Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Pornographie

Dr. Pastor Stefan Jung (efk)

10.03.2013 in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gundelfingen

Predigtreihe zu Sexualität und Christsein

Die neue globale Seuche: Pornografie – ganz normal?

„Natürlich guck ich auch Pornos – das machen doch alle Jungs!“, antwortet ein 15-jähriger auf Nachfrage. „wenn ich mal eine Freundin habe, hör ich natürlich damit auf, denn das wäre ja wie fremdgehen!“, fügt er hinzu.

Eine Mutter ruft an und schildert, wie ihr 13-jähriger Sohn, nachdem er bei Freunden im Internet erstmals gewalthaltige Sexbilder gesehen hat, zuhause wie unter Schock stand, weinend sagte er: „Ich werde die schrecklichen Bilder nicht mehr los.“ Doch nur wenige Tage später zapfte ein offenes WLAN-Netz in der Nachbarschaft an und ging auf ähnliche Seiten.

Vor einiger Zeit bekomme ich einen Anruf. Eine Frau, etwa in meinem Alter ist völlig aufgelöst wegen der Pornosucht ihres Mannes. Das Vertrauen und ihre Intimität in der Ehe sind zerstört. Sie sagt mir: „Er begehrt mich kaum noch und wenn, dann ist es, wie wenn er eine Schablone auf mich legt und sein Phantasiekino an mir abspult. Ich bin dabei gar nicht gemeint.“ Und das schlimmste irgendwie haben unsere Kinder mitbekommen, dass da was nicht stimmt. Ich spüre, wie Verachtung gegen über ihrem Vater aufsteigt.

Ein Mann erzählt in der Seelsorge: Mit 12 habe ich die ersten Pornos geschaut habe, als ich bei älteren Kumpels zu Besuch war. Dann hab ich angefangen, die Sachen von ihnen zu sammeln und als ich mit 14 einen eignen Rechner in meinem Zimmer hatte, habe ich mir ständig Pornos angeschaut. Eigentlich täglich. Heute bin ich 29 Jahre alt und habe jahrelang hinter dem Rücken meiner Eltern, meiner Freundin alles Mögliche angeschaut. Meine jetzige Freundin hat mich mal ertappt und war richtig verletzt. Ich musste ihr versprechen künftig keine Pornos mehr zu konsumieren. Das Versprechen habe ich seitdem fast jeden Tag gebrochen… Also ich will aufhören, ich schaffe es aber nicht. Wie krieg ich das hin? Ich will nicht mehr betrügen und das schlechte Gewissen zehrt auch an meiner Kraft als Christ.

Das sind Facetten eines Eisbergs, dessen weitaus größerer Teil im Verborgenen bleibt und dessen Auswirkungen wir nur schwer abschätzen können. In meiner seelsorgerlichen Tätigkeit werde ich zunehmend mit den folgenden Aspekten von Pornografiekonsum konfrontiert.

  • Minderjährige Täter sind nach Pornografiekonsum traumatisiert.

  • Die Liebe und Intimität von Paaren zerbricht an der Pornosucht (meist der Männer).

  • Da sind Menschen, die sich selbst im Sog von Online-Sex verstrickt haben und Auswege aus der heimlichen Sucht suchen.

Was sagt Gottes Wort zu diesem Thema? Ich will einige Bibelstellen lesen, die Eckpunkte markieren:

Eph 5,3-5; 8b-12

Auf sexuelle Unmoral und Schamlosigkeit jeder Art, aber auch auf Habgier sollt ihr euch nicht einmal mit Worten einlassen, denn es gehört sich nicht für Gottes heiliges Volk, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen.

4 Genauso wenig haben Obszönitäten, gottloses Geschwätz und anzügliche Witze etwas bei euch zu suchen. Bringt vielmehr bei allem, was ihr sagt, eure Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck.

5 Denn über eins müsst ihr euch im Klaren sein: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, sich schamlos verhält oder von Habgier getrieben ist (wer habgierig ist, ist ein Götzenanbeter!)6, hat ein Erbe im Reich von Christus und von Gott zu erwarten. (…)

8b Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten.

9 Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist.

10 Deshalb überlegt ´bei dem, was ihr tut,` ob es dem Herrn gefällt.

11 Und beteiligt euch unter keinen Umständen an irgendeinem Tun, das der Finsternis entstammt und daher keine guten Früchte hervorbringt. Deckt solches Tun vielmehr auf!

12 Denn was manche im Verborgenen treiben, ist so abscheulich, dass man sich schämt, es auch nur zu erwähnen.

Mt 5,8;

8 Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott sehen.

Mt 6,22-23

22 »Das Auge gibt dem Körper Licht. Ist dein Auge gut, dann ist dein ganzer Körper im Licht. 23 Ist dein Auge jedoch schlecht, dann ist dein ganzer Körper im Finstern. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, welch eine Finsternis wird das sein!«

Hiob 31,1-2a; 5. 9-12

Mit meinen Augen habe ich einen Bund geschlossen, niemals ein Mädchen lüstern anzusehen. 2 Was hätte ich von Gott sonst zu erwarten, von ihm, der in der Höhe thront?

5 War ich jemals verlogen und falsch, habe ich andere betrogen?

9 Wenn ich mich von der Frau meines Nachbarn betören ließ und an ihrer Tür auf sie gewartet habe, 10 dann soll meine Frau für einen anderen kochen, und andere sollen sich über sie hermachen! 11 Denn dann hätte ich eine Schandtat begangen, ein Verbrechen, das vor die Richter gehört. 12 Ein Feuer ist der Ehebruch! Es brennt bis in den Tod. Es würde all mein Hab und Gut bis auf den Grund zerstören.

Spr 4,23-25.

Mein Sohn, hör gut zu, und pass auf, was ich dir sage!

23 Was ich dir jetzt rate, ist wichtiger als alles andere: Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!

24 Verbreite keine Lügen, vermeide jede Art von Falschheit!

25 Verliere nie dein Ziel aus den Augen, sondern geh geradlinig darauf zu.

26 Überleg sorgfältig, was du tun willst, und dann lass dich davon nicht mehr abbringen! 27 Schau weder nach rechts noch nach links, damit du nicht auf Abwege gerätst.

Gottes Wort steht für Reinheit, Geradlinigkeit und verantwortliches Handeln. Paulus: „Überlegt ´bei dem, was ihr tut,` ob es dem Herrn gefällt.“ Jesus: Ist dein Auge gut, dann ist dein ganzer Körper im Licht.“ Hiob: „Mit meinen Augen habe ich einen Bund geschlossen, niemals ein Mädchen lüstern anzusehen.“ Salomo: „Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben! vermeide jede Art von Falschheit!“ Sind das klare Botschaften? Ich denke schon!

Als Seelsorger ist es meine Verantwortung zu sagen, dass du dir mit Pornografie nicht nur dein Leben versauen kannst, sondern dass du damit auch deine Beziehung auf Spiel setzt und Vertrauen zerstörst. Wir spüren instinktiv, dass beziehungsloser Sex eine Lüge ist und außerdem sehr ichbezogen ist. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich gelegentlich dieser Lust nachgegeben habe. Ich kann nicht leugnen, dass der Anblick einer nackten Frau, sei es im Kunstmuseum oder in einer Zeitschrift oder im Internet eine starke Anziehung auf mich ausübt. Aber mir ist klar, wie Dietrich Bonhoeffer es formuliert hat: „Die Unreinheit der Begierde ist Unglaube. Darum allein ist sie verwerflich. Dein Auge, das der unreinen Begierde dient, kann nicht Gott schauen“.1 Jesus selbst sagt: „Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.“ Pornografie zerstört dieses Glück und den ungetrübten Blick auf Gott. Pornografie zerstört die Lebensfreude.

Aber ist Pornografie nicht ganz normal? Pornoproduzenten sagen bagatellisierend: „H&M wirbt doch auch mit mehr oder weniger nackten Modells in meiner Stadt, aber das Internet wird kritisiert.“ Ein anderer Pornoproduzent argumentiert: „Seit wann muss man Kinder vor Pornografie schützen? Ist ein FKK-Strand auch erst ab 18? Schadet der Anblick von Genitalien einem Kind? Löst das Augenkrebs aus?“

Pornografie ist in der U30-Generation nicht mehr schambesetzt. Das Wort Porno ist inzwischen sogar ein Superlativ wie „außerordentlich toll“.

Doch in Wahrheit ist Pornografie eine neue globale Seuche. „Das ist ein großer unethischer Menschenversuch, und mir ist völlig rätselhaft, warum der so ungehindert ablaufen kann“, sagt Prof. Klaus Beier, Leiter des Instituts für Sexualmedizin an der Berliner Charite´. Im Medienzeitalter gibt es eine neue, tiefe und bleibende Verletzung der Psyche des Menschen: Es sind Bilder des Bösen. Sie setzen sich fest, brennen sich tief ein und entfalten eine unkontrollierte Dynamik. Sie besetzen unsere Gedanken, Fantasien und Träume und wirken sich auf das Handeln und Denken aus.2 Den meisten Menschen ist das nicht bewusst. Aber schon Salomo hat gesagt: Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben.“

Wir haben strenge Maßstäbe für die Reinheit von Wasser, Luft und Nahrung, aber wir konsumieren unkontrolliert den erbärmlichsten pornografischen Schmutz, grausame Gewalt, anstrengenden Horror als „Unterhaltung“. Ich erspare uns verbale Beispiele, z.B. von den Rappern „Frauenarzt“ oder „Sido“, die in ihren Songs brutale Vergewaltigungen verherrlichen.

Während dein Körper Mechanismen hat, Giftstoffe auszuscheiden, hat dies dein Geist nicht. Wir Menschen haben keine Macht über unser Gedächtnis: Die Bilder brennen sich ins Gedächtnis ein. Das berichtet jeder Pornografiesüchtige, der damit kämpft sich aus der Sucht zu befreien. Darum sagt Jesus in Mt 6,23: „Ist dein Auge schlecht, dann ist dein ganzer Körper im Finsteren.“ Was für eine tiefe Wahrheit, steht dahinter! Die britische Sexualtherapeutin Francis Amaleus sieht in dem ungehemmten Zugang der Jugendlichen zu Hardcorepornos „eine tickende Zeitbombe“. Sie sagt: „Wir können nicht abschätzen, welche Folgen das haben wird. Sexualität wird immer weiter entwertet“. Malcolm, ein 16-jähriger Pornosüchtiger, hat erkannt, dass er eine Therapie braucht. Er formuliert in den Gesprächen mit der Therapeutin: „Es dringt in den Geist ein und ergreift Besitz von einem.“3 Vier bis fünf Stunden am Tag verbrachte er regelmäßig mit Pornovideos. Lange Zeit merkte seine Mutter nichts von der Sucht. Er wartete bis alle Familienmitglieder schliefen und dann setzte er sich vor den Rechner.

Bis 1973 war die Verbreitung „unzüchtiger Schriften“ verboten. 1973 wurde dieser Begriff durch „Pornographie“ ersetzt und deren Verbreitung legalisiert, ausgenommen an Jugendliche unter 18 Jahren. Sogenannte „harte Pornografie“ Sex mit Gewalt, Sex mit Kindern, Sex mit Tieren, blieb verboten, ist aber mittlerweile für jedermann und jede Frau und jedes Kind mit ein paar Mausklicks im Internet und auf dem Handy zu haben. Vor der Legalisierung war Pornographie fast ausschließlich ein Vergnügen erwachsener Männer.

Die rasende Verbreitung durch das Internet ist der Tatsache zuzuschreiben, dass Pornografie leicht zugänglich, billig und anonym ist. Für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren gehört Internetpornografie zum alltäglichen Medienkonsum.4 Etwa 10% der jungen Leute, überwiegend Jungen, konsumieren täglich Pornografie. Und eine große repräsentative Jugendstudie, die 2007 in Schweden durchgeführt wurde zeigt, dass 29% der Jungen mehrmals wöchentlich Pornografie schauen, doch nur 1,7 % der Mädchen.

Im Erwachsenenalter sieht das allerdings ganz anders aus. Nach Schätzungen sind ein Drittel der Internetpornographie-User Frauen. Bei Beate Uhse sind 60% der Kunden Frauen. Und 41% aller Frauen in den USA schauen wenigstens einmal im Monat pornografische Websites an. Pornographie und Frauen - das ist etwas, was für die meisten absolut nicht zusammenpasst, weil Frauen angeblich nicht so visuell veranlagt sind, wie Männer. Doch die Realität zeigt etwas anders, auch in christlichen Kreisen. In anonymen Umfragen in Gottesdiensten und in Jugendgruppen, bekennen sich ca. 20% der Frauen dazu, ein Problem mit Pornografie zu haben.5

Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht – ein Satz, der schon vielen Süchtigen geholfen hat. Viele Männer und Frauen, die in Pornografie landen, waren eigentlich auf der Suche nach etwas ganz anderem. Oft hilft es, unter dem Fragewort „weswegen?“ zurück- und hineinzuschauen. „Warum bin ich in diese Sucht geraten?“, ist eine wichtige Frage? Sehr häufig finden sich ungestillte Lebensträume, Sehnsüchte und eine Alltagswelt, die weit weg ist vom eigentlichen Herzschlag des Betroffenen.

Besonders häufig begegnen uns bei Männern folgende Sehnsüchte, für die Pornografie ein Krücke bietet: Die Sehnsucht nach Abenteuer, nach Herausforderungen, Anerkennung, Einfluss/Macht, Sex.

Bei Frauen liegen die „weswegen-Motive“ häufig bei: Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Zärtlichkeit, Gerechtigkeit; Sehnsucht nach Erotik, Kommunikation und Wertschätzung. Sich diesen Sehnsüchten zu stellen – sie im Guten auszuleben und sie im Schlechten bewusst zu verweigern – ist ein wichtiger Schritt.

Pornografie durchzieht die gesamte Gesellschaft, alle Schichten, alle Berufsgruppen, alle Altersgruppen. Trotzdem ist es auch ein Milieuproblem. Denn Medienerziehung findet in bildungsfernen Familien so gut wie nicht statt. Der Sozialpädagoge Thomas Rüth beobachtete das Extrem bei Hausbesuchen. Dort fand er Familien gemeinsam vor dem Fernseher sitzen- auf der Mattscheibe läuft ein Sexfilm und schon die Jüngsten der Familie sitzen dabei.

Auch wer in seinem Lebenswandel keine Pornografie duldet, und wenn das so ist dann Herzlichen Glückwunsch!, aber wir werden alle durch die Pornografisierung der Gesellschaft passiv beeinflusst.

Sexsucht gehört zu den stoffungebundenen Süchten, wie Spielsucht, Arbeitssucht oder Magersucht. Merkwürdigerweise lösen diese aber im Gehirn ähnliche biochemische Vorgänge aus wie stoffgebundene Süchte. Das hormonelle Selbstbelohnungssystem gerät aus den Fugen. Das heißt, wer regelmäßig Pornografie anschaut braucht „mehr Stoff“, mehr Zeit und härtere Darstellungen, um das gleiche „High“ zu erreichen.

Anders als Fresssucht oder Magersucht, sieht man Pornografiesucht den Menschen nicht an, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Aber wer selbst nicht drin steckt, sieht vielleicht beim zweiten Blick bei manchen den Grauschleier über dem Gesicht, die Stumpfheit der Augen, das Diffuse, das in sich selbst Gefangene und Isolierte, die Freudlosigkeit, die Hoffnungslosigkeit.

Dabei kannst du dich allerdings nicht auf die eigene Wahrnehmung verlassen. Eine Psychologin sagte mir: „Aus meiner Therapieerfahrung mit Betroffenen weiß ich: Man sieht es vielen gar nicht an; ja man würde es nie für möglich halten, ein gütiger, netter Blick – und gleichzeitig konsumieren sie die härtesten Gewaltpornos. Auch da gilt: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“

Ja, Gott sieht die Entwürdigung von Tätern, Opfern und Konsumenten. Was tun Menschen, die sich Pornofilme anschauen? Sie schauen fremden Menschen bei sexuellen Handlungen zu. Es sind Menschen, die sich selbst entwürdigen oder erniedrigen, indem sie ihren Leib öffentlich zu einem Werkzeug des Lustgewinns machen, sich dabei filmen lassen, so dass sich andere, ungezählte Fremde, damit sexuell erregen können.

Aber hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass dieser Leib, der Leib einer jetzt lebenden Person ist. Eines Menschen der Freud und Leid empfindet, eines Geschöpfes, das eine Seele hat und Sehnsucht nach Glück und Liebe. Es ist der Körper, der eine Würde hat, weil er Mensch ist, geschöpft Gottes. Diese Person muss sich in der Regel unter Drogen und Alkohol setzen, um überhaupt tun können, wofür sie bezahlt wird –oft gezwungen – wird. Vielleicht ist sie eines der vielen Millionen Opfer des Menschenhandels. Frauen, Mädchen und Kinder werden aus armen Ländern von kriminellen Banden eingeschleust, die damit Milliarden verdienen. Diese Menschen arbeiten als Prostituierte (geschätzte Zahl in Deutschland: 400.000) um die Sexsucht von Millionen Männern in reichen Ländern zu stillen, am Bildschirm oder live.6 Der Schweizer Pornoproduzent Lars Rutschmann gibt zu, dass die meisten Frauen höchstens ein oder zwei Jahre vor der Kamera liegen oder knien. Der Verschleiß sei zu groß – psychisch und physisch.7

Es gibt viele „Lügenbotschaften“ die uns leider mehr prägen, als wir es wahrhaben wollen, weil sie ständig wiederholt werden. Ich will einige davon nennen: (PPT)

  • Sex ist überall möglich und gut, zu jeder Zeit und mit jedermann.

  • Sex hat keine Konsequenzen.

  • Das Aussehen bestimmt den Wert des Menschen.

  • Sex ist ein Zuschauersport, der möglichst öffentlich stattfinden sollte.

  • Treue ist langweilig.

  • Frauen müssen immer zu allem bereit sein.

  • Frauen sind nackte Wesen und vor allem zur Befriedigung geschaffen.

Doch ich möchte diesen Lügenbotschaften Wahrheiten entgegensetzen. Wahrheiten, über die zerstörerischen Konsequenzen des Pornografiekonsums für den Einzelnen, für Ehe und Familie und für unsere Gesellschaft. Es scheint so, als dürften diese Wahrheiten nicht ins allgemeine Bewusstsein geraten, dass Pornografie lebenstragende Beziehungen zerstört und im klinischen Sinn süchtig macht.

Die nationale Kampagne gegen das Rauchen war außerordentlich erfolgreich. Der Anteil von Rauchern unter Jugendlichen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert. Die seelische Verschmutzung durch Pornografie hat weitreichendere Auswirkungen als die physische Verschmutzung mit Nikotin. Könnte es nicht auch eine nationale Kampagne gegen Pornografie geben? In beiden Fällen steht eine mächtige Industrie dahinter, die Milliarden Umsätze macht. Wenn auf Zigarettenschachteln, in Fernsehspots und auf Werbeflächen zu lesen ist „Rauchen kann tödlich sein“, dann könnte auf Porno-DVDs, in Fernsehspots und auf Werbeflächen auch zu lesen sein: (PPT 7)

Pornografie macht süchtig.

Pornografie macht dich einsam.

Pornografie zerstört deine Familie.

Pornografie raubt dir die Kinder.

Pornografie zerstört deine Ehe.

Pornografie fördert Menschenhandel und Prostitution.

Pornografie führt zu sexueller Kriminalität.

Pornografie zerstört deinen Glauben.

Welche Schritte gibt es, um aus der Porno-Falle auszusteigen? (PPT 8) Ist es möglich auszusteigen? Wer am Anfang zu schwach war, um auf sein Gewissen zu hören, der wird vielleicht durch Leid belehrt. Wer Hilfe sucht, findet Hilfe. Es gibt online-Programme, die beim Ausstieg helfen. Es gibt Selbsthilfegruppen, wie die anonymen 12-Schritte-Gruppen und es gibt therapeutische Hilfe.

Wie bei jeder Sucht, braucht man den Willen, den Kampf um die eigene Freiheit aufzunehmen und zu tun, was immer es kosten mag, um den Kampf zu gewinnen. Ein Schritt gehört immer dazu: Die radikale Abwendung von jedem Porno-Konsum. Der Betroffene muss sich Grenzen setzen, was zur Folge hat, dass er sich besser fühlen wird und vor allem sein Selbstwertgefühl und seine Selbstachtung werden wachsen.

Ich möchte jeden und jede ermutigen, einen Weg einzuschlagen, der aus der Pornografie herausführt. Dabei möchte ich aber ein realistisches Bild dieses Prozesses aufzeigen, wie ich ihn auch in der Seelsorge erlebe. Es hilft nichts mit überhöhten Idealen anzufangen, wie „ab heute muss ich es schaffen“. Oder „ich darf auf keinen Fall mehr fallen“. So etwas ist eher kontraproduktiv. Fällt man doch, so folgt oft aus Frust und Verzweiflung eine Serie von Niederlagen. Rückfälle sollen zwar nicht bagatellisiert oder gar eingeplant werden. Sonst werden sie zu schnell zu einer Erlaubnis. Doch wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Weg aus der Pornografie nicht leicht ist und über viele Schritte und Monate gehen wird.

Wer fragt, „wie lange wird es dauern, bis ich gar keine Pornos mehr anschaue?“, der wird von meiner Antwort vielleicht frustriert sein, aber sie ist von der Bibel her eindeutig. So wenig, wie wir versprechen können, grundsätzlich nie mehr zu sündigen, nie mehr zu lügen, nie mehr habgierig zu sein, nie mehr lieblos zu sein, so wenig kann ich in der seelsorgerlichen Begleitung jemanden zusagen, dass er nie mehr Pornos schauen wird. Aber was ich eindeutig sagen kann: Eine sehr deutliche, ja drastische Reduzierung, eine Entwöhnung ist möglich. Es ist möglich davon loszukommen. Manche Männer, die tief drin hingen, sagen, dass sie in einen Bereich von ein bis zweimal im Jahr, oft mit einem unglücklichen Umstand verbunden, doch noch kurz einen Porno schauen.

Und eins kann ich auch sagen: Wenn es zum Rückfall kommt, gibt es nur einen Weg: Wieder aufstehen, die Ursache des Rückfalls definieren und neu anfangen. Es gibt keinen Grund nach einem Rückfall zu resignieren. Es ist wie bei einem Training und beim Trainieren kann es vorkommen, dass man fällt und erst mit der Zeit standfester wird. Und wenn du sexuell Dinge getan hast, die falsch waren, solltest du deinem Gewissen das Evangelium der Gnade gönnen. Das Evangelium nimmt deine Sünden weder auf die leichte Schulter noch zwingt es dich, dich ohne Ende von deinem Gewissen quälen zu lassen.

Was kann ich real tun? Zunächst musst du die Frage klären: Was möchte ich konkret ändern? (PPT 8 I) Dies hilft dir das Problem selbst zu benennen und den eigenen Veränderungswillen ohne Wenn und Aber auszudrücken.

Dann musst du dich fragen: Was habe ich bisher unternommen? (PPT 8 II) Nur so kannst du deinen Ist-Zustand wahrnehmen. Du kannst Gelungenes fortsetzen und nicht sinnvolle Tätigkeiten weglassen. Dann musst du dich fragen: Was hat mich gehindert das Ziel zu erreichen? (PPT 8 III) Das könnte zum Beispiel Einsamkeit sein, das Alleinsein, zu wenig Hobbys, Langeweile, lange Bürozeiten in denen man allein am PC sitzt, oder ungesunde Rituale wie spätabends alleine fernsehen.

Irgendwann muss ich dann die klare Entscheidung treffen mich gegen diese Sucht stellen. (PPT 8 IV) Am besten ist es, wenn ich diesen Schritt mit einem Seelsorger oder Therapeuten gemeinsam mache. Und einer Person meines Vertrauens, persönlich ein mündliches Versprechen per Handschlag bestätige oder schriftlich erkläre und es unterschreibe, mit dem Entzug zu beginnen.

Wer als Christ mit dieser Sucht lebt, wird sie als Sünde erkennen und er darf Gott um Vergebung und Hilfe bitten (PPT 8 V) da heraus zu finden. Wer diesen Schritt geht, wird nicht stolz auf seine Phantasien sein, sondern sie als Schuld vor Gott erkennen und bekennen. Es hat sich vielfach bewährt, dieses Bekenntnis vor einem Zeugen zu tun, im Beisein eines Menschen, dem du vertraust und der dir im Namen Jesu Vergebung zuspricht. Ich halte das für wichtig, denn ich habe den Eindruck, dass hinter der Pornosucht eine teuflische Macht steht. Gemeinsames Gebet (PPT 8 V I) ist die beste Waffe gegen die Zerstörungswut Satans in deinem Leben.

Was ich auch als sehr gut erachte und mir ein Ex-Pornografiesüchtiger erzählt hat, ist das Einbeziehen einer sogenannten „Rechenschaftsperson“. (PPT 8 VII) Dies ist ein mir vertrauter Freund, ein Begleiter, ein Mentor, der die Genehmigung erhält, mich bezüglich meiner Sucht anzusprechen. Die Rechenschaftsperson darf z.B. wöchentlich nachfragen, ob alles klargegangen ist. Oder es gibt die Vereinbarung, dass ich der Rechenschaftsperson, bevor ich auf entsprechende Sexseiten gehe, eine Email schreiben muss, in der ich beschreibe, wie ich mich gerade fühle und was ich gleich tun werde. Therapeuten beobachten, dass ein vorheriges Signal „ich bin in Gefahr wieder rückfällig zu werden!“ eine größere disziplinierende Kraft hat, als ein Geständnis im Nachgang. Das Prinzip ist aber immer, das deine Sucht ans Licht kommt und sie somit an Macht über dich verliert. Denn nur die Wahrheit, die ans Licht kommt, macht dich frei.

Und noch etwas: Gehe vernünftig und ausgewogen mit deinen sexuellen Gedanken um. Mancher Christ fühlt sich sofort tief befleckt, wenn er starke sexuelle Gedanken oder Tagträume hat, andere geben sich ihnen geradezu hin. Das Evangelium ist weder gesetzlich noch gesetzlos. Wir werden nicht erlöst, weil wir Gott gehorchen, aber echte Erlösung führt dazu, dass ich aus Dankbarkeit Gott gehorche. Dies kann dich zu einer ausgewogenen Einstellung gegenüber deinen Gedanken und Versuchungen führen. Martin Luther soll zum Thema der „sexuellen Begierden“ gesagt haben, dass ich es nicht verhindern kann, das die Vögel über meinen Kopf hinwegfliegen, sehr wohl aber, dass sie auf ihm Nester bauen. Will heißen: Du kannst es nicht verhindern, dass du sexuelle Gedanken hast, sie sind natürlich und unvermeidlich. Aber du bist dafür verantwortlich, was du mit ihnen machst. Du darfst sie nicht hätscheln und pflegen.

Ich glaube, dass eine authentisch gelebte Beziehung zu Jesus Kraft freisetzt und die Chancen erhöht, in ein von Internetsexsucht befreites Leben hineinzuwachsen. Spontane Heilungswunder sind höchst selten, aber wer geistlich geordnet lebt, einen Gottesdienst am Sonntag besucht, in aufrichtigen Beziehungen lebt; Zeit mit Christen verbringt, die Gottes Maßstäbe ernst nehmen, erleichtert und unterstützt jede Therapie. Gestalte deinen mühsamen Weg in die Freiheit bewusst als geistlichen Aufbruch. Lade Gott jeden Tag in dein Leben ein mit der Bitte deine Sehnsüchte zu stillen.

Amen.

1 Bonhoeffer, Dietrich, Nachfolge. Gütersloh 2002, S. 126-127.

2 Vgl. dazu: Gabriele Kuby, Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit, Kißlegg, 2012, Kapitel IX. Pornografie, S.193-215.

3 Ellen Nieswiodek-Martin, „Die Vernachlässigte Generation. Von der Sexualisierung unserer Gesellschaft, S.7, Christliches Medienmagazin pro 3/2007, S 4-7.

4 Das ergab die Studie Porno im Web 2.0 im Auftrag der Landesmedienanstalten von Niedersachsen und Bayern.

5 Ulrike Lorenz, Frauen und Pornografie – ein Tabuthema, S.24. In: Pornografie Arbeitsheft Nr 1, Hrsg. WeissesKreuz, Ahnatal/Kassel.

6 Kuby, a.a.O., S.198.

7 Tabea Freitag, Pornografiekonsum – Risiken und Nebenwirkungen, S.10, In: Pornografie Arbeitsheft Nr 1, S.6-10. Hrsg. WeissesKreuz, Ahnatal/Kassel.