Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Psalm 73

Tobias Rautenberg

03.08.2006 Mitarbeiterandacht im Evangeliumsrundfunk (ERF)

Predigt über Psalm 73

Bei Leichtathletikwettbewerben fasziniert mich immer wieder neu der 110-Meter- Hürdenlauf. Es ist eine kurze Strecke, auf der die Läufer Hindernisse überspringen müssen. Dabei scheidet niemand aus dem Rennen aus, der ein solches Hindernis berührt oder sogar umstößt, aber dadurch kann der betroffene Läufer ins Stolpern geraten, vielleicht sogar hinfallen. Und damit würde er ganz sicher das Rennen verlieren. Ich selber habe noch nie einen Hürdenlauf bei Leichtathletikwettbewerben absolviert, aber Paulus beschreibt im Neuen Testament das Leben als Wettlauf. In meinem Leben bin ich schon gegen Hindernisse gestoßen, ins Stolpern geraten und ich bin auch schon mal hingefallen. Im heutigen Bibeltext erzählt ein Mensch, wie er fast gefallen wäre. Ein Hindernis baut sich in seinem Leben auf, er beschäftigt sich damit und beinahe fällt er über dieses Hindernis gefallen. Er sagt sogar, dass er dann nicht nur seine Standfestigkeit, sondern sogar seinen Glauben an Gott verloren hätte.

Ich spreche von Asaf, dem Autor der 73. Psalms. Er schreibt:
2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. Asaf fällt fast hin, verliert fast seinen Glauben an Gott, weil er neidisch ist. Neidisch auf Menschen, die nicht nach Gott fragen. Dieser Neid hat auch Gründe:
3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, als ich sah, daß es den Gottlosen so gut ging.
4 Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib.
5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. Diese Menschen sind gesund, sie haben kein Mangel an Essen und Trinken, müssen sich nicht um Geld sorgen. Er erlebt, dass es Menschen ohne Gott gut gehen kann, dass es ihnen sogar sehr gut geht. Und diese Menschen sind nicht dankbar, dass es ihnen sehr gut geht, sondern brüsten sich mit ihrem Erfolg:
6 Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel.
7 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt.
8 Sie achten alles für nichts und reden böse, sie reden und lästern hoch her.
9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
10 Darum fällt ihnen der Pöbel zu und läuft ihnen zu in Haufen wie Wasser.
11 Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken? Diese Menschen stellen sich über andere Menschen, sogar über Gott. Sie verhöhnen Gott, fordern ihn heraus. Und Gott lässt sie scheinbar gewähren, er scheint sie sogar noch erfolgreicher zu machen:
12 Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich. Asaf spricht in diesem Gebet die Gründe für seinen Neid aus. Neid macht einen realistischen Blick auf andere unmöglich. Im Neid scheint es dem anderen immer sehr gut zu gehen und sie scheinen nie Probleme zu kennen. Und der Neid verzerrt auch den Blick auf sich selbst:
13 Soll es denn umsonst sein, daß ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?
14 Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da.

Asaf versteht Gott nicht, er wird verbittert. Bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ich mich selber gefragt, ob ich auch mal neidisch war, ob diese Erfahrung von Asaf ein Extrembeispiel ist, das nichts mit meinem Leben zu tun hat. Kennen Sie Menschen, die nicht nach Gott fragen und denen trotzdem scheinbar alles gelingt? Damit meine ich nicht allein berühmte Sportler oder schwerreiche Unternehmer - haben Sie schon mal neidische Gedanken gegenüber einem Arbeitskollegen, der ohne Gott erfolgreicher als sie ist? Ich möchte Ihnen in ähnlichen Worten wie Asaf von mir jetzt erzählen: Ich war eifersüchtig auf die Menschen, die nicht nach dem Willen Gottes fragen; denn ich sah, dass es ihnen so gut geht. In all ihren Prüfungen kennen sie keine Angst, ruhig und gelassen sind sie in jeder Situation. Sie haben keine Sorgen, Prüfungen nicht zu schaffen und das Lernen fällt ihnen nicht schwer. Voller Arroganz zeigen sie ihre gute Noten herum, prahlen sogar damit, bei den Prüfungen geschummelt zu haben. Ihr Erfolg reicht ihnen nicht, sie versuchen durch Betrug noch ihren Notendurchschnitt zu verbessern. Sie übertreffen sich in Ideen, wie sie am besten bei der Prüfung betrügen können. Sie machen sich über die Leute lustig, die durch eine Prüfung fallen. Warum diese nicht auch geschummelt haben fragen sie frech. Sie lachen über die Lehrer und Professoren, und meinen, dass diese ihren Betrug nicht merken. Gott ist ihnen egal, er wird ihnen schon nichts tun meinen sie. Sie haben Erfolg nicht nur im Studium und kommen mit ihren Betrug weit in dieser Welt. Warum kämpfe ich mit dem Lernstoff, was hilft es mir, nicht in der Prüfung zu betrügen? Beim Lernen habe ich ständig Angst, die Sorge , die Prüfungen nicht zu schaffen, lassen mich nicht schlafen. Waren Sie auch schon mal neidisch? Wie ist es Ihnen dann ergangen? Wie haben Sie sich weiter verhalten? Asaf versucht zuerst, das alles zu verstehen und sich aus Rücksicht auf sein Volk an Gott festzuhalten, aber das klappt nicht. Nachdem seine eigenen Versuche gescheitert sind, findet Asaf nun einen Weg gegen seinen Neid: Er wendet sich an Gott selbst und lässt sich von Gott eine neue Sichtweise über das Leben der scheinbar so erfolgreichen Menschen geben, die ohne Gott leben:

17 ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende.
18 Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden.
19 Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.

Gott richtet Asaf´s Blick aber nicht allein auf die Zukunft der Gottlosen, sondern auf das Hier und Jetzt, auf die aktuelle Situation von Asaf:
23 Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Asaf ist nicht aus eigener Kraft ständig in der Nähe Gottes, sondern Gott hält ihn „an seiner rechten Hand“. Gott tut aber noch mehr:
24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Gott hält an der Beziehung zu Asaf fest, begleitet ihn durch sein Leben und schenkt ihm ewiges Leben. Gott „vertröstet“ Asaf in seinen Fragen nicht auf das Jenseits, sondern schon jetzt im Leben auf dieser Erde hält Gott ihn fest, hilft und hat einen Ziel für die Ewigkeit. Im Vergleich unserer Lebensspanne und der Ewigkeit ist aber die zentrale Frage unseres Lebens: „Wo verbringen wir, wo verbringe ich die Ewigkeit?“ Wo möchten Sie Ihre Ewigkeit verbringen? Bringen die Stolpersteine in Ihrem Leben Sie dazu, sich von Gott abzuwenden, ihr Leben nach Ihren alleinigen Vorstellungen führen zu wollen? Oder wollen Sie mit Ihren Stolpersteinen wie Asaf zu Gott kommen? Asaf ist zu Gott gekommen, hat mit ihm gesprochen und Gottes Liebe neu erfahren. Neue Perspektive für sein Leben hier auf dieser Welt und neue Perspektive für die Ewigkeit mit Gott. Kommen Sie mit Ihren Stolpersteinen zu Gott - finden Sie neu Gottes Perspektive für Ihr Leben hier und in Ewigkeit. Dann können Sie wie Asaf das Gebet beenden:
28 Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, daß ich verkündige all dein Tun.

Amen.