Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Bundesjugendtreffen und Jubiläum des Kleintierzüchtervereins

Pfarrerin Eva-Maria Busch (ev.)

28.06.2009 im Festzelt in Königsbronn-Zang

Liebe Gottesdienstbesucher, liebe Festgemeinde,
ein Gruß an alle hier im Festzelt von der evangelischen Kirchengemeinde Zang aus, die als einzige Gemeinde weit und breit- jedenfalls soweit wie ich das weiß, den Hahn nicht auf dem Kirchturm oben drauf hat sondern die Henne dick und fett gleich am Brunnen im Eingangsbereich der Kirche als Gruß zu unserem Örtlichen- wie wir hier sagen -Hennenverein….obwohl ja jeder weiß, dass das nur der halbe Name ist. Richtig ist ja Kleintierzüchterverein…
Also liebe Kleintierzüchter,
was sage ich euch von dieser Stelle hier oben aus Vernünftiges, Praktisches - was gebe ich euch heute morgen, am Morgen - auch des Jubiläums mit….?

Ich fange mal mit was an, was Ihr alle kennt:
Kleintiere: Kaninchen, Hasen, Geflügel, Tauben.
Ich kenne sie auch ein wenig, nicht sehr, aber nun ja….also ein Kaninchen mit einer schönen Soße auf italienische Art, Pasta dazu, müsst ihr mal versuchen.
Oder so eine dicke fette Henne, nicht nur Chicken McNuggets, sondern eine große, mit so richtig schönem weißem Fleisch … oder Täubchen in Rotweinsoße, Wachteleier….
Ich höre auf! Wir sind ja nicht in einer Kochshow heute Morgen.
Ja, ich kenne Kleintiere auch. Ich mag sie wirklich sehr! Auf meine Weise.
Und die Bibel. Die Bibel kennt sie auch.
Da kommen Tauben vor: Das zumindest werdet ihr alle kennen. Die berühmteste ist die Taube, die Noah aus der Arche fliegen lässt, um zu prüfen, ob sie Land findet und das Wasser der Sintflut weg ist.
Im Neuen Testament dann: Kommt sie als Symbol für Gottes Geist herab auf Jesus bei der Taufe im Jordan. Jesus sagt später: Seid ohne Falsch wie die Taube. Sie ist Symbol für Reinheit, für Frieden seit dieser Zeit.
Anderes Geflügel?
Haben wir auch: Nun, Wachteln finden wir in der Bibel. Allerdings weniger als Ausstellungstier, sondern hauptsächlich als Nahrung für das in der Wüste wandernde Gottesvolk.
Henne….vielleicht wird Gott mit einer Henne oder Glucke verglichen im Psalm 91 wo es heißt: Er wird dich mit seinen Fittichen decken und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln……..
Den Hahn finden wir im Hahnenschrei in der Nacht, als Petrus Jesus verrät.

Was den Hasen betrifft so muss ich euch leider sagen, dass er für die Schreiber des Alten Testamentes und das jüdische Volk überhaupt ein unreines Tier war und ist, also nur in einem Verbot vorkommt, das lautet: Den dürft ihr nicht essen.
Was für ein Glück für mich, dass Jesus dies Verbot aufgehoben hat als er sagte:
Nur das macht den Menschen unrein, was aus ihm rauskommt, nicht was in ihn reinkommt, also, was er schluckt….
Aber ansonsten gibt es da explizit eher weniger kleine Tiere…Hamster schon gar nicht, Mäuse ja, Schlangen auch, Ungeziefer…Vögel wie Falken und Adler und ansonsten wird alles unter wildem Getier oder Getier oder Vögel des Himmels subsumiert und darüber hinaus haben die es mehr mit Schafen und Ziegen und die passen nicht so gut ins Kleintierzüchterprogramm.
Das zum Thema: Was die Bibel kennt, und was ich kenne.

Aber jetzt komme ich zu einem ganz anderen Gesichtspunkt heute Morgen, der mir erwähnenswert ist für ein Treffen wie dieses:
Dem Bundesjugendtreffen. Und den schon lange währenden immer wiederkehrenden Treffen der Züchter.
Ihr trefft Euch, soweit ich das sehen kann, ja nicht nur heute. Das Festzelt steht schon ein wenig länger und auch sonst ist bei den Kleintierzüchtern immer was geboten.
Da gibt es das ganze Jahr über Ausstellungen, Leistungsschauen, Treffen.
Und weil Ihr Tiere habt, die andere Tiere brauchen, also - ihr wisst, es ist die Sache mit Männchen und Weibchen - braucht ihr einander gewissermaßen.
Und weil ihr Kleintiere habt braucht ihr was darum herum…das ist nicht wie beim Autorennen, bei dem jeder in seiner Kiste hockt und Gas gibt, sondern da braucht man viel Platz. Und weil da viel Platz ist, ein Käfig, ein Grünstreifen, ein Stuhl, kommt noch ein Stuhl und noch einer und bald sitzt man eben nicht allein und dann kommen andere….so wie ich das sehe, ist Gemeinschaftspflege automatisch mit der Kleintierzucht verbunden, wenn auch so manch einer vor lauter Tieren die Menschen nicht mehr sieht… mit Verlaub, das wisst ihr, das gibt es auch. Übrigens auch bei Hunde oder Pferdebesitzern - vor allem, wenn sie dann auch noch alleine leben. Da wird das Tier schnell zum Ersatz für menschliche Nähe.
Euch ist Gemeinschaft wichtig.
Aber wir wären heute nicht hier, wenn ihr für diese Gemeinschaft nicht auch noch etwas anderes bräuchtet, als diese Utensilien und ein paar schöne Tiere. Ich denke ihr braucht auch noch einen guten Gedanken, den Ihr mitnehmen und über den ihr weiter nachdenken könnt und sollt.
Wenn Ihr vor Eurem Geflügel, euren Rassehühnern oder den sogenannten „weißen Riesen“ steht und sie auf den Arm nehmt, dann schaut ihr sie ganz genau an. Wie ist der Wurf, das Gelege?
Welche Statur hat der Hahn? Ist sein Kamm so, wie für die Rasse als 1 a vorgeschrieben? Und die Augenfarbe des Hasen, ist sie perfekt? Das Gefieder der Taube, der Henne, wenn man es auseinanderzieht, wie sind die Federn, vielleicht schneidet ihr das eine oder andere vor einer Ausstellung zurecht, schön soll es dastehen. Prächtig. Ihr möchtet stolz sein auf eure Tiere, darum kümmert Ihr euch, Ihr hegt und pflegt.
Die Sch…, also den Mist den sie machen, räumt Ihr weg, sie sollen sauber im Stall sitzen. Gerne tut ihr das, denn ihr liebt eure Tiere.
Wie Ihr das Tier in Eurer Hand haltet und tragt, so sagt Psalm 91, tragen uns Gottes Engel in der Hand. Wir sind gehalten von unserem Schöpfer. Mit einem Unterschied:

Steht bitte einmal auf!
Nun schaut einander an! Haare, Augen, Statur. Hat nicht euer Gegenüber einen zu dicken Bauch? Die Haare, sind sie von Natur aus perfekt, voll, glänzend, oder wurde nachgeholfen? Wie ist die Haut? Sauber oder pickelig?
Schaut einander an!
……………………….

Nein, ich glaube bei einer Ausstellung würde keiner von uns einen Preis bekommen.
Noch nicht mal bei Germanys next top model gelingt das jedem noch so hübschen Mädchen.
Und dennoch ist keiner von uns Ausschussware oder Weglegesache.
In Gottes Hand ist ein jeder von uns 1a wertvoll. Wir sind perfekt, schön, wertvoll, auch wenn wir das selbst nicht sehen, wenn wir morgens im Spiegel stöhnen, wenn andere uns ablehnen wegen unsers Äußeren….und es sind auch nicht nur die inneren Werte, die Gott anguckt, so wie wir das uns zum Trost einander gerne sagen: Ha der sieht halt dumm aus aber er hat ein gutes Herz.
Gott fragt nach unserem Herzen, das ist ihm wichtig, aber nicht in dieser Weise.
Er ist unser Schöpfer, er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide, so heißt es ihm Psalm 100 und so bekennt es unser Glaubensbekenntnis, so steht es in den ersten Worten die die Bibel uns überliefert: Wir sind Geschöpfe, wir sind Geliebte. Gewollte….ganz besondere Kaninchen, Hennen…ganz besonders Gehütete.
Es ist, als ob er uns über das Haar streichen würde als wäre es schimmernde Seide, als würde er uns in der hohlen Hand halten wie ein frisch geschlüpftes Küken. Unseren Wert sprechen uns nicht andere zu, unser Wert entsteht nicht durch das, was wir von uns aus erbringen oder tun, sondern allein aus dieser Tatsache, Gottes Kind zu sein. Er liebt uns so, dass er auch den Stall ausmistet, den …Sch… wegmacht, den wir fabrizieren.
Mein Sohn, sagt er auf Golgatha in der Nacht als ein Hahn dreimal kräht, geh hin, erlöse diese meine Geschöpfe von ihrem Mist und lasse sie wieder sauber dastehen.
Tu es ein für allemal.
Wär’ doch mal was anderes, sein zu dürfen, einfach nur sein zu dürfen. In seiner Hand. Unter seinen Flügeln. Ob wir daran glauben, oder uns wohlfühlen bei dem Gedanken, erlöste und geliebte Menschen zu sein ist eine andere Sache. Es würde unser Leben eventuell doch lebenswerter machen es zu tun! Ich wünsche es Ihnen, Euch, mir. Amen.