Foto von aufgeschlagenen Büchern

Schwäbische Kalte-Feld-Predigt (Mundartpredigt)

Pfarrerin Gabriele Krohmer

04.06.2001

"Mama, isch des an Dracha?" - Hmhm, was moint r denn, denk i. "Mama, isch des an Dracha?" - ond r zeigt nuf zom Himmel. Ha, ja, des sieht aus wia so an Dracha, den mr im Herbscht steiga läßt, dia Dracha, dia de Raubvögel nachgmacht send. Ond i vrschdand au, warom er des denkt, - dass des an Dracha isch: Ganz weit doba ein blaua Himmel kreist da an Raubvogel. Ganz ruhig schwebt r da oba, majestätisch. Ohne Fügelschlaga. Ganz ruhig. Läßt sich vom Wind traga. Muaß ed ängstlich mit de Flügala romschlaga wia so a kleis Vögele, sondern spannt weit seine große starke Flügel aus ond schwebt weit oba am Himmel, ziagt seine Kreis'. Ond i vrschdand, warom mr Gott mit ma Adler vergleicht, en dr Bibel ond en Gsangbuachlieder.

Dr Adler isch bei ons dr König von de Vögel. An großer Vogel. An ganz starker Vogel. An Vogel, ma mr Respekt hat. An Vogel, der hoch oba en de Berg wohnt ond dort sei Nescht hat, weit weg. An starker Vogel mit ganz große Flügel. Unter dene Flügel fendet mr Platz, da paßt viel nonder. Unter dene Flügel braucht mr koi Angscht han. Ond des ischs erschte was d' Bibel von Gott vrzehlt, ma se s' Bild vom Adler drzua nemmt:

Gott wird di, so hoißt ein Psalm 91, mit seine Flügel zuadecke; ond unter seine Flügel hasch "Zuflucht". Da kasch de naflüchta ond bisch ufghoba. Naflüchta ond ufhoba sei, - da denk i an an Henn ond ihre Häahla. Kleine Häahla, noid lang aus m Ei gschlupft. Neugierig laufet se uf dr Wies rom. Doch sobalds gfähdich wird, piepet se aufgregt ond flüchtet schnell zor Henn na. Dui lupft ihre Fügel ond läßt älle Häahla drontr schlupfa. Jetzt ka nex me passiera. Jetzt brauchat se koi Angst me han. Da send se ufhoba. Oimal wird en dr Bibel Gott sogar mit ra Henn vrglicha, aber sonscht mit ma Adler, denn Hennaschdäll hats da ed so geba.

Bei Gott so ufghoba sei wie unter de Flügel vo ma Adler. Da ka nix meh passiera, wemr sich da naflüchta ka ond nunterschlupfa ka. Wia Kendr, dia Angst hent oder sich weh doa hent und heula miaßet. Dia guckat nach Mama oder Papa., rennat na, schlupfat na, am beschta unter an Mantel oder Anorak oder en a Rockfalt. Ond da lasset se sich tröschta. Da send se ufghoba. Ed bloß d' Kender!

I denk an dia Jünger, dia Freund ond Freundinna von Jesus. Wo Jesus gschdorba gwea isch, - mit ällem drom ond dra, mo neamard vrschdanda hat, worom des älles so komma isch ond wia brutal des älles war, da send dia Freund geflüchtet wia kleine Häahla. Angscht hent se ghet, hent ed gwißt wo na. Hent sich schließlich zama em a Haus vrschdeckt. D'Türa fescht zuagmacht. Weiter Angscht ghet ond ed gwißt wia ond was. Jesus hat halt gfehlt, sei Nähe. Bis Jesus na zo ne komma isch. Aber s' war au klar, Jesus geht wieder, zo seim Vater em Himmel. Doch alloi miaßat se trotzdem ed sei. Bevor Jesus ganga isch, hat r vrschprocha: Wenn i weg ben, na schick i euch an andera Tröschter, dr Heilige Geist. Der wird euch tröschda. Der wird bei euch sei. Ond des ischs erschte: Dass ons Gott jemand schickt, mo mir ons zerschmal naflüchta kennet ond ufghoba sein. Ufgoba - em hochdeutscha miaßt mr "geborga" saga. Aber em schwäbischa schdeckt no meh dren. Ufghoba hoißt ja au, mr wird glupft, uf da Arm gnomma. So wird mr tröschdet. Wenn ebber ganz traurig isch, da ka mr mit Wörter ed viel macha. Der muaß zersch mal schpüra: Da isch ebbr da, nemmt mi en Arm. Ond wenn mr no a Weile d' Nähe gschpürt hat, d' Wärme, s' Ufghoba sei, na isch mr tröschtet, na ka mr weiter macha.

So schickt ons Jesus z'erscht mal dr Heilige Geist als Tröschter, zom Ufgoba sei. Au dia Jünger hent zerscht mal dr Troscht braucht, hent merka miaßa, da isch ebbes da von Gott, von Jesus, mir send ed alloi, - bevor se weitermacha kenna hent.

Ond na aber hent se Kraft braucht ond zwar gewaltig viel, für äll des, was vor ehne gleaga isch. Wenn i mir iberleg, dass aus dem kleine ängstlicha Häufle, ma sich da ema Haus eigschlossa ghet hat, uf oimal Leit wora send, dia naus ganga send, dia von Jesus vrzehlt hent, ond zwar so, dass uf oimal ganz viel andere dra glaubt hent ond uf oimal d'Kirch entschdanda isch, - des isch oifach oglaublich! Da muaß ebbes ganz oglaublichs drhinterschdecka, a Kraft, dia mr ed aus ons selber macha kennet. Au des hat Jesus scho em Vorfeld seine Jünger vrschprocha: Ihr werdet d' Kraft vom Heiliga Geist kriaga. Des isch a andere Kraft als a menschliche Kraft. Mir denket bei Kraft an Muskla, an Sportler, an jonge Leit. End dr Regel hent dia ja au viel Kraft ond des isch ja au schee, wenn mr Kraft hat. Aber mit dera Kraft von Gott ond vom Heiliga Geischt ischs anders. Au da nemmt d' Bibel wieder s' Bild vom Adler, der mit oglaublich kraftvolle Flügelschläg zom Himmel schdeigt. Genau so däts dene ganga dia glaubet, vrzehlt Jesaja. Da denkt mr, d' Jonge hettet Kraft, hettet Ausdauer, sait dr Jesaja (Jes 40,29-30), aber dia schdolperet ond fallat na, weil se nemme kennet. Aber dia mo auf Gott vrtrauet, ob müad oder alt oder ganz abgschlaga, dia kriagat uf oimal Kraft, dene wachset regelrecht Flügel, dia kennet uf oimal Sacha, mo se nia glaubt hettet. Dia schdeiget nauf zom Himmel wia d'Adler, dia kennet laufa ond werret ed miad. Dui Kraft isch oifach da. Ond wenn i mir dia erschte Jünger aguck, na isch genau des passiert. Dia hen uf oimal Kraft kriagt, nauskenna, von Gott vrzehla ond aus dera Kraft raus isch d'Kirch entschdanda.

Wenn bei ons heit d'Kirch ons manchmal so miad vorkommt (ond mir mit), leit des vielleicht da dra, dass mir moinet, s'dät am oigna Training liega, an de oigne Muskla? D' Bibel jedafalls vrzehlts anders. Grad Miade ond Schwache kriagat a Kraft von Gott, dia ufhebt, ond wo mr manchmal fast Flügel kriagt, obwohl s von de Omständ her gar ed drnach aussieht.

Ond da setzt Bibel no ois druf: Gott tuat ons so viel Guats, (Ps 103) holt ans raus aus onserm Elend, ausm Verderba, dass koi Gejammer meh aus ons raus kommt, sondern mir fröhlich sent ond wia jonge Adler en d , Welt nausfliagat ond zom Himmel nufschdeiget. Wia jonge Adler zom Himmel steiga ond fast schwerelos dort oba kreisa ond d Welt aus ma ganz andre Blickwinkel agucka. Äll dia Leit, dia da om dia Jünger romgschdanda send ond ghert hent, wia se schwätzet ond gsea hent, wie se send, wia andersch se send trotz ällem, was se an Schlimmem erlebt hent, dia Leit hent selber was gschpürt von der Kraft, von der Fröhlichkeit. Se hent selber agfanga mit glauba, hent sich druf eiglassa ond hent dr zuaghere wella. So wünsch i ans für heut, mo mr dr Geburtstag von dr Kirch feirat, dass mir, wenn mir Angst kriagat wisset, ma mr naflüchta kennet ond wisset: Da semmr ufghoba. Dass mr Kraft kriaget ons älles Miade von ons abfällt. Ond daß mr Richtong Himmel gucket ond ons von Gott trage lasset. An Adler schwebt am Himmel, guckt emmer no uf d' Welt, aber sieht se anders, von oba her.