wiederauferstehung am Ostersonntag betrifft hier nur den Fußball­profi und Christen Cacau. Es ist aber ein gutes Beispiel, wie besondere Momente das Leben prägen und verändern können. Und vielleicht ist es auch ein Beispiel dafür, wie ein Mensch sein Leben und seinen Beruf mit Gott in Verbindung bringt. –

BEAMER Cacau 3 „Gönn dir was“

Fragen können wir Cacau bald selbst, denn er kommt in unsere Gemeinde in Korb-Kleinheppach am Mittwoch, 07. Mai 2014, 19.30 Uhr. Auf dem Programm: Interview, geist­lichen Impuls und Autogramme. Weil es so gut passt an dieser Stelle: Herzliche Einladung dazu – und möglichst noch zwei Freunde mit­bringen.

Und jetzt nach dem Werbeblock zurück zum Hauptfilm, also zur Predigt und zur Auslegung eines Textes aus der Bibel - Thema: „Leben! – mit der Kraft der Auferstehung“, das ist eine Aussage von Paulus in einem Brief an die Gemeinde in Philippi. Auch er verwendet ein Bild aus dem Sport und auch er verknüpft dieses Bild mit seinem eigenen Leben. Ich lese uns den heutigen Predigttext aus Philipper 3, 10-14:

BEAMER (Predigttext Philipper 3)

(10) Ich möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner Auferstehung erfahre, so wie ich auch sein Leiden mit ihm teile. Ich sterbe mit ihm seinen Tod (11) und habe die feste Hoffnung, dass ich auch an seiner Auferstehung teilhaben werde.

(12) Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel er­reicht habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.

(13) Ich bilde mir nicht ein, Brüder, dass ich es schon geschafft habe. Aber ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt.

(14) Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das neue Leben zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

Philipper 3, 10-14

Der Wettkampf im Stadion ist für Paulus ein Beispiel für sein Leben. In seinem Leben ist für ihn die Beziehung zu Jesus das Wichtigste. Paulus trifft Aussagen zu drei Stationen dieses Wettkampfes: Es geht (1.) um den Start, (2.) um das Rennen selbst und (3.) um das große Ziel. Das sind auch die drei Punkte dieser Predigt: Start – Rennen – Ziel.

1. Der Start: Wie das Leben als Christ beginnt

Zunächst geht es Paulus um den Start in seinem Leben mit Christus. Er kann sich noch gut daran erinnern. Er sagt, Jesus Christus hat von mir Besitz ergriffen. Ein einschneidendes Erlebnis. Er wird es nie mehr vergessen.

Kennt ihr auch Momente, die ihr nie mehr vergessen werdet? Vorher war alles so normal, doch dann hat’s „Woom“ gemacht. Bei Cacau waren es vielleicht diese Super-Tore. Bei dir vielleicht ein ganz anderer Volltreffer, der das Leben verändert hat.

Bei mir war ein solcher Tag der 26. Juli 1992. Es war die Geburt unseres ersten Sohnes. Seit vielen Stunden waren Esther und ich im Kreissaal der Fetzerklinik in Stuttgart – wir haben gekämpft, geschrien, gebetet. Irgendwann kam er dann, unser Sebastian, drei­einhalb Kilogramm und 51 Zentimeter. Ich sehe noch Schwester Anneliese, dann den Arzt, das kleine Bündel Haut unter weißem Schorf, ein erster Schnapper. Ich schneide die Nabelschnur durch. Hier ist ein neues Leben für dieses Kind - und nicht zu vergessen - auch für mich: Ich bin Vater. An diesem Tag hat sich einiges verändert - bis auf den heutigen Tag.

Auch in unserem Leben als Christ gibt es so etwas wie eine Geburts­stunde. Das ist der Augenblick, in dem ich verstehe: Gott spricht zu mir. Das ist der Punkt an dem ich sage: „Herr, ich will dir nachfolgen und mit dir leben. Mach du neu, was nicht in Ordnung ist.“ - Die Begegnung mit Christus ist eine Er­fahrung, die uns in der Mitte unserer Persönlichkeit trifft, die unsere Werte und Ziele in Frage stellt: Wofür lebe ich? Zu wem gehöre ich? Was hat Bestand, wenn ich leide, wenn ich sterbe?

Die Geschichte mit dem Volltreffer für sein Leben lag bei Paulus schon einige Zeit zurück. Damals hieß er noch Saulus. Er war ein Christenhasser. Er war unterwegs nach Damaskus, um alle Christen gefangen zu nehmen und sie auszu­rotten (Apg. 9, 1 ff).

Doch dann, ganz plötzlich ein gleißendes Licht, eine Stimme, er stürzt vom Pferd, alles in Sekunden oder Minuten. Diese Begegnung war nicht eingeplant. Er war darauf nicht vorbereitet. Auf einmal tritt Christus auf den Plan und er stellt sich ihm in den Weg, mit einer göttlichen Urgewalt, die den Gedanken an Widerspruch erst gar nicht aufkommen lässt.

Paulus hat für diesen Moment auch Jahre später nur einen Aus­druck gefunden. Er schreibt: „Jesus Christus hat von mir Besitz ergriffen.“ Paulus wurde gepackt und zu Boden ge­worfen. Er verlor Augenlicht und Orientierung. In Geist und Seele wurde das Unterste zu Oberst gekehrt. Sein ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt.

Nach dieser göttlichen Vollbremsung beginnt das Leben neu. Aus Saulus wurde Paulus, ein Mann, der mit seinem ganzen Können und Wissen, mit großer Kraft und Ausdauer nichts anderes mehr vorhat, als Christus besser zu verstehen, von ihm zu reden und über ihn zu schreiben.

Christus hat von Paulus Besitz ergriffen. - Ich habe mich gefragt: Warum kann Christus so etwas tun? Warum konfrontiert er gerade diesen Saulus so unwiderstehlich? Tausend andere erleben das nicht- warum gerade er? Wir wissen es nicht. Vielleicht brauchte Gott einfach einen Mann wie ihn, damit wir Jesus heute besser verstehen können? Und wahrscheinlich gibt es noch diesen Grund:

Paulus war ein Mann, der Gott gesucht hat. Sein Eifer war riesengroß. Er war nur auf der falschen Spur unterwegs, in die falsche Richtung. Gott hat ihm bei dieser Begegnung zuerst die Augen verschlossen und dann wieder neu geöffnet. Ein Perspektivwechsel! - Manchmal brauche ich das auch: Einen anderen Blick auf die Dinge, auf das was zählt, auf Gott.

Jeder Tag an dem wir uns mit Gottes Wort beschäftigen kann ein solcher Tag sein: „Wow, so ist das also!“ Wer Gott sucht, den findet Gott.

Manche haben Zweifel und Fragen, wenn es um Glaubensdinge geht. Manches verstehen wir in der Bibel nicht. Auch die Frage, ob das mit der Auferstehung wirklich wahr ist mag dazu gehören. Auch die Jünger hatten nach Ostern große Zweifel, ob Gott so handelt. Ob Jesus wirklich lebt?

Bei allem Zweifel verstehe ich die Bibel so: Wer Gott anruft, den wird Gott hören. Gott wird zu uns sprechen. Nicht immer so gewaltig wie bei Paulus. Vielleicht müssen wir erst still werden, und er spricht zu uns ganz leise. Für Paulus wurde die Stunde des Zusammenbruchs zugleich die Geburtsstunde für ein neues Leben. Christus hat ihn nicht mehr losgelassen.

Das war Teil 1 der Predigt. Wir stellen fest: Der Start mit Christus ist keine theoretische Erkenntnis, sondern ein Lebenserfahrung. - Und jetzt kommen wir zum Wettkampf selbst:

  1. Mit Christus unterwegs – die Kraft der Auferstehung erfahren

Nach dem Start ist das Rennen noch keineswegs gelaufen. Über die Unterwegs-Strecke schreibt Paulus dann folgendes:

„ (12) Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel er­reicht habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu (...) (13) Ich bilde mir nicht ein, Brüder, dass ich es schon geschafft habe. Aber ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt."

Seine Vergangenheit ist geklärt und vergeben.

Wenn wir mit Christus leben, dann können auch wir die Vergangenheit hinter uns lassen. All die Fehler unseres Lebens, unsere Schuld, all der Ballast und die Versäumnisse sollen und können uns nicht mehr daran hindern, in diesem Leben mit Jesus unterwegs zu sein.

„Dir sind deine Sünden vergeben!“, wie oft hat Jesus diesen Satz gesagt, wenn die Menschen zu ihm kamen. Das gilt auch heute: „Dir sind deine Sünden vergeben!“ Der Ballast von gestern, soll uns nicht daran hindern, mit Jesus unterwegs zu sein. Richtig: Wer zu Christus gehört, der ist noch nicht vollkommen. Ich jage ihm aber nach. Ich sehe nach vorne. Ich sehe auf ihn!

Wenn es das Lied damals schon gegeben hätte, dann hätte Paulus sicher mitgesungen: „For the rest of my life, I will never forget, for the rest of my life I will thank you, for all that you’ve done and given to me!“ Den Rest meines Lebens werde ich es niemals vergessen, was du Jesus für mich getan hast. Du hast mir Hoffnung gegeben, als ich kein Licht mehr gesehen habe. –

Du Jesus, bist die Hoffnung meines Lebens, ja, das Leben selbst. Paulus sagt: Ich jage ihm nach. Ich will nur noch dich kennen, Christus. Ich bin nicht perfekt. Aber Jesus ist für Sünder gestorben, nicht für Gerechte. Das gilt für Paulus. Das gilt für mich. Das gilt auch für dich.

Brüder und Schwestern, das Ziel ist noch nicht erreicht. Das Leben im Jahr 2014 kann ziemlich anstrengend sein. Der Glauben ist ein Weg. Wir können reifen und wachsen, wenn wir das Ziel fest im Blick behalten und wenn ER mit uns geht.

Doch wie wachsen wir im Glauben? Wie bekommen wir für unseren Wettkampf die nötigen Kraftreserven? Paulus schreibt:

„Ich möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner Auferstehung erfahre.“

Die Kraft der Auferstehung Jesu macht den Unterschied. Bis Ostern galt ein brutales Gesetz und das lautet: Tot ist tot. Der Tod ist endgültig. Das Scheitern ist programmiert. Das Leben unterliegt. Immer geht das Spiel um Tod und Leben 1 : 0 für den Tod aus. Der Tod ist die Heimmannschaft. Das ist frust­rierend, lähmend, zum Verzweifeln.

Doch dann ist an Ostern etwas wirklich Unglaubliches passiert. Diesmal – im großen Finale – steht es am Ende 1 : 0 für das Leben. Gott hat Christus von den Toten auferweckt. Um im Bild zu bleiben: Der Gast aus einer anderen Wirklichkeit besiegt den Tod endgültig – das ist der ultimative, finale Champignons-Weltmeister-Titel schlechthin.

Und das Beste ist folgendes: Dieser Sieg reicht für das ganze Team! Für alle, die auf seiner Seite stehen. Sogar für solche, die erst später eintreten. Das Tor, das einer geschossen hat, bringt den Sieg für die gesamte Mannschaft.

An dieser „Kraft der Auferstehung“ sollen und können wir Anteil haben. Im Kolosserbrief (2, 12-15) schreibt Paulus:

Durch den Glauben habt ihr euch der Macht Gottes anvertraut, der Christus von den Toten auferweckt hat. (…) Gott hat euch zusammen mit Christus lebendig gemacht.“

Oder mit anderen Worten: Diese Kraft der Auferstehung, diese Kraft Gottes kann in uns wirksam werden. Diese Kraft Gottes kann unser Leben verändern, unseren Alltag, unsere Perspektiven. Diese Kraft zeigt, was möglich ist, wenn wir nicht auf uns vertrauen, sondern auf ihn.

Wie oft haben wir allen Grund zu resignieren: Da sind verhärtete Bezie­hungen, Ängste, Süchte und Krankheiten. Wie oft stehen wir uns selbst im Wege, wissen keinen Ausweg oder haben die Orientierung verloren. Wie oft habe ich mich schon vergeblich abgemüht, Gutes zu tun und Vergängliches zu lassen. Dieser Text will uns Mut machen, seine guten Kräfte in uns zur Wirkung kommen zu lassen. Der Sieg Gottes über den Tod soll unser Sieg werden. Das ist es, was Paulus elektrisiert und begeistert.

Wenn Gott Tote auferwecken kann, dann kann er auch meinen Geist frisch machen, falsche Ziele vertreiben, neue Liebe schenken und die Vergangenheit heilen. Diese Auferweckungs-Kraft reicht aus, für alle Probleme zwischen Leben und Tod.

Nach dem Start und dem Wettkampf kommt jetzt als drittes noch das Ziel in den Blick:

3. Das Ziel vor Augen – der Siegespreis ist das neue Leben

Beim Ziel unseres Lebens beginne ich mal mit einer einfachen Frage. - Ich stelle sie auch mir selbst: Worauf kommt es eigent­lich in unserem Leben an? Was gibt unserem Leben Sinn? - Ist es Erfolg? Beruflicher Aufstieg? Geld? Eine glückliche Familie? Gesundheit? Oder nur irgendwie durchzukommen? Und wenn ja, wohin und wie lange?

Jemand hat mal den ziemlich herben Vorschlag gemacht, jeder möge mal – so von Zeit zu Zeit – seinen eigenen Nachruf selbst verfassen – zu Lebzeiten. Zwei Seiten weißes Papier – und dann mal los! Was steht da drauf? Ich war ein guter Mensch? Ich habe mich redlich bemüht? Ich habe es geschafft dreimal befördert zu werden, ein Reihenhaus zu kaufen und meine `Kinder groß zu ziehen?

Was ist das Ziel meines Lebens? Was ist das Ziel meiner Jahre, die mir noch bleiben? Es ist schwer, diese Frage auszuhalten!

Seit langem auf den Bestsellerlisten steht ein Buch von Bronnie Ware – Titel: „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ – Untertitel: „Ein­sichten, die Ihr Leben verändern werden“. Das Buch ist sehr erhellend. Da heißt es zum Beispiel (Seite 327):
„Der wahre Wert eines Menschen ist unabhängig von seinem Besitz, (…) Keinen meiner Pfleglinge hörte ich rückblickend klagen, er wünschte, er hätte mehr gekauft oder besessen, keinen einzigen. Vielmehr drehen sich die Gedanken Sterbender darum, wie sie ihr Leben gelebt haben, was sie getan haben und ob sie das Leben der Hinterbliebenen positiv beeinflusst haben (…) Die Dinge, die man zu brauchen glaubt, sind manchmal gerade die, die einen an ein unerfülltes Leben fesseln.“

Also: Geld und Besitz sind es schon mal nicht. Aber was dann? Wo und wie gibt es erfülltes Leben?

Und jetzt Achtung: Wir sind in einer Kirche – es ist Sonntag - jetzt wir es ziemlich fromm:

Die Antwort lautet: „Wirkliches Leben gibt es bei Jesus!“ Jesus selbst hat gesagt (Johannes 14,6): „Ich bin der Weg, der zur Wahrheit und zum Leben führt. Einen anderen Weg gibt es nicht.“

Und an einer anderen Stelle sagt Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt, und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben.“ (Joh. 11, 25-26).

Niemand muss das glauben was Jesus sagt. Die meisten glauben es nicht. Vielleicht hast du andere Einsichten. Wir sollten darüber nachdenken.

Meine persönlich Antwort ist diese: Ich glaube es schon, aber ziemlich theoretisch, viel zu wenig praktisch, dass bei Jesus das Leben ist. Ich vermute, mein Leben und auch das unserer Gemeinde würde noch ganz anders aussehen, wenn wir es wirklich wüssten: „Ja, Jesus, du bist die Quelle des Lebens, der Weg, die Wahrheit, die Hoffnung, das Ziel unseres Seins und Denkens.“

Paulus ist davon überzeugt, dass das stimmt. Er schreibt:

Ich möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner Auferstehung erfahre, so wie ich auch sein Leiden mit ihm teile. Ich sterbe mit ihm seinen Tod und habe die feste Hoffnung, dass ich auch an seiner Auferstehung teilhaben werde. (...) Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das neue Leben zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.“

Unser Leben hat ein Ziel. Das Ziel ist, Christus zu kennen und mit ihm zu leben. Das Ziel ist, an der Kraft seiner Auferstehung Anteil zu haben.

Wie ein Münze zwei Seiten hat, so hat dieses Lebensziel zwei Aspekte, die man nicht voneinander trennen kann. Auf der Vorderseite steht: Bei Jesus ist die Lebenskraft für heute. Unser Leben im Jahr 2014 hat mit ihm eine neue Qualität. Und auf der jetzt noch verdeckten Rückseite steht: Dieses Leben mit Jesus hört nicht auf. Es geht mit ihm weiter, wenn wir hier auf der Erde im Jahr x unseren letzten Satz gesprochen und unseren letzten Atemzug getan haben.

Einer bewegendsten Sätze der Bibel steht für mich im Buch der Offenbarung – Kapitel 21 – Da heißt es: „Gott wird alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei. Was einmal war ist für immer vorbei (...) Wer Durst hat der komme, dem gebe ich umsonst aus der Quelle des Lebens.“ (Verse 4 und 6).

Die Kraft der Auferstehung reicht für heute und bis ans Ende der Zeit. Das neue Leben startet im Hier und Jetzt und endet nicht, wenn wir unsere Augen hier auf Erden für immer schließen. Je länger ich darüber nachgedacht haben: Das ist eine unglaubliche, eine einmalige Geschichte...

Und jetzt Stopp am Ende dieser Predigt: - An dieser Stelle stellt sich noch die Frage, ob Paulus mit dem Wettkampf ein Bild gebraucht, das logisch ist und schlüssig. Wir erinnern uns: Start – Wettkampf – Ziel, das klang nach einer guten Gliederung. Doch kommt nicht überall letztlich immer dasselbe vor, genauer gesagt, derselbe?

  • Da ist Christus am Start. Er ergreift und begeistert. Er kann einen ganzen Menschen umdrehen in einem einzigen Moment – so wie bei Paulus.


  • Und dann ist Christus auch im Leben dabei: In ihm liegt die Kraft der Auferstehung, die mobilisiert und motiviert. Ohne ihn würden wir schnell schlapp machen.


  • Und jetzt schon wieder Christus: Er ist nicht nur am Start und unter­wegs, nein, er ist auch das Ziel. Christus ist nicht nur der Anfang, nein, er ist auch am Ende da, das gar kein richtiges Ende ist.

Überall ist Christus? Wo liegt eigentlich die innere Logik dieses Bildes, wenn Christus Start ist, Begleiter unterwegs und Ziel zugleich? Wie geht das, dass wir ihn schon haben und gleichzeitig ihm nachjagen? - Wenn wir den Text noch einmal als Ganzes in den Blick nehmen, dann fallen die ganzen Beziehungsworte auf:

  • Paulus will Christus erkennen

  • Seine Auferstehungskraft erfahren

  • Seine Leiden und seinen Tod teilen

  • Von Christus ergriffen

  • Durch Jesus Christus berufen

Ich habe darüber nachgedacht und glaube, das Geheimnis dieses Bildes ist die Beziehung zu IHM: Es geht um eine wirkliche Beziehung zwischen Christus und mir.

Mit ihm wird mein Leben völlig anders sein. Nur er kann mein Innerstes erreichen, mich ergreifen und berufen. Nur er kann so lieben – wie er es tat, als er un­schuldig für mich starb. Nur bei ihm ist die Kraft, die nicht vor dem Tod kapitulieren muss.

Diese Kraft der Auferstehung reicht für jedes einzelne Leben bei uns und für unser ganzes Leben völlig aus. Alles hängt an einem kleinen Ostersatz: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Es geht nicht um Theologie, nicht um eine Erklärung der letzten Geheim­nisse des Menschseins oder der Welt, nicht um Religion im klassischen Sinne oder um Regeln für ein besseres Leben. Es geht heute in unserem Alltag und es geht einmal am Ende unseres Lebens um nichts anderes als um dieses eine: IHN, den aufer­standen Christus an meiner Seite zu wissen. Das Leben ist letztlich keine Idee und kein Augenblick des Glücks – das Leben ist eine Person, das Leben ist Jesus.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesem lebendigen Christus neu be­gegnen. Dass er uns neu anspricht und Klarheit schenkt, wo Dunkelheit herrscht. Dass er uns hält, wenn wir fallen. Dass er uns umfängt und an die Hand nimmt, wo unsere Worte und Gedanken über die letzten und entscheidenden Dinge viel zu schwach sind. #

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Mit einem Gebet von Jörg Zink möchte ich schließen

(Wie wir beten können S. 221):

Herr, ich will nicht mehr nach rechts

und nicht mehr nach links sehen.

Ich will nicht mehr meine kleine Hoffnung,

nicht mehr mein kleines Leben hier oder dort.
Ich will nicht mehr mich, sondern dich allein.

Meine Jahre zerrinnen, du aber bleibst.

Entziehe dich nicht, lass dich finden.

Heraustreten will ich

aus aller Täuschung und aller scheinbaren Hoffnung.

Dir gegenüberstehen will ich.

Dich erwarten. Dich finden.

Dich verstehen. Dich glauben.

Lange genug lebte ich, als lebte ich ewig.

Lange genug hoffte ich,

als wäre Hoffnung in dieser meiner kleinen Welt.

Heraustreten will ich aus dem Kreislauf

der einfältigen Zuversicht.

Ich wende mich dir zu.

Ich warte auf dich.

Wende dich nicht ab, lass dich finden.

Herr, du bleibst,

und ich bleibe bei dir.

Weder Tod noch Leben

werden mich von dir trennen.

Nichts erwarte ich mehr.

Nichts,

als allein dich.“