Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigtcollage zu Römer 8,18-25 und Bachkantate 138

Pastor Andreas Brummer

13.11.2005 in der Nikodemus-Kirche in Hannover

Predigt im Kantatengottesdienst

Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit
- ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -,
doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden
von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben,
seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.
Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung.
Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung;
denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?

1

Hoffnung bläst der Sorge ins Gesicht.
Wirft einen neuen Ton in die Luft
Auf Gott steht meine Zuversicht
Mein Glaube lässt ihn walten.

Hoffnung bläst der Sorge ins Gesicht.
Denn ich bin überzeugt, dass dieser Welt Leiden
nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.

Hoffnung bläst der Sorge ins Gesicht.
Wirft einen neuen Ton in die Luft.
Der nimmt sich Raum.
Weitet sich zum Himmel.
Und bekommt von dort seinen vollen Klang.

Da komponiert ein Kantor Kantate um Kantate.
Da schreibt ein Apostel Blatt um Blatt.
Hoffnungstöne, Hoffnungsworte.
Sie wirken weiter.
Hoffnung bläst der Sorge ins Gesicht.
Erträumt ein neues Leben.  

Wirkungen.
Da steht ein Baptistenpfarrer in Washington vor dem Lincoln-Memorial und lässt seiner Hoffnung weiten Raum: der Hoffnung, dass die Bank der Gerechtigkeit nicht bankrott ist. Der Hoffnung, dass Freiheit möglich ist, auch ohne den Kelch der Bitterkeit und des Hasses zu trinken. Der Hoffnung, dass die Welt nicht so bleiben muss, wie sie ist. I have a dream ...
Ich habe einen Traum ... Ich habe den Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen ...

I have a dream ...
50 Jahre nach ihrer Verhaftung, weil sie in Montgomery im US-Staat Alabama einem Weißen im Bus ihren Sitzplatz verweigert hatte, wird Rosa Parks im Oktober 2005 nach ihrem Tod als erste Frau im Capitol aufgebahrt und wehen ihr zu Ehren alle Flaggen des Landes auf Halbmast.
I have a dream ...
Wir brauchen Träume,
damit die Welt nicht so bleiben muss,
wie sie ist.  

Dass Gott erbarm!
Ich bin arm,
Mich drücken schwere Sorgen
vom Abend bis zum Morgen.

Sorgen pflegen Träume zu zerbrechen.
Ziehen die Hoffnung immer wieder auf den Boden zurück.
Halten uns fest. Wandeln Träume zu Albträumen.
Das Leben selbst legt nach:
Das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden?
In unseren Tagen werden die verwahrlosten Kinder Hamburgs offenbar.
Und es schnürt einem die Kehle zu.
Wir brauchen Träume, starke Träume,
die dem Grauen unserer Tage ihr Licht entgegenhalten.
Wir brauchen die Hoffnung, dass die Bank der Gerechtigkeit auch heute nicht bankrott ist
und dass die Barmherzigkeit das stumme Meer der Gefühllosigkeit noch einmal neu bewegen wird.

4

I have a dream ...
schreibt auch Paulus, der Apostel.
...ich bin überzeugt, dass dieser Welt Leiden
nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.

So schreibt er an gegen Grauen und Not, gegen Leiden und Angst.
Haltlos klammert er seinen Traum am Himmel fest.
Zieht er Strippen und Bänder zur Erde.
Eine verwegene Konstruktion. Zum Kopfschütteln ist das.
Aber Träumer sind verwegene Leute.
Sind Phantasten einer Zukunft, die heute noch keiner kennt.
Nehmen das eigene Seufzen zum Anlass, von der Freude zu singen.
Wagen den Sprung in neues Land, wo der Boden unter den Füssen wegbricht.
Hämmern Steine der Hoffnung aus dem Berg der Verzweiflung.
Und sie beten ihr Vaterunser an gegen die Sorgen,
so wie es der Maler und Dichter Hans Arp schreibt:
Unseren täglichen Traum gib uns heute.
Träume sind ihnen das täglich Brot der Seele.

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick
mit uns seufzt und sich ängstet.
Nicht aber allein sie, sondern auch wir selbst,
die wir den Geist als Erstlingsgabe haben,
seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft,
der Erlösung unseres Leibes.

Wir seufzen gemeinsam, wir ängstigen uns gemeinsam. Und wir träumen gemeinsam.
Nicht von einer körperlosen Welt träumen wir, nicht von steriler Geistigkeit. Mit Leib und Seele, für Leib und Seele träumen, hoffen, glauben wir. Unseren täglichen Traum gib uns heute!  

bürger und bürgerinnen
schließt frieden mit euren träumen
setzt eure namenszüge darunter
seid gut zu ihnen
so sind sie auch gut zu euch
und machen euch besser

So Kurt Marti, der Dichter und Poet.

Unter den Träumen ... Namenszüge
Ich lese:
Martin Luther King
Rosa Parks
Johann Sebastian Bach
Paulus von Tarsus

Und Sie? Und ich?
Mehr Unterzeichner werden gesucht.
Die Unterschriftenliste liegt aus.
Wir sind frei, unsere Namen einzutragen:
Ich bin überzeugt ...
Gott ist meine Zuversicht.
I have a dream ...

Amen.