Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zur Konfirmation

Pfarrer Heinz Janssen

14.04.2002 in der Providenz-Kirche zu Heidelberg (Altstadt/City)

"Aufgefischt"

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Eltern und Großeltern,
liebe Geschwister,
liebe Patinnen und Paten,
liebe Festgemeinde!

Aufgefischt - in einem unerhört großen Fang, seid Ihr Konfirman-den/-innen das? Aufgefischt - einer Kirche ins Netz gegangen, an Land gezogen, und jetzt zappelt ihr in ihren Fangnetzen, der Frei-heit und Lebendigkeit beraubt? - Ich hoffe nicht! Vielmehr stelle ich es mir so vor: aufgefischt aus einem trüben, undurchsichtigen Wasser der Orientierungslosigkeit.

I.

"Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten" (Psalm 43,3), so lautet Dein Konfirmationsspruch, Irenah, den Du Dir ausgesucht hast, ein Wunsch, eine Bitte. Und Dein Konfirmationsspruch, Jan-Philipp, ein Aufruf zur Beherzigung: "Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet" (Johannes 12,36). Geleitet von Licht und Wahrheit braucht niemand von Euch im Trüben fischen - Gottes Liebe, seine Zuwendung zu den Menschen zeigt sich in den Weg weisenden Beispielen, die in der Bibel festgehalten sind; gedeutet als sein Wort und ausgelegt und gelebt durch Jesus von Nazareth werden sie zum Licht in den Wirrnissen unseres Menschenlebens, ein Licht, mit dem sich wahres Leben finden lässt. Der Fisch wurde zum Symbol in den ersten christlichen Gemeinden, weil die Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch ein Bekenntnis ergaben: JESUS - CHRISTUS - GOTTES SOHN - RETTER.

Aufgefischt, gerettet, darum auch aus der Verlorenheit - in Jörg Zinks Bibelübersetzung hat Jesus zu Petrus - wir hörten von ihm in der Schriftlesung - gesagt: Von jetzt an wirst du Menschen bergen. Das heißt: da wird jemandem die Hand gereicht, eine rettende, keine fangende Hand, einem Menschen, dem das Wasser bis zum Hals steht, der auf der offenen See des Lebens in Not geraten ist. Ihr werdet diese Hand in Eurem Leben brauchen, und Ihr habt ein Versprechen, den Zuspruch Gottes: Gott zieht seine Hand nicht von Euch weg.

II.

In Deinem Konfirmationsspruch, Claudia, und auch in deinem, Benjamin, spricht Gott: "Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst" (1.Mose 28, 15). Damit wird gesagt: Gott ist an deiner Seite und zwar auf allen deinen Wegen, in den Höhen und Tiefen des Lebens. Diese Zusage bekommt noch eine Verstärkung in dem Konfirmationsspruch, den Ihr Euch, Jessica, Paula, Martin und Tobias, ausgesucht habt: "Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen" (Psalm 91,11). Ein Gott, der seine himmlischen Boten in Bewegung setzt und an Eure Seite stellt - diese Aussage und Beschreibung von Gott, birgt eine große Hoffnung, in dem Meer der Möglichkeiten nicht verloren zu gehen.

III.

Aufgefischt seid Ihr, auch um zu handeln. Springlebendig wie Fische, Gaben und Talente nutzen, welche Euch geschenkt wurden. Dein Konfirmationsspruch, Philipp, spricht von den Möglichkeiten, die Du in Deinem Leben haben kannst: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen" (Psalm 18,30). Ich kann gute Ziele gegen Widerstände erreichen, ich kann Mauern zwischen Menschen über-springen, Mauern, die Trennung heißen, was auch immer Menschen voneinander trennen mag. Ich kann auf die andere Seite der Mauer gelangen, die Menschen dort kennenlernen, gleichsam hinter die Dinge schauen - welche Möglichkeiten! Dein Konfirmationsspruch, David, bekräftigt diese Aussage: "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit" (2.Timotheus 1,7).

Menschen strahlen ihre innere Haltung aus, wir können sie wahr-nehmen und spüren. Ist sie mit Kraft verbunden, von Liebe und Besonnenheit geprägt, so sind solche Menschen ein Segen für sich selbst und für die Menschen, denen sie begegnen. Ihr Handeln und Tun orientiert sich an dem, was Jesus in der Bergpredigt sagte, Worte, die Du, Felix, Dir als Konfirmationsspruch ausgewählt hast: "Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen" (Matthäus 5,9).

IV.

Gottes Gnade und sein Friedensbund mit uns sind unerschütterlich. Unser Blick in die Geschehnisse der Welt zeigt, wie bedroht, wie zerbrechlich und gefährdet der Friede ist. Vergesst nie - zu diesem Bund gehören Gott und die Menschen, ja seine ganze Schöpfung, hier liegt unsere ganz persönliche Verantwortung. Gott hält seinen Bund, wie es Dein Konfirmationsspruch, Gina, sagt: "Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht Gott, dein Erbarmer" (Jesaja 54,10). Diese Zusage gab Gott seinem Volk, das in Gefangenschaft geraten und verschleppt wurde. Ein Trotzdem - trotz allem, was das Leben bringt, klingt an. Ihr seid nicht aufgefischt, um am Angelhaken zu zappeln. Ihr seid aufgefischt, um im klaren, aus Gott quellenden, Lebenswasser springlebendig Eure Kreise zu ziehen - als Mitglieder dieser Kirche und Gesellschaft. Ihr sollt auf den Grund schauen können, der festen Halt gibt, und in das Licht des Himmels, das Träumen und Visionen Raum gibt. Die Lebenskraft dazu - dies lehrt uns der christliche Glaube - gibt uns Gott, wie er in Deinem Konfirmationsspruch, Luca, beschrieben ist: "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe lebt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm" (1.Johannes 4,16).

Amen