Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Psalm 37,5

Pfarrerin Irmtraud Fischer (ev)

07.08.2014 auf dem Friedhof in Osterburken

Gottesdienst mit Bestattung der Urne von A. B.

Mitteilung der Predigerin: Die Ansprache illustriert die Aussage des Konfirmationsspruchs des Verstorbenen Psalm 37,5 an Hand zweier Fotos auf den Anzeigen der Familie und der Enkel. Die beiden Bilder stehen für die Spannung zwischen den Wegen, die schwer wie ein Stein abzuwälzen sind, und Ereignissen, die ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Das Lächeln spiegelt wider, dass Gott es 'wohl gemacht' hat.

 

 

In der Stunde, in der wir von A. B. Abschied nehmen, soll sein Konfirmationsspruch unsere Gedanken lenken:

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird*s wohl machen!“ (Psalm 37,5)

 

 

Liebe Frau B., liebe Trauerfamilie, liebe Trauergemeinde!

 

Die beiden Bilder auf den Traueranzeigen der Familie und der Enkelkinder haben mich fasziniert.

Auf dem Bild von euch, der Familie, sieht man, wie das Auf und Ab der letzten Jahre Ihren Mann, euren Vater, Schwieger- und Großvater gezeichnet hat. Schwerkrank ist er immer wieder gewesen. Manchmal kam das hohe Fieber innerhalb einer Stunde völlig unvermutet. Und dann war Krankenhaus angesagt: oft nicht nur über Tage, sondern über Wochen. Der Alltag war auf den Kopf gestellt. Jetzt war dran, ihm zur Seite zu stehen. Jedes Mal war diese Zeit mit der bangen Frage verbunden: Wird er sich wieder erholen?

 

„Ihr Mann ist ein Stehaufmännchen“, sagten die Ärzte im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim eines Tages zu Ihnen, Frau B. So war es. Wie ein Stehaufmännchen rappelte er sich wieder auf - durfte er sich mit Gottes Hilfe wieder aufrappeln. Oft, so schien es, war es ein Fest in sichtbarer Nähe, das seinen Kräften Flügel verlieh: sei es ein Geburtstag in der Familie, wohl gar ein runder, oder die Aussicht auf die Hochzeit der Enkelin oder die Diamantene Hochzeit.

Ich kann mich noch gut an die Beratungen im Vorfeld der Diamantenen Hochzeit erinnern: Was machen wir nur? Sollen wir feiern? Stehe ich, steht mein Mann, unser Vater und Schwiegervater einen Dankgottesdienst und eine Feier durch? Liegt er gar im Krankenhaus? Hoffentlich – so mögen stille Stoßgebete gen Himmel geschickt worden sein - darf er diesen Festtag erleben, dürfen ihn C. und A. B. gemeinsam erleben.

Als ich zum Gespräch zu euch kam, war klar: Wie auch immer die Situation bei der Diamantenen Hochzeit aussehen wird, wir werden das Beste daraus machen.

Und dann, dann kam der 3. April – wenige Tage nach dem 60. Jahrestag der Hochzeit. Sie beide, Frau B., saßen im Chorraum in X.: das Glück in Person! Was für ein wunderschöner Tag mit Gottesdienst und Feier ist Ihnen und euch anderen allen mit geschenkt worden!

 

Bei all euren Festen – und wir durften bei vielen dabei sein! – sah Ihr Mann, euer Vater und Schwiegervater, euer Opa so aus wie auf dem 2. Bild: mit einem zufriedenen, stillen Lächeln auf dem Gesicht. Jede einzelne Situation, die dieses Lächeln erscheinen ließ, wird euch, der Familie, kostbar sein – nicht nur in den Jahren nach dem Schlaganfall, sondern auch in den Jahrzehnten zuvor.

Für Sie, Frau B., mögen damit viele Reisen und Ausflüge, die Sie miteinander und zum Teil mit anderen unternommen haben, verbunden sein. Als Gruppenreisen hat Ihr Mann sie für Bahnkollegen oder die Turngruppe organisiert. Gerne haben Sie miteinander getanzt. Oder Sie erinnern sich an seine Freude am Fotografieren. Er war einer der Gründungsmitglieder der Fotogruppe. Die Schwimmgruppe war ihm wichtig, so habt ihr erzählt, der Bahn-Stammtisch und anderes mehr.

Von Anfang an haben Sie beide, Frau B., was anstand, miteinander erledigt. Dazu gehörten auch – anders als bei vielen Ehepaaren Ihrer Generation – Hausarbeiten. Sie haben sich gegenseitig geholfen und unterstützt – und so beides, die anstehende Arbeit und Ihre Freizeit, miteinander verbracht!

Euch, den Kindern, D. und E., mögen viele gemeinsame Stunden und Zeiten in Erinnerung sein, besondere Ereignisse, die euch geprägt haben.

Das, was ihr, die Enkel, ihm verdankt, habt ihr in eure Anzeige geschrieben:

„Hab Dank für deine Mühen, Du warst allzeit für uns da, hast uns unterstützt, mit uns gelernt, gelacht und geweint. Dafür danken wir Dir. Wir werden Dich vermissen. Deine Enkel“.

So wie auf eurem Bild sah euer Opa aus, wenn er mit euch Enkeln zu tun hatte, hast, du, E., gesagt. –

 

Dieses Lächeln lag auch auf seinem Gesicht, als er im Sarg aufgebahrt war. Ganz friedlich durfte Ihr Mann, Frau B., für immer einschlafen. Das ist Ihnen und euch, der ganzen Familie wichtig. Auch wenn ihr ihn vermisst - und vermutlich erst in den kommenden Wochen merken werdet, wie sehr - das gibt Trost und Frieden.

Licht lag über seinem Gesicht und über dem ganzen Raum, über uns allen, als wir dort an seinem Sarg Abschied nahmen. Dieses Licht war mehr als das strahlende Sonnenlicht, das durch die Fenstern herein schien; es war Licht der Ewigkeit, so bin ich mir sicher. Wir sangen und beteten miteinander. Wir hörten auf den Konfirmationsspruch Ihres Mannes, eures Vaters und Schwiegervaters, eures Opas: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird*s wohl machen!“

 

Gott hat es wohl gemacht. A. B. und euch allen mit sind nach dem Schlaganfall   immer wieder gute Zeiten und Ereignisse miteinander geschenkt worden – und die nötige Kraft. Ihr seid in schweren Zeiten zusammengestanden.

Da wurde Wirklichkeit, was das Psalmwort beschreibt: Wörtlich heißt es da nämlich: „Wälze deine Wege auf Gott!“ „Wälze deine Wege“ – so wie wir einen schweren Stein zur Seite wälzen. Wer diese Worte gedichtet hat, hat erfahren: Manchmal können unsere Lebenswege wie schwere Steine sein, die im Weg liegen und vor allem: uns auf der Seele! Liebend gern würden wir sie loswerden, diese Wegstrecken ... Wie oft mag es euch in den vergangenen Jahren so gegangen sein – immer dann, wenn wieder einmal alles auf der Kippe stand. Da war euer gemeinsamer Weg schwer wie ein unförmiger Felsbrocken.

 

Gott bietet uns an, dass wir ihn auf ihn wälzen dürfen. Er mutet uns zu, uns schwierigen Situationen zu stellen. Er erspart uns Schmerzen und bange Fragen nicht – und lässt uns erleben: Inmitten alles dessen, was uns auf der Seele liegt wie ein schwerer Stein, schenkt er uns Leben: Vieles, was uns bis dahin wichtig erschien, verliert an Bedeutung. Es zählt, was wir füreinander sein können. Es zählt – die Liebe.

Das habt ihr erlebt – und immer wieder durchbuchstabiert. Sie, Frau B., sind dankbar für die große Unterstützung, die Sie in Ihrer Tochter und deren Familie haben, in den guten Gedanken, mit denen Sie, D., und Ihre Familie alle Osterburkener aus der Ferne begleitet haben. Wie gut war jedes Fest, das Sie als Familie von fern und nah zusammen feiern konnten – wie zuletzt den 87. Geburtstag von A. B.!

Die Liebe verbindet – auch über Tausende von Kilometern hinweg. Sie verbindet mit Ihrer Frau und Ihren Kindern, D., die heute in Gedanken hier dabei sind.

 

 

„… er wird*s wohl machen!“ Ihr habt erlebt, dass das stimmt, liebe Familie: Gott hat es inmitten eines felsenschweren Wegabschnittes wohl gemacht. Er hat dem Gesicht von A. B., das von vielem Durchlittenen gezeichnet war wie auf dem 1.  Bild, das zufriedene und dankbare Lächeln geschenkt wie auf dem 2. Bild. Er hat auch euch und alle anderen damit beschenkt.

 

 

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird*s wohl machen!“

Der Weg der Trauer wird noch einmal, wenn auch in ganz anderer Weise, schwer sein wie ein Riesenfelsbrocken. Auch ihn dürft ihr jeden Tag neu auf Gott abwälzen - und wenn es manchmal nur 2 Zentimeter zu sein scheinen, die er zur Seite zu schieben ist …

Gott weiß um das, was euch bewegt. Er legt seine Arme um euch und hält euch fest, wenn Trauer und Schmerz alles auszufüllen scheinen – so wie wir das beim Abschied miteinander getan haben.

 

Eines Tages werden wir alle A. B. folgen – hinter Jesus Christus her. Denn der hat uns mit seinem Tod und seiner Auferstehung den Weg ins ewige Leben bei Gott gebahnt. Jesus Christus hat dem Tod das letzte Wort genommen.

 

Hoffentlich kann, wenn es für uns an der Zeit ist, über uns gesagt werden, was ihr, liebe Familie, in die Traueranzeige geschrieben habt: „… in Gottes ewige Heimat gerufen“. Für A. B. gilt jetzt in ganz neuer Weise: Er ist ein „Stehaufmännchen“. Ihm wie uns allen ist verheißen, dass Gott uns am Ende der Zeiten von den Toten auferweckt. So bekennen wir miteinander im Glaubensbekenntnis: „ich glaube an den Heiligen Geist … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Dort werden wir für immer in seiner Nähe leben.

 

So weist der lächelnde Gesichtsausdruck von A. B. über seinen Tod hinaus in das ewige Leben bei Gott. Darum gilt der Konfirmationsspruch von A. B. nicht nur hier, sondern in Ewigkeit: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird*s wohl machen!“ Gott sei Dank – Jesus Christus sei Dank!

Amen.

 

 

 

 


 


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