Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Pfingstfest 2010

Monsignore Norbert Busch (rk)

22.05.2010 im Andachtsraum des Klinikum Dortmund-Mitte

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Glauben!

Für viele Menschen unserer Zeit ist das Pfingstfest ein Fest mit sieben Siegeln. Als das dritte große Fest des christlichen Glaubens neben Weihnachten und Ostern macht es nichts her trotz Sturm und Feuerszungen.

Gut, die Jünger und Jüngerinnen und die Menschen in Jerusalem vor rund zweitausend Jahren waren wegen der seltsamen Geschehnisse bestürzt und verängstigt. Doch bald danach ging alles seinen gewohnten Gang.

Nur die Handvoll Jüngerinnen und Jünger im Abendmahlssaal war verändert. Sie waren Feuer und Flamme und konnten das, was sie im Zusammenhang mit diesem Jesus aus Nazareth erlebt hatten, nicht mehr für sich behalten.

Sie trugen – vom Geist Gottes getrieben – die Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung in die damals bekannte Welt.

Wenn sie im Abendmahlssaal hocken geblieben wären, wüssten wir Menschen des 21. Jahrhunderts nichts von Jesus und der Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen.

Doch der Heilige Geist als die kreative, ideenreiche und geniale Kraft Gottes wirkt bis heute in jedem einzelnen Menschen. Er treibt besonders die auf den Namen Jesus Getauften an, in und durch ihr Leben Gutes in der Welt zu wirken.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Glauben!

 

Vielleicht sagen sie jetzt: ich spüre in meinem Leben nichts vom Heiligen Geist und auch nicht in der Kirche und in der Gesellschaft. Da sieht doch alles düster aus. Denken sie nur an die Wirtschafts- und Finanzkrise; die Missbrauchsskandale in der katholischen und in der evangelischen Kirche; die zunehmende Verarmung vieler Menschen hier bei uns und in vielen Ländern der Erde; denken sie an die Umweltkatastrophen zum Teil aus Gier nach Reichtum und Macht von Menschen gemacht, um nur weniges zu nennen. Ganz zu schweigen von dem rapiden Rückgang des kirchlichen Lebens in Deutschland auf allen Ebenen.

 

Ok! Alles zugegeben.

 

Doch dies alles sind für mich keine Argumente gegen das Wirken des Geistes Gottes. Vielmehr fordern  diese Zustände in Kirche und Welt den Heiligen Geist heraus durch Menschen, die ihm ganz und gar vertrauen, Gegenwelten aufzubauen, damit dass Böse nicht überhandnimmt.

Ein Beispiel hierfür ist, dass sie und ich uns hier heute Abend zum Lobe Gottes versammelt haben.

Ein anderes Beispiel war und ist für mich der

2. Ökumenische  Kirchentag in München mit seinem Motto: Damit ihr Hoffnung habt!

In meiner Kinder und Jugendzeit hätte mich jeder für verrückt erklärt, wenn ich oder jemand in unserem Bergarbeiterdorf im Sauerland von Ökumene gesprochen hätten. Oder gar einer von einem gemeinsamen Kirchentag der katholischen und evangelischen Kirche phantasiert hätte.

Inzwischen ist in meinem Leben schon der

2. Ökumenische Kirchentag gewesen mit ca. 130 000 Dauerteilnehmern und rund 11 000 zusätzlichen Gästen pro Tag.

 

Noch ein letztes Beispiel: Es waren doch Frauen und Männer der Kirchen, die aus ihrem Glauben heraus nach dem Krieg erkannten, dass sich die Kirchen nicht nur um die Verkündigung des Glaubens in der Welt kümmern müssen, sondern auch um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

So entstanden zum Beispiel die Hilfswerke Misereor 1958, Brot für die Welt 1959; Adveniat1961.

In diesen Jahren dachte im politischen deutschen Raum kaum einer an Entwicklungshilfe oder selbstlosen Beistand der ärmsten Länder der Erde.

Oder was geschieht nicht an Gutem auch heute noch in den Familien, der Nachbarschaft, einer Pfarrgemeinde, das nicht an die große Glocke gehängt wird.

All dies und noch vieltausendmal mehr wirkt ein und  derselbe Geist.

Darum,

liebe Menschenschwestern, liebe Menschenbrüder,

öffnen auch wir uns jeden Tag neu dem Wirken dieses lebendigen Geistes und bitten wir ihn um seine Hilfe für uns selbst, für die, die mit uns und ums herum leben, aber auch für alle Getauften und alle Menschen auf der ganzen Erde.

Doch aufgepasst: Wenn wir um diesen kreativen, ideenreichen, vor Leben strotzenden Geist bitten, es könnte sein, dass er uns packt und zu etwas antreibt, was wir im Augenblick gar nicht auf dem Bildschirm haben, wie man heute sagt. Amen