Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Zephania 3,14-17

Matthias Blaha (rk)

06.07.2005

Juble - jauchze - freu dich - frohlocke!


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„Deutschland - ein Sommermärchen“
17 Millionen Bürger haben diesen Film letzte Woche gesehen, und viele waren schon längst vorher im Kino, um sich noch mal in die euphorische Stimmung der Fußball-Weltmeisterschaft versetzen zu lassen. Der Film „Deutschland - ein Sommermärchen“ begleitet zum einen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch die WM, zum anderen wird gezeigt, wie freudig, ausgelassen und vor allem friedlich die Fußballfans aus Deutschland und der Welt mit­einander gefeiert haben. Ob im Stadion, auf den Fanmeilen (Fan­meile ist übrigens zum Wort des Jahres 2006 gekürt worden wegen der einzigartigen, bisher noch nicht dagewesenen Stimmung dort!), in Vereinsheimen oder zuhause: Vergessen war das Gejammere über höhere Steuern, sinkende Renten und steigende Preise. Geju­belt wurde allenthalben. Dieses Sommermärchen hat unserem Land gut getan. Hoffentlich hält die positive Stimmung an.


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Ungefähr 500 Jahre vor Christi Geburt hat ein anderes Volk sein „Sommermärchen“ erlebt: Das Volk Israel ist nach Jahrzehnten der Verbannung und Unterdrückung aus dem fernen Babylonien wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Dort hat es sich mit viel Eifer dar­angemacht, die zerstörte Stadt Jerusalem wieder aufzubauen, die ja als Wohnort Gottes gegolten hat, und schon bald hat auch wieder ein einfacher Tempel gestanden - ein Haus für Jahwe, ihren Gott. Da haben die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Volk Israel gejubelt, ausgelassen gefeiert und sich gefreut. Sie waren wieder daheim! Sie waren frei! Gott wohnte wieder mitten unter ihnen!
Doch nach der ersten Euphorie dieses israelischen „Sommer­märchens“ macht sich bei manchen eine gewisse Ernüchterung breit: Die Samariter im Norden und der Araber im Süden stehen Israel feindselig gegenüber; es kostet viel Mühe, das religiöse und politische Leben im Inneren wieder zu ordnen, Unfrieden zwischen den verschiedenen Interessen im Volk Israel zu vermeiden; es ist noch ein steiniger Weg zum Wohlstand und zu Freiheit.
Schon beginnen die ersten aus dem Volk Israel, zu jammern und mutlos zu werden.


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Da tritt ein Prophet auf, und der macht im Auftrag Gottes seinem Volk Mut. Die Worte, die er an Jerusalem / Zion richtet, gelten für ganz Israel:
Juble!
Jauchze!
Freu dich!
Frohlocke!
Solchermaßen verordnete Freude ist den Mutlosen im Volk Israel erst mal sauer aufgestoßen: Es läuft alles noch nicht so, wie wir es möchten - warum sollten wir uns dann freuen? Was soll so ein auf­gesetzter Jubel, wo wir doch gar nicht viel zu lachen haben!?
Darauf antwortet der Prophet:
Ihr sollt euch freuen, ihr sollt jubeln, weil Gott euch in der letzten Zeit so viel Gutes getan hat! Schaut doch nicht immer bloß auf das Schlechte, auf das, was noch nicht läuft. Achtet auf das Gute: auf eure wiedergewonnene Freiheit, auf eure wiedergewonnene Heimat, auf euren neuen Tempel, auf die Ruhe vor Besatzern! Jammert nicht über das Schlechte, sondern freut euch über das Gute! Ihr braucht diese Freude, um zufrieden sein zu können und Energie zu haben für den weiteren Aufbau.
Und noch einen Grund, zu jubeln und sich freuen zu können, schiebt der Prophet nach: Gott freut sich über dich! Gott jubelt dar­über, dass du lebst, dass es dich gibt. Gott frohlockt, also lacht vor Freude, weil er dich kennen darf, denn Gott liebt dich über alles.
Freu dich doch wenigstens darüber - und versteh: Wenn Gott sich so über dich freut und die so gern hat, dann wird er immer bei dir bleiben und für dich sorgen. Ja, Gott wird dich sogar retten aus dei­ner Mutlosigkeit, aus deinen Ängsten. Wenn das für dich kein Grund zur Freude ist!


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Liebe Schwestern und Brüder, was der Prophet in unserer Lesung seinem Volk Israel damals zugerufen hat, das ruft er heute uns zu:
Jubelt!
Jauchzt!
Freut euch!
Frohlockt!
Ja, der Prophet ermutigt auch uns, dass wir uns freuen. Diejenigen von euch und Ihnen, denen es momentan gut geht, werden mit die­ser Ermutigung kein Problem haben; sie schauen auf die letzten Wochen und Monate zurück, entdecken, was sie alles an Schönem und Gutem erlebt haben, und freuen sich darüber. Hier ist vielleicht weniger an das Sommermärchen WM zu denken als an so manches persönliche Sommermärchen: Der Ausbildungsplatz, die Genesung nach einer Krankheit, die Hochzeit, das neue Haus, der Nachwuchs in der Familie,... - All das Gründe, dankbar zurückzuschauen und sich zu freuen.


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Allerdings haben manche Leute hier bei uns zur Zeit nichts zu lachen: Die Krankheit, die nicht besser wird, die zerbrochene Part­nerschaft, der Tod eines Familienangehörigen, der Verlust des Arbeitsplatzes,... All denen macht der Prophet ebenfalls Mut: Lasst die Hände nicht sinken! Verliert nicht den Mut! Schaut, Gott hat euch in der Vergangenheit immer wieder Gründe gegeben, euch zu freuen. Er wird das auch in Zukunft tun, auch wenn ihr das momentan beim besten Willen nicht glauben könnt. Gott wird euch retten aus eurer momentanen Lage, denn er liebt euch, er freut sich über euch, und er will, dass auch ihr wieder froh werdet.


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Das, liebe Schwestern und Brüder, ist eine frohe Botschaft kurz vor Weihnachten - für die, die grad gut drauf sind ebenso wie für die, denen zur Zeit nicht nach Jubeln zumute ist:
Gott freut sich über dich! Er jubelt darüber, dass es dich gibt, denn er hat dich unendlich lieb. Gott hat dir deswegen in der Vergangen­heit bereits viel Gutes getan, damit du dich an deinem Leben freuen kannst, und er wird dies auch in Zukunft tun. Er wird dich immer wieder retten aus den Tiefschlägen des Lebens, und er wird dir immer wieder Hoch-Zeiten der Freude schenken. Gott ist und bleibt immer bei dir.
Deshalb: Freu dich, wenn du gerade das Sommermärchen deines Lebens genießt - und lass die Hände nicht sinken, wenn’s für dich mal Winter wird.

Amen.