Foto von aufgeschlagenen Büchern

Zweiteilige Erzähl-Predigt über Lukas 23,33-49 und Matthäus 28,1-10

Pfarrerin Irmtraud Fischer (ev)

08.04.2012 Buchen / Odenwald

Gottesdienste an Karfreitag und Ostern

„Der römische Hauptmann pries Gott …“

Die Predigt hat zum Ziel, die enge Verbindung von Karfreitag und Ostern mit Hilfe einer zweiteiligen Predigterzählung hervorzuheben. Diese Form bietet zudem die Möglichkeit, das von den Augenzeugen des Geschehens erlebte und erlittene Wechselbad der Gefühle ansatzweise "miterleben" zu lassen und regt an, eigenen (Glaubens-)Erfahrungen nachzusinnen oder sie in dem Geschilderten wiederzufinden.(siehe Nachwort im Anhang)

 

 

Teil I

Predigt Lukas 23,33-49 am Karfreitag, 6. April 2012

Predigttext:

Sie kamen zu der Stelle, die Schädel(stätte) genannt wird.

Dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken.

Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Sie warfen das Los und verteilten seine Kleider.

Das Volk stand dabei und schaute zu.

Die Mitglieder des Hohen Rats spotteten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der von Gott erwählte Messias ist.

Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!

Über ihm war eine Tafel angebracht mit der Aufschrift: Das ist der König der Juden.

Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, lästerte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir und uns!

Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Fürchtest du Gott nicht? Dich hat doch das gleiche Unheil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.

Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst!

Jesus erwiderte ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land kam. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten durch, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Nach diesen Worten starb er.

Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Dieser Mensch war wirklich unschuldig. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und kehrten zurück.

Alle seine Bekannten aber standen fern vom Kreuz, auch die Frauen, die ihm von Galiläa gefolgt waren und alles mit ansahen." (Einheitsübersetzung, V. 33 ergänzt)

Osterkerze ausblasen, währenddessen singt der Chor:

CHOR: „Wer hat dich so geschlagen“ (Johannespass. Nr. 15)

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen. Amen. (EG 91,1)

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Dieser Mensch war wirklich unschuldig.

Er war wahrhaft ein Gerechter“ (v. 47 b, eigene Übertragung)

So ging es mir durch den Kopf, ja, ich sagte es laut, als ich diesen Jesus sterben sah. „Gott Lob und Preis“, rief ich und hob meine Hände in die Höhe.

Wie ein Blitz hatte mich diese Erkenntnis durchfahren. Ich sah, was sich in den letzten Stunden zugetragen hatte, in einem anderen Licht.

Doch ich muss mich euch, liebe Schwestern und Brüder in Buchen, erst einmal vorstellen:

Ich bin Cognoszens, der römische Hauptmann, von dem ihr gerade im Lukasevangelium gehört habt. Cognoszens – das bedeutet: „einer, der erkennt“. „Du sollst einer sein, der erkennt, worauf es ankommt“, so sagten meine Eltern, wenn es um meinen Namen ging. Er war auch für römische Verhältnisse ungewöhnlich. Meine Eltern sorgten dafür, dass ich nicht nur die antiken Werke der Weltliteratur las, sondern auch wichtige Schriften der Juden. Denn zum Bekanntenkreis meiner Eltern in Rom, wo ich geboren bin, gehörten auch einige Juden. Das waren kluge, gebildete und weise Menschen. Sie hatten das Herz auf dem rechten Fleck. Sie wussten, was für ihr Leben wichtig war: der Glaube an Gott.

Meine Eltern ließen mich meinen Weg gehen, begleiteten mich liebevoll. Es brach ihnen fast das Herz, als ich die Karriere als Soldat einschlug. Sie hätten sich für mich wahrlich einen anderen Beruf gewünscht. Denn damals war man als Soldat, anders als bei euch, gleichsam Leibeigener des römischen Kaisers.

Nur einmal, ganz am Anfang, sagten meine Eltern: „Überleg dir das gut. Als Soldat bist du dem Kaiser, den unser Volk als Gott anbetet, zu absolutem Gehorsam verpflichtet. So lange der Kaiser Gutes für seine Untertanen im Sinn hat, ist dies kein Problem. Aber wenn der Kaiser Dinge befiehlt, die du mit deinem Gewissen nicht vereinbaren kannst, wird es für dich schwierig.“

Damals schlug ich diese Bedenken in den Wind. Doch später musste ich oft daran denken.

Ich machte tatsächlich Karriere und wurde zum Hauptmann ernannt.

Eines Tages versetzte man mich nach Palästina.

„Du bist sprachbegabt. Sieh zu, dass du bald die Sprache der Hebräer lernst. Dann erfährst du manches Nützliche …“, sagte mein Vorgesetzter, als er mich in Rom verabschiedete.

Der Job – so würdet ihr sagen – der Job in Palästina war schwer: Einerseits sollten wir hart durchgreifen – und andererseits so viel Freiraum lassen, dass es zu keinem Volksaufstand kam.

Unser Chef Pilatus verstand das recht gut. Er wusste genau, wann es nötig war - zumindest scheinbar - nachzugeben.

Bei dem Toten am Kreuz in der Mitte – Jesus nennen ihn die Juden – war das auch so. Pilatus muss ein Gespür dafür gehabt haben, dass Jesus kein Verbrecher oder Terrorist war. Mit denen hatten wir sonst ständig zu tun.

Bei Jesus sprach Pilatus das Todesurteil eher widerstrebend. Er muss den Eindruck gehabt haben, dass Jesus Intrigen zum Opfer gefallen sei.

Auffallend wortkarg übergab ihn mir Pilatus. Ich hatte ihn mit meinen Leuten zum Kreuzeshügel zu bringen und das Urteil zu vollstrecken.

Ja, das gehörte auch zu meinem Beruf. Als ich Soldat wurde, hatte ich damit nicht gerechnet. Ich wollte im Krieg mein Vaterland verteidigen, mich als mutiger und tapferer Krieger beweisen. Hier aber wurden Henkersdienste von uns gefordert. Jedes Mal neu dachte ich an die Warnung meiner Eltern …

Ich hatte mir darum angewöhnt, bei solchen Hinrichtungen etwas abseits zu stehen. Die nötigen Befehle gab ich bereits im Voraus.

Heute war mir diese Aufgabe besonders unangenehm.

Ich sah, dass das Kreuz zu schwer für diesen Jesus war. Offensichtlich war er vorher gefoltert worden. So sorgte ich dafür, dass ein anderer, der gerade vorbei kam, sein Kreuz tragen musste.

Dann wurde Jesus gekreuzigt und zwei weitere, echte Verbrecher, mit ihm. Ihre Schreie gellten durch die Luft. Sonst stelle ich meine Ohren auf Durchzug. Heute gingen mir die Hammerschläge und die Schreie durch Mark und Bein.

Mitten in den Lärm hinein sagte der in der Mitte, Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Schlagartig wurde mir bewusst, was wir, meine Leute und ich, da taten: Wir kreuzigten einen Unschuldigen – und der bat Gott für uns um Vergebung!

Abgelenkt von diesen Gedanken, bekam ich nur am Rande mit, was meine Leute taten. Sie teilten sich per Los die Beute der drei – so wie sonst auch. Der Sold für einfache Soldaten war wirklich nicht üppig. Da war jede Gelegenheit den Verdienst aufzubessern willkommen.

Außerdem bot das eine gute Gelegenheit, die eigene Macht und Überlegenheit auszuspielen: „Seht her, was euch von eurem Leben geblieben ist: nichts, aber auch gar nichts …!“

Scham überfiel mich:

Was machen wir da eigentlich? Sind wir noch Menschen? Wie brutal gehen wir als Besatzungsmacht mit denen um, die unter unserer Knute zu leiden haben? So schoss mir durch den Kopf.

Mein Blick fiel auf die Schaulustigen: Sie standen da und schauten zu, sensationshungrig und zugleich irgendwie unbeteiligt – so ähnlich, wie das manchen von euch ergehen mag, wenn ihr im Fernsehen Bilder von Kriegsschauplätzen seht …

Die Wortführer der Juden allerdings setzten eins drauf: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der von Gott erwählte Messias ist“ (v. 35), spotteten sie.

Einige meiner Leute hängten sich an. Sie reichten Jesu Essig und sagten: „Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!“(v. 37)

Der saure Essiggeruch stach mir in die Nase. Brrh, Essig wollte ich nicht trinken, auch nicht, wenn er betäubt …!, dachte ich gerade, da machte einer der Verbrecher am Kreuz neben Jesus weiter: „Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir und uns!“ (V. 39)

Vielleicht hatte er das Schild gesehen, das meine Leute auf Anweisung von Pilatus angebracht hatten: „Das ist der König der Juden.“ (V. 38) War das Spott? Oder schwang da leise die Hoffnung mit, für alle drei Gekreuzigten könnte sich das Blatt noch einmal wenden? „Zeig doch, dass du der Christus bist – am besten so, dass du uns gleich mitrettest!“

Interessanterweise wies ihn nun ausgerechnet der andere Verbrecher zurecht: „Fürchtest du Gott nicht? Dich hat doch das gleiche Unheil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ (V. 40f)

Was ist dieser Jesus nur für ein Mensch? So fragte ich mich.

Er muss einer sein, an dem sich die Geister scheiden. Die einen haben nur Spott und Häme für ihn übrig. Für die anderen ist er offenbar ihr Ein und Alles – wie für die Frauen, die in der Nähe des Kreuzes ausharrten. Sie boten ein Bild des Jammers in ihrer Verzweiflung und stützten doch einander. Auch den Männern dabei stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ich kannte einige von ihnen als Freunde Jesu. Es ist in meinem Beruf schließlich wichtig, mögliche Staatsfeinde im Blick zu behalten!

Doch zurück zu dem Dritten am Kreuz. Der war wohl ins Nachdenken gekommen. Er wandte sich nun an Jesus und sagte: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst!“ (V. 42) Da antwortete Jesus mit schier unglaublicher Wärme in der Stimme:

Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Mir wurde warm ums Herz und gleichzeitig bekam ich eine Gänsehaut. Was war das für eine Hinrichtung? Solche Wortwechsel am Kreuz hatte ich noch nie, auch nur ansatzweise miterlebt. Die meisten Gekreuzigten schrieen, jammerten oder beschimpften uns wüst. Hier gab ein Gekreuzigter öffentlich über sein Leben Rechenschaft. Der andere vergab ihm vor aller Welt und verhieß ihm das Paradies. Ich schüttelte nur noch verwundert den Kopf.

Was war dieser Jesus für ein Mensch?

Dieser Mann besaß auch in dieser völlig ohnmächtigen Lage Vollmacht und war von Liebe durchdrungen. Für mich war keine Frage, dass seine Worte Gültigkeit hatten: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Soweit war ich mit meinen Gedanken gekommen, während ich gleichzeitig das Geschehen im Blick behielt. Plötzlich wurde es innerhalb weniger Minuten dunkel – obwohl es genau Mittag sein musste. Ich konnte kaum mehr die Hand vor Augen sehen. Das Restlicht war fahl und unheimlich. Die Vögel hörten auf zu singen (vgl. Erfahrungen bei der Sonnenfinsternis 1999). Die Menschen verstummten. Es war, als hielte die ganze Schöpfung den Atem an, als kleidete sich selbst der Himmel in ein Trauergewand.

Ich lehnte mich an den Baum hinter mir. Meine Knie zitterten. „Gott, lass jetzt nichts Furchtbares passieren!“, betete ich. Ja, ich betete – und ich betete zu dem Gott, den ich durch die Juden meiner Heimatstadt Rom kannte. Für mich war keine Frage mehr, ob es diesen Gott gab oder nicht. Er war mitten unter uns.

Das Dunkel hielt an. Die Zeit schien stehen zu bleiben.

Nach einer Ewigkeit – wie viel Zeit mochte vergangen sein? – drangen mächtige Worte durch die Stille: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (V. 46)

Erschüttert atmete ich tief durch. Jetzt war Jesus gestorben.

Dann hörte ich mich sagen: „Dieser Mensch war wirklich unschuldig. Er war wahrhaft ein Gerechter“.

Fügte ich noch an, was die anderen Evangelisten euch überliefert haben? „Wahrlich, dieser war wirklich Gottes Sohn!“? (Mt. 27,54) Ich weiß es nicht. Ob Gedanke oder ausgesprochen - dieses Bekenntnis zu Jesus, und damit auch zu Gott erfüllte den Schauplatz.

In das Licht der Sonne, die glutrot wieder zum Vorschein kam, hob ich meine Arme gen Himmel. Ich stimmte das „Halleluja“ an, das mich ein befreundeter Jude als Bub gelehrt hatte – „Gott Lob und Preis“. Es kam ganz von innen heraus, aus der Tiefe meiner Seele.

Ich blickte um mich:

Der Platz leerte sich erstaunlich schnell, obwohl alle Mühe zu haben schienen, sich überhaupt zu bewegen. Viele von ihnen schlugen sich vor Betroffenheit an die Brust. Sie spürten wohl, dass hier mehr geschehen war, als dass ein X-Beliebiger hingerichtet worden war …

Wie betäubt und gleichzeitig von großer Klarheit und Dankbarkeit erfüllt, veranlasste ich, was noch nötig war. Dann verließ auch ich die Stätte, nicht ohne vor dem toten Jesus inne zu halten.

Was hatte das, was ich erlebt hatte, zu bedeuten?

Pilatus stattete ich Bericht ab, dass die Hinrichtung ordnungsgemäß erfolgt sei. Verwundert äußerte der sich über die Dunkelheit, die plötzlich zu Mittag eingetreten sei. Drei ganze Stunden habe sie gedauert. Seine Stimme klang beunruhigt. Irgendwie schien ihm das Ganze nicht geheuer zu sein.

Nachdenklich und sehr bewegt ging ich nach Hause. Ich wählte einen Weg, der mir die Möglichkeit gab, über das Erlebte nachzusinnen. Ich hatte das sichere Gefühl, dass mein Lebensweg eine Wende nehmen würde, dass sich für mich Neues anbahnte. Allerdings hatte ich keine Vorstellung, wie das aussehen könnte.

Am Abend ließ mich Pilatus noch einmal holen. Ein einflussreicher Mann, namens Josef aus Arimathäa, hatte ihn gebeten, den Leichnam Jesu begraben zu dürfen. Pilatus befahl mir, Wachen vor dem Grab aufzustellen. „Für alle Fälle …“, fügte er hinzu, ließ aber offen, was er damit meinte.

Ich gab den Befehl weiter. Meinen Soldaten schärfte ich ein, mich sofort zu informieren, falls etwas Außergewöhnliches geschähe. Dreimal täglich sah ich beim Grab nach dem Rechten. Ich ahnte, dass hier für mich Wichtiges geschehen würde.

Mein Gefühl trog mich nicht. Doch davon will ich euch am Ostersonntag erzählen.

Für heute will ich euch nur ans Herz legen:

Streckt Jesus euer Leben hin mit allem, was euch bewegt (vgl. Hebräer 12,2). Er weiß für euch den rechten Weg (vgl. Psalm 37,5), er umhüllt euch mit seiner Liebe. Die ist so groß, dass er auch euren Lebens-Müll ans Kreuz getragen hat, und ihr aus seiner Vergebung leben dürft. (vgl. Bezeichnung des 1. Gottesdienst-Teils im Konfirmandenbuch „G-mit“: „Ankommen und Müll abladen“ für „Eröffnung und Anrufung“)

Gott sei Dank.

Amen.

Irmtraud Fischer, Buchen 2012

CHOR: „Wenn ich das Kreuz dort auf Golgatha sehe“

Teil II

Predigt: Matthäus 28,1-10 am Ostersonntag, 8. April 2012

Predigttext:

Nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat ans Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee.

Die Wächter zitterten und bebten vor Schrecken und fielen wie tot zu Boden.

Der Engel aber sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er wurde auferweckt, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stelle, wo er lag!

Geht sofort zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferweckt und geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Das ist meine Botschaft an euch. -

Sogleich verließen sie das Grab, voll Furcht und großer Freude, und liefen, um seinen Jüngern die Nachricht zu bringen."

Auf einmal trat ihnen Jesus in den Weg und sagte: Seid gegrüßt!

Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße.

Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und bringt meinen Brüdern die Botschaft, sie sollen nach Galiläa gehen; dort werden sie mich sehen." (Einheitsübersetzung)

Herr, segne Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde!

Erinnern Sie sich noch an Karfreitag?

Ich hatte mir vorgestellt, was der Dienst habende römische Hauptmann von der Kreuzigung Jesu erzählen könnte. Der sagt nämlich, als Jesus stirbt: „Dieser Mensch war wirklich unschuldig. Er war wahrhaft ein Gerechter“. (Lukas 23, 47 b, eigene Übertragung)

Hören wir ihm zu, was weiter geschah.

Liebe Schwestern und Brüder in Buchen!

Schalom – Friede sei mit euch!

Ja, ich bin der, der nach Jesu Tod Gott lobte und pries – und das als römischer Hauptmann und damit Heide!

Jesus war mit den Worten auf den Lippen gestorben. „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46)

Da hörte ich mich sagen: „Dieser Mensch war wirklich unschuldig. Er war wahrhaft ein Gerechter“.

Was aus diesem Bekenntnis wurde, das will ich euch heute berichten.

Cognoszens haben mich meine Eltern genannt. Auch für römische Verhältnisse ist das ein ungewöhnlicher Name. Er bedeutet: „einer, der erkennt“. Denn meine Eltern wünschten mir für meinen Lebensweg: „Du sollst einer sein, der erkennt, worauf es ankommt“.

Heute war dieser Wunsch zum ersten Mal in seinem tieferen Sinn Wirklichkeit geworden. So ging mir durch den Kopf, als ich mich nach der Kreuzigung Jesu auf den Heimweg machte. Ich war mir sicher: Neues bahnte sich für mich an - wie auch immer das aussehen mochte.

Noch einmal sann ich über die Ereignisse nach.

Ich dachte an die Bitte Jesu um Vergebung für seine Henker: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23,46) Seine Henker, das waren wir, meine Leute und ich.

Ich dachte an das Gespräch der beiden Verbrecher neben Jesus. Einer von ihnen hatte Jesus verteidigt und Jesus hatte ihm zugesagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43b)

Ich dachte daran, wie sich auf einmal die Sonne verfinstert hatte. Es war, als hielte die ganze Schöpfung den Atem an und als habe selbst der Himmel ein Trauergewand angelegt. Und dann war Jesus gestorben.

Am gleichen Abend beauftragte mich Pilatus, Wachen an Jesu Grab zu stellen. „Für alle Fälle“, fügte er hinzu …

Dreimal am Tag ging ich selbst hin, um nach dem Rechten zu sehen, bis … ja, bis zum Sonntagmorgen.

Ich hatte mich sehr früh auf den Weg gemacht, denn wegen des Passahfestes der Juden stand viel Arbeit an. Unterwegs blieb ich stehen. Mir war, als habe die Erde gebebt. Sofort waren alle Erinnerungen an die Kreuzigung wieder da. Ich spürte, wie meine Knie zu zittern begannen - obwohl ich sonst eigentlich hart im Nehmen bin. Was geschah hier? Was hatte das zu bedeuten?

Am Grab angekommen, entdeckte ich sofort: Der Stein war zur Seite gerollt.

Leichenblass stand einer meiner Leute daneben. „Was ist hier los? Was ist passiert? Wo ist dein Kollege?“, fragte ich ihn.

„Das, das wissen wir selbst nicht so genau“, stammelte er. „Wir, wir hielten hier Wache – so, wie du uns das befohlen hast. Zwei Frauen kamen, um ins Grab zu sehen. Sie wollten wohl, wie bei den Juden üblich, den Leichnam des Verstorbenen salben. Ich wollte ihnen gerade anbieten, den Riesenstein zur Seite zu rollen. Doch da begann die Erde zu beben und es wurde gleißend hell. Wir … wir wurden wohl beide ohnmächtig. Ganz entfernt hörten wir Stimmen. Als wir wieder zu uns kamen, sahen wir die zwei Frauen fröhlich lachend davon gehen. Kopfschüttelnd drehten wir uns zum Grab um. Eben noch hatten doch dieselben Frauen bitterlich geweint … Ganz entsetzt stellten wir fest: Das Grab war offen, der Stein weggewälzt. Schlimmes ahnend gingen wir ins Grab hinein. Voller Schrecken stellten wir fest, dass der Tote fehlte. Mein Kollege ist gerade zu den Priestern gegangen, um ihnen Bescheid zu sagen.

Chef, wirklich, wir können nichts dazu. Wir haben keine Ahnung, was da eigentlich passiert ist …!“

Ich sah ihn an und hatte keine Zweifel an seiner Schilderung. Er und sein Kollege waren absolut zuverlässig. Trotzdem blickte ich ins Grab hinein. Und tatsächlich: es war leer.

Ich überlegte, was zu tun sei und entschloss mich, umgehend Pilatus zu informieren. Es war nicht gut, wenn er über die Priester von dem Vorfall erfuhr. Auf dem Weg legte ich mir zurecht, was ich sagen würde. Ich wollte so nah wie möglich bei der Wahrheit bleiben und trotzdem meine Leute schützen.

Pilatus war übrigens, wie ihr euch denken könnt, alles andere als erbaut über das, was ich zu berichten hatte. Aber das hakte ich ab.

Viel wichtiger war mir nämlich, mich gleich danach auf die Suche nach den Frauen zu machen. Erstaunlich schnell fand ich eine von den Frauen, die ich am Freitag beim Kreuz gesehen hatte. Maria aus Magdala sollte sie heißen.

Mein Herz pochte wie wild, als ich an ihre Haustüre klopfte.

Es dauerte einen Moment, dann öffnete sie mir die Tür und strahlte mich an. Sie zögerte einen Augenblick, musterte mich von oben bis unten und grüßte mich dann:

„Schalom, Cognoszens.“ „Schalom“, das bedeutet „Friede, Heil sei mit dir“.

„Schalom“, grüßte ich zurück und wusste nicht, worüber ich mich mehr wundern sollte:

  • dass sie meinen Namen wusste

  • dass ich „Schalom“ erwiderte, als hätte ich von Kind auf nichts anderes getan

  • oder dass Maria so fröhlich aussah.

„Schau mich nicht so verdutzt an“, grinste sie. „Ich sag dir gleich, woher ich deinen Namen kenne. Aber komm doch ’rein. Ich will nicht, dass du Schwierigkeiten bekommst, weil du mit einer Frau, noch dazu mit einer Israelitin sprichst.“

Ich trat ein.

Maria bot mir einen Platz an, wir setzten uns und sie erklärte:

„Deinen Namen weiß ich, weil ich den noch am Abend nach Jesu Tod erfragt habe. Ich war erstaunt und bewegt, als ich dich sagen hörte: „Dieser Mensch war wirklich unschuldig. Er war wahrhaft ein Gerechter“. Ich wollte wissen, wer du bist und wie du dazu kommst, als Römer und dann noch als Soldat Gott zu preisen.

Dann hörte ich deinen Namen und dachte: ‚Der passt! Der Cognoszens, der hat wirklich als einziger außer uns Freunden Jesu erkannt, wer Jesus ist. Und für mich war klar: Gott hat dir diese Erkenntnis geschenkt (vgl. Matthäus 16,17). Der hat bestimmt Wichtiges mit dir vor.“

„Maria“, erwiderte ich, schluckte und suchte nach Worten. „Es ist merkwürdig, dass du das ansprichst. Genau das bewegt mich seit Jesu Tod. Meine Leute haben Jesus ans Kreuz genagelt. Ich habe den Befehl dazu gegeben und sie beaufsichtigt. Und trotzdem drückt mich weniger der Gedanke an die Schuld, die ich an Jesu Tod habe.

Viel mehr bewegt mich, was da mit mir passiert ist. Es ist, als habe Gott selbst in mein Leben eingegriffen (vgl. Bekehrung des Paulus Apostelgeschichte 9,1 ff). Diese Worte, die du von mir gehört hast, die kamen wie von alleine aus mir heraus – genauso wie das „Halleluja“, das ich anstimmte.

Aber sag, warum bist du nicht traurig? Der Tod Jesu liegt doch erst drei Tage zurück und du strahlst mich an. Und was war denn heute Morgen am Grab los? Mein Mitarbeiter war völlig durcheinander. Und dann fehlt auch noch der Leichnam Jesu …“

„Ja, Cognoszens“, antwortete Maria aus Magdala und sah mich mit leuchtenden Augen an. „Es ist etwas Wunderbares heute Morgen geschehen: Jesus ist gar nicht mehr tot. Er lebt. Gott hat ihn von den Toten auferweckt!“

„Gott hat ihn von den Toten auferweckt?, fragte ich. „Wie ist das möglich?“

„Wie das geschehen ist, kann ich dir nicht sagen, Cognoszens“, erwiderte Maria. „Nur, dass es so ist.

Zuerst hat uns ein Engel diese Botschaft gesagt, ein Bote Gottes. Beinahe wäre es uns dabei wie deinen Soldaten ergangen. Wir wären vor Schreck wie tot zu Boden gegangen, so groß war die Helligkeit, die ihn umstrahlte. Aber der Engel sah uns an und beruhigte uns: ‚Habt keine Angst. Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Aber er ist nicht hier.

Gott hat ihn auferweckt, wie es Jesus vorausgesagt hat. Da, schaut ins Grab, wo er lag!’ (vgl. V. 5-6) Es war wirklich so: das Grab war leer.“

„Das stimmt“, bestätigte ich. „Ich habe mich selbst davon überzeugt – und hatte außerdem die undankbare Aufgabe, Pilatus davon zu berichten.

Aber, trotzdem, ein leeres Grab bedeutet doch noch nichts. Ihr oder andere Freunde Jesu hätten den Leichnam ja auch wegholen und woanders hinbringen können.“

„Da hast du Recht“, nickte Maria. „Aber ich kann dir sagen: so war es nicht. Jesus ist uns nämlich kurz darauf selbst begegnet. Er rief uns zu: ‚Seid gegrüßt!’ - so, als sei er nur mal eben weg gewesen und nicht tot …

Mit ungläubigem Staunen liefen wir auf ihn zu und warfen uns ihm zu Füßen.

Jesus sah uns an und auch er sagte wie der Engel: ‚Habt keine Angst!’ Und er gab uns – wie schon vorher der Engel - den Auftrag, seinen Jüngern auszurichten, sie sollten nach Galiläa gehen, dort würden sie ihn sehen. ‚Brüder’ nannte er sie übrigens – als hätten sie ihn nicht im Stich gelassen, als er verhaftet und schließlich umgebracht worden war.

Ach, weißt du, Cognoszens, das klang alles so normal, so als müsste das alles so seinen Gang gehen (vgl. Lukasevangelium 24,26) – und dabei ist es doch eigentlich nicht zu fassen: Jesus lebt!“

„Hmh“, machte ich. „Das muss ich erst einmal auf mich wirken lassen.

Auf der einen Seite weiß ich ganz sicher in mir drinnen: ‚Das stimmt!’

Und auf der anderen Seite sagt mein Verstand: ‚Das kann doch gar nicht sein. Das gibt es nicht.’“

„So ähnlich geht’s mir auch“, bestätigte Maria. „Das war ein Wechselbad der Gefühle innerhalb weniger Tage, kann ich dir sagen. Da kommt meine Seele gar nicht mehr hinterher.

Als Jesus da am Kreuz hing, schien für mich eine Welt zusammen zu brechen. Ich konnte mir nicht vorstellen, mich jemals wieder freuen zu können.

Und dann heute Morgen: Erst verkündet mir der Engel: ‚Jesus lebt!’ und dann begegnet Jesus mir, uns beiden, auch noch selbst.

Habe ich das alles nur geträumt? So frage ich mich. Aber: Hätte ich es nur geträumt, dann könnte ich wohl kaum so fröhlich sein. Auf dem Heimweg heute Morgen dachte ich: Wenn uns jemand auf dem Hinweg gesehen hat und anschließend auf dem Rückweg, der glaubt ja, seinen Augen nicht zu trauen: Erst können wir kaum gehen vor Kummer und Gram und dann hüpfen wir fast wie kleine Kinder zurück.

Ich fühle mich unendlich leicht, als seien Riesen-Felsbrocken von meinem Herzen gefallen. Ich spüre einen großen Frieden in mir. (vgl. Johannes 14,27) Und ich weiß:

Gott hat aus dem Bösen, das Menschen seinem Sohn Jesus angetan haben, Gutes gemacht.“ (Vgl. 1. Mose 50,20, vgl. Bekenntnis von Dietrich Bonhoeffer: „Ich glaube, dass Gott auch aus dem Bösesten Gutes machen kann und will.“)

„Genau so geht’s mir auch“, staunte ich. „Schon nach Jesu Tod überwog der Dank für das, was mit mir geschehen war, das Entsetzen über das, was ich miterlebt hatte. Ich hatte noch am gleichen Abend die Ahnung: Da bahnt sich Neues für mich an – ohne dass ich auch nur im Geringsten hätte sagen können, wie.“

„Ich bin mir ganz sicher, Cognoszens, dass das so ist“, sagte Maria aus Magdala ruhig. „Wenn du magst, dann treffen wir uns in der kommenden Zeit regelmäßig und ich erzähle dir von Jesus. Vielleicht wird für dich dann auch immer deutlicher erkennbar, welchen Weg dich Gott führen will (vgl. Psalm 37,5). Schließlich heißt du ja ‚Cognoszens’. Du bist einer, der erkennt, worauf er ankommt.“

„Genau das haben meine Eltern immer gesagt. Deshalb haben sie mir meinen Namen gegeben“, schüttelte ich verwundert und sehr bewegt meinen Kopf. „Ich wollte dich gerade darum bitten, dass du mir mehr von Jesus erzählst.“

„Von Herzen gerne“, strahlte mich Maria an. „Hast du Lust, mit mir das „Halleluja“ anzustimmen, das du unter Jesu Kreuz, nach seinem Tod gesungen hast? Woher kennst du das überhaupt?“

„Das hat mir ein jüdischer Freund meiner Eltern schon als Bub beigebracht“, antwortete ich. „Es hat mich immer in Bann gezogen.“

So sangen Maria und ich das „Halleluja“.

Wir trafen uns in den kommenden Wochen regelmäßig. Maria gab mir - so würdet ihr sagen – „Religions- bzw. Taufunterricht“.

Auch die Jünger lernte ich kennen – und schätzen. Ich war sehr dankbar, dass sie mich in ihrer Mitte aufnahmen, obwohl ich doch Jesu Kreuzigung hatte in die Tat umsetzen müssen.

Dann bat ich Pilatus um meinen Abschied als Soldat. Von nun an wollte ich Gott mehr gehorchen als dem Kaiser, der göttliche Macht fälschlicherweise beanspruchte. Pilatus bedauerte meinen Entschluss sehr. Er bemühte sich um Verständnis. Aber ich merkte: Meine Gründe dafür blieben ihm fremd.

Ich ließ mich taufen.

Von da an begleitete ich Maria oder einen der Jünger auf ihren Reisen, wenn sie anderen von Jesus erzählten. Meine Sprachkenntnisse und die Beziehungen zu meinen ehemaligen Kollegen waren dabei oft hilfreich (vgl. Gott lässt sich für unsere Lebens-Ausbildung viel einfallen: Mose kann nur zum Pharao gehen und Israel aus Ägypten herausführen, weil er am Hof des Pharao aufgewachsen und erzogen ist. Er kennt die Sprache, das höfische Protokoll).

Noch oft denke ich an jenen Freitag zurück, an dem Jesus gestorben ist und an dem mein Leben eine ganz neue Richtung bekam – Gott sei Dank!

Ich wünsche euch sehr, dass auch ihr Menschen seid, die mit Gottes Hilfe „erkennen, worauf es im Leben ankommt“ (vgl. 1. Timotheus 2,4):

nämlich zu Jesus Christus, dem Auferstandenen (vgl. EG 112,6) zu gehören.

Schalom! Friede sei mit euch.

Amen.

Irmtraud Fischer, Buchen 2012

Nachwort:

Die vorliegende zweiteilige Predigt gehört zur Kategorie der „Erzähl-Predigten": Ich erzähle den Predigttext nach, als sei ich selbst dabei gewesen, und überlege: Was könnten die im biblischen Text geschilderten Ereignisse für die bedeutet haben, die sie miterlebten? Wie könnten sie sich auf ihrem weiteren Lebensweg ausgewirkt haben?

Wichtig ist mir dabei, neben der Auslegung des Textes in Erzählform eigene Glaubenserfahrungen und die anderer aufzunehmen und damit meine Zuhörenden anzuregen, über ihr eigenes Leben, ihren Glauben nachzusinnen – auch nachzusinnen, wo sie selbst in dieser Geschichte vorkommen mit ihren Erfahrungen, ihren Gefühlen, ihrem Glauben, ihren Zweifeln ...

Dabei werden auch andere biblische Worte mit eingeflochten oder stehen im Hintergrund (an einigen Stellen habe ich sie in Klammern vermerkt).

Das Besondere in diesem Fall ist, dass es am Ende der ersten Predigt heißt: „Fortsetzung folgt": Mir liegt sehr am Herzen zu zeigen, wie eng Karfreitag und Ostern miteinander verbunden sind. Die Menschen, die damals dabei waren, haben, so bin ich mir sicher, das in der Predigterzählung geschilderte Wechselbad der Gefühle durchlitten. Es spiegelt sich in allen Evangelientexten von Passion und Auferstehung wieder und auch im völlig unterschiedlichen musikalischen Charakter der Passions- und der Osterlieder.

Bei dieser Erzählpredigt nahm ich ein immer wieder anzutreffendes biblisches Motiv auf: Der Name

  • ist Programm wie etwa beim Propheten „Elia“ = „Mein Gott ist Jahwe“ oder „Jesus“ = „Gott hilft“.

  • spiegelt die Vorgeschichte zu seiner Geburt wieder: zum Beispiel Isaak (1. Mose 18,11-15 bzw. 21, 1-7)

  • oder ist Verheißung wie bei der Messiasweissagung in Jesaja 7,14 „Immanuel“ = „Gott ist mit uns“

Der von mir erfundene Name des römischen Hauptmanns gehört zur erste und dritten Kategorie. „Cognoszens = „ein Erkennender“ bzw. „einer, der erkennt“ ist allerdings schwierig auszusprechen und zu merken, vor allem für Menschen ohne Lateinkenntnisse.

Hintergrund war die Frage: Wie kommt der römische Hauptmann dazu, Jesus als „dikaios“ = „Gerechten“ bzw. „einen, der dem Glauben an Gott gemäß lebt“ (Luther übersetzt „fromm“) zu bezeichnen?

Gotteserkenntnis und Jesuserkenntnis ist in der Bibel Geschenk Gottes (vgl. Matthäus 16,17 nach dem so genannten „Petrusbekenntnis“).

Noch lieber, da als Bekenntnis noch stärker zugespitzt, wäre mir die Matthäus-Fassung gewesen: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (27,54). Doch dann hätte ich das Jesus-Wort „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34) verloren, das den Hauptmann mit in Blick nimmt. Für die Matthäus-Fassung der Ostergeschichte entschied ich mich, weil dort die Wächter am Grab erwähnt werden (27,63-66 bzw. 28,4). Beide Predigttexte stammen aus der III. Perikopenreihe.

Das Motiv, dass ein Heide Gottes Willen und Wirken besser erkennt als Gottes auserwähltes Volk findet sich ebenfalls immer wieder in der Bibel. Im Buch Jona taucht dieses Motiv gleich mehrfach auf (1,16 und 3,5 ff). Im Neuen Testament staunt Jesus zum Beispiei über den Glauben der kanaanäischen Frau (Matthäus 15,21-28).