Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über "Reservereifen oder Lenkrad - Was bleibt nach dem Konfirmandenunterricht?"

Pastor Michael Jordan

10.05.2009 in der St. Christophorus-Kirche

Konfirmation

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Bruder und Herrn, Jesus Christus.
Amen

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

die Abschluss-Freizeit in Westerhever:
das war in vielerlei Hinsicht ein highlight
der vergangenen 1 ½ Jahre Konfirmandenunterricht:

-Zitate aus einem Euren Rückmeldebögen in der letzten KU-Stunde zur Freizeit: das war das Beste – das war toll - das hat gerockt!

-Eure selbst geschriebenen Psalmen – und da kommen auch die mit ins Boot, die an der Freizeit nicht teilnehmen konnten – haben mich schwer beeindruckt, und nicht nur mich, sondern auch Kirchenvorsteher und andere Besucher des Vorstellungsgottesdienstes; noch einmal ein Zitat aus einem Rückmeldebogen: Ich fand die eigenen Psalmen gut, und dass wir das Meiste selber machen durften-Mir selbst hat die Freizeit eine neue Lieblingsgruppe beschert: Silbermond. Ihr erinnert Euch: die Pastorin in Westerhever hat am Sonntag in ihrer Predigt den Song „Irgendwas bleibt“ erwähnt. Manche von Euch haben ihn auf dem Handy.-Und ich habe ihn heute hier auf CD – hören wir ihn einmal.


Silbermond, Irgendwas bleibt…    (dazu auf den Platz setzen…)

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.


Ich finde viele Bezüge zu diesem Lied von Silbermond:
Wenn ich mir Eure Psalmen anschaue,
wenn wir nachher Eure selbst ausgewählten Konfirmationssprüche hören werden, wenn ich darauf schaue, was Ihr auf die Frage geschrieben habt, was Euch an Euren Bibelversen wichtig ist:

Sicherheit – Geborgenheit – Halt im Glauben auch in schwierigen Lebenssituationen – das Gefühl, immer jemand bei mir zu haben am Tag, in der Nacht, in guten wie in schlechten Zeiten,


Wer Zugang zum Internet hat, der schaue sich auch mal das Video zum Song an. Stefanie Kloß, die Sängerin der Gruppe, bewegt sich zwischen Demonstranten und der Polizei hin und her – es kommt zu Ausschreitungen – brennende Autos und Autoreifen – Einsatz von Wasserwerfern – Steine werden geworfen – Nebel und Feuer, Wut und Aggression bestimmen die Bilder…

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt…
Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.

Schließlich fällt die Sängerin langsam zu Boden.
Und schaut am Ende in das freundliche Gesicht einer anderen Frau, die ihr dann vom Boden wieder auf die Beine hilft.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt…
Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.



Es ist eine schöne Ballade.
Und der Text wirft bei mir die Frage auf:
Was hat der Konfirmandenunterricht bei Euch und bei mir ausgelöst, was bleibt hängen, was bleibt in dieser schweren Zeit? Und wer kann Euch etwas geben, das bleibt?


Nach der Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2006 sind die vier am meisten genannten Ängste der befragten Jugendlichen im Alter von 12-25 Jahren.
1) schlechte Wirtschaftslage/steigende Armut 72 %
2) Verlust des Arbeitsplatzes/keinen Arbeitsplatz finden 69 %
3) Terroranschläge 67 %
4) Umweltverschmutzung 61 %

Eine andere repräsentative Umfrage der Bertelsmannstiftung zur Frage „Wie sehen die Jugendlichen ihre berufliche Zukunft?“ aus dem Jahre 2005 hat als Ergebnis:
Mehr als jeder zweite Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren blickt hinsichtlich seiner Ausbildungs- und Berufschancen eher zurückhaltend / skeptisch (42%) oder sogar negativ / pessimistisch (10%) in die Zukunft.

Eine Wiener Befragung unter Schülern kommt zum Ergebnis:
15% der Schüler leiden unter sozialen Ängsten, 9 bis 14% der Schüler weisen körperliche Symptome ohne körperliche Ursache auf, die oft durch Angst- und Stresszustände verursacht sind.

Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.

Noch einmal die Frage:
Was hat der Konfirmandenunterricht bei Euch und bei mir ausgelöst,
was bleibt hängen, was bleibt?
Und wer kann Euch etwas geben, das bleibt?
Wie kann Euch der christliche Glaube helfen,
welche Sicherheit kann euch der Glaube an Gott geben?

Nun:
Das ist heute eine spannende Frage, aber – und da könnt Ihr heute Mittag oder Nachmittag auch mal Eure Verwandten und Gäste nach ihren Erfahrungen mit Glauben und Kirche fragen – vielleicht ist noch spannender die Frage:
Wie sieht es in zwei oder zehn oder 20 Jahren mit dem aus, was Ihr – so hoffe ich… – in den vergangenen 1 ½ Jahren an guten Glaubenserfahrungen gemacht habt?
Vielleicht ergeht es Euch ja dann so oder so ähnlich:
Da war doch was – doch wo stand es noch –
ach ja, jetzt weiß ich es, fällt es mir wieder ein,
kleinen Moment…

Reserverad aus dem Turm holen

Ja, so ein Reserverad:

-selten gebraucht
-zumeist sieht man es gar nicht, denkt man gar nicht daran
-ja, aber dann:
-in der Not ist ein Reifen geplatzt,
-wenn man Glück hat, ohne dass Schlimmeres passiert ist

-hoffentlich ist dann genug Luft auf dem Reifen

-doch wie war das jetzt mit dem Reifenwechsel?

Vielleicht wird es Euch mit dem Glauben so gehen wie mit dem Reservereifen:
-an normalen Tagen bleibt er verborgen
-aber in der Not: gut, dass es ihn gibt
-vielleicht etwas verstaubt – aber ohne ihn säht ihr alt aus

Gut, wenn ihr in der Not wisst, wo er sich befindet,
-Euer Glaube,
-eure guten Erfahrungen mit Gott,
-mit dem Gebet
-die Erinnerung, da gibt es doch eine Kirche
-da gibt es einen Kerzenleuchter
-da gibt es Christinnen und Christen, zu denen ich auch gehöre,
-da gibt es einen Pastor, zu dem ich jederzeit gehen kann,
der immer ein offenes Ohr für mich hat…

Freilich: es gibt noch eine bessere Glaubens-Variante für Euer Leben:

Lenkrad holen und zeigen

Wenn Ihr den Glauben als Lenkrad nutzt…
-das Steuer entscheidet, wo die Fahrt hingeht
-man hat es vielleicht nicht immer im Blick
-aber es gibt Halt und man kann sich daran fest halten

Nehmt den Glauben als Lenkrad,
steuert mit ihm durchs Leben.


Und als Navi schaut mal in die Über-Lebens-Tipps,
die ihr nachher von der Kirchengemeinde geschenkt bekommt.
Krasse Ideen zum Leben!

Oder in den ich hab’s Timer mit vielen guten Ideen und Tipps.


Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.
Damit endet das Lied von Silbermond.
Und meine Predigt mit einer Antwort auf die Frage
Und wer kann Euch etwas geben, das bleibt?

Die Antwort stammt aus Eurer Feder,
es sind die Worte des Psalms von Julia, Justine, Nadine und Xenia:

Gott gibt uns Halt, Hoffnung und Stärke.
Auf ihn vertrauen wir, bei ihm finden wir die Wahrheit und die Ruhe.
Er ist wie ein Fels in der Brandung.
Darum habe ich keine Angst, einer steht immer hinter mir.

Amen
Lied: Vergiss es nie