Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigtdialog über Matthäus 5,1-11 und zum Gemälde von Otto Schurth

Religionslehrerin Sarah Mirjam Grimm (ev)

11.07.2011

Jubiläumsgottesdienst zum 125 jährigen Bestehen des Heidelberg College

Antje: Oh man, ist das wieder eine Hitze draußen, zum Glück ist es hier drin kälter, lass uns mal da hin setzen.

Evelyn: Oh ja, das war echt eine gute Idee, sich hier drin abzukühlen. Was ist das denn für ein Gemälde?

Darius: Keine Ahnung, du hast doch Kunst 4stündig! Obwohl, der in der Mitte wird wahrscheinlich Jesus sein.

Caroline: Ja, davon gehe ich auch aus und Jesus sitzt auf einem Hügel oder Berg, Leute sind um ihn versammelt, im Hintergrund kann man einen See erkennen, wahrscheinlich der See Genezareth. Könnte also die Darstellung der Bergpredigt sein!

Evelyn: Das wird es sein! Also wenn ich mir das Gemälde so betrachte und die Darstellung der Personen und den Einsatz der Farben, würde ich sagen, es stammt aus der Romantik. Tja – Kunst 4 stündig!

Caroline: Ich habe eben beim Reingehen ein Heftchen über die Johanneskirche mitgenommen, da steht, dass sie 1902 erbaut wurde, war da die Romantik nicht schon vorbei?

Evelyn: Doch, aber es gab eine Neuromantik Anfang des 20. Jh. - da lässt sich das Gemälde einordnen.

Caroline: Ach hier steht auch, wer es gemalt hat, ein Herr Otto Schurth aus Karlsruhe und er orientiert sich an einem früheren Werk – aus der Romantik, stimmt also Evelyn!

Darius: Jetzt aber genug mit eurer Kunstgeschichte! Bergpredigt, was war das noch mal?

Antje: Ich glaube so eine Art Lehrrede, in der Jesus das Wichtigste zusammen gefasst hat. Das passt ja gut zum Schuljubiläum – eine Lehrrede! Aber der Ort Berg und die Leute gleichen nicht unbedingt unseren Klassenzimmern und unseren Mitschülern. Und erst recht kann man diese Lehre nicht mit unseren Fächern vergleichen!

Darius: Da hast du wohl recht. Es sind das ganze Volk und alle Generationen vertreten.

Aber was das Verhalten angeht, ist es gar nicht so viel anders als bei uns: Schaut mal, die zwei älteren Männer reden und hören nicht zu, der Hauptmann da vorne schläft, das Kind links spielt und nur ein paar hören angestrengt zu!

Evelyn: Ist ja auch nicht so leicht zu verstehen, was Jesus in seiner Bergpredigt so alles lehrt!

Darius: Oh ja, das stimmt, z. B. die Feindesliebe, ich finde das ziemlich viel verlangt, ehrlich gesagt!

Caroline: Naja, aber in der Bergpredigt fordert Jesus nicht nur, er spricht den Menschen auch Mut zu!

Ich glaube auch, dass sich dieses Gemälde auf so eine Passage bezieht. Schaut mal die Haltung der Hände - sieht aus wie eine Segenshaltung. Könnten die sogenannten Seligpreisungen sein.

Antje: Stimmt, mit den Seligpreisungen fängt die Bergpredigt doch auch an! Was steht denn da noch mal drin?

Evelyn: Da ist bestimmt eine Bibel auf dem Altar, ich schaue mal. Oh ja, da ist eine. Aber, wo steht jetzt noch mal die Bergpredigt?!

Caroline: Ich glaube im Matthäusevangelium, aber wo genau, weiß ich auch nicht mehr.

Evelyn: Warte mal, also das Matthäusevangelium habe ich, mmh, das ist es nicht, das auch nicht, ah da sind die Seligpreisungen, ich habe es. Kapitel 5!

Ich lese sie euch mal vor:

Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.

2Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

11Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.

Darius: Also das Wort selig finde ich komisch, selig werden doch nur Tote gesprochen! Wahrscheinlich müsste man das anders übersetzen. Hat Frau Grimm nicht nachgeschaut, was da im Griechischen steht?

Caroline: Doch ich erinnere mich. Irgend etwas mit m. Ma, Ma, makarios. Das war ein Wort, das die Griechen nur für ihre Götter verwendet haben und das meint glücklich und zwar so richtig glücklich – also unüberbietbar glücklich!

Darius: Okay, mit dem Wort glücklich kann ich mehr anfangen. Trotzdem ist das ein schwieriger Text, vor allem die Begriffe – so redet doch heute keiner mehr!

Antje: Schlaumeier! Der Text ist ja auch schon fast 2000 Jahre alt!

Evelyn: Warum versuchen wir nicht, die einzelnen Seligpreisungen in unsere heutige Sprache zu bringen oder sagen, was wir darunter verstehen.

Antje: Also gut. Wie hieß noch mal die erste Seligpreisung, äh Glücklichpreisung?

Evelyn: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Geistlich arm, das hatten wir doch im Unterricht gehabt, könnte man mit „mutlos“, „verzweifelt“, oder aber „demütig“ übersetzen.

Also glücklich sind die Verzweifelten oder Demütigen, denn ihnen gehört das Himmelreich!

Darius: Oh, was ist denn jetzt mit Himmelreich gemeint?

Caroline: Himmelreich meint das Reich Gottes!

Darius: Super, Reich Gottes – damit kann ich jetzt mehr anfangen!

Caroline: Jetzt lass mich doch mal ausreden. Das haben wir doch besprochen. Mit Reich Gottes ist die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde gemeint, in der die Welt so ist, wie sie sein sollte, in der es kein Leiden, keinen Hunger, keine Krankheiten und keinen Tod mehr geben wird und alle friedlich zusammen leben.

Darius: Das heißt, diese ganzen Personen, die beschrieben werden, werden erst irgend wann, im Jenseits oder so glücklich sein?!

Das ist aber ein schlechter Trost für die, die heute leiden. Schau dir die Welt doch mal an!

Caroline: Nein und - Ja. Es ist nicht nur etwas Jenseitiges. Die Jünger und ersten Christen haben erkannt, dass mit Jesus das Reich Gottes schon angefangen hat, wie im Gleichnis vom Senfkorn und dem Sauerteig beschrieben.

Es wächst langsam aber stetig und es durchdringt alle Lebensbereiche. Jesus hat sogar selbst gesagt: „Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Er hat schon ein Stück dieser neuen Zeit in diese Welt geholt, durch seine Wunder, Heilungen und durch seinen Umgang mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft!

Aber du hast andererseits Recht, die Welt ist nicht, wie sie sein sollte, es gibt noch immer Leid, Krankheit, Krieg, Tod, Terror usw.

Bei Johannes wird uns auch eine andere Aussage von Jesus überliefert, dort heißt es: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.

Darius: Ja, was ist es nun, von dieser Welt oder nicht?

Caroline: Beides, auch wenn es schwer zu verstehen ist. Das Reich Gottes hat mit Jesus schon begonnen, aber es ist noch nicht vollendet. Und damit müssen wir klar kommen und auch so die Bergpredigt verstehen. So z.B. auch die Forderung nach der Feindesliebe, die du so schwierig findest.

In unserer Welt ist Feindesliebe oft nicht möglich, aber wenn die Welt schon so wäre, wie sie eigentlich sein sollte, gäbe es gar keine Feinde mehr!

Trotzdem kann die Aufforderung, auch die Feinde zu lieben, unser alltägliches Denken und Handeln in Frage stellen - und das ist nie falsch!

Darius: Mhh stimmt, leuchtet mir ein. Trotzdem schwere Sache!

Evelyn: Seid ihr jetzt mal fertig? Mir wird mittlerweile kalt und ich will hier nicht ewig sitzen!

Antje: Ja, lasst uns mal zu den Seligpreisungen zurück kommen!

Also, während ihr über das Reich Gottes diskutiert habt, habe ich mir Formulierungen überlegt, die man vielleicht besser versteht.

Ich lese sie euch mal vor:

Glücklich sind die, die leiden, denn sie werden getröstet werden.

Glücklich sind die, die sanft und trotzdem zielstrebig agieren, denn sie werden Einfluss auf der Erde haben.

Glücklich sind die, die sich nach Gerechtigkeit sehnen und dafür einsetzen, denn ihr Wunsch nach Gerechtigkeit wird sich erfüllen!

Glücklich sind die, die so leben, wie Gott es will, denn sie werden Gottes Wesen erkennen!

Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.

Darius: Was Barmherzigkeit heißt, kam ja gerade in der Klausur dran. Das meint Solidarität des Stärkeren mit dem Schwachen! Und wenn wir barmherzig sind, ist Gott auch mit uns barmherzig!

Antje: Ja, du Klugscheißer, lass mich mal weiter machen!

Glücklich sind die, die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder genannt werden!

Glücklich sind die, die aufgrund ihres Einsatzes für Gerechtigkeit verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich!

Glücklich seid ihr, auch wenn die Menschen euch wegen mir auslachen und verfolgen, denn sie sind im Unrecht!

Evelyn: Jetzt klingt das doch gleich alles viel verständlicher!

Darius: Leute, eigentlich ist das krass! Es werden die als glücklich bezeichnet, die in unsrer heutigen Welt die Deppen sind!

Was zählt denn heute? Stärke, Image, Geld, Macht.

Wer heute umsichtig agiert und nicht sofort Gleiches mit Gleichem vergelten will, wer sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt und sich mit Schwachen solidarisiert, wird doch meist nicht richtig ernst genommen, oder sogar verfolgt. Denkt doch nur mal an Syrien!

Und mal ehrlich, wer heute sagt, er will nach Gottes Willen leben oder Jesus nachfolgen, wird doch sofort für bekloppt erklärt.

Dabei wissen wir – wenn wir ehrlich sind, dass die Gerechtigkeit, die bei Gott herrscht, auch die ist, die bei uns auch herrschen sollte.

Denn könnten sich die Menschen, die nach der Bergpredigt handeln, wirklich glücklich schätzen, dann wäre die Welt nicht so wie sie ist, sondern so, wie sie sein sollte!

Antje: Da hast du Recht. Und trotzdem bleibt es schwer, in unserer Welt so zu handeln!

Evelyn: Ja, das stimmt. Aber mir fallen gerade zwei Ereignisse aus der jüngeren Geschichte ein, bei denen Menschen friedlich und ohne Gewalt einiges bewegt haben.

Carolin: Was meinst du denn?

Evelyn: Zuerst ein mal, der gewaltfreie Kampf Martin Luther Kings, der sich für die Rechte der Schwarzen eingesetzt hat.

Darius: Stimmt, aber du weißt, dass er erschossen wurde.

Antje: Ja, das stimmt. Trotzdem hat sich die Situation der Schwarzen in den USA stark verändert – denke doch mal an Obama!

Und das zweite, was mir einfällt, ist die Deutsche Wiedervereinigung.

Ohne den friedlichen Protest Hundertausender in der ehemaligen DDR wäre es nie soweit gekommen. Hier lässt sich auch zeigen, wie wirksam Handlungen sein können, die sich an den Seligpreisungen orientieren!

Ganz eindrücklich wird das für mich, in dem Satz eines hohen Politikers in der DDR: „Wir waren auf alles vorbereitet, aber nicht auf Kerzen und Gebete!“

Darius: Stimmt – das Umsetzen der Seligpreisungen kann gelingen – lasst es uns in Zukunft versuchen!

Kurze Pause

Evelyn: Jetzt ist aber genug - lasst uns mal wieder los, mir ist mittlerweile richtig kalt, nicht dass wir uns noch erkälten!


 


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