Foto von aufgeschlagenen Büchern

Taufansprache

Pfarrer Alexander Behrend

07.05.2006 in der Evangelische Kirche Goenningen

„Es war einmal“

„Es war einmal“

Liebe Gemeinde,

„es war einmal“ - so beginnen Märchen;
„was wird wohl draus werden" - so lautet unsere Frage am Beginn eines Menschenlebens.
In unseren Taufgesprächen, die wir miteinander führten, kam das immer wieder zur Sprache. Da war die Rede vom sprichwörtlichen „Schutzengel", den man seinem Kind wünsche;
oder davon, dass wir gerade an so einem kleinen Menschen spüren, wie wenig auch wir großen uns und unsere Kinder in der Hand haben.
Unsere wohlmeinenden Hände und Arme greifen zu kurz, um unseren Kindern den Schutz zu gönnen, den wir ihnen wünschen. Weil wir ihnen Geborgenheit und Glück und Schutz wünschen, taufen wir unsere Kinder.

„Ja, aber“ fällt da der Pfarrer und Theologe dem Vater und der Mutter ins Wort, „eigentlich ...“
Ja eigentlich hat das alles recht wenig mit dem ursprünglichen Sinn der Taufe zu tun.
Diese alte Ritual, seit fast 2000 Jahren von den Christen praktiziert, auf Jesu Taufe durch Johannes zurückgeführt, von der Kirche weiterentwickelt - dieses alte Ritual hatte doch ursprünglich etwas mit dem Christ-Werden zu tun; mit der Abkehr von den Abgöttern, hin zu dem Gott, der sich in seinem Sohn Jesus Christus gezeigt hatte.
Und bekanntlich ging dessen Geschichte nicht besonders glücklich aus; er hatte am Kreuz geendet, verlassen von den meisten seiner Jüngerinnen und Jünger, verspottet, des Bodens unter den Füßen beraubt.
Taufe hieß damals, sich auf den einzulassen, der so endete.
Und das ist offensichtlich weit davon entfernt, mit einer Glücksgarantie, mit einer Versicherung gegen Leid und Unsinn, verwechselt werden zu können.
Und wenn wir ehrlich darüber nachdenken, spüren wir das doch auch im nächsten Moment: Die Taufe ist kein Schutzschild gegen das Böse, das einem widerfahren kann; sie macht nicht immun gegen Krankheit und schlechte Einflüsse; sie macht keine unverletzbaren Siegfrieds aus uns.

Also was soll's?
Die Taufe macht nur dann einen Sinn, bleibt nur dann eine ehrliche Angelegenheit, wenn sie mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus verbunden bleibt: mit dem Bekenntnis zum Gekreuzigten und Auferstandenen; mit dem Bekenntnis zu dem, dessen Leben verunglückte, der arm war, angefeindet, oftmals verspottet und verhöhnt.
Doch in seinem Leben und Sterben zeigt sich zugleich die Lebensmacht Gottes.
Gott liebt das Leben - das demonstrierte er in Jesu Auferweckung, die für uns zum Zeichen werden kann, dass alles, was in einem Menschenleben an schwerem geschehen kann, nicht das letzte Wort haben darf.
Das Kreuz bleibt - aber es stellt sich ihm die Botschaft von der Auferstehung zur Seite; die Botschaft, dass Gott alles gut machen wird.

Liebe Gemeinde,
„es war einmal" - so beginnen Märchen;
„was wird wohl draus werden" - so lautet unsere Frage am Beginn eines Menschenlebens.
Über diesen nötigen Umweg sind wir dann doch wieder beim Anfang angelangt: Wir wünschen unseren Kindern alles Gute.
Wir wünschen ihnen, dass ihr Leben gelingt.
Und wir bekennen uns zu dem, der auch im Unglück, im Scheitern, ja auch einmal im Tod - unseren Kindern nicht fern ist.
Und das verheißt er denn wirklich uns und allen Getauften:
Ich bin bei dir alle Tage deines Lebens - in guten und in schweren Zeiten!

Amen.