Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zu Pfingsten 2012

Pastorin Anne-Kathrin Bode (ev.-luth.)

28.05.2012 auf dem Marktplatz in Holzminden mit Katholischer und Baptistischer Gemeinde

Ökumenischer Gottesdienst

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Mit Pfingsten wurde ein neuer Anfang gesetzt.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Wer ein neugeborenes Baby im Arm hält, spürt diesen Zauber. Spürten die Jünger damals einen ähnlichen Zauber?

Ich möchte Sie einladen auf ein Gedankenexperiment: Was hat eigentlich die Geburt eines Menschen mit der Geburt der Kirche, mit dem Anfang der Kirche gemeinsam?

 

Vorweg muss aber gesagt werden: Kirche bedeutet dabei nicht Kirche, wie es im Lexikon steht: als Organisation oder als Gebäude. Wir feiern auch nicht den Geburtstag der evangelischen Kirche oder der katholischen oder der Baptistischen.

Pfingsten geht es um Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt wurden und daraufhin von Jesus Christus erzählen konnten. Sie bildeten zusammen eine Gemeinschaft im Heiligen Geist, eine Geistgemeinschaft. Sie waren verbunden durch den Heiligen Geist.

Pfingsten ist also konkreter der Geburtstag der Geistgemeinschaft. Und nur weil das so ein unbekanntes Wort ist, sprechen wir von Kirche ganz allgemein.

Also. Wir feiern den Geburtstag der Kirche.

Um Geburtstag feiern zu können, braucht es eine Geburt.

Zeugung

Und vor der Geburt liegt die Zeugung. Kindermund tut ja bekanntlich Wahrheit kund: Dazu sagt die sechsjährige Lena: „Von Küssen kann (man) leider keine Kinder bekommen, das funktioniert nicht. Auch wenn es wirklich praktisch wäre, dann bräuchte man sich nicht so anzustrengen.“

Oder Luis, 8 Jahre sieht da ganz klar den Zusammenhang mit der Hochzeit: „Mit der Hochzeit wird festgelegt, dass der Mann der Vater des kommenden Kindes sein kann.“

Was auch schon Kinder schnell verstehen ist, dass für die Entstehung eines neuen Menschen zwei Menschen zusammen kommen müssen. Das ist wie ein Hinweis auf das ganze menschliche Leben: Wir sind aufeinander angewiesen. Ein Mensch kann alleine aus sich heraus keinen neuen Menschen ins Leben rufen.

Und wer später glaubt alleine durchs Leben gehen zu können, der irrt. Um die Fülle des Lebens ausschöpfen zu können, brauchen wir andere Menschen um uns herum. Das, was Menschen miteinander verbindet, können wir getrost die Liebe nennen. Nicht allein die Liebe beim Zeugungsakt, auch wenn die oft am intensivsten erlebt wird.

Aber auch die Liebe zwischen einem Vater und seinem Kind, zwischen einem Kind und seiner Großmutter, die alltägliche zwischenmenschliche Liebe, die sichtbar wird im aufeinander zugehen und sich versöhnen;  in der Fürsorge füreinander, wenn ein Mensch einen anderen pflegt.

Für den biologischen Zeugungsakt braucht es nicht notwendig die Liebe. Aber damit ein Mensch heranwachsen kann ist die liebevolle Zuwendung anderer Menschen unersetzlich.

Wie ist das mit der Kirche? Mit der Geistgemeinschaft, wie ich sie genannt habe? Wie wurde sie gezeugt? Gehen wir ganz zurück an die Anfänge: die Schöpfung des Menschen. Bereits bei der Schöpfung des Menschen heißt es: Da machte Gott den Menschen aus Erde und blies ihm den Odem / Atem des Lebens in seine Nase. So ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Gottes Lebensatem durchzieht die Schöpfung. Gott ist nach christlichem Verständnis der Ursprung aller Menschen. Ohne Menschen keine Geistgemeinschaft. Gottes Odem des Lebens ist der Anknüpfungspunkt für den Heiligen Geist, in uns zu wirken. Der Same für die Entstehung der Geistgemeinschaft wurde also in der Schöpfung gelegt. Und Gott begleitet die Schöpfung seit dem mit seiner Liebe.

Die Geburt

Auf die Zeugung folgt mit einigem Abstand die Geburt.

In der Bibel wird von einem großen Naturereigenis berichtet:

Plötzlich geschah ein gewaltiges Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Wie und in welchen Sprachen Frauen während der Geburt Laute von sich geben, das will ich hier gar nicht ausbreiten. Fest steht: Auch Frauen erleben die Geburt eines Babys oft wie eine Naturgewalt. Da entstehen unglaubliche Kräfte, die einem Baby ins Licht der Welt verhelfen. Viele Frauen berichten auch, dass sie die Geburt als Wunder ihres Körpers empfunden haben. Und Väter staunen über das Spektakel, das sich vor ihren Augen vollzieht, wenn aus einem Menschen zwei werden.

Viele Menschen, die die Jünger gesehen haben, waren entsetzt: Haben die zu viel Wein getrunken? Was passiert da gerade.

Fremde Zuschauer bei einer Geburt will auch keiner haben. Wer nicht vorbereitet ist, könnte ganz schön verschreckt sein.

Das gewaltige Ereignis einer Geburt muss genauso wie das gewaltige Ereignis an Pfingsten mit den Augen der Liebe betrachtet werden. Mit Ehrfurcht vor dem Leben und mit Ehrfurcht vor Gott. Es ist nicht jedem gegeben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten: Zu erkennen, dass Gott selbst gerade am Werk ist.

Der Geburtstag

Jede Geburt bringt etwas vollkommen Neues hervor. Und jeder Geburtstag erinnert daran.

Wir gratulieren zum Geburtstag, weil wir uns darüber freuen, dass es den anderen gibt. „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.“

Wir machen Geschenke um dem anderen zu zeigen, dass wir ihn mögen.

Als Kind habe ich bei einer Freundin eine schöne Geburtstagstradition kennen gelernt: Auf dem Geburtstagskuchen standen so viele Kerzen, wie das Kind alt geworden war. Die Mutter hat die Kerzen einzeln angezündet und zu jedem Jahr eine kleine Geschichte erzählt.

Ob sie das heute noch so macht, weiß ich nicht. Vielleicht nimmt sie heute eher fünfer-Abschnitte. Aber die Idee dahinter finde ich gut: Die schönen Ereignisse werden in Erinnerung gerufen und ich denke sowohl Mutter als auch Tochter können sich freuen und dankbar sein für das, was war.

Freude und Dankbarkeit für das Geschenk des Heiligen Geistes sind die Themen für Pfingsten. Wir feiern heute den Geburtstag der Kirche. Aber… den Heiligen Geist gibt es ja schon viel länger. Wir erinnern heute auch an Geschichten, in denen der Heilige Geist ganz wichtig war. Die Schöpfungsgeschichte habe ich schon erwähnt. Und eine andere wichtige Geschichte haben wir vorher in der Lesung gehört: Gott hat schon einmal seinen Geist auf eine Versammlung von Menschen gegeben. Auch dabei wurden Menschen mutig und stark, Gottes Auftrag auszuführen. Damals ging es um das Volk Israel in der Wüste. Mose ging die Puste aus, das Volk alleine durch die schwierige Zeit zu führen.

Da hat Gott 70 Menschen mit seinem Geist ausgestattet, damit sie gemeinsam das Volk leiten. Damit sie die Verantwortung untereinander aufteilen. Damit nicht einer alles können muss, sondern jeder mit seiner Gabe dazu beiträgt, dass das ganze Volk heile im Gelobten Land ankommt.

Der Geist Gottes bewirkt, dass viele verschiedene Menschen zusammen an einer Sache arbeiten können.

Dass trotz unterschiedlicher Meinungen ein Ziel verfolgt werden kann.

Die Ökumene

Sich daran zu erinnern ist gerade heute, wo wir einen ökumenischen Gottesdienst feiern, so wichtig:

Wir kommen zusammen aus unterschiedlichen Gemeinden, ja sogar Kirchen. Aber wir glauben an den einen Jesus Christus. Wir sind auf der Suche, aber wir bemühen uns nach besten Kräften, auf dem Weg zu gehen, den Jesus uns vorgelebt hat. Manchmal geraten wir aneinander, weil es uns so schwer fällt zu verstehen, dass andere Menschen ihren Glauben anders leben als wir. Aber ich meine: Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir mit Herzblut bei der Sache sind. Dass uns unser Glaube wichtig ist.

Und so ist gerade an Pfingsten eine gute Gelegenheit sich daran zu erinnern, dass wir untereinander verbunden sind durch den Heiligen Geist.

Und jeder von uns ist durch den Geist wiederum verbunden mit Gott. So können wir aus Gottes Kraft leben und da wirken, wo unser Platz ist. Ob wir nun lehren oder auf Unrecht hinweisen. Ob wir Liebe weitergeben, uns um Schwächere kümmern oder beten. Ob wir die Erinnerung an Jesus Christus weitergeben oder Hoffnung verschenken.

Das ist die eine Kirche: Die Gemeinschaft der Glaubenden im Geiste Gottes, deren Geburtstag wir heute feiern. Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.

Amen.

Liebe Gemeinde, zum Geburtstag gehören einfach Geschenke. Darum erhalten Sie alle zum Abschluss des Gottesdienstes eine Tröte: Herzlichen Glückwunsch!