Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Römer 6, 3+4

Dr. Dr. h.c. Armin Bonnet (NAK)

19.03.2012 auf dem Friedhof St. Peter

Trauerfeier

Ehefrau, evangelisch, Großunternehmerin im 66. Lebensjahr an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) nach zweijähriger Leidenszeit zu Hause im Kreis von Ehemann und einzigem Sohn verstorben.

 

 

Römer 6, Vers 3, 4

Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir mit ihm begraben, durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.

 

Liebe Familie S.,

werte Trauergemeinde.

 

Ich bin überzeugt, dass keinem heute Mittag der Weg zum Friedhof hierher leicht gefallen ist. Viele Erinnerungen werden wieder wach, vielmehr als sonst stehen sie ganz direkt vor einem.

 

Erinnerungen an die Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter und Chefin. Erinnerungen sicherlich auch an andere Todesfälle in den eigenen Familien, die sehr wehgetan haben. Wir haben uns heute von einem Leben zu verabschieden, dass Sie lange Zeit begleitet haben. Eine erfüllte Zeit, eine Zeit geteilt durch Freud und Leid. Sonnige, lichte Tage, sicherlich auch Tage, bei denen man meinte, die Sonne sei nicht aufgegangen. Manches, was eben das irdische Menschsein so mit sich bringt. An dieses Leben können wir uns aber auch dankbar erinnern, die lange Zeit des miteinander Erlebens, die Zeit des füreinander Daseins. Die Zeit der vielen langen gemeinsamen Jahre.

 

Es war ein schwerer und schmerzvoller Weg, der nun hinter unserer Verstorbenen und hinter Ihnen, den Angehörigen liegt. Die Krankheit war medizinisch nicht in den Griff zu bekommen. Als sie erst mal ausgebrochen und diagnostiziert war, breitete sie sich unaufhaltsam aus. Sie ließ sich nicht eindämmen, geschweige denn heilen.

 

Mitten im Leben alles loslassen zu müssen, den Abbau und den Verfall des Lebens mit ansehen zu müssen - Tag für Tag - das schmerzt, es tut weh, helfen zu wollen, aber nicht zu können, zur Ohnmacht und Hilflosigkeit verdammt zu sein.

 

Gegen den Tod bäumt sich alles in uns auf, auch unsere Verstorbene kämpfte, wehrte sich gegen ihre Krankheit, bis die Kräfte schwächer wurden und die Krankheit übermächtig. Durch Sie, liebe Angehörige, treu begleitet, hat sie nun auch die letzte schwere Strecke ihres Lebens überwunden.

 

Der Tod markiert den Schlusspunkt ihres langen Leidensprozesses, aber ist er auch der Schlusspunkt ihres Lebens? Endet alles Leben im Tod? Hat der Tod das letzte Wort über all unser Mühen und Arbeiten, unsere Sorgen und unser Planen, unsere Freuden und Ängste, unsere Hoffnungen und Zweifel? Wenn dem so wäre, welchen Sinn hätte unser Leben?

 

Würde alles Leben im Tod endgültig untergehen, so blieben die Rätsel von Schmerz und Leid, Krankheit und Tod, ja auch von Schuld und Versagen ohne Antwort. Wozu unser Wille zum Leben, wozu unser Streben nach Glück und Heil, nach Geborgenheit und Vollkommenheit, wenn am Ende doch alles auseinanderfällt, im Nichts vergeht?

 

Unsere Verstorbene kämpfte gegen ihre Krankheit an in der Hoffnung, dass das Leben mehr wiegt als Krankheit und Tod. Hatte sie recht oder war ihre Hoffnung vergebens?

 

Als Christen glauben wir an einen Gott, der das Leben von uns Menschen will und nicht den Tod. Wenn wir auf Jesus Christus schauen, dann erkennen wir: Nicht Tod und Sinnlosigkeit haben das letzte Wort, sondern der Gott, der Ursprung und Ziel unseres Lebens ist. Christus hat für uns alle den Tod überwunden. Vom Licht seiner Auferstehung fällt neues Licht auf unser Leben, das nun im Tod nicht untergeht, sondern aufersteht zum wahren, vollkommenen Leben. Ein Leben, das keinen Tod mehr kennt, keinen Schmerz und keine Klage.

 

Mit Jesus Christus war unsere Verstorbene seit ihrer Taufe verbunden. Getauft wurde sie auf den Tod und die Auferstehung Jesus Christi. Schon in der Taufe ist sie, wie es der Apostel Paulus sagt, den Tod gestorben und mit Christus zum Leben auferweckt worden. Es wurde ihr die Fülle des Lebens verheißen und die göttliche Liebe zuteil, die sich als stärker erwiesen hat als der Stein von der Grabkammer Jesus. Das ist für uns Grund zur Annahme, dass unsere Verstorbene nun Dank ihrer Christusverbundenheit das Ziel ihres Lebens erreicht hat, ein Ziel, das nicht Tod, sondern Leben heißt, nicht Untergang, sondern Auferstehung.

 

Möge bei ihm, dem Herrn unseres Lebens, alles, was bei Claudia S. an Unerfülltem, an Schmerz, Leid und Unheil offengeblieben ist, Antwort und Heilung finden.

 

Es ist tröstlich zu wissen, dass unsere Verstorbene nicht nur in unseren Erinnerungen fortleben, sondern dass ihr Leben dort Aufnahme und Vollendung finden wird, von wo es ausgegangen ist: Bei Gott dem Vater selbst. Er, der das Leben von ihr wollte und in der Taufe sein Ja sprach, wird dafür Sorge tragen, dass sie im Tod nicht das Ende, sondern die Vollendung ihres Lebens findet. Diesem Gott des Lebens wollen wir sie deshalb anvertrauen. Seiner Hand, in die sie eingeschrieben ist seit ihrer Taufe, wollen wir sie übergeben, verbunden mit unserem Dank für alles Gute, dass sie uns erwiesen hat.

 

Dieser österliche Glaube kann uns Trost spenden inmitten aller Trauer, er kann Licht sein in der Dunkelheit. Freilich vermag er Trauer und Schmerz nicht einfach auszulöschen. Der Tod reißt eine Lücke, um uns ist es leerer geworden. An dieser Tatsache ändert auch der Glaube nichts. Dennoch vermag er uns zu helfen, mit dieser Situation besser umzugehen, im Wissen, dass die Trennung nicht für immer sein wird, sondern nur bis zu jenem Tag andauert, an dem wir uns hoffentlich alle einfinden werden in der Herrlichkeit Gottes.

 

So wollen wir inmitten aller Trauer die Hoffnung unseren Glaubens sprechen lassen, indem wir auf den Gott Jesus Christi blicken, der uns Leben und Heil verheißt. Möge unsere Verstorbene Claudia S. Gott nun von Angesicht zu Angesicht schauen durch den, der ihr und uns allen in der Taufe Zugang zum Leben geöffnet hat: Jesus Christus, unseren Herrn.

 

Amen.