Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Sprüche 16,9

Rosemarie Friedendorff

05.04.2009 in der Stadtkirche Moers

Palmsonntag, Goldene und Diamantene Konfirmation

Gnade sei mit uns und Friede von dem der da war, der da ist und der da kommt.

Liebe Festgemeinde, und besonders liebe Goldkonfirmandinnen und Goldkonfirmanden und liebe Diamantjubilare und –jubilarinnen.

Es hat sich gefügt – und ich freue mich sehr darüber – dass wir diesen Gottesdienst miteinander feiern dürfen. Das haben sich einige unter Euch, unter Ihnen, gewünscht. Ehe Sie am Nachmittag sich zum gemütlichen Beisammensein erzählen, was Sie alles in den 50er oder 60er Jahren erlebt haben, lade ich Euch und Sie ein, über ein Wort aus der hebräischen Bibel, der Bibel Jesu, dem Alten Testament mit mir nachzudenken: Der kleine Text steht in den Sprüchen Salomos im 16. Kapitel der Vers 9:

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein gibt, dass er fortgehe.

Das menschliche Herz – in ihm wohnen die Gefühle, aus ihm steigen Sehnsüchte und Träume auf. In ihm wachsen Pläne und Ideen.
Es kann erfüllt sein von Liebe und Barmherzigkeit.
Es kann überquellen vor Glück und Freude.
Es kann aber auch zerbrechen in Trauer und Leid.
Es kann zerrissen werden von Hass und Wut, es kann verzehrt werden von Neid und Gier.
Es kann wie tot sein bei Enttäuschungen und Verletzungen.
Es kann abstumpfen und sich verhärten.
Wie wird das menschliche Herz damit fertig? Kann es überhaupt allein damit fertig werden?

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein gibt, dass er fortgehe.

Der weise König Salomo, von dem dieses Wort überliefert wird, hat um die Frage gewusst, wie das menschliche Herz mit all dem, was in ihm ist, fertig werden kann. Und er wusste auch, dass das menschliche Herz einer anderen Leitung bedarf, als nur der Leitung der guten oder bösen Gefühle. Als junger König hatte er einen Traum. Im Traum durfte er sich etwas von Gott erbitten. Und was er erbat sich der junge Mann wohl? Reichtum, Glück, Macht ein langes Leben? – Nichts von alledem. Er erbat sich ein verständiges Herz. Dazu bekam Salomo Reichtum, Ansehen und Frieden in seinem Land und mit den Völkern ringsum.

Das verständige Herz, das sich der Führung Gottes anvertraut, das ist die Antwort auf die beiden Fragen: Wie wird das menschliche Herz damit fertig? Kann es überhaupt allein damit fertig werden? Salomo wusste ganz sicher darum, dass sein Herz Gottes Leistung brauchte.

Dass es eine höhere Macht über den Menschen gibt, ein höheres Wesen, das Schicksal in den Sternen, das Karma oder wie auch immer es benannt werden mag, das lassen ja auch heute viele gelten. Für Salomo war diese höhere Macht ganz eindeutig Gott, der Herr, der Gott seines Vaters David, der Gott seiner Väter Abraham, Isaak und Jakob und der Mütter Sara, Rebekka, Lea und Rahel.

Und wie steht es mit uns? Lassen wir auch diesen Gott unser Herz leiten? Oder haben auch wir vergessen, dass es ihn noch gibt?

Nein, wir sind ja hier zusammen gekommen, um Gottes Wort zu hören, um in unserer Gemeinschaft seine Wirklichkeit zu feiern. Er ist da, er ist für uns da. Und wie er für uns da ist, das deutet der zweite Teil unseres kleinen Predigttextes an. Da heißt es: ... aber der Herr gibt, dass er fortgehe. Was bedeutet das? Das Herz kann sich seinen Weg ausdenken, aber der Mensch muss gehen können. Und da ist zuerst Gott am Werk. Er allein gibt, dass er den Weg gehen kann. Das wird uns in der zweiten Schöpfungsgeschichte so erzählt, wie ein Märchen.

Hören Sie die Verse aus dem 1. Mosebuch im 2. Kapitel:

Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.

Und all die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht erwachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute.

Aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Soweit diese Geschichte, die wie ein Märchen klingt.

Am Anfang jedes menschlichen Lebens steht das Geschenk Gottes: der Atem. Mit dem Atem haben wir unser Leben bekommen.
Wenn wir uns das immer wieder bewusst machen, dann bleiben wir in der Dankbarkeit und damit in der Abhängigkeit von Gott unserem Schöpfer, der unser Herr und zugleich unser Vater ist. Des Menschen höchste Vollkommenheit ist seine Abhängigkeit von Gott. Dieses Geheimnis können wir nicht erklären, aber wir können darin leben.
So wie wir heute in diesem Gottesdienst Gottes Wirklichkeit feiern. So kann sie uns auf mancherlei Weise begegnen: Im Gespräch mit Gleichgesinnten, in den Wundern der Natur, in den Worten der Bibel, in Bildern und Geschichten, in besonderen Ereignissen, in der Musik, in unserem reichen Liederschatz, in der Freundschaft mit Menschen. Und erst recht im Unglück, in einem großen Kummer und, und in unserem Versagen. Wahrscheinlich können Sie sich an solche Geschehnisse in den langen Jahren Ihres Leben erinnern, und im Rückblick sehen die Ereignisse anders aus. Da sehen wir, wo wir im Unglück bewahrt wurden. Da werden uns die Augen geöffnet, als wir von einer selbstherrlichen Entscheidung auf den richtigen Weg geführt wurden. Oder wir erkennen nach einem schweren Erlebnis, welcher Segen darin verborgen war. So ist die Erinnerung an diesem Tag für uns alle ganz wichtig.

Erinnerung bringt Erlösung, Vergessen führt ins Verderben. Das ist eine alte jüdische Weisheit. In unserer Zeit haben wir ganz schlimme Beispiele für die Gottvergessenheit unter Menschen erlebt. An jedem Tag kann man in der Zeitung von solchen Taten lesen. Bei jedem Mord wird mit dem Getöteten das Eigentum Gottes angetastet oder ausgelöscht.
Damit erinnern wir uns an die zehn Gebote. So heißen diese Worte an die Israeliten. Und wir denken nur an Gesetze.

Aber besser nennen wir sie Weisungen, denn sie sind wirklich Weisungen für ein menschliches Leben.

Haben Sie keine Angst, ich will nicht missionieren für das Judentum. Das hat mir einer unter Euch vorgehalten, aber da irrt er sich: Außerdem befinde ich mich mit meinen Aussagen in bester Gesellschaft, denn am Donnerstag feierten wir das 50-jährige Arbeitsjubiläum von Horst Lampke in einem sehr schönen Gottesdienst. Und unser Präses Nikolaus Schneider predigte auch über ein Wort aus dem Alten Testament über das schöne Psalmwort aus dem 103. Psalm, Vers 2

„Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Natürlich einzigartig und meisterhaft und bewundernswert. Er machte dabei deutlich, dass wir, die christlichen Kirchen aus den Heidenvölkern nur durch Jesus Christus zu Gott gekommen seien. Denn Gott wollte, dass alle seine Menschenkinder, nicht nur sein ersterwähltes Volk Israel, zu ihm kommen sollten. Ich bin sehr froh, dass ich den Gottesdienst auch mitfeiern konnte. Nun aber noch einmal zu Ihnen.

Sie sind im 2. Weltkrieg oder am Ende desselben geboren. Eine schlimme Zeit lag hinter Ihren Eltern. Viele Väter waren gefallen. Die Mütter hatten Mühe, ihre Kinder durchzubringen. Nach dem Krieg gab es noch lange eine Zeit des Hungers, viele Häuser waren zerstört. Familien auseinander gerissen, auf der Flucht in großer Bedrängnis. Aber es gab auch viel Miteinander, man half sich gegenseitig, wie man konnte. Es wurde viel gearbeitet. Und so haben Sie alle am Ende ein gutes Leben führen können. Und was heute an der Tagesordnung ist, Zank und Streit und Mord in der Familie, gab es trotz der entbehrungsreichen Verhältnisse nicht.

Nun liegt bei den meisten von Ihnen eine ruhigere Zeit ohne berufliche Verpflichtungen vor Ihnen. Sie können selbst entscheiden, wie Sie Ihre Zeit ausfüllen, was Sie vielleicht neu beginnen. Oder was Sie endlich genießen können. Ich wünsche Ihnen für den neuen Lebensabschnitt Gottes Segen, Gottes Geleit und für jeden Schritt wie er zugesagt hat im Psalm 91:

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen“

Dass sie Dich auf den Händen tragen und Du Deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. ... So leben sie in der Dankbarkeit für jeden Atemzug und jeden Schritt. Im Vertrauen auf Gottes Führung in Ihrem Leben, ohne Angst vor dem Ende des Lebens, denn das schönste kommt noch. Amen

„Und der Friede Gottes bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn, Amen!