Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zur Verabschiedung von der Pfarrgemeinde nach 27 Jahren

Pfarrer Christoph Kronast (rk)

24.07.2010 in Kirchanschöring

Wenn ich mit diesem Gottesdienst zurückschaue auf die 25 Jahre in Kirchanschöring und gleichzeitig in die Zukunft blicke, könnte ich mir kaum ein besseres Bild vorstellen als das erste Gleichnis des heutigen Evangeliums: das Gleichnis vom Schatz im Acker. Mit dem Bild des Ackers bin ich auch aufgewachsen, wir hätten uns damals gewünscht, einen gro-ßen Schatz zu finden, aber es gab nur manchmal Steine zu klauben auf unseren paar Äckern.

Manchmal hat man auch als Pfarrer den Eindruck, es seien eher Steine als Schätze zu finden auf dem Äckern der Seelsorge, aber wenn ich ein bisschen nachdenke, fallen mir eine ganze Reihe von Schätzen ein, die ich im Lauf des Lebens entdeckte und mir auch im Glauben oder mit dem Dienst in der Kirche erwerben durfte. Sie sind es wert viel aus- oder herzugeben, viel Zeit und Kraft zu investieren. Viele dieser Schätze haben freilich die Eigenschaft, dass wir sie uns als Christen immer wieder neu erwerben müssen, damit wir ihren wahren Wert erfahren. Einige dieser Schätze möchte ich nun mit euch anschauen.

Als erstes möchte ich den Schatz nennen, an den wir am Anfang des Gottesdienstes schon zeichenhaft erinnert haben. Den Schatz der Taufe. Oft durfte ich in den vergangenen 25 Jahren die Taufe spenden, auch einigen Schulkindern und 5 Erwachsenen. Da denkt man selber darüber nach, welch großes Geschenk es ist, ein Geschenk auch, dass alle großen christlichen Kirchen gegenseitig anerkennen. So war es für mich auch eine schöne Sache, als wir im letzten Herbst am Reformationstag eine ökumenische Tauferinnerung halten können. Ich danke allen, die uns spüren lassen, wie unschätzbar schön es ist, ein Christ zu sein.

Der zweite Schatz, den ich nennen möchte, ist das Wort Gottes, die Heilige Schrift. Ich glaubte schon viel davon entdeckt zu haben, als ich vor 40 Jahren mein Theologiestudium abgeschlossen hatte, aber ich habe gemerkt, dass ich mit dem Entdecken nie fertig werde. Mit jeder Schriftlesung, mit jedem Predigtvorbereitung habe ich immer wieder Neues ent-deckt. Ich muss freilich auch gestehen, dass sich manchmal lange gebraucht habe, bis ich dies und jenes Wertvolle in der Heiligen Schrift entdeckt habe, aber ich kann so manchen dankbar, die mir das Wort Gottes erschlossen haben. da denke ich besonders an den gebürtigen Laufener Pfarrer Josef Brandner, der vor im vergangenen Oktober verstarb, oder an meinen Primizspruch: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“.

Ein dritter Schatz ist gerade für mich als Priester eine besondere Aufgabe und eine schöne immer wieder zu machende Erfahrung, die Eucharistie mit der Gemeinde feiern zu dür-fen. Aber dieser Schatz ist ja kein Privileg des Priesters, sondern für alle in der Kirche. Es ist eine bleibende Herausforderung, die Eucharistie so zu feiern, dass sie allen ein Ge-schenk wird und alle spüren, dass sie einerseits den Leib Christi empfangen, und andrer-seits der Leib Christi sind. „Empfange, was du bist und werde, was du empfängst: Leib Christi!“ sagt Augustinus. So war ich immer wieder darum bemüht, deutlich zu machen, dass es ein unschätzbar großes Geschenk ist, nicht nur in die Messe zu gehen, sondern Kommunion, Gemeinschaft, mit Christus zu empfangen. Im Lied Ave verum des Chores wird es noch besonders angesprochen.

In der heiligen Messe wird uns auch ein Schatz zuteil, den wir auch sonst ganz persönlich und in Gemeinschaft pflegen dürfen: das Gebet. Überaus reich ist der Gebetesschatz, der uns in der Bibel überliefert ist (Psalmen), den uns andere aus ihrem Glauben heraus hin-terlassen haben, und den wir selber entdecken und formulieren können. Besonders ist na-türlich das Lied zu erwähnen, von dem es heißt: Wer singt, betet doppelt. Und es ist wirk-lich so, ich habe jetzt bei meinem Aufenthalt in Polen den Text der Lieder nicht verstan-den, aber trotzdem als Gebet empfunden. Ich danke für das Gebet hier in der Gemeinde und für das geistliche Lied der Chöre.

Ich habe schon von Kommunion, Gemeinschaft gesprochen. Die Gemeinschaft der Kir-che ist selber ein unermesslicher Schatz, hier in den Pfarrgemeinden, im Erzbistum und in der ganzen Welt. Kirche bedeutet, miteinander den Glauben zu leben und weiterzugeben. Bei vielen Anlässen ist es spürbar, wie verbindend und stärkend der Glaube ist, und das kann man auch in den Verbindungen mit anderen Völkern erleben, wie wir es durch die Kontakte nach Polen, Indien, Südamerika und Afrika praktizieren. Diese Kontakte erwei-tern den Horizont und lassen die katholische Kirche, was ja nicht die Konfession, sondern weltweit bedeutet, deutlich werden.

Damit möchte ich als letztes einen Schatz nennen, der millionenfach vorhanden ist. Dazu habe ich eine Geschichte gefunden. Ein Schüler kam auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ins Kloster. „Was willst du in einem Kloster? fragte ihn der Meister. „Warum kümmerst du dich nicht um den Schatz in deinem eigenen Haus?“ „Was ist min Schatz?“ fragte der Schüler. „Der da fragt, ist dein Schatz“, antwortete der Meister: “Du bist es selbst!“ Der Schatz in uns, aber auch in anderen. Liebende sagen zueinander: ´Mein Schatz´ und bemühen sich, diesen Schatz immer mehr zu entdecken. In der Seelsorgearbeit ist es manchmal schwer, die Grenze zu finden zwischen dem, was man anderen zutraut und dem, was ihnen zu viel ist. Deshalb ist es wichtig, dass jeder selber sich als Schatz entdeckt, den es zu erwerben gilt oder sich von Mitmenschen entdecken zu lassen. Und ich bin dankbar, welche Schätze ich in der Pfarrei entdecken durfte. Ich darf sagen: Ihr seid ein Schatz. Man könnte es auch mit dem anderen Gleichnis sagen: Ihr seid wahre Perlen)

Diesen Schatz recht zu schätzen, ist auch in der Kirche ganz wichtig, und so war es mir ein Anliegen, dass das Volk Gottes, das königliche Priestertum aller Getauften auch deutlich wird.

Der Heilige des heutigen Tages, mein Namenspatron Christophorus, wollte nach der Le-gende im Grunde auch den größten Schatz finden, dem Stärksten der Welt dienen. Am Schluss fand er heraus, dass er dem Stärksten diente, wenn er Menschen über den Fluss trug. Dabei machte er die entscheidende Erfahrung: Das Kind, das ihn trug, wurde ihm immer schwerer und er schaffte es gerade zum Ufer. Jesus sagte ihm, dass er den Herrn der Welt getragen habe. Auf diesen Herrn ließ er sich ein und wurde getauft.

Die Erfahrung ist in der Seelsorge nicht selten: dass der Dienst an den Menschen manch-mal schwer wird, manchmal lästig, belastend wird. Aber wenn ich es als Dienst an Chri-stus sehe, dann kann man vieles tragen, ja ich spüre mich oft selbst von Gott getragen. Und viele sind es, die mittragen.

Christusträger können wir alle sein, Schatzsucher sollen wir sein, und ich möchte uns allen wünschen, dass wir immer mehr den unermesslichen Schatz des Reiches Gottes entdecken und uns freuen über den unschätzbaren Wert, zu Christus zu gehören.