Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Welttag des Buches

Andrea Emmel

23.04.2009 in HR 2 Kultur - Zuspruch am Morgen

„Ein Buch darf die Dinge nicht offenbaren, ein Buch soll einfach nur helfen, sie zu entdecken.“ So denken die Orientalen. Wie denken wir über Bücher? Hierzulande sind sie ein hochgeschätztes Kulturgut. Heute am Welttag des Buches wird überall gefeiert, mit Lesungen und Vorträgen. Aber ganz persönlich - was bedeuten Ihnen ihre Bücher? Ich bin jedenfalls eine Bücher-Liebhaberin. Ich liebe Kinderbücher. Ich lese gerne. Und dich kann mich nur schwer von Büchern trennen. Bücher sind für mich manchmal kleine Fluchten im Alltag, oder sogar ständige Begleiter auf dem Lebensweg. Manche Bücher lese ich immer wieder. Das sind die Bücher, die mich zum Nachdenken anregen, die meine Phantasie beflügeln, die mir bei Problemen im Alltag auch mal einen geistigen Schubs geben. „In diese Richtung kannst Du auch mal denken,“ das ist ihre Botschaft.   Aus dem gleichen Grund, kann ich mich Mit Ratgeber-Büchern nicht so recht anfreunden. Wenn ich durch die Buchhandlungen gehe, dann denke ich manchmal, dass ich mein ganzes Leben mit Ratgeber-Literatur durchorganisieren könnte: die Schule, die Partnerwahl, mein Essen, meine Finanzen, meinen Garten nach Feng-Shui-Regeln anlegen, meine Kleidung nach Farbtafeln einkaufen, und schlussendlich kann ich noch ein Buch kaufen, das mir hilft, alle überflüssigen Bücher wieder auszumisten. Ich glaube, da gefällt mir die orientalische Einstellung besser: ich möchte selbst entdecken. Ich möchte Bücher lesen, die meinen Horizont erweitern, die mich auf neue Ideen bringen. Ich möchte mein Leben nicht nach Kochrezepten leben. Deshalb bedeutet mir auch die Bibel sehr viel. Weil sie überhaupt nicht mit simplen Lebensweisheiten daherkommt. Sie will zwar Gott offenbaren, aber ich muss ihn selbst entdecken. In den Glaubenszeugnissen der Vergangenheit. Vor Tausenden Jahren haben Menschen von Gott und seinem Sohn Jesus erzählt. Andere haben aufgeschrieben, was sie geglaubt haben. Wenn ich heute die biblischen Geschichten lese, dann überlege ich mir, was sie für mich bedeuten. Was bedeutet es, wenn Jesus sagt: „Sammelt Euch nicht Schätze auf der Erde, die Motten und Würmer zerfressen können. Sammelt euch Schätze im Himmel.“ Was bedeutet diese Aussage für mein Leben? Ich habe eine Familie, Ich kann also nicht wie der Heilige Franziskus bettelarm durch die Gegend ziehen. Ich muss doch vorsorgen. Aber die derzeitige Krise zeigt, dass viele Schätze wertlos werden können. Wer viel Geld und zeit in Aktien investiert hat, kann plötzlich vor dem Ruin stehen. Was sind also die schätze, die sich zusammeln lohnen? Wenn ich zum Beispiel viel Zeit mit meiner Familie verbringe, wenn wir zusammen spielen, gemeinsam etwas kochen oder einfach nur Zeit haben zum reden. Jeder kann für sich selbst diese Schätze entdecken, denn die Bibel gibt keine starren Regeln. Sie können immer wieder entdecken, was die biblischen Geschichten für ihr eigenes Leben bedeuten. Das macht die Bibel so aktuell und spannend, auch noch nach tausenden von Jahren. So perfekt, dass auch der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle  nichts an ihr verbessern oder ändern würde. Die Bibel kann das ganze Leben begleiten.