Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Thema "Du willst immer nur das Eine!"

Karsten Böhm

02.11.2001 im Jugendgottesdienst "eXperience" der Andreasgemeinde in Niederhöchstadt

Sex ist schmutzig! Onanie macht einen krummen Rücken! Wer vor der Ehe schon Geschlechtsverkehr hatte, schmort in der Hölle! Zuviel Sex macht dumm! Klar oder!? Wer von Euch hat solche Parolen schon mal gehört!? Und wer weiß, wo diese herkommen!? Richtig, von Mami und/oder von der Kirche, diesem veralteten Moralapostel, dieser Sittenpolizei, diesem Spielverderber. Alles was mit Lust zu tun hat und Spaß macht, verbietet schließlich die Kirche, oder!? Es gibt ein interessantes Phänomen. An was denkt Ihr, wenn Ihr von einem Film mit dem genialen Titel "Uf der Alm do gibts koi Sünd!" hört!? Das ist doch ziemlich eindeutig. Da geht's doch nicht darum, daß dort oben auf der Alm beim Skatspielen geschummelt wird. Wir alle denken bei dem Wort Sünde, wenn nicht sofort, so doch ziemlich schnell an Sex.

Woher kommt diese enge Verbindung zwischen Sünde und Sex!? Von der Kirche und von Jesus!?

Also Jesus redet ziemlich wenig von Sex. Ich habe für die Predigt das Internet strapaziert, viel in der Bibel gelesen und wirklich kaum Worte von Jesus über Sex gefunden. Im Gegensatz zu den Leuten, die sich auf Jesus berufen!!!

Aber dennoch hat das Christentum und die Kirche es geschafft, die beiden Begriffe "Sex" und "Sünde" ganz eng aneinanderzukoppeln. Und das lässt sich einfach nicht auf Jesus zurückführen. Jesus hat bei dem Wort "Sünde" nicht in besonderer Weise an Sex gedacht. Wirklich nicht.

Woher kommt es dann aber, daß eine von Christentum und Kirche geprägte Gesellschaft wie die unsrige permanent Sex im Kopf hat, wenn sie von Sünde redet?

Von Jesus hat sie es ja nicht! Nicht von Jesus!? Nein von den alten Griechen! Von den alten Griechen mit ihren vielen Philosophen. Für die alten Griechen gehörte der Körper und alles, was dazugehört, also auch der Sex zu den niederen, erbärmlichen Dingen des Lebens. Aber der wahre Mensch streckt sich nach Gott, nach oben. Der braucht die körperlichen Begierden nicht. Wer sich hingegen von der Lust gefangen nehmen lässt und dem Sex, der Geschlechtlichkeit hingibt, der bleibt dem Irdischen, dem Normalen verhaftet. Und so kam es zu jener gefährlichen Verquickung von Sex und Schmutz und Sünde!!! Eine Gleichsetzung, die in der Bibel nicht vorgenommen wird.

Also, wer heute in den eXperience-Gottesdienst gekommen ist und von mir hören will: "Das ist richtig, das ist falsch! Sex ist gut oder Sex ist schlecht! Ihr dürft vor der Ehe poppen, Ihr dürft nie poppen! Nie mit einem Mädel ausgehen oder umso früher, umso besser!" Wer das erwartet, den muss ich enttäuschen. Von mir hört Ihr heute keine solchen Schwarz-Weiß-Malereien. Denn wie gesagt, in der Bibel gibt es wenige Stellen, die direkt von Sex reden und auch Jesus klammert es fast gänzlich aus. Von mir gibt es keine Sex-Regel, Sex-Anweisung...

Nur eines ist klar. Sex, Miteinanderschlafen und das Erste Mal ist etwas Besonderes und deshalb sollte man damit bewußt und verantwortungsvoll umgehen. Vielleicht gibt es einige unter Euch, die noch nicht ihr Erstes Mal hatten, die vielleicht auf den richtigen Partner warten wollen. Das ist ok. Andere haben das Erste Mal vielleicht schon hinter sich. Auch das ist ok. Ich will Euch nur Mut machen, daß ihr das tut, was Ihr wollt, nicht das, was vielleicht Euer Freund oder Freundin, die Clique oder eine Zeitschrift wie die Bravo verlangen. Und glaubt mir, nicht jeder hat schon mit Vierzehn seine Jungfräulichkeit verloren...

Miteinanderschlafen, vor allem das Erste Mal ist immer etwas Besonderes. Das ist nicht wie an den Kühlschrank gehen, eine Cola herausholen und sie trinken. Überlegt Euch gut, was Ihr wollt, wann und mit wem Ihr es wollt. Es gibt nichts Intimeres als Miteinanderschlafen und deshalb sollte man es sehr bewußt machen oder eben auch nicht machen. Es gibt in dieser Frage um den Sex nicht richtig oder falsch. Im Leben gibt es nie nur Richtig oder Falsch, Schwarz oder Weiß, es gibt eine Menge Grautöne und jeder Einzelne muß das finden, was er will oder nicht will - sich bewußt darüber sein.

Soweit meine Meinung. Jetzt will ich aber etwas von Euch wissen. Jetzt wird es interaktiv! Ich will Euch einige Fragen stellen.

Wer von Euch ist momentan verliebt!? Wer von diesen ist unglücklich verliebt!? Wer hat einen Freund oder eine Freundin!? Wer ist als Single glücklich!?

Gut. Vieles dreht sich um die Liebe, um Beziehungen, Ihr habt schon gemerkt, wie jeder auf den Nachbarn geguckt hat, wo der sich wohl meldet. Manche haben sicherlich auch zu ihrem Traumboy geschaut, ob der sich hoffentlich bei Single meldet.

Ich will Euch nun eine dramatische Liebesgeschichte erzählen, in der sich der eine oder die andere sicherlich wiederfindet...

Es kommt ein Baby auf die Welt, ein Mädchen. Ein ungewolltes Kind. Der Vater ist schon längst über alle Berge und die arme Mutter will das kleine, schreiende Baby auch nicht. Kein Geld, zuviel Stress, das Kind passt nicht in die Lebensplanung. Ganz viele Gründe gegen das Kind. Dieses Mädchen wächst mit dieser Lieblosigkeit und dem Verachtetsein auf und spürt es tagtäglich.

Dennoch wird das Kind größer, älter. Und eines Tages begegnet das kleine Mädchen einem jungen Mann. Und dieser junge Mann sieht dieses Mädchen und sagt: "Dieses Kind soll es doch gut haben, ein gutes Leben führen können!" Ich will mich um dieses kleine Mädchen kümmern, es umsorgen und es lieben. Und er nimmt dieses verwahrloste, hoffnungslose, ungeliebte, schmutzige Mädchen auf, wäscht es, pflegt es, gibt ihr Kleidung und liebt es.

Das junge Mädchen wird zu einer jungen Frau. Und dann geschieht es, daß der junge Mann diese Frau sieht und sich in sie verliebt. (So ist das meist in solchen Geschichten, gelle?) Also er verliebt sich in sie und er will sie bei sich haben, er umwirbt sie und er schwört ihr, daß er immer ihr Liebhaber sein will. "Ich will immer zu Dir gehören und Du sollst immer zu mir gehören und ich will Dir treu sein. Für ewig."

Von einer Ausgestoßenen, von einer ungewollten Schwangerschaft, von einem ohne Eltern aufgewachsenen Kind zu einer Geliebten, zu einer Umworbenen, die geliebt wird.

Der Mann nimmt dann diese Frau zu sich, beschenkt sie reich, wohnt mit ihr in einem riesigen Haus, bereitet ihr das beste Essen, gibt ihr den tollsten Schmuck und die edelsten Kleider. Er gibt ihr alles, was sie sich wünscht. Und irgendwann wird klar, daß dieser junge Mann König ist und er heiratet dieses Mädchen und krönt sie zur Königin.

Alles was eine Frau will, oder!? Jemand der nicht darauf guckt, daß sie eine Verachtete war, sondern in ihr seine Geliebte sieht und keine andere will. Der Mann sagt, dass sie allein an seiner Seite sein soll und niemand sonst. Dass er treu sein will, sich immer um sie sorgen und kümmern will und dass er sie grenzenlos liebt. Fast zuviel des Guten, oder?

Und jetzt passiert etwas Unverständliches. Doch bevor ich dazu komme, will ich Euch wieder einige Fragen stellen.

Was wäre das schlimmste, was Euch Eure Freundin, Euer Freund antun könnte?

Einige von Euch denken sicherlich gleich an Fremdgehen! Und so sagt es auch die Statistik. Das schlimmste für einen Menschen in einer Beziehung ist, wenn er oder sie seinen Partner mit jemand anderen im Bett beim Sex erwischt.

Eine kleine Szene: Man hat daheim noch was vergessen, geht kurz noch mal zurück und was sind denn das für seltsame Geräusche aus dem Schlafzimmer!? Läuft da noch der Fernseher!? Nein, viel schlimmer. Meine Freundin liegt mit meinem besten Freund im Bett und die beiden schlafen miteinander. Und ich erwische sie dabei! Das ist wohl mit das Schlimmste, was einem in einer Beziehung passieren kann...

Heftig oder? Aber wie geht es weiter in unserer Geschichte mit dem König und seiner bildhübschen Frau!? Auch hier erlebt der Mann etwas sehr Schlimmes. Die Frau verlässt sich plötzlich auf ihre Schönheit, sie sieht nur noch ihre Schönheit und schaut sich nach anderen Männern um, flirtet und geht schließlich fremd. Und sie geht nicht nur einmal fremd, sondern immer wieder und wieder. Sie wird zu einer Hure, zu einer Prostituierten. Nein noch schlimmer. Sie bezahlt ihre Liebhaber. Sie gibt Männern Geld, damit sie mir ihr schlafen. Das Geld, das sie vom König bekommt.

Ist die noch ganz klar im Kopf? Die spinnt doch! Was macht die Königin nur!? Sie tritt ihr Glück mit den Füßen!? Was denkt Ihr darüber!? Könnt Ihr das nachvollziehen!?

Soweit diese Geschichte. Doch in dieser Geschichte gibt es ein Problem, denn diese Geliebte ist nicht irgendeine Frau. Diese Geschichte ist auch nicht aus irgendeinem Roman. Diese Geschichte steht in der Bibel und diese Geliebte, die ich eben beschrieben habe, das sind wir. Und der Liebhaber ist nicht irgendjemand. Der Liebhaber in dieser Geschichte ist Gott.

Gott persönlich beschreibt seine Beziehung zum Menschen in dieser Geschichte. Er ist der Liebhaber und wir Menschen seine Geliebten. Wer will kann die Geschichte mal in der Bibel nachlesen. Sie steht im Alten Testament bei Ezechiel 16.

Auch der Mensch will erst einmal ohne Gott leben, ohne Beziehung, er will seine eigene Wege gehen. Aber Gott ist nicht ein Gott, der weit weg ist und mit einem erhobenen Zeigefinger kommt. Nein, er ist ein Gott, der als Liebhaber zu uns kommt. Genauso wie der König in der Geschichte, der um seine Frau wirbt. Gott will mit uns zusammensein und wirbt um Dich, um mich, um uns.

Noch mal kurz zurück zur Geschichte. Wie geht die Geschichte aus!? Was sagt der König zu der Frau, über seine Geliebte, die fremdgegangen ist!? Was sagt Gott über unsere Liebhaber!? Über die Dinge, die wir verehren. Den Fernseher, einen Star, eine Ansicht, eine Gewohnheit, ein tolles Auto...

In dieser Geschichte sagt Gott etwas ganz Tolles und Wunderbares zum Schluss. Er sagt: "Ich will immer, immer bei Dir bleiben! Immer Dein sein! Ich werde Dir alles vergeben!"

Sein Urteilsspruch lautet anders als der von uns Menschen. Gott versteht sich als Liebhaber für uns Menschen, nicht als Richter. Und Jesus ist Mensch geworden, um uns, um Dir seine Liebe zu zeigen. Gott verurteilt nicht, Gott stößt uns nicht von ihm weg. Nein, er bleibt uns treu!

Diese Geschichte ist aber immer noch nicht zu Ende. Sie geht weiter, heute weiter, in Deinem Leben, in Deinem Leben und in meinem Leben geht sie weiter. Die Frage ist nur, wie sie weitergeht...

Es hängt von der Antwort ab, die Du diesem Liebhaber, diesem Gott geben willst. Was antwortest Du!?

Sagst Du ja zu Gott!?

Amen