Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zur Konfirmation

Pastor Martin Funke (ev.-luth.)

18.05.2014 in der Kirche in Lenthe

Konfirmationsgottesdienst 2014

© privat

Liebe Konfirmanden,

stellt euch mal vor: Ihr bekommt heute eine Nachricht auf euer Handy von irgendjemandem, den ihr überhaupt nicht kennt, und da steht in der Nachricht: Hallo! Ich liebe dich. Willst du mit mir gehen?

Was würdet ihr da antworten? Vielleicht: Ööh! Ja, also ich weiß ja nicht … Wer bist du denn überhaupt? Und mit dir gehen, also ich weiß nicht … Sollten wir uns nicht zumindest erst mal treffen oder so? Erstmal kennen lernen? Und dann kommt die Antwort zurück: Ja, gerne! Wie wär’s mit Sonntag Morgen um 10? Oder Dienstag Nachmittag 16.45 Uhr? Oder beides?

Da könntet ihr natürlich sagen: Äh … nee … also! Sonntags muss ich ausschlafen Dienstag treff‘ ich mich immer mit meinen Freunden, und überhaupt – gleich nach der Schule … muss ich mich erstmal entspannen …

Das habt ihr aber nicht gesagt! Sondern genau das gemacht, was er vorgeschlagen hat, habt ihr in den letzten anderthalb Jahren auch gemacht: den kennen gelernt, der euch diese Nachricht geschrieben hat und bis heute auf eure Antwort, auf euer „Ja“ wartet: Gott. Er will schon lang mit euch gehen, schon bei eurer Taufe hat er es zu euch gesagt, „Ja“ zu euch gesagt. Aber er wollte natürlich auch, dass ihr „Ja“ sagt. Darum hat er sich auch Mühe gegeben. Und hat immer versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen: hat sich euch gezeigt … als Kämpfer, der sich für die Armen einsetzt im Diakonieprojekt und euch Sammelbüchsen anvertraut als Teamchef, der Menschen begeistert und zusammenführt auf der Konfirfreizeit in der Jugendherberge, der schmissige geistliche Lieder kennt, bei denen ihr manchmal mit dem Fuß gewippt habt. Als Hirte beim Psalm 23, der euch führt auch durch dunkle Täler und schwere Zeiten, als Vater, vor dem ihr sein dürft, wie ihr seid - gestern im Vorabendgottesdienst und in dessen Augen ihr toll seid, egal was andere denken! Als Motivator bei dem Jugendgottesdienst, den ihr ganz aus eigenem Antrieb selbst organisieren wolltet und es dann auch gemacht habt. Keiner hat das von euch verlangt. Diesen Antrieb, den ihr da gespürt habt, Das war er! Ja, Gott hat sehr viele Seiten. Und ihr habt euch immer wieder Zeit genommen für ihn. Habt euch immer wieder mit ihm getroffen, euch angehört, was er zu sagen hat, ihn kennen gelernt, euch vielleicht sogar mal von ihm berühren lassen?

Vielleicht seid ihr ihm auch noch in anderen Momenten begegnet - außerhalb von Kirche, Gottesdienst und Unterricht. Bloß dass ihr es nicht bemerkt habt.

Manchmal ist das ja so: Ein Bekannter läuft auf der gegenüber liegenden Straßenseite oder sogar an einem vorbei, er grüßt, sagt hallo, und wir bemerken ihn gar nicht, weil wir in Gedanken mit ganz was anderem beschäftigt sind.

Und mit Gott ist das noch viel extremer. Manchmal vergehen Stunden, Tage, manchmal auch Wochen und Monate, man ist ja nun wirklich auch mit allem Möglichen anderen beschäftigt als mit Gott. Man hat den Eindruck, man hat ihn ewig nicht getroffen, dabei ist er einem hundert Mal über den Weg gelaufen.

Habt ihr ihn bemerkt, als ihr das letzte Mal allein weinend in eurem Zimmer saßt. Und er neben euch war, geseufzt und schließlich den Arm um euch gelegt hat. Dieser Trost? Habt ihr ihn bemerkt bei der letzten Arbeit in der Schule, als ihr gerad nicht weiter wusstet und er bei euch war ganz dicht, und euch geholfen hat, da durch zu kommen? Habt ihr ihn bemerkt neulich als ihr mit dem Fahrrad hier in der Winterstraße in Lenthe langgefahren seid und extra mit Hilfe seiner Engel das Auto gebremst hat, das da von hinten angeschossen kam und euch sonst umgefahren hätte. Da hättet ihr ihn auf frischer Tat ertappen können! So oft ist er euch begegnet und hat sich gezeigt von allen möglichen Seiten.

So dass er natürlich jetzt so langsam mal von euch wissen will: Wie findet ihr mich denn so? Gefalle ich euch? Und ich bin natürlich auch gespannt. Schließlich war es auch ein bisschen meine Idee, euch miteinander zu verkuppeln! Hat’s irgendwann geknistert? Gefunkt? Wollt ihr mit ihm gehen?

Sieht zumindest so aus! Immer sitzt ihr ja nun heute hier, lasst euch konfirmieren. Ihr werdet Gottes Frage also wohl mit dem Mund mit „Ja“ beantworten … immerhin! Immerhin gibt es ja Leute, die gar nicht erst angefangen haben und sich immer gewundert haben, wo ihr hingeht Dienstag Nachmittag vielleicht auch gefragt haben: Warum macht ihr das eigentlich? Aber ihr sitzt hier und sagt heute „Ja“ zu ihm.

Aber antwortet ihr ihm das auch „innerlich“? Sagt euer Herz womöglich etwas anderes als eure Lippen „Gott, geh weg. Ich mag deine Musik nicht, ich mag nicht was du laberst da in der Bibel, diese komischen Gedichte, von denen du so schwärmst, Glaubensbekenntnis, Psalm 23 … find ich voll doof. Du bist langweilig. Du bringst mir nichts im Leben! Das wird nichts mit uns beiden.“

Gehört ihr mit anderen Worten womöglich zu denen, die nur hier sitzen wegen des Geldes. Solls ja geben, ziehen sich die tollsten Klamotten an, sagen „Ja, ich will“, dabei leuchten ihnen schon die Euro-Zeichen in den Augen. Aber ich weiß nicht: Mit jemandem nur scheinbar was anzufangen wegen des Geldes!? Kann ich mir nicht vorstellen – oder?

Immerhin habt ihr ja auch In einem offenes Bekenntnis das wir hier in die Kirche gehängt haben, Worte geschrieben, zu denen euch keiner gezwungen hat: Euer Konfi-Credo, in dem ihr sagt: „Wir glauben, dass Gott unsere Wege leitet.“

Und ihr habt Bilder gemalt, in denen etwas davon durchscheint, wie ihr ihn euch vorstellt. Gut, es war eine Auftragsarbeit. Aber bei manchen von euch hab ich ein Glänzen in den Augen gesehen, als sie das Bild vorgestellt haben. Ein bisschen wohlige Wärme in der Stimme hab ich auch bei einigen von euch gehört, als ihr von ihm gesprochen habt.

Und ihr habt euch Konfirmationssprüche gewählt, die Sympathie für Gott zum Ausdruck bringen. „Gott hat den Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ „Wie sich der Himmel über die Erde wölbt, so umgibt Gottes Liebe alle, die ihm vertrauen.“ Sprüche, die ihr nicht alle auswendig könnt, aber ich habe das Gefühl: euch inwendig etwas bedeuten.

Vielleicht sagt da ja doch nicht nur euer Mund, sondern auch euer Herz, „Ja, ich möchte mit dir gehen,“ weil ihr fühlt: Ja, ich möchte mit dem guten Gefühl ins Leben gehen, da ist noch einer über mir. Da ist noch einer über mir, der seine Hand über mich hält und ich glaube, dass er für mich da ist und mich schützt. Ich möchte mit dem guten Glauben ins Leben gehen, ich geh nicht allein durch die stressigen Zeiten mit Eltern und Freunden, Krisen, die mir im Leben noch bevorstehen, sondern da ist tatsächlich einer neben und bei mir, der mir hilft, da durch zu kommen auch in den dunkelsten, dunkelsten Zeiten. Ich möchte mit dem guten Glauben ins Leben gehen, diese Welt, in der wir leben, da hat jemand Kontrolle und Plan trotz Ukrainekonflikt, Kriegsgefahr, Klimakatastrophe u.s.w. Ich kann hoffnungsvoll leben und mit Gottvertrauen. Ich möchte mit dem guten Glauben ins Leben gehen, da ist einer, der mich liebt und zu mir hält. Da komme, was wolle, der noch für echte Treue steht in einer Zeit, in der so viele Paare auseinander laufen. Ich möchte mit der guten Hoffnung ins Leben gehen: Ich bin kein Exot, wenn ich mich über menschliches Unrecht beschwere und mich für Schwache einsetze. Ich habe ihn auf meiner Seite und er stärkt mir den Rücken. Ich möchte diese Hoffnung, dass das wahr ist, nicht gleich draußen an der Kirchentür ablegen, wenn ich konfirmiert bin und raus gehen, und dann war’s das, sondern ich möchte sie mitnehmen. Denn das heißt mit ihm gehen. Vielleicht ist es ja das, was ihr im Herzen wollt.

Hallo! Ich liebe dich. Willst du mit mir gehen? Fragt Gott euer Herz heute. Antwortet es Ja? Schon vor euch haben viele „Ja“ gesagt zu Gott. Sie haben unterschiedliche Eindrücke von ihm. Und „Ja“ gesagt haben sie auch aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber viele von ihnen haben sich zusammengetan zum Club derer, die mit ihm gehen wollen, warum auch immer und haben sich Kirche genannt. Ihr gehört auch dazu.

Und da gibt es viele Leute, die sagen: Kirche ist unwichtig oder hat sich überholt. Es steht ganz unten auf ihrer Prioritäten-Liste oder spielt gar keine Rolle mehr. Kirche für viele gehört zu den Dingen, für die man sich normaler Weise nicht weiter interessiert: soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Werte u.s.w. mit anderen Worten: zu all dem, was Männer gern zusammenfassen mit dem schönen deutschen Wort Gedöns.

Und es gibt die, die sagen: Das ist mir wichtig, und ich bin auch gern in der Kirche. Und wisst ihr, welche die Leute sind, die am meisten von der Kirche haben und denen Kirche am meisten Spaß macht?

Die Kirchensteuerzahler, die nur zahlen und sonst nichts davon haben? Wow, ich freu mich jeden Monat fünfzig Euro weg! Hoffentlich machen die was draus! Nein!

Die Mitglieder, die sagen Gottesdienst, nein danke, aber Kirche? Ja, die steht noch für das gute. Die sagt wenigstens was gegen Waffenhandel gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen Abschiebung, setzt sich für Flüchtlinge ein. Nein!

… sondern die, die mitmachen. Da könnt ihr jeden fragen! Kirchenvorsteher, Teamer, Ehrenamtliche … Warum? Weil es mit der Kirche genauso ist wie beim Kuchen und beim Brot: Selbst gebacken schmeckt immer am besten! Und Kirche dann am meisten Spaß macht, wenn wir sie selbst gestalten. Und ich hoffe, dass ihr eure Träume von einer guten Kirche, die ihr habt, nicht für euch behaltet, sondern sie lebt, so wie ihr das bei eurem selbstgemachten Jugendgottesdienst schon gemacht habt. Willkommen in unserer Kirche mit euren Ideen und Gaben!

Ich wünsche euch, dass ihr von Herzen „Ja“ sagen könnt zu dem Gott, der mit euch auf eurem Weg gehen wird und sich wünscht, dass ihr ihn dort bemerkt und Kontakt zu ihm haltet. Und ich wünsche euch, dass eure, unsere Gemeinschaft Kirche durch euch stark bleibt als lebendige Glieder, die sich bewegen. Gottes Segen für euch!

Amen.