Foto von aufgeschlagenen Büchern

"Vertrauen kann tragen"

Bischöfin Dr. Margot Käßmann

11.11.2009 in Hannover

Gedenkgottesdienst für den Fußballer Robert Enke

Gedenkgottesdienst für den Fußballer Robert Enke

Völlig unerwartet kann unser Leben zu Ende sein, ob wir nun jung sind oder alt. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, sagt der Psalmbeter. Wer den eigenen Tod im Leben mit bedenkt, hat eine tiefe Lebensklugheit. Wer Leiden kennt, weiß auch um die Tiefe des Lebens und kann anders leben als oberflächlich dahin. Wir vertrauen darauf: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand!
Wir werden Leid und Tod, Verzweiflung und Depression nicht überwinden können. Das wird erst in Gottes Zukunft so sein, in der alle Tränen abgewischt sind. Ich glaube daran, dass auf der anderen Seite der Grenze des Lebens Gott unsere Toten in Empfang nimmt. Ich glaube an die Auferstehung, und sie tröstet mich.

So stehen wir vor Gott in dieser Spannung zwischen Aufschrei und Gottvertrauen. Gottvertrauen aber kann uns tragen, das habe ich immer wieder selbst so erlebt. Gott geht mit uns in den schwersten Stunden unseres Lebens. „You’ll never walk alone“, das ist nicht nur Ihr Lied bei vielen Spielen, sondern es ist auch die große Zusage, die Gott uns gibt.

In Psalm 23 heißt es: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ You’ll never walk alone. Das gilt zuallererst für Teresa Enke, die heute Mittag so mutig von der Liebe gesprochen hat, die sie und ihren Mann getragen hat.

Sie muss nun mit dieser Liebe einen neuen Weg finden, und mit Gottes Hilfe wird sie ihn finden für sich und für ihre kleine Tochter. Das gilt für die Familie von Robert Enke. Und es gilt für seine Mannschaftskameraden, die Verantwortlichen im Fußballsport und für Sie, seine Fans. Und alle Fans sollten das wissen: Robert Enke würde nicht wollen, dass ihm jemand auf diesem Weg folgt! Er hat das Leben geliebt und wünschte sich Wege zum Leben.

Werden wir daher stille. Bringen wir unser Mit-Leiden vor Gott, indem wir Lichter anzünden, für Robert Enke, für seine Familie, für alle, die gestern Abend mit betroffen waren und die die Nachricht so betroffen hat. Suchen wir Wege zum Leben! Halten wir an der Zuneigung zu Robert Enke fest auch über seinen Tod hinaus, den wir so schwer verstehen. Über die Schwelle des Todes hinaus können wir ihn nicht begleiten. Aber wir dürfen der Zusage vertrauen, dass Gott uns über diese Schwelle trägt und auch Robert Enke bei ihm geborgen ist. Sodass auch auf diesem letzten Weg gilt: You’ll never walk alone.