Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt zum Abschlussfest der Dorferneuerung

Pfarrer Christoph Kronast

16.09.2007 in Kirchanschöring

Predigt zum Abschlussfest der Dorferneuerung

 
Zu Beginn eine eher adventliche Geschichte aus dem reichen Schatz der Chassidim, die Martin Buber aufge-schrieben hat:
Zur Zeit, da Rabbi Menachem im Lande Israel wohnte, ereignete es sich, dass ein törichter Mann, ohne bemerkt zu werden, den Ölberg bestieg und vom Gipfel aus in die Schofarposaune stieß. Im aufgeschreckten Volk sprang die Kunde um, dies sei das Schofarblasen, das die Erlösung verkündigt. Als das Gerücht zu den Ohren Rabbi Menachems kam, öffnete er das Fenster, sah in die Welt hinaus und sprach: "Da ist keine Erneuerung."

Nun geht es heute nicht um die Ankündigung des Erlösers, es wird auch keine Schofarposaune geblasen und es wird niemand behaupten, das Abschlussfest der Dorferneuerung bedeute, dass alles in bester Ordnung sei. Aber wenn es schon Dorferneuerung heißt und wir mit Recht – und Sie haben es jetzt ja noch mal gesehen - sagen können: da hat sich wirklich etwas verändert, dann ist es sicher sinnvoll, einmal nachzufragen: Wie könnte es sich zeigen, dass sich das Dorf nicht nur verändert, sondern erneuert hat? Ein abschließendes Ergebnis - kann und will ich hier nicht präsentieren, nur anhand einiger Projekte der Dorfer-neuerung und der Schrifttexte von heute, möchte ich einiges sagen, worin sich Erneuerung zeigen könnte.

Beginnen möchte ich mit dem Brunnen am Kirchplatz. Auch wenn sich manche in der Gestaltung anderes erwartet haben, bleibt uns das Wasser, das uns darauf hinweist: Es geht um Leben, und um Leben zu haben, müssen wir immer wieder zu den Quellen zurück. Das war sicher auch ein Grundgedanke der Dorferneuerung . ‚Erneuerung’ bedeutet ja nicht einfach etwas Neues, sondern etwas, das schon vorhanden ist, erneuern. Und so wurden auch bei den Gebäuden historische Kostbarkeiten wieder hergerichtet oder neu gestaltet.

 
Aber all das würde uns nicht weiterhelfen, wenn wir uns nicht auch direkt auf die Quellen besinnen, auf das, was uns überliefert wurde, auf die Werte, die uns mitgegeben wurden. Für uns, die wir jetzt als Christen Gottesdienst feiern, sind es natürlich vor allem die Quellen, auf denen unser Glaube beruht. Der Bistumsstein mit den Symbolen des hl. Rupert und des hl. Korbinian repräsentieren 1300 Jahre dieser Glaubensgeschichte „All meine Quellen entspringen in dir“, so heißt es in Psalm 87. Und Jesus offenbart sich der Samariterin am Jakobsbrunnen als das Wasser des ewigen Lebens.

Zu den Quellen gehen, d.h. wissen, woher die Kraft, woher das Leben kommt. So haben wir in der Lesung gehört: „Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus, unsern Herrn“. Von den Quellen her ist es immer wieder möglich, echte Erneuerung zu bewirken, ohne immer nur auf Neues aus zu sein.

 
Als zweites Beispiel möchte ich die erneuerten Wege nennen, wie bei der Durchgangsstraße und an anderen Stellen. Ein Weg erinnert uns an das Unterwegs sein, und der Drehstein hat es festgehalten. „Ein Dorf in Bewegung“ - ein durchaus biblischer Gedanke. Das Volk Israel war lange ein Volk unterwegs, und Jesus verkündete seine Botschaft auf dem Weg nach Jerusalem. Das Zweite Vatikanische Konzil definierte die Kirche als pilgerndes Gottesvolk. Wer auf dem Weg ist, braucht ein Ziel, und er kann sich nicht festklammern an immer Gleichem. Es ist gut, wenn wir immer wieder erinnert werden, auch durch die, die uns im Tod verlassen, dass wir unterwegs sind und uns immer auch bewegen müssen.
 
Ein Wortspiel: Es gibt jetzt dank der Auszeichnungen für das Dorf einen Goldweg. Gold könnte für den Glanz stehen und Weg für das Weitergehen und Sich erneuern. Man darf diese beiden Wortteile nicht trennen und etwa nur den Glanz suchen und sich nicht mehr weiterbewegen, dann ist das Gold weg.

Aber es geht nicht nur um Bewegung an sich, es gilt auch zu pflanzen, wie die neuen Bäume an den Straßen zeigen. Sie verweisen uns auf die Zukunft, denn so wie ihr Wachsen Zeit braucht, so braucht vieles, was wir beginnen, seine Zeit, und diese ist ein Geschenk Gottes.

 
In der Dorferneuerung oder mit Unterstützung der Dorferneuerung sind neue Stätten für die Gemeinschaft entstanden: Der Pavillon hier, das Pfarrheim mit den Jugendräumen, beim Saliter u.a, Erneuerung kann nur in der Gemeinschaft geschehen, und sie kann nur geschehen, wenn sich auch die Gemeinschaft immer wieder neu ansprechen lässt.
Die Kirche hat das immer groß geschrieben, und ruft im Advent und in der Fastenzeit zur Erneuerung auf. Wo Menschen nur noch an ihr eigenes Wohl denken und an ihren Mammon, wie wir am kommenden Sonntag hören, da geht das Dorf zugrunde. Nicht umsonst hängen die Begriffe Gemeinde, Kommune, Kirche und Kommunion alle mit Gemeinschaft zusammen.

 
Dass diese Gemeinschaft auch vom Zusammenleben der Völker abhängt, daran erinnert uns das erneuerte Kriegerdenkmal mit der Aufschrift: Friede allen Völkern. Mich freut das nicht nur, weil hier ein Vorschlag von mir verwirklicht wurde, sondern weil uns das Gedenken an die Schrecken der Kriege mit dem Tod und Leid so vieler Menschen uns hin führen muss zu Versöhnung und Frieden heute und morgen.

Hier ist das Evangelium von diesem Sonntag ganz wichtig. Jesus verkündet uns Gott als den guten Hirten, der dem einen verlorenen Schaf nachläuft und ein Fest feiert, weil er es findet. Wir handeln gegen die Botschaft Jesu und gegen den Frieden , wenn wir Menschen verloren geben oder ausgrenzen, wenn wir Hass und Feindschaft als unverrückbar betrachten, und die Vergebung verweigern. Wir werden den Frieden aber umso mehr verwirklichen, wenn wir selber unsere Verlorenheit, unsere Fehler und Schwächen dem guten Hirten und anvertrauen und uns immer wieder heimholen lassen von falschen Wegen und groben Fehlern.

 
Dem, der den wahren Frieden gibt, danken wir immer wieder in der Kirche. Unsere Kirche war nicht Projekt der Dorferneuerung, wohl aber die Treppen und die Stützmauer. Und jetzt kann sich die Kirche zu diesem Tag außen reno-viert zeigen. Die Kirche im Dorf lassen, ist ein altes Wort. Ich möchte es so deuten, dass es ganz wichtig ist für das Dorf, die Kirche als geistliche Zentrale zu bewahren oder wieder mehr zu sehen, wo wir die Orientierung für unseren Weg bekommen, die Kraft ihn zu gehen und am Sonntag das Ziel im Blick-feld haben, dem wir entgegengehen.

Für dieses Ziel möchte ich noch an einen Mann erinnern, der gestern vor 100 Jahren geboren wurde: Pater Alfred Delp, der im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli verhaftet und am Lichtmesstag 1945 hingerichtet wurde. Er gab uns in seinen weihnachtlichen Texten, die er in der Haft mimt gefesselten Händen verfasste, ein Wort mit, das uns ein Motto für die Zukunft sein kann, auch für die Zukunft unseres Dorfes, unserer Gemeinde: „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gottes mit uns lebt.“

Ich hoffe: Wenn der Rabbi Menachem auf unserem Kirchturm zum Fenster hinausschauen würde, vielleicht könnte er doch sagen: Da ist schon einiges an Erneuerung.

Amen.


 


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