Predigtpreisverleihung - Schlosskirche Bonn

Preisträger Beste Predigt 2013

Pfarrer Jörg Coburger

Jörg Coburger - Predigtpreisträger 2013
Foto: privat

Die preisgekrönte Predigt von Jörg Coburger lesen Sie hier.

Die Pressemitteilung lesen Sie hier

Leipzig, Ort meiner Kindheit und Jugend.
Stadt des Thomanerchores und des Gewandhausorchesters,
und der am meisten unterschätzten Sprache der Welt.

Dort wurde ich am 6. Oktober 1959 als drittes von vier Kindern geboren.
Dafür durfte ich am 7. Oktober meist ausschlafen,
weil an dem Tag DDR Geburtstag hatte.

Ganz selbstverständlich wurde ich auch dort eingeschult.
Als ich in die Christenlehre geschickt wurde,
dachte ich, alle haben solch eine große Erzählerin, wie ich sie hatte.

Seit ich jedoch Dietrich Steinwede studierte
und in meiner ersten Gemeinde alles selber machen musste,
weiß ich, wie besonders gut die Katechetin war:
Methodisch- Didaktisch vollkommen undurchschaubar,
war sie eine Schauspielerin Gottes, erzählerisch genial wie Steinwede.

Im Konfirmandenunterricht wurde ich dann verunsichert,
denn wir wurden vom Pfarrer getadelt und zensiert,
wenn uns einmal etwas Frommes herausrutschte.
Zu meinen Erfahrungen gehörte, dass ich mich auf dem
Sozialistischen Schulhof und im Konfirmandenunterricht
meines Glaubens verteidigen musste.

  • Ich lernte: Schäme dich des Evangeliums nicht!

In der Friedhofsruhe der DDR sagte ich:
„Ich möchte so gern einmal in einer Schmelztiegelzeit leben.“
Dieser Wunsch hat mir Gott im Herbst 1989 erfüllt.
Nun üben wir nach Jahrhunderten Demokratie.

  • Ich lernte: Die Mächtigsten Menschen sind nicht die mit dem meisten Geld, sondern die, die Macht des Definierens haben.

Der Kampf um Deutungshoheiten war nach 1989 schnell entbrannt.

Ein normales Abitur gab es für mich nicht.
Ich wollte mich sechzehn  Jahren nur Trompeten bauen.
Das hat nicht funktioniert.
In einen anderen guten Handwerk,
nämlich dem Werkzeugmaschinenbau bin ich angekommen.
Habe auch als Hilfs-Pfleger gearbeitet,
als Topfwäscher, ( leider nicht als Tellerwäscher )
als Galvaniseur, als Schichtarbeiter einer Kugellagerfabrik,
in einem Holzveredlungswerk.

Immer hat mir Jesus Christus, der Menschenfreund, Freunde geschenkt, die meinem Glauben halfen. Ich fand eine lebendige Junge Gemeinde,
in der durch meine Zeit im Mitarbeiterteam unter dem Neutestamentler Christoph Kähler  alle meine Fragen um Gott und die Welt loswerden konnte. „Du musst Theologie studieren“ empfahl Kähler später.

Am Theologischen Seminar Leipzig ging´s los, dann bis 1985 am Theologischen Seminar Paulinum in Berlin. Gern nenne ich die Namen drei meiner Lehrer, die mir die Freude an der Theologie zeigten:

Christian Bunners ( Homiletik )
Traugott Vogel ( Systematik )
Matthias Köckert ( AT )

Mein Lehrvikariat war bei Wolfgang Wohllebe am Wurzener Dom.

  • Ich lernte: Forsche Reden führen, heißt nicht prophetisch reden!

 Eine Sehnsucht ist noch keine Berufung.
Also galt es in der Vikariatszeit abermals zu prüfen,
ob der kommende Weg ins Pfarramt nicht nur eigenmächtig gewählt war.

  • Ich lernte: Hab keine Angst um dich selbst. Gott wird dich retten.

Meine Frau Sylvia, Therapeutin und Erzieherin - wieder ein Gottesgeschenk zu richtigen Zeit-lernte ich im August 1980 kennen.
Am 30. Juni 1984 war Hochzeit.
Unser Kindersegen hat drei Namen: Richard, Luise und Ludwig.

Dass meine Ordination ebenfalls an einem 30. Juni ( 1987 ) war, wurde vom Landeskirchenamt sicher nicht theologisch reflektiert,aber wir beide machten uns so einige Gedanken…

1992 ging ich nach Chemnitz. Problemviertel Sonnenberg. Bischof Hempel warnte mich: „Kirche kaputt, Gemeinde zerstritten.“ Ein Kirchvorsteher nahm mich vertraulich beiseite: Weshalb ich gekommen sei, ob ich was angestellt habe?

Im Sommer 2003 begann ich meinen Dienst als Domprediger in Freiberg. Diesmal nahm mich niemand beiseite.

Den Neuaufbau der Universitätsgottesdienste nach fast 150 Jahren, galt es gemeinsam mit dem Rektorat gegen einige Widerstände im Kollegium zu etablieren, ein gotischer Dom muss sich touristischen Ansprüchen stellen, zwei Altenheime, Diakonie-Stift, eine Filialgemeinde, die Leitung der Kirchl. Verwaltungszentrale, gemeinsame literarische Programme am Stadt-Theater:

  • Ich lernte: Gute Kultur braucht gute Theologie, gute Theologie braucht gute Kultur!

Und da waren Öffentlichkeitsarbeit, Pressekontakt, Themen zum Luther-Jubiläum, Veranstaltungsorganisation; immer gilt es als Kirche kenntlich zu bleiben und nicht austauschbar zu sein, denn die Kirche ist offen für alle, aber nicht für alles!