Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt zum Diakonietag über Markus 2,1-12 und „Hat Kopf, Hand, Fuß und Herz“ von Paul Klee

Pfarrer Robin Banerjee

in Schwanenberg

Predigt zum Diakonietag

Die Predigt wurde bei einem Diakonietag (das ist eine Art kurzes Gemeindefest: GD mit geselligem Beisammensein und einigen Vorführungen im Anschluss) der Diakonie Stiftung Erkelenz gehalten. Das ist eine Stiftung dreier Gemeinden (Schwanenberg, Erkelenz, Lövenich), die ein Vermögen vermehren und mit dem Überschuss Menschen helfen.

Liebe Gemeinde,

wieder mal ist Diakoniesonntag,
die drei Stiftungsgemeinden kommen zusammen und wollen gemeinsam feiern.

Aber nicht nur das. Klar, das ist immer schön.
Wir wollen uns auch der Sache vergewissern, die uns am Herzen liegt: Diakonie.

Das Wort „Diakonie“ kommt aus dem Griechischen und meint den Dienst, ein Amt, im Einzelnen eine Dienstleistung, im weiteren Sinne geht es um Unterstützung, um Hilfe.

Das kann man im Lexikon nachlesen.
Aber dadurch kommt Diakonie noch lange nicht in Gang – und darauf kommt es ja an.

Was dafür nötig ist, möchte ich mit Hilfe eines Bildes darstellen.
Das Bild hat Paul Klee 1930 gemalt. Der Titel, den er dem Bild gegeben hat, lautet: „Hat Kopf, Hand, Fuß und Herz“. Wie das Bild zu verstehen ist, das hat er nicht gesagt. Das steht dem Betrachter offen.

Ich möchte das Bild nicht sofort vollständig zeigen, sondern mich von den verschiedenen Ecken annähern.

(Gesicht zeigen, lk. oben)

Zunächst mal ein Gesicht.
Die Augen fallen auf. Und da geht es los.
Menschen nehmen andere Menschen wahr. Sie sehen die Umstände und Missstände dieser Welt und in ihrem Umfeld. Und sie können je einen ganz konkret vor Augen haben.
Diakonie beginnt mit sehen.
Echtes sehen, ohne Scheuklappen, ohne den Blick voller Scham wegzusenken. In der Bibel hat das Wort „erkennen“ eine wichtige Bedeutung. „Erkennen“ meint jemanden richtig sehen, alles wahrnehmen, sich einfühlen: Die Gefühle erfassen und spüren, was ihm fehlt oder wie ihr geholfen werden kann.

Irgendwann muss es in Kapernaum Menschen gegeben haben, die den Gelähmten gesehen haben, die nicht weggeguckt haben.

Danach wird es dann doch nötig sein, den Mund aufzumachen.
Ich spreche den Menschen an.
Willst du noch was haben von deinem Leben? Willst Du, dass man Dir hilft? Bist du bereit, neue Hoffnung zu wagen?
Oder ich gebrauche meinen Mund, um noch andere Helfer anzusprechen.
Seid ihr bereit mitzumachen?

Dann kommt die Stirn ins Spiel.
Ich denke nach, wie die Hilfe am besten funktionieren kann. Wie sie auch am besten beim Menschen ankommt. Dafür braucht man Verstand. Nicht selten, vor allem in der heutigen Zeit, muss man z.B. gut rechnen können.

Dem Gelähmten in unserer Bibelgeschichte konnte nur geholfen werden, weil er erstens zustimmte, weil da zweitens mehrere waren, die geholfen haben; und drittens, weil sie nachgedacht haben, wie dies denn nun auch gelingen könnte. So sind sie auf die Idee gekommen, ihn durch das Dach herunterzulassen. Diakonie braucht Köpfchen. Diakonie braucht Kreativität.

(Fuß zeigen, lk. unten)

Diakonie braucht Füße, die sich aufmachen. Diakonie braucht Bewegung.
Wenn man wartet, passiert nichts. Weder bei den Helfern, noch bei denen, die Hilfe brauchen.
Hingehen ist angesagt. Richtig wahrnehmen kann ich nur, wenn ich zu den Menschen gehe, dahin, wo sie leben. Jeder Besuch ist Diakonie.

Deshalb war Jesus ja auch immer unterwegs und wie in unserer Geschichte kehrte er ein in die Häuser der Menschen. Und auch die, die Hilfe suchten, müssen sich aufmachen, auch wenn es beschwerlich ist. Der Gelähmte musste zu Jesus gebracht werden.

(Hand zeigen, re. oben)

Neben dem Fuß kommt sofort die Hand.
Diakonie bedeutet anpacken.
Nicht nur darüber nachdenken, es zu tun.
Auch nicht einfach nur hingehen, sondern anfassen.
Handeln – da stecken die Hände drin.
Richtig zupacken – Dinge bewegen, verändern, durchgreifen,
manchmal auch das gewisse Fingerspitzengefühl, ein Händchen für etwas haben.
Oder auch zärtliche Berührungen, die auf andere Weise helfen.
Und auch nicht zu vergessen:
Wir brauchen die Hände, um sie aufzuhalten, um zu sammeln, um zu bitten.

In unserer Geschichte musste richtig zugepackt werden, denn sonst hätte man den Gelähmten nicht durch das Dach runterlassen können.

(Hand und Fuß zusammen zeigen, re. unten)

Sie merken, liebe Gemeinde, Diakonie ist ganz natürlich und selbstverständlich körperlich. Sie braucht unseren vollen Einsatz. Jede Diakonie muss Hand und Fuß haben.

Aber das ist noch nicht alles!
Kopf, Hand und Fuß werden durch das Herz zusammen gehalten.

(Herz alleine zeigen, Mitte)

Das Herz ist der Sitz der Liebe.
Der Liebe zu den Menschen. Sie sind mir etwas Wert. Mein Herz ist kalt, wenn ich in ihm nur alleine vorkomme. Mein Herz wird warm, wenn andere darin Liebe suchen und finden. Menschlichkeit hat ihren Ort im Herzen. Diakonie kommt letztlich von Herzen, oder sie geschieht gar nicht, oder nur halbherzig.

Das Herz ist aber auch der Sitz des Willens, der Kraft, der Power, unser ganzer Körper wird hier am Leben gehalten. Diakonie braucht diese Kraft, die vom Herzen kommt, und das heißt, ich sag’s mal mit dem alten Wort: Diakonie braucht Eifer!

Die Menge versperrte den Weg zu Jesus, die Männer wären mit dem Gelähmten nicht zum Ziel gekommen, wenn sie sich nicht ein Herz genommen hätten und den Gelähmten vom Dach runtergelassen hätten. Auf eine solche Idee kommt man nur, wenn der nötige Wille da ist, und wenn man Mumm in den Knochen hat. Und dieser Mumm hat seinen Sitz im Herzen.

Sie merken: Ich habe heute das Festival der Redewendungen.
Nur noch zwei zum Schluss.

Ich wünsche uns allen, dass uns Diakonie am Herzen liegt
und dass wir das Herz am rechten Fleck haben.
Nämlich in der Mitte.

(das ganze Bild zeigen)

Jetzt sehen sie das ganze Bild – mit Kopf, Hand und Fuß –
und mit dem Herz am rechten Fleck.

Wenn Sie nun noch genau hinschauen, erkennen Sie noch etwas.
Diakonie wird zusammengehalten von einem Kreuz.
Rötlich bestimmt es den Hintergrund des Bildes.

Das bedeutet für mich zweierlei:
Überall dort, wo gelitten wird, braucht es unser Herz.

Und zweitens – unser Herz klopft nicht allein,
es klopft mit dem Herz Jesu im Gleichklang.

Amen.


 


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