Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über über Hebräer 6,13ff

Dipl. Sozialpädagoge Ralf Bröcker (ev)

05.05.2013 in der Ev. Friedenskirche in Dinslaken

Jesus ist unser Anker bei Gott, deshalb sind wir frei!

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Gleich werdet ihr konfirmiert. Wörtlich übersetzt heißt konfirmieren, etwas befestigen, oder fest anbinden. Die meisten von euch sind als kleine Kinder getauft worden. Eure Eltern und Paten haben damals versprochen, euch im christlichen Glauben zu erziehen. Heute bindet ihr euch selber an den christlichen Glauben. Als Symbol für dieses Festbinden an Christus ist vorne auf dem Programm ein Anker abgebildet. Ein Anker mit dem man ein Schiff sicher festlegen kann. Ein Anker der uns fest bei Gott macht. Die Konfirmation ist ein Anker, ein Festbinden an Gott.

Zugleich ist Konfirmation ein Ort des Lösens, oder ein Ort der Freiheit. Ihr seid frei von der Verpflichtung, dienstagnachmittags für zwei Stunden in den Konfi-Unterricht zu kommen. Dieser Gewinn von Freizeit ist natürlich toll. Jeder von uns freut sich über einen freien Nachmittag, egal ob wir nun 14 oder 40 Jahre alt sind. Aber Konfirmation bedeutet nicht nur mehr freie Zeit sondern auch mehr Freiheit. Freiheit ist die Gelegenheit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden zu können. Mit der Konfirmation könnt ihr selber über eure Religionszugehörigkeit entscheiden. Ihr könnt sogar gegen den Willen eurer Eltern aus dem Religionsunterricht in der Schule ausscheiden oder aus der Kirche austreten. Was wir natürlich sehr bedauern würden, aber die Konfirmation ist ein Ort der Freiheit.

Wie passt das jetzt zusammen? Einerseits ist Konfirmation ein Ort des Festbindens mit dem Anker als Symbol und andererseits ein Ort der Freiheit. Das scheint sich doch zu widersprechen: Etwas festbinden und gleichzeitig Freiheit zu gewinnen. Mit dem Bild des Ankers möchte ich deutlich machen, wie aus einer festen Bindung Freiheit entstehen kann.

Als Jugendleiter dieser Kirchengemeinde biete ich jedes Jahr in den Herbstferien eine Segelfreizeit in den Niederlanden an. Wir fahren dann mit dem Bus zum Hafen von Harlingen. Dort im Hafen braucht das Schiff keinen Anker, es ist an einem Poller in der Hafenmauer festgebunden. Wenn alle an Bord sind, segeln wir eine Woche zu den verschiedenen Häfen und Inseln. Auch beim Segeln braucht man normalerweise keinen Anker. Aber es gibt eine Besonderheiten: Wenn man zu der Insel Ameland segeln will, geht das nur mit Anker. Der Weg zu dieser Inseln führt durch sehr flaches Wasser. Während der Ebbe fällt der Weg sogar ganz trocken. Nur während dem kurzen Höhepunkt der Flut ist das Wasser tief genug für das Schiff. Man segelt also bis zu dieser flachen Stelle, wirft den Anker und wartet auf den Höhepunkt der Flut. Dann hebt man wieder den Anker an Bord und segelt nach Ameland. Ohne Anker könnte man dort nicht warten. Die Strömung oder der Wind würden das Schiff immer wieder abtreiben lassen. Ohne einen Anker kann man nicht nach Ameland segeln. Um manche Ziele zu erreichen ist es beim Segeln ebenso wie im Leben, man muss sich manchmal abwarten können, sich an einer Stelle festmachen.

Ein Anker hat aber noch eine weitere Funktion bei einem Schiff. Mit einem Anker kann man Stürme überstehen. Bei schlechtem Wetter sucht man sich eine geschützte Bucht und geht dort vor Anker. Der Wind trifft das Schiff in der Bucht nicht mit voller Kraft, die Wellen sind in der Bucht kleiner. Vor Anker kann man den Sturm sicher abwettern. Ein Anker gibt Sicherheit in Bedrängnis. Das gilt übrigens nicht nur für Segelschiffe, selbst die modernsten Kreuzfahrtschiffe, deren Position stets satelitengestützt und computergesteuert über moderne Antriebssystem eingehalten wird haben Anker.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in unserem Leben immer wieder Sicherheiten brauchen. Ich meine damit nicht nur den Anker beim Segeln oder eine Haltestange in einer vollen Straßenbahn. Wir brauchen in unserem Leben vor allem die Sicherheiten die aus der Beziehung zu anderen Menschen und der Beziehung zu Gott entstehen. Gerade in unseren Beziehungen sind Sicherheiten, sind Vertrauen in die Liebe des anderen grundlegend. Ein kleines Kind hat blindes Vertrauen in die feste Bindung an die Eltern. Steht das Kind oben auf einer Mauer und der Vater steht unten und ruft: „Spring in meine Arme“ dann springt das Kind ohne zu zögern und wird sicher gefangen. Aus der engen Bindung zu den Eltern gewinnt das Kind Freiheit und Sicherheit. Zwei Menschen, die sich in Ehe oder Partnerschaft fest aneinander binden sich ihre Liebe gegenseitig versprechen, geben sich gegenseitig Sicherheit. Eine feste Bindung voller Liebe und Vertrauen macht uns frei.

Aber wie fest, wie zuverlässig ist denn die Bindung an andere Menschen und an Gott. Bei dem Beispiel von dem Kind das von der Mauer in die Arme des Vaters springt zweifeln wir nicht an der Zuverlässigkeit des Vaters. Aber leider erleben wir auch immer wieder, dass Beziehungen sich nicht als tragfähig erweisen. Freundschaften zerbrechen, Ehen werden geschieden und unser Glaube an Gott verliert sich in Zweifeln. Wie belastbar sind Beziehungen, wie belastbar ist die Beziehung die ihr Konfirmanden zu Gott habt? Ich möchte noch einmal denn Anker aus dem Bibeltext als Beispiel benutzen.

Wenn man den Anker an der Kette vom Schiff fallen lässt, sieht man nicht wohin der Anker fällt. Das Wasser der Nordsee ist trübe und deshalb erkennt man nicht, ober der Anker sich fest im Sand eingräbt oder ob der Anker im Schlick landet und keinen Halt bietet. Weil man nicht sehen kann wie viel Halt der Anker wirklich gibt, muss man die Ankerkette langsam immer stärker belasten und so die Verlässlichkeit testen. Wenn Schiffe einen Sturm am Anker abwettern wird zusätzlich immer eine Ankerwache aufgestellt. Erst wenn ein Schiff wirklich lange und fest an einer Stelle liegt, weiß man, dass man dem Anker vertrauen kann.

Ich lade euch Konfirmanden ein Gott genauso vorsichtig und zögernd zu testen wie man einen Anker testet. Gott hat uns seine Liebe versprochen und Gott kann nicht lügen, so heißt es in dem Bibeltext. Aber das ist keine Forderung an uns, Gott sofort und blind und grenzenlos zu vertrauen. Genauso gut können wir uns ihm langsam und vorsichtig nähern. Ihr könntet ein Gebet sprechen wie: Gott, ich bin mir gar nicht sicher ob es dich wirklich gibt. Und ich traue mich auch nicht, mich fest an dich zu binden. Aber irgendwie sehne ich mich nach dir. Ich möchte dich in meinem Leben kennenlernen. So oder auch ganz anders könnt ihr beten. Mehr braucht ihr nicht zu tun. Alles andere liegt bei Gott. Ich wünsche euch Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihr die Freiheit in eure Leben entdeckt, die aus der Bindung mit Gott entsteht. Amen