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Trauansprache

Pastor Uwe Sundermann

in Schieder-Schwalenberg

Trauspruch: "So ist es ja besser zu zweit als allein. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Auch, wenn zwei bei einander liegen, wärmen sie sich. Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei." (Prediger 4, 9-12)

Kennt ihr Sprichwörter? Ein sehr bekanntes heißt zum Beispiel: "Morgenstund hat Gold im Mund." Ein anderes: "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein."

Euer Trauspruch ist ein Sprichwort aus dem Alten Testament. Es hat zunächst nichts mit der Trauung zu tun. Man kann es genauso gut auf Freundschaft und Weggefährten allgemein beziehen: "So ist es ja besser zu zweit als allein. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen." Dass man zu zweit stärker ist, liegt auf der Hand. Das muss man nicht erst umständlich erklären. Das ist einfach so.

Heute aber bekommt dieses Sprichwort eine besondere Bedeutung. Ihr bezieht es auf euch selbst. Ihr bezieht es auf eure Beziehung zueinander, auf euren gemeinsamen Lebensweg. Mit diesem Sprichwort wollte ihr heute euren Ehebund vor Gott und vor der Gemeinde bekräftigen. Damit wollt ihr einander aus Gottes Hand nehmen.

Um zu verdeutlichen, was euer Trauspruch bedeutet, habe ich zwei Dinge mitgebracht:

I.
Das erste ist dieses dicke Tau. Das besteht aus vielen, miteinander verdrehten einzelnen Seilen. Und diese Fäden sind wiederum aus feinen Fäden zusammengesponnen. Dadurch wird das Tau super fest und belastbar. Mit menschlicher Kraft kann man dieses Tau nicht kaputt kriegen.

Dieses Tau gehört in die Jugendarbeit unserer Kirchengemeinde. Es ist zum Tauziehen gedacht. Kennt ihr dieses Spiel? Die eine Mannschaft fasst auf der linken Seite an, die andere auf der rechten. Und dann versucht jede Mannschaft, die andere auf seine Seite zu ziehen. Dafür kann man kein normales Seil nehmen. Das würde nämlich sehr schnell reißen. Man braucht also schon solch ein starkes Tau.

In dem Sprichwort wird solch ein Tau zu einem Bild für eure Beziehung zueinander: "So ist es ja besser zu zweit als allein. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Auch, wenn zwei bei einander liegen, wärmen sie sich."

1. Zu zweit ist es ja schon besser als allein, weil man sich gemeinsam über das Schöne freuen kann. Ich denke dabei an Sprichwort bei uns: "Geteilte Freude ist doppelte Freude." Das Schöne, was wir erleben, können wir miteinander teilen. Und wenn man sich gemeinsam freut, ist die Freude doppelt groß.

Meine Frau hat mir gestern zum Beispiel erzählt, was sie erlebt hat, als sie unsere beiden Kinder zum Kindergarten brachte. Im Schlosspark blieb mein Sohn plötzlich stehen, unterbrach seine Gedanken und sagte: "Hier riecht es nach Hustenbonbon." Meine Frau schaute sich um und sah die großen Lindenbäume blühen. Und Lindenblüten sind in vielen Hustenbonbons enthalten. - Über dieses Erlebnis habe ich mich mit gefreut. Insofern ist geteilte Freude doppelte Freude.

2. Wenn man zu zweit ist, kann man einander auch den Rücken stärken. Man kann gut zureden und einander Mut machen. Ich denke dabei an eure momentane berufliche Situation:

Du, Johann, bist zur Zeit noch bei der Firma Hausmann in Blomberg angestellt. Dein Arbeitsvertrag geht bis Ende Juli. Aber was dann kommt, war, als ich euch besuchte, noch völlig offen. Die Gedanken und Sorgen, wie es weitergeht, tragt ihr gemeinsam. Hat sich denn inzwischen etwas getan?

Und du, Elvira, hat mir von deiner Lehre als als technische Zeichnerin erzählt. Ein Jahr hast du in Detmold bereits hinter dir. Zwei Jahre liegen noch vor dir. Am Ende jeder Lehre stehen Prüfungen, theoretische und praktische. Auch diese Prüfungen werden von manchen Gedanken und Sorgen begleitet sein. Das aber könnt ihr gemeinsam tragen.

3. Wenn man gemeinsam durchs Leben geht, dann wird man mit der Zeit auch mehr und mehr zusammenwachsen. Das Vertrauen und die Offenheit zueinander werden immer tiefer werden. Man lernt einander immer besser kennen. Mitunter weiß ich schon ganz genau, was meine Frau im nächsten Moment sagen wird.

Ihr beide habt mir erzählt, wie ihr euch vor ungefähr 3 ½ Jahren kennengelernt habt. Damals kamst du, Johann, zu Besuch zu Elviras Bruder. Und dann habt ihr euch nach und nach kennengelernt. Seitdem seid ihr zusammen. Eure Beziehung zueinander möge mit der Zeit weiter wachsen und tiefer werden.

"So ist es ja besser zu zweit als allein." Dieses Tau soll euch daran erinnern. Denn: "Fällt einer von euch, so hilft ihm der andere auf. Auch, wenn zwei bei einander liegen, wärmen sie sich. So ist es ja besser zu zweit als allein."

II.
Nun komme ich zu dem zweiten, was ich euch mitgebracht habe. Dieses Tau hat nämlich zwei große Nachteile: Erstens ist es ziemlich dick und deshalb schlecht zu handhaben. Zweitens könnt ihr es nicht mit nach Hause nehmen; denn es gehört der Jugendarbeit unserer Kirchengemeinde. Darum habe ich euch ein etwas kleineres Seil mitgebracht; das kriegt ihr von mir zu eurer Hochzeit geschenkt.

Wisst ihr, was dies für ein Seil ist? Ein weißes Seil, gut zwei Meter lang, an den Enden zwei Griffe zum Anfassen... Richtig, dies ist ein Springseil.

Mit solch einem Springseil kann man sich fit halten. Es dient der körperlichen Ertüchtigung. Wenn ihr jeder täglich fünf oder zehn Minuten mit diesem Springseil übt, dann werdet ihr über die Jahre hinweg beweglich und fit bleiben. Wer rastet, der rostet. Wer aber mit diesem Springseil turnt, bleibt bis ins Alter fit.

Im Blick auf eure Trauung hat dieses Springseil aber vor allem eine symbolische Bedeutung. Wie wir unseren Körper fit halten müssen, so müssen wir auch unsere Partnerschaft fit halten. Auch die gemeinsame Beziehung braucht Pflege. Man darf nicht alles für selbstverständlich nehmen, sondern muss auch bewusst etwas für die Beziehung tun. Sonst rostet die Beziehung, sonst kommt mit der Zeit Sand ins Getriebe.

Wenn dieses Springseil in der Ecke liegt, brauche ich mich nicht zu wundern, dass mein Körper nicht fit bleibt und dass ich nicht mehr so belastbar bin. Wenn ihr die Liebe zueinander für selbstverständlich nehmt, dann rostet eure Beziehung, dann ist sie in fünf oder zehn Jahren auch nicht mehr so belastbar wie jetzt. Sagt also einander immer wieder, dass ihr euch gern habt! Setzt Zeichen der Liebe!

Auch braucht ihr Zeit, um eure Beziehung zu pflegen. Ihr braucht Zeit füreinander; und zwar eine Zeit, wo mal nicht der Fernseher läuft. Ihr braucht Zeit, wo mal nicht irgendetwas noch schnell erledigt werden muss. Ihr braucht Zeit, wo man für einander da ist, auch wenn man mal nicht so viel zu besprechen hat. Und als Familienvater kann ich auch sagen: Als Eheleute brauchen wir auch Zeit, wo mal keine Kinder um uns herum sind, damit wir in Ruhe miteinander sprechen können.

Um sich in der gemeinsamen Beziehung fit zu halten, darf man auch nicht die Fehler gegenseitig aufrechnen. Man darf nicht Buch führen über das, was der Partner falsch gemacht hat. Dann kommt sehr schnell Sand ins Getriebe. Man kann sich nur fit halten, indem man einander vergibt - Missverständnisse, Unaufmerksamkeit, Fehler und Versäumnisse. Man kann sich nur fit halten, indem man einander immer wieder einen neuen Anfang ermöglicht.

Wenn man zu zweit viele Aufgaben hat, steht man selbst, aber auch die gemeinsame Beziehung unter Druck. Wenn neben dem Beruf beispielsweise die Sorge für Haus und Grundstück, die Sorge für kranke Familienmitglieder oder ehrenamtliches Engagement Aufmerksamkeit verlangt. Wenn man so unter Druck steht, dann klappt auch im Miteinander nicht unbedingt alles. Wenn man sich dann fit halten will, muss man sich und dem Partner auch mal wieder etwas Gutes gönnen: Gemeinsam essen gehen, einen Ausflug machen, zusammen etwas Besonderes unternehmen.

Den Wunsch, die gemeinsame Beziehung fit zu halten, kleidete ein Dichter unserer Zeit in folgendes Gebet: "Dass die Herzen nicht ersterben, mach sie für einander wach! Lass sie täglich um sich werben und sich finden hundertfach!" (Detlev Block, EG 601, 4)

Dieses Springseil soll euch daran erinnern, dass ihr eure Beziehung pflegen und fit halten müsst. Dann werdet ihr auch in fünf, zehn oder zwanzig Jahren noch mit Überzeugung sagen: "So ist es ja besser zu zweit als allein. Fällt einer von euch, so hilft ihm der andere auf. Auch, wenn zwei bei einander liegen, wärmen sie sich."

III.
Der zweite Teil eures Trauspruches ist ein sogenannter Zahlenspruch, der aus der Weisheit des alttestamentlichen Volks Israel stammt: "Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei."

Am Ende ist da von einer "dreifachen Schnur" die Rede. Dies hat mich auf die Idee mit dem Tau und dem Springseil gebracht.

Aber nicht nur für diesen Vergleich finde ich die Rede von der "dreifachen Schnur" wichtig. Mir geht es auch noch um die Zahl drei. Ehe hat es nicht nur mit zwei zu tun; mit zwei, die einander lieben und die für einander da sein wollen. Sondern Ehe hat es auch mit drei zu tun. Dieser Dritte im Bunde ist nämlich Gott.

1. Gott wird euch auf eurem gemeinsamen Weg begleiten. Gott wird euch zur Seite stehen. Wenn ihr gleich Gottes Segen empfangt, dann dürft ihr gewiss sein: Gott wird mit euch mitgehen, euch beschützen und euch an guten und schweren Tagen tragen. Darauf dürft ich euch fest verlassen.

2. Gott ist und bleibt euch treu. Gottes Treue geht euch voran. Bevor ihr gleich einander die Treue versprecht - hat Gott euch schon zugesagt, dass er euch treu ist. Bevor ihr gleich einander versprecht, dass ihr einander lieben und für einander da sein wollt - seid ihr schon von Gott geliebt. Das finde ich einen wunderbaren Gedanken. Gottes Liebe und Treue gehen euch auf eurem Weg voran.

3. Gott hat euch angenommen. Dazu ist er in Jesus für euch geboren, gestorben und auferstanden. Und weil ihr nun von Gott angenommen seid, so möge Gott euch auch helfen, einander in eurer Verschiedenheit anzunehmen, jeden Tag neu. "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!" (Römer 15, 7)

4. Und Gott schenkt euch Vergebung. In Jesus hat er unsere Fehler, unsere Schuld, unsere Versäumnisse, unser Selbstbestimmenwollen auf sich genommen. So empfangt ihr Tag für Tag Gottes Vergebung. Dann aber möge Gott euch auch immer wieder die Kraft und die Bereitschaft geben, einander zu vergeben.

Die "dreifache Schnur" am Ende eures Trauspruchs möchte ich auf Gott beziehen. Seine Liebe und Treue gehen euch voran und umgeben eure Beziehung zueinander.

Das Tau und dieses Springseil mögen euch daran erinnern: "Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei."