Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Thema: „Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus“

Pastor i. R. Karl Heinz Voigt (EmK)

08.10.2011 im Bildungszentrum Elstal bei Berlin

anlässlich der Jahrestagung des Vereins für „Freikirchenforschung“

Zur Andacht

Der Anlass

Diese spezielle Andacht richtete sich an die Teilnehmer einer Tagung des Vereins „Freikirchenforschung“. An ihr nahmen etwa vierzig Herren und Damen, Hochschullehrer, Dozenten, Seminardirektoren, Doktoranden und weitere Interessierte teil, darunter neun Vortragende, die acht verschiedene Landes- und Freikirchen repräsentierten.

 

Das Thema der Tagung („Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus“), der Tagungsort (Elstal in unmittelbarer Nähe des 1936er Olympischen Dorfes bei Berlin-Spandau) und eine vorausgehende Berliner Exkursion in die „Topographie des Terrors“ und eine fachkundige Theologenführung im „Jüdischen Museum“ gaben den Impuls zu dieser Andacht.

Die Form

Die (homiletische) Form wurde – ohne klassische Formen zu berücksichtigen – konsequent von ihrem Inhalt und Ziel her gestaltet.

Das Motiv

In der bisherigen Geschichtsschreibung konzentriert sich die Darstellung des Schuldbekenntnisses der EKD gegenüber der Ökumene auf den 18./19. Oktober 1945 in Stuttgart. Dort wurde in einer nichtöffentlichen Begegnung das Dokument vor Vertretern der Ökumene verlesen und anschließend den Teilnehmern überreicht. Theologisch ist der öffentliche Gottesdienst mindestens ebenso hoch einzuschätzen, wie die Stuttgarter Begegnung. Ökumenisch überholt er die Stuttgarter Begegnung durch Predigt eines Anglikaners und die Mitwirkung eines russisch-orthodoxen Erzbischofs (der unter den Deutschen gelitten hat) sowie der offiziellen Teilnahme von Vertretern von mindestens fünf Freikirchen, verbunden mit der Chance, auch ein Wort der Buße gegenüber ökumenischen Repräsentanten des Auslands zu sprechen.

 

Weil dieser Gottesdienst nach seinem Gewicht in der aktuellen Verkündigung kirchengeschichtlich, ökumenisch, liturgisch und auch pastoral-psychologisch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat und er gleichzeitig kirchliche Minderheiten integriert, darf er der Vergessenheit nicht anheimfallen.

 

Über die Aufnahme durch die Tagungsteilnehmer als Multiplikatoren und die Publizierung im Jahrbuch der Freikirchenforschung 2012 (darum die Anmerkungen) hinaus, ist mit der Bewerbung um den Predigtpreis vorrangig der Wunsch verbunden, diesen Gottesdienst in seiner Bedeutung besser zu verorten und ihm den Platz zu vermitteln, der im zusteht.

 

 

 

Andacht am 8. Oktober 2011 anlässlich der Jahrestagung des Vereins für „Freikirchenforschung“ zum Thema:

„Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus“

im Bildungszentrum Elstal bei Berlin

 

Zu Beginn der Andacht wird das Lied „Brunn alles Heils, dich ehren wir…“ (1-4) gesungen, das in eine ökumenische Weite führt. Der Text stammt von Gerhard Tersteegen (1697-1769), einem deutschen erwecklichen Prediger mit einer mystischen Spiritualität, gesungen wurde nach der Melodie von Loys Bourgeois (um 1500-1561), der im Umfeld des Genfer Reformators Johannes Calvin lebte, den Satz dazu komponierte Claude Goudimel (um 1514-1572) der in Frankreich bei der Hugenottenverfolgung um sein Leben gebracht wurde, und europaweit tradiert wurde es im Genfer und im Schottischen Psalter.

 

 

„… alle haben gefehlt…“

(George Bell, Bischof von Chichester, am 28. Oktober 1945 in der Berliner Marienkirche)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

liebe Tagungsteilnehmer!

 

Der 19. Oktober 1945 war jener denkwürdige Tag, an dem in Stuttgart die Begegnung des in Bildung befindlichen Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der hochrangigen Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen stattfand. Die Vertreter der deutschen Kirchen sprachen ihr Bekenntnis aus und übergaben den Gästen die „Stuttgarter Erklärung“, die später kurz „Schuldbekenntnis“ genannt wurde. Nach der Übergabe wurden noch einige Reden gehalten. Danach verabschiedeten sich die ökumenischen Gäste und in der Ratssitzung wurde die Tagesordnung wieder aufgenommen: die Unterbringung geflüchteter Ost-Pfarrer im Westen, einige rechtliche und organisatorische Fragen und abschließend ein Bericht über die „Heeresseelsorge“.[1]

 

Während die ökumenischen Gäste nach der Entgegennahme der Erklärung aus dem zerstörten Stuttgart mit Militärfahrzeugen die Heimreise antraten, fuhren der anglikanische Bischof George Bell und sein Begleiter, der methodistischer Reverend Gordon Rupp, nach Bünde in Westfalen, dem Sitz der britischen Administration.

Rupp stand unter dem Eindruck, die Übergabe der Stuttgarter Erklärung sei „einer der bedeutsamsten Augenblicke in der Kirchengeschichte“ gewesen. Zwei Beobachtungen hielt er fest: (1) Dieses Ereignis „fand jedoch in einer ungewöhnlich informellen, geschäftsmäßig nüchternen Atmosphäre statt“ und (2) der Ort des Geschehens, ein Sitzungssaal in der Württembergischen Bibelgesellschaft, machte auf ihn den Eindruck eines „ziemlich düsteren Nebengebäudes einer größeren Halle“.[2] Zu ergänzen ist, dass an der Stuttgarter Begegnung mit dem ÖRK auf deutscher Seite lediglich „Westdeutsche“ und der Berliner Bischof Otto Dibelius – und nur Landeskirchler – teilnahmen. Der Delegation des Ökumenisches Rates gehörten ausschließlich Männer aus verschiedenen protestantischen Kirchen – mit Ausnahme des Anglikaners Bell – an, die ebenfalls alle aus westlichen Ländern kamen.[3]

 

Auf diesem Hintergrund bekommt der erste große „Ökumenische Gottesdienst“ zehn Tage nach der Stuttgarter Begegnung eine herausragende Bedeutung. Er fand am Sonntag, dem 28. Oktober 1945, um 14.00 Uhr in der mit 1.600 Besuchern überfüllten, kriegsbeschädigten Marienkirche, die im Ostsektor Berlins lag,  statt. Es sprachen nacheinander Bischof der Unierten Kirche Berlins, Otto Dibelius, danach der anglikanische Bischof George Bell, dann der russisch-orthodoxe Erzbischof Alexander (Andre Lowtschij) und schließlich der pastor loci Propst Heinrich Grüber. Zur Teilnahme an dem Gottesdienst waren Vertreter der Berliner Freikirchen einladen, sogar drei Delegierte der Christengemeinschaft nahmen teil. Über den offiziellen Bericht aus dem bischöflichen Sekretariat hinaus erwähnt eine Zeitung noch die Heilsarmee. Nach dem formal wirkenden Akt in Stuttgart wurde in Berlin mit einem Gottesdienst die Tür für die innerdeutsche Ökumene mit Landeskirchen, Freikirchen und Orthodoxen geöffnet.

Hört Auszüge aus der Predigt des anglikanischen Bischofs George Bell, der durch den Internationalen Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen schon seit Jahrzehnten mit Berlin verbunden war und der sich bereits seit dem Ende des Ersten Weltkriegs als ein einzigartiger ökumenischer Brückenbauer in schwerster Zeit erwiesen hat.[4]

 

Mit großer Freude predige ich heute in einer deutschen Kirche und grüße meine Brüder und Schwestern in Christo. Ich bin hierher gekommen als ein Diener der weltweiten Kirche und vertrete den Weltrat der Kirchen.

Ich reiche euch die Hand der Bruderschaft.

Furchtbare Dinge führten zu dem Krieg;

Furchtbare Dinge wurden im Krieg getan, als die Völker wider einander kämpften.

Menschen zerstörten Gerechtigkeit  und zerstörten den Frieden untereinander, weil sie ihre Nation über Gott setzten;

und mit der Anbetung des Götzen Volk und des Götzen Rasse bestritten sie die Menschenrechte und die Rechte Gottes.

Hass trat an die Stelle der Liebe,

Falschheit an die Stelle der Wahrheit,

und die Gott als freie menschliche Wesen berief, wurden als Sachen und Sklaven benutzt.

Und jetzt ist die Ernte gekommen.

Die Wind gesät haben, haben Ungewitter geerntet,

und die die Nation mit götzendienerischer Leidenschaft anbeteten, haben Ruin und Leiden über Unschuldige und Schuldige in unerhörtem Ausmaß gebracht.

Die Bedrohung durch Krieg und die ungerechten Taten, die zum Krieg führten,

hängen noch über der Menschheit und allenthalben sind die Herzen der Menschen zerstört.

 

Wie kann die drohende Gefahr überwunden werden?

Ich weiß nur einen gewissen Weg; wenn wir ihn nur betreten wollten!

Es ist der Weg des Christus,

es ist der Weg der Vergebung und Liebe.

Vergeltung bedeutet die Straße des Todes.

Gerechtigkeit des Gesetzes allein reicht nicht aus.

Wir brauchen Gerechtigkeit u n d  Liebe.“

[Und nun kommt der Bischof, der die eigene Erfahrung der Angriffe durch V(ergeltungs)-waffen auf London mit nach Berlin brachte und der einige Tage vorher noch mit Franzosen, die unter der deutschen Besatzung gedemütigt wurden und mit Holländern, die das Leid der Fremdherrschaft ertragen mussten, zusammen in Stuttgart war, in die Marienkirche und sagt in seiner Predigt:]

„…da es a l l e n (den Deutschen u n d den Briten) an Gerechtigkeit und Liebe gefehlt hat, müssen a l l e (die Deutschen u n d die Briten) Buße tun für ihre Sünden,

die sie a l l e (die Deutschen u n d die Briten)  begangen haben.

Dann wird a l l e n (den Deutschen u n d den Briten) die Versöhnung zu Füßen des Kreuzes geschenkt werden.

 

Und wenn Christus der einzige Weg ist, die Bedrohung durch Krieg und Grausamkeit zu überwinden, dann ist die weltweite Kirche Christi solche eine Gemeinschaft, die die Schranken der Völker überwindet.

Dann ist hier kein Jude noch Grieche,

Beschneidung noch Unbeschnitten sein, Barbar, Skythe, Sklave oder Freier.

Sondern Christus ist alles in allen.

 

Weil ich überzeugt bin von der Wirklichkeit der Universalität, [die sich im Weltrat der Kirchen darstellt,]

vertraue ich darauf, dass die Kirchen der ganzen Welt mit den Kirchen in Deutschland zusammen arbeiten werden für die Wiedergenesung Deutschlands

und für seinen Glauben an Gott,

seinen Glauben an die Menschheit

und seinen Glauben an sich selbst;

und daß sie[die Kirchen der Welt] bis an den Rand ihrer Kräfte zur Hilfeleistung für Deutschland in seinem augenblicklichen bitteren Elend bereit sein werden und ebenso zur Hilfeleistung an allen notleidenden Ländern nach Maßgabe ihrer Bedürftigkeit.

 

Möge Gott uns noch einmal alle zusammenführen in Christo, der unser Friede ist.

Amen.“[5]

 

Einen besonderen Akzent bekommt dieser Gottesdienst im zerstörten Berlin mit den ausgemergelten und hungernden Menschen durch eine anschließende Begegnung.

Nachdem kein Vertreter einer Freikirche in Stuttgart anwesend sein konnte, kam es nach dem „Ökumenischen Gottesdienst“ zu einer Begegnung von ausländischen Teilnehmern des Gottesdienstes mit den Mitgliedern des „Bundes freikirchlicher Prediger in Berlin“.[6] Ort der Begegnung war eine Friedenskirche[7], wahrscheinlich war es die landeskirchliche Friedenskirche in der Ruppinerstraße 28.[8] Dort scheint die eilig gemeinsam vorbereitete, viel zu schwache Erklärung „Die Freikirchen in Deutschland und die Wiederherstellung des Lebens des deutschen Volkes“ gesprochen und  übergeben worden zu sein.[9]

 

Dass es nach der hochrangigen Begegnung zwischen den Vertretern des ÖRK und der EKD in einer geschlossenen Sitzung in Stuttgart nun in Berlin zu einem öffentlichen „Ökumenischen Gottesdienst“ kam, war ein zweiter Schritt von erheblicher Bedeutung. Es ist nicht zufällig, dass die Gäste aus einem Land mit einer erhabenen anglikanischen Gottesdienstkultur der Erinnerung an den Gottesdienst in der Marienkirche noch mehr Bedeutung beigemessen haben, als der nüchternen Stuttgarter Begegnung, die offensichtlich ohne Lied, ohne Gebet und ohne eine Geste der Zuwendung stattfand.[10] Vielleicht war das noch der nüchterne Nachklang einer staatskirchlichen Vergangenheit mit einem kirchlichen, durch den Staat berufenen Beamtenapparat, mit Bürokratie und juristischen Verfügungen von „Kirchenregierungen“.

George Bell schrieb noch 1945 unter ausdrücklicher Einbeziehung des „Ökumenischen Gottesdienstes“ in der „Russischen Zone“: „Der Höhepunkt unseres Besuchs [in Deutschland] war die Zeit in Berlin.“[11].

 

Gott sei Dank für solche Männer wie die Brüder aus der Ökumene, die 1945 wieder auf unsere Kirchen zugekommen sind und für Männer wie George Bell, der unaufhörlich darum geworben hat, in Deutschland und – unter Widerspruch – auch in England, die „Solidarität der Schuld“[12] anzuerkennen, weil dieses der Weg des Christus ist.

Amen.

 

Gebet:

 

Gnädiger Gott,

wir danken dir für Männer und Frauen,

die Brücken bauen, wo sie zerbrochen sind,

            die Versöhnung leben, wo Verbitterung trennt,

            die auch da einen neuen Anfang wagen, wo alles aussichtslos zu sein scheint.

 

Wir bitten dich, lass uns selber solche Menschen sein,

            in unseren Gemeinden und Kirchen,

            zwischen unseren Kirchen,

            unter unseren Nachbarn und Freunden

            und in den Institutionen unserer Gesellschaft.

Amen.

 

Stehend singen wir die trinitarische 5. Strophe als unser gemeinsames Gebet:

Gott, Vater, Sohn und Heil´ger Geist,

o Segensbrunn, der ewig fließt:

Durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl,

mach uns deins Lobs und Segen voll![13]


[1] Die Protokolle des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, bearb. v. Carsten Nicolaisen u.a., Bd. 1, 1945/46, Göttingen 1995, 23-54. Vgl. auch Gerhard Besier/Gerhard Sauer, Wie Christen ihre Schuld bekennen. Die Stuttgarter Erklärung 1945, Göttingen 1985, 33.

[2] Ernest Gordon Rupp, Die Stuttgarter Erklärung – ein Rückblick (The Stuttgart Declaration and after). Typoskript von E. Gordon Rupp, Zentralarchiv der EmK Reutlingen.

Die Ratstagungen hat innerhalb des stark zerstörten Stuttgarter Zentrums in verschiedenen Gebäuden stattgefunden. Dadurch waren im Rückblick auf das Ereignis Unsicherheiten über die wirklichen Ort des Geschehens entstanden. Das Landeskirchliche Archiv Stuttgart recherchierte 1974 bei noch lebenden Teilnehmern, u.a. Hanns Lilje und Martin Niemöller. Die verschiedenen Antworten brachten eine verwirrende Unsicherheit zu Tage. Allerdings konnte Martin Niemöller aus seinem Tagebuch zitieren. – Dazu: Landeskirchliches Archiv Stuttgart Best. A 126 Nr. 351. Der nachträgliche Vorgang zeigt, wie wichtig neben dem gottesdienstlichen Geschehen die Markierung eines – hier gottesdienstlichen –  Ortes zur dauerhaften Verinnerlichung eines bedeutsamen Aktes in der Geschichte ist, wie ihn danach die Marienkirche bot.

[3] Der deutschen Delegation gehörte kein Freikirchler an, während mit Bischof George Bell der Methodist E. Gordon Rupp kam. Zu Rupp: BBKL, Bd. 8 (1994), 1031-1034.

[4] Edwin Robertson, Unshakeable Friend. George Bell an the German Churches, London 1995.

[5] Kurt Anschütz, Befreiung – Besetzung – Versöhnung. Die Arbeit ausländischer Christinnen und Christen nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, Berlin 2001, 52f.

[6] Es konnte bisher nicht ermittelt werden, wer auf Seiten der Ökumene und wer von den Freikirchen daran teilgenommen hat. Es ist die Rede von einem „Freikirchentag“ (die übliche Bezeichnung der halboffiziellen Zusammenkünfte), in dessen Rahmen die Begegnung stattfand. Es scheint so, als seien einige „Abgeordnete“ – so die Pressemeldung aus dem bischöflichen Büro – in den „Ökumenischen Gottesdienst“ offiziell eingeladen gewesen. Natürlich konnten nicht alle freikirchlichen Pastoren aus Berlin einen Platz beanspruchen. So ist anzunehmen, dass die Teilnehmer des Gottesdienstes mit ihren ausländischen Gästen in den „Freikirchentag“ eingetreten sind.

[7] Es gibt verschiedene Friedenskirchen der Freikirchen.

[8] Günter Balders hat mir geholfen, diesen Gedanken zu festigen, denn diese Friedenskirche liegt der Marienkirche verhältnismäßig nahe. Sie wurde zu dieser Zeit gastweise von der Evang.-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Berlin-Wattstraße benutzt, deren eigenes Gebäude im Krieg zerstört worden war. Ich danke G. Balders für die Unterstützung bei meinen Recherchen.

[9] Text in: Karl Heinz Voigt, Schuld und Versagen der Freikirchen im „Dritten Reich“. Aufarbeitungsprozesse seit 1945, Frankfurt/M., 2005, 80f. Der vorliegende Text erweckt den Eindruck, als sei er kurzfristig und ohne längere Debatte von einer aus dem sächsischen Zweig der Methodistenkirche kommenden Vorlage weitgehend übernommen. Bei der Formulierung kann den Verfassern der Wortlauf, vielleicht nicht einmal die Tatsache der Stuttgarter Erklärung bekannt gewesen sein. Auch im Berliner Ökumenischen Gottesdienst wurde sie aus innerdeutschen Rücksichtnahmen nicht verlesen! Bischof Dibelius, der die EKD-Erklärung selber mit gestaltete, hat sie seinen Pfarrern erst im Januar 1946 übersandt.

Die von den Berliner Freikirchlern übergebene „Erklärung…“ konnte in der Kürze der Zeit und unter den damaligen Korrespondenzbedingungen von keiner Kirchen- oder Bundesleitung der beteiligten Freikirchen bestätigt werden. – In den bisher erreichten Quellen ist auch keine Bezugnahme auf diesen Text gefunden worden. Dagegen hat die offizielle „Erklärung…“ der damaligen Methodistenkirche vom 5./6. Dezember 1945, die gegenüber Bischof Gerald Bromley Oxnam, dem zu jener Zeit Vorsitzenden des weltweiten Bischofsrates (Council of Bishops) und zu jener Zeit ebenfalls Präsident des National Council of Churches of Christ in America, abgegeben wurde, öffentliche Beachtung gefunden. Vgl.: u.a. Stewart W. Herman, The Rebirth of the German Churches, New York 1946, in deutscher Übersetzung: Die 7000 Zeugen, München/Berlin 1952, S. 119f. und E. Gordon Rupp, Unsere methodistische Einheit (Predigt in Delmenhorst/Oldb.), in: Der Evangelist, 98. Jg. (1947), S. 83.

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[10] Es wäre eine interessante Untersuchung, herauszufinden, welchen Einfluss die staatskirchliche Erfahrung von Kirchenleitung unter Konsistorien mit Theologen und Juristen, sowie unter „Kirchenregierungen“ auf die Spiritualität auch in diesem Fall möglicherweise hat.

[11] “The culmination of our visit was the time in Berlin. […] There was an ecumenical service in the big church in the Russiona zone.” Bericht George K. A. Bells über seine Deutschlandreise vom 18. bis 30. Oktober 1945 an World Council of Churches –Meeting November 14th. In: Clemens Vollnhals (bearb.), Die evangelische Kirche nach dem Zusammenbruch. Berichte ausländischer Beobachter aus dem Jahre 1945, Göttingen 1988, 242-233 (233).

[12] Die Formulierung „solidarity of guilt“ haben die versöhnungsbereiten Briten eingebracht. Es lässt sich nicht anders deuten als dass durch deren Verwendung auf deutscher Seite in der britischen, weniger versöhnungswilligen Öffentlichkeit eine empörte Diskussion begann, die bis in die Sendungen des BBC reichte.

[13] Mit diesem Lied wurde der „Ökumenische Gottesdienst“ am 28. Oktober 1945 zweisprachig begonnen. Es wurde für die Andacht im Bildungszentrum Elstal auf dem Liedblatt ebenfalls zweisprachig  vervielfältigt.

Nach der Andacht wurde den Teilnehmern eine Kopie des zweisprachigen Programms vom Berliner „Ökumenischen Gottesdienst/Ecumenical Service“ ausgehändigt.